Arrow 1x10

Zwischen der Episode Year's End und Burned sind laut Serienhandlung sechs Wochen ins Land gezogen. Oliver Queen (Stephen Amell) wurde vom Dark Archer (John Barrowman) verletzt, besiegt und landete gar im Krankenhaus. Seitdem hat er sich als Vigilant rargemacht und sein Kostüm nicht übergestreift. Doch das ist nicht nur wegen seiner Schmach passiert, sondern auch wegen familiärer Probleme.
Wo ist Walter?
Von Walter fehlt seitdem jegliche Spur. Während manche mit dem Schlimmsten rechnen, will Thea (Willa Holland) sich eine Midlife-Crisis als Grund für sein Verschwinden vorstellen. Während Olivers Mutter Moira (Susanna Thompson) für das Verschwinden ihres Mannes indirekt verantwortlich ist, vor ihrer Familie jedoch gute Miene zum bösen Spiel macht - und offenbar tatsächlich mitgenommen ist. Ob Walter nur weggeschafft wurde oder wirklich tot ist, wird man wohl noch erfahren - bevor man eine Leiche sieht, sollte man wohl nicht sein angebliches Ableben für bare Münze nehmen. Moira rafft sich jedenfalls am Ende der Episode auf und beschließt, seine Funktion in der Firma zu bekleiden. Aber ob das heißt, dass sie Malcolm Merlyns Drohungen klein beigibt oder ihnen den Kampf ansagt, muss sich zeigen.
Burn Out
Oliver leidet in Burned unter Selbstzweifeln: Seit er von der Insel zurückgekehrt ist, fühlt er sich nicht nur für Starling City, sondern vor allem auch für die Sicherheit seiner Familie und Freunde verantwortlich und könnte es demnach nicht verschmerzen, wenn diese ihn durch seine Leichtfertigkeit oder sein Doppelleben als Vigilant erneut verlieren würden. Seit sechs Wochen hat die Stadt also kein Zeichen mehr von ihrem Beschützer vernommen. Auch wenn langsam öffentliche Stimmen laut werden, die dessen Arbeit mit einem Rückgang des Verbrechens in Verbindung bringen. Die Zweifel rühren jedoch ohne Frage auch vom Kampf mit dem Dark Archer, denn dieser hat bei Ollie dafür gesorgt, dass er hinterfragt, ob die ominöse Liste tatsächlich von Robert Queen verfasst wurde. Während Diggle ihm ins Gewissen redet und ihn damit zu überzeugen versucht, dass die Stadt ihn braucht, wird sehr bald deutlich, dass physisch mit Ollie alles stimmt. Nur psychisch scheint eine Barriere vorhanden zu sein.
Spätestens, als der Bruder von Joanna (Annie Ilonzeh), einer Kollegin von Laurel (Katie Cassidy), bei seiner Arbeit als Feuerwehrmann umkommt und Laurel ihn um Hilfe bittet, wird Ollie jedoch wieder aktiv. Zunächst sträubt er sich dagegen, die Kapuze überzustreifen und versucht, als Oliver Queen zu ermitteln. Bei einem weiteren Brand trifft er auf einen als Feuerwehrmann gekleideten Verdächtigen, dessen Verbrennungen und Tattoo auf der Hand ihn zu weiteren Befragungen beim Fire Chief bewegen. Doch dieser weiht Laurel und Ollie offenbar nicht in die ganze Wahrheit ein.
Wie sich bei einer Party in Ollies neuem Club über seinem „Arrow-Cave“ herausstellt, ist „Firefly“ ein Exfeuerwehrmann, der für tot gehalten wurde. Garfield Lynns (Andrew Dunbar) wollte einen außer Kontrolle geratenen Brand im Nodell-Tower bekämpfen, doch sein Vorgesetzter (Danny Nucci), hielt den Einsatz für zu gefährlich und überließ Lynns seinem Schicksal, weswegen man glaubte, er sei im Feuer umgekommen. Allerdings wurde er damals aus dem Feuer gezogen, erlitt aber starke Verbrennungen im Gesicht, was seinen Rachedurst entfachte - also brachte er nun seine Kollegen gezielt um. Sein Vorgesetzter sollte der Nächste sein, doch durch Arrows beherztes Eingreifen kann dies verhindert werden.
Firefly

Wieder einmal schafft es ein Widersacher, der eigentlich im Batman-Universum beheimatet ist, zu Arrow. Man könnte meinen, dass The CW gerne eine Batman-Serie im Programm gehabt hätte, denn Deadshot, Huntress, Firefly und sicherlich noch einige mehr treten sonst eher gegen oder zusammen mit den/dem dunklen Ritter in Erscheinung. Aber die Christopher-Nolan-Filme und Warner Bros. haben offenbar stets ihr Veto gegen einen echten Batman eingelegt, sonst wäre dieser in Smallville aufgetreten - oder die Serie hieße „Cowl“ oder „Bat“ statt Arrow.
Der Aufbau um die Taten Fireflys ist deutlich spannender als sein tatsächliches Auftauchen auf der Party im Club. Als Firefly dann ohne Maske ankommt, ist dem Rezensenten zur Performance das Schauspielers spontan nur ein Wort eingefallen: „Craptastic“! Das ist leider gar nichts und eine völlige Verschwendung der Figur, die ohnehin wenige Sekunden später verbrennt, ohne dass jemand etwas dagegen unternimmt. Auch die sonstige Action kommt in dieser Folge leider zu kurz oder weiß nicht zu überzeugen. Die Feuereffekte wirken bisweilen unausgegoren und auch ein längerer Kampf oder etwas Aufregendes fehlen diesmal.
Aber in der Episode geht es ohnehin nicht so sehr um den Widersacher, sondern eher um Ollies Gemütszustand und Reflektion über seine Arrow-Identität. Um die Frage, ob die Liste als Bibel gelten sollte oder er bereits unwissentlich den Wandel vom Vigilanten zum Helden gemacht hat. Angetrieben durch Laurels Hilfegesuch sind die Namen auf der Liste nämlich zweitrangig - sie gehen ja nirgendwohin, wie Ollie zu Diggle sagt. Viel wichtiger ist Oliver in dieser Folge die Aufklärung des Mordes an Joannas Bruder und das Aufhalten des Täters. Zum Ende hin hat er wieder Lust auf die Jagd. Was genau das bedeuten wird, sehen wir wohl in den nächsten Episoden.
Insel

