Arrow 1x07

Der Fast-Anschlag auf Moira
Oliver Queen (Stephen Amell) nimmt sich die Worte seiner Mutter Moira (Susanna Thompson) zu Herzen. So kommt es, dass er in der Episode Muse of Fire der US-Serie Arrow mit ihr zum Mittagessen verabredet ist. Doch soweit soll es nicht kommen: Eine bewaffnete Person auf einem Motorrad schießt vor ihrem Firmensitz in die Richtung von Ollies Mutter. Getroffen wird zwar „nur“ ihr Geschäftspartner Paul Copani (Ben Wilkinson), doch Moira erleidet eine leichte Gehirnerschütterung. Zu Fuß - und das fast so schnell wie der mysteriöse Motorradfahrer - nimmt Ollie die Verfolgung auf, doch ein vorbeifahrender Laster macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Wer sind die Bertinellis?
Natürlich kann Oliver diese Begebenheit nicht einfach so hinnehmen und stellt Recherchen an, um die Verletzung seiner Mutter vergelten und den Täter dingfest machen zu können. Wie sich herausstellt ist Copani ein Mitarbeiter des Mafia-Bosses Frank Bertinelli (Jeffrey Nordling) und nicht der erste Mitstreiter von ihm, auf den ein Attentat verübt wurde. Jemand greift also systematisch Mob-Mitglieder an. Oliver meint, dass es das Beste wäre, ein Interesse an einer geschäftlichen Zusammenarbeit zu signalisieren, und wird auch bald von Bertinelli empfangen. Doch bei der Besprechung kommt sein „Geschäft“ dazwischen. Also soll seine Tochter Helena (Jessica De Gouw) mit ihm zu Abendessen gehen, um sich auf den Geschäftsabschluss zu einigen. Beide haben zunächst spürbar keine Lust auf dieses Essen, doch im Verlauf des Abends öffnen sie sich und stellen fest, dass sie so etwas wie verwandte Seelen mit ähnlichen Familienproblemen sind, sich aber vorher niemanden anvertrauen konnten.
Das Essen findet ein jähes Ende, als Diggle (David Ramsey) Oliver über eine Reihe von brutalen Attacken informiert. Die nächste soll ganz in der Nähe des Restaurants stattfinden. Nick Salvati (Tahmoh Penikett), Bertinellis Mann fürs Grobe und die schmutzige Seite des Geschäfts, treibt Schutzgeld ein, wird jedoch von Arrow dabei unterbrochen, kurz bevor die Daumen der Betreiber gebrochen werden können. Überraschend kommt die Person mit dem Motorradhelm hinzu, die sich alsbald als Helena herausstellt.
Geburt eines Dreamteams?
Beim Abendessen teilte sie Oliver bereits mit, dass sie an dem Verlust ihres verstorbenen Verlobten zu knabbern hat. Doch kurz darauf findet Salvati heraus, dass Helena die Person ist, die der Familie Ärger gemacht hat. Am Grab ihres Verlobten entführt er sie und Oliver, um beide zu beseitigen. Es stellt sich heraus, dass ihr Verlobter ermordet wurde - von ihrem eigenen Vater. Denn schon seit längerer Zeit arbeitet sie insgeheim gegen dessen Organisation und hat sogar bereits mit dem FBI kooperiert - die Männer ihres Vaters dachten, ihr Verlobter sei der Maulwurf, doch sie irrten, wie Helena schließlich selbst preisgibt. Ollie und Helena gelingt es, die Männer in einer gewohnt sehenswerten Actionsequenz zu überwältigen. Helena tötet Salvati schließlich, was selbst den Vigilanten schockiert und zum Nachdenken bringt. Inwieweit unterscheiden sich Helenas und seine Kreuzzüge gegen das Verbrechen? Hat er tatsächlich eine Person getroffen, der es ähnlich geht wie ihm? Zumindest scheint er sich von ihr angezogen zu fühlen, was sich in einem leidenschaftlichen Kuss zum Ende der Episode ausdrückt.
Laurel, Tommy und das Date
Tommy Merlyn (Colin Donnell) nimmt derweil seinen Mut zusammen und bittet Laurel (Katie Cassidy), mit ihm Auszugehen, auf ein richtiges Date in einem Restaurant. Die Einladung erfolgt, indem er ihr Sushi mitbringt, obwohl sie eigentlich gerade erst eine Pizza bestellt hat. Die langjährigen Freunde, die zu „friends with benefits - extremely excellent benefits“ und dann wieder zu Freunden wurden, versuchen es also auf dem üblichen Weg erneut. Es scheint auch ganz gut zu laufen. Bis die Rechnung kommt: Tommys Kreditkarte wird abgelehnt und auch gleichzeitig eingezogen. Das verwundert den Milliardärserben, der erst kürzlich eine große Spendengala für Laurels Kanzlei geschmissen hat, dann doch. Also besucht er seinen Vater.
Die Identität seines Vaters ist gleichzeitig auch die überraschendste Offenbarung der Episode - wenn nicht sogar der letzten Handvoll Episoden -, die aber durchaus Sinn ergibt. Denn beide Figuren sehen sich im direkten Vergleich ähnlich genug. Die Figur, die bisher als „well-dressed man“ (John Barrowman) bekannt war und vor allem durch ihre Interaktion mit Moira und ihre zahlreichen Drohgebärden auffiel, ist in Wirklichkeit Merlyn Senior. Dieser hat sich entschlossen, seinem Sohn den Geldhahn komplett zuzudrehen: Ob nun Treuhandkonten, Aktionendepos oder sonstige Geldquellen - Tommy sitzt auf dem Trockenen und soll sogar bis Monatsende aus seiner aktuellen Bleibe ausziehen.
Was genau Vater Merlyn damit bezweckt, steht noch nicht fest. Womöglich möchte er ihn gegen seinen Freund Oliver anstacheln; ihn vor seiner potenziellen Freundin bloßstellen; oder ihm einfach nur eine Lektion erteilen. Immerhin erhält die sonstige Frohnatur nun eine Chance, sich zu profilieren, und die Autoren eine Gelegenheit, um ihm mehr Tiefe zu verleihen, was beispielsweise bereits in der letzten Episode und nun eben auch hier passiert ist.
Moira, Thea und... Walter?
Moira erholt sich zu Hause von ihrer Verletzung. Thea (Willa Holland), die eigentlich in den Tanz-Club gehen wollte, leistet ihr dabei Gesellschaft