Arrow 1x06

Arrow 1x06

Die Episode Legacies der US-Serie Arrow handelt von Familien, Vermächtnissen und schweren Erben, die es anzutreten gilt. Kann man diesen entkommen oder ist man ihnen verpflichtet? Ein Review.

Szenenfoto aus der Episode „Legacies“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW
Szenenfoto aus der Episode „Legacies“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW

Oliver Queen (Stephen Amell) hat als Arrow durch den Tod seines Vaters und den damit verbundenen Erwartungen der Fortführung seines Vermächtnisses die Identität eines maskierten Vigilanten angenommen. In der Episode Legacies werden Hintergründe zu dem Erbe erklärt und eine Verbindung zu den Schurken der Woche gebildet. Die Royal Flush Gang feiert ihr Debüt und eines der Mitglieder kennt Vater Robert Queen (Jamey Sheridan) aus der eigenen beruflichen Vergangenheit...

Legacies

Eine Bankräuberbande überfällt eine Bank in Starling City und verwundet dabei einen Polizisten schwer. Die Bande zeichnet sich durch Spielkartenmasken aus und wird die Royal-Flush-Gang genannt. Die Gang entkommt, indem sie den Geiseln ihre Masken aufsetzen und aus der Bank laufen lassen, während sie sich selbst einen Fluchtweg freisprengen.

Oliver stellt bald Recherchen an und findet heraus, dass es sich bei der Gruppe um eine Familie handelt, die gemeinsam Banküberfälle begeht. Während einer der Täter erst kürzlich die Highschool verlassen hat, stellt sich ein anderer als ein Exmitarbeiter von Queens Firma heraus.

Diggle, der zunächst gemeinsam mit Oliver trainiert und von diesem immerhin den Namen seines Trainers auf der Insel erfährt, stellt die Methoden seines Partners in Frage. Bringt es etwas, stur die Namen abzuarbeiten, anstatt den Bewohnern von Starling City zu helfen und sich um ihre Probleme zu kümmern? Wäre das nicht, was ein Held tut? Doch Ollie sieht sich selbst nur bedingt als Held.

Doch die Worte bleiben nicht ohne Folgen. Ollie sucht das Gespräch mit dem Familienoberhaupt, dessen echter Name Derek Reston (Currie Graham) ist und bietet ihm einen Job an, denn Robert Queen war es, der die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte. Doch Reston lehnt ab, was Ollie zu härteren Maßnahmen zwingt. Mit einer Wanze überwacht er die Familiengespräche und findet heraus, wo sie als Nächstes zuschlagen werden. Oliver vereitelt den Überfallversuch, doch ein Wachmann schießt Derek Reston lebensgefährlich an. Oliver zeigt sich ihm ohne Kapuze, um klarzumachen, dass er ihm eine Chance geben wollte, doch offenbar ist es zu spät.

Thea, der Beziehungsratgeber

Andernorts fragt Tommy (Colin Donnell) Thea (Willa Holland) um Beziehungsratschläge. Er möchte einer Frau, die er schon sehr lange kennt, deutlich machen, dass er etwas für sie empfindet. Doch wie macht man das am besten? Beispielsweise, indem man die eigenen Kontakte und Millionen nutzt, um eine Spendengala für die strauchelnde Anwaltskanzlei, in der Laurel (Katie Cassidy) arbeitet, zu schmeißen. Denn dieser Kanzlei ist gerade erst der finanzstärkste Klient abgesprungen, ohne den man sich Sorgen um das Fortbestehen der Firma machen muss.

Hier lernt Laurel nicht nur ein paar Leute kennen, die ihr mit einer Finanzspritze behilflich sein können, sondern erfährt auch, dass der sonst stets zu Späßen und schnellen Affären aufgelegte Tommy auf letzteres keine große Lust mehr hat. Vielmehr hat er festgestellt, dass die Zeit mit Laurel für ihn etwas Besonderes ist. Doch teilt Laurel diese Gefühle oder schlägt ihr Herz für Oliver? Thea ist hingegen peinlich berührt, als sie erfährt, dass Tommy nicht ihr, sondern der Ex seines Bruders den Hof machen möchte und betrinkt sich erneut. Zum zweiten Mal wird Thea hier übrigens schon als Ratgeber in Frauenangelegenheiten benutzt.

Der Familiensegen bei den Queens hängt schief

Thea selbst versucht sich in der Episode vor Treffen mit Familienfreunden zu drücken, denn Mutter Moira (Susanna Thompson) beklagt Olivers Desinteresse für Familienangelegenheiten. Er verspricht ihr, diesmal an ihrer Seite zu sein, aber muss sich bald aufgrund seiner Arrow-Angelegenheiten entschuldigen lassen. Am Ende der Episode stellt sich heraus, dass seiner Mutter die Gespräche mit ihrem Sohn fehlen, den sie seit seiner Wiederkehr kaum noch kennt, und sie außerdem traurig darüber ist, dass dieser sie nicht mehr wie früher in sein Seelenleben einbezieht. Immerhin gehen die beiden gemeinsam einen Hamburger essen und trinken dazu einen Shake.

Ganz ohne konspirative Hintergedanken der Mutter, die in dieser Episode gänzlich ausgeblendet werden.