War der letzte Ausflug auf die Insel in der Episode Year's End wieder äußerst spannend, so ist die Inselhandlung in Burned eher einigen der vorherigen kurzen und witzlosen Exkurse zuzurechnen. Es ist zwar durchaus interessant, zu sehen, was Oliver direkt nach der Gefangennahme von Yao Fei (Byron Mann) erlebt und wie er sich so allein herumschlägt. Aber diesmal wirkte die Stuntarbeit auf der Insel etwas unausgegoren. Ollies maskierter Angreifer fällt gemeinsam mit ihm von einem Felsvorsprung und landet mit dem Rücken zuerst auf einem Stein, der ihn ausschaltet, was leider optisch nicht gut gelungen ist.
Für die spätere charakterliche Entwicklung Ollies ist das ein durchaus wichtiger Moment, weil er gewillt ist, ein Menschenleben zu nehmen. Warum sonst wäre er mit einem Messer bewaffnet? Nach dessen Ableben übernimmt Oliver die Kleidung des Angreifers und findet eine Landkarte seines Aufenthaltsorts. Auch hier ist das Potential für die weitere Entwicklung durchaus spannend, aber irgendwie nicht so mitreißend wie die früheren Ausflüge auf die Insel. Hatte man zum Serienbeginn noch den Eindruck, die Inselhandlung und die Starling-City-Abenteuer würden sich in etwa die Waage halten, ist dies schon länger nicht mehr der Fall. Eine Balance oder etwas mehr Substanz wären für die Insel wünschenswert.
Expresseröffnung des Nachtclubs, die Schublade und das geheime Handy

Im Übrigen geht es dann doch schneller als gedacht mit der Dekoration und der Eröffnung des Nightclub. Ist dieser am Anfang der Episode noch leer und baufällig, ist er einige Szenen später der Ort einer Feier zugunsten der Feuerwehrmänner Starling Citys und eröffnet die Möglichkeit für Ollie und Laurel, den Fire Chief in die Mangel zu nehmen. Das soll natürlich auch die Wandlung Tommys (Colin Donnell) zeigen, der, wenn man ihn lässt, Worten auch Taten folgen lassen kann.
Eine Nebenhandlung der Episode behandelt die Frage, ob Tommy in Laurels Wohnung eine Schublade für seine Sachen erhält, weil es doch langsam ernster zwischen den beiden zu werden scheint. Doch Laurel weiß einmal wieder nicht, ob sie bereit zu diesem Schritt ist. Denn, wenn sie so etwas macht, überstürzt sie es, laut eigener Aussage, gerne. Doch natürlich muss das Liebesdreieck zwischen ihr, Tommy und Oliver noch etwas erhalten werden, denn ohne sexuelle Spannung geht es ja bekanntlich in wenigen Serien.
Laurel und ihr Vater Detective Quentin Lance (Paul Blackthorne) streiten in dieser Episode um ein Mobiltelefon, mit dem man mit dem Vigilanten in Kontakt treten kann. Während der Detective versucht, darüber den Aufenthaltsort und die Identität des Hooded Guys festzustellen, entwendet es Laurel in einem unachtsamen Moment, um ihrer Kollegin zu helfen. Denn Laurel kann Ollie bekanntlich kaum etwas abschlagen. Im Endeffekt soll das Handy bei Laurel bleiben, offiziell, weil Officer Lance angibt, dass „Arrow“ offenbar nur den Schutz von Laurel im Sinn hat. In Wirklichkeit aber glaubt der Polizist, Arrow mit einer versteckt angebrachten Wanze, die die zukünftigen Gespräche aufzeichnen soll, schnappen zu können. Er benutzt also seine Tochter als Lockmittel. Ob das gut gehen wird?
Fazit
Es ist zu begrüßen, dass nach etwa der Hälfte der ersten Staffel den Figuren ein introspektiver Moment gegönnt wird, der die Charaktere darüber nachdenken lässt, wo sie eigentlich hinwollen. Diese nachdenklichen und reflektierenden Momente sind diesmal auch die spannenderen in dieser Episode. Denn handwerklich sind bei Burned Schwächen zu beobachten, die sonst eher zu den Stärken „Arrows“ gehören. Die Action und ihre Inszenierung schwächelt hier, so dass der Gesamteindruck der Episode darunter zu leiden hat. Wenn dann auch noch der gewählte Schauspieler für den Widersacher eine besonders lächerliche Leistung abliefert, muss sich das auch etwas in der Wertung widerspiegeln. Hoffentlich wird die nächste Episode wieder stärker.
Videovorschau auf die Episode Trust But Verify der US-Serie Arrow (1x11): Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 18. Januar 2013(Arrow 1x10)
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