Zaubertinte als Lebensretter

Während der diesmal etwas zu kurz gekommenen Inselhandlung wird Oliver von dem Geist seines Vaters heimgesucht. Oliver wird dort lebensmüde gezeigt und ist tatsächlich davor, sein Leben zu beenden. Doch das Vermächtnis seines Vaters, nämlich in Form seines Notizbuchs, wird aufgrund der Benutzung von Geheimtinte erst über dem Feuer sichtbar und gibt Ollie einen neuen Lebenszweck und die Motivation, das Inselexil durchzustehen. Schließlich soll das Opfer seines Vaters nicht umsonst gewesen sein.

Comicanspielungen der Woche

Die Episode Legacies strotzt diesmal vor einigen offensichtlichen und weniger offensichtlichen Anspielungen an andere Comics oder Comicverfilmungen. Das Episodenintro erinnert an die Eröffnungssequenz von „The Dark Knight“ und die Royal-Flush-Gang selbst ist durchaus als Widersachergruppe von Batman (auch von Batman of the Future) und der Justice League bekannt.

Eine visuelle Hommage wird unterdessen Sam Raimis „Spider-Man“ gezollt. Denn als sich Oliver über dem Türrahmen festkrallt, um nicht gesehen zu werden, kommt das einem Moment aus dem ersten Spider-Man-Film gleich, in dem Tobey Maguire sich vor seinem Widersacher Norman Osborn versteckt, wenn auch die Situation beim Wandkrabbler etwas brenzliger dargestellt wird.

In der Handlung um Tommy und Laurel wird unterdessen der Name Coast City ins Spiel gebracht. Comicleser und Zuschauer des Films „Green Lantern“ wissen, dass das die Heimat des Weltraumpolizisten mit dem grünen Kraftring ist. Nach einer Blüdhaven-Referenz und dem Auftauchen des Iron-Heights-Gefängnisses in den vergangenen Folgen wird das DC-Universum also weiter für Anspielungen benutzt. Ob jedoch irgendwann Green Lantern, mit dem Green Arrow in den Comics eine langjährige Freundschaft verbindet, zu sehen sein wird, ist im Moment noch fraglich. Denn bisher waren alle Figuren, die in „Arrow“ zu sehen waren, durchaus plausibel in der Realität verortet. Ob man eine kosmische Komponente einbringen möchte, wird sich zeigen. Vielleicht in einer späteren Staffel.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Legacies%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Fazit

Legacies weicht von dem bisherigen Erzählmodell der Serie ein Stück weit ab und gefällt aufgrund der Fokussierung auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. So zum Beispiel beim Tommy-, Thea- und Laurel-Dreieck, das - wie vorausgesehen - nun bald sicherlich ein Viereck wird, wenn Ollie dort wieder integriert werden sollte, oder aber die Familienangelegenheiten der Queens und der Royal Flush Gang, die geschickt miteinander verwoben werden.

Als Fan der Figur Tommy ist es schön zu sehen, dass ihr endlich etwas mehr Tiefe als die bloße Reduzierung auf einen Sprücheklopfer und Clown verliehen wird. Laurel darf außerdem in dieser Episode einmal nicht nur ernst oder neutral gucken, sondern ein nettes Lächeln aufsetzen, als Tommy ihr sein Herz ausschüttet. Dass sie Tommys Hilfe zunächst ablehnen möchte, obwohl die Kanzlei kurz vor dem Untergang steht, ist einerseits zwar konsequent für ihre bisher stets idealistisch porträtierte Figur, die aus eigenen Kräften Erfolge erzielen will, andererseits aber auch etwas bemüht.

Weiterhin interessant ist die Dynamik zwischen Ollie und Diggle, der ihm zumindest nicht nach dem Mund redet und ganz schön pralle Oberarme vorweisen kann, die sein Anzug so gar nicht vermuten lässt. Auch die Actionszenen gehören wieder zu einem Highlight der Episode. Es macht einfach Spaß, den kreativen Einsatz von Trickpfeilen zu sehen. Außerdem ist es überfällig, einmal jemanden zu sehen, der sich auf Arrows Pfeile einstellt und ein Schild zur Verteidigung benutzt. Durch das Team Ollie und Diggle bleiben nun auch die bisweilen bemüht wirkenden voice-overs zumindest in dieser Episode aus.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Legacies%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Zwar weiß man nun durch die Inselhandlung, wie das Buch beziehungsweise die Liste gefüllt wurde, was vorher einige Rätsel aufgegeben hatte, aber ansonsten bleibt die Verschwörungsgeschichte, vor allem, was Mutter Moira und den well-dressed man angeht, diesmal im Hintergrund. Das kann man für eine Episode verschmerzen, wird aber hoffentlich im nächsten Serienkapitel wieder aufgenommen. Insgesamt also eine überdurchschnittlich gute Episode, ohne viele der Schwächen einiger Vorgängerepisoden.

Videopromo zur Episode Muse of Fire (1x07) der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 16. November 2012
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Arrow 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Familienbande
Titel der Episode im Original
Legacies
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 14. November 2012 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 21. Oktober 2013
Regisseur
John Behring

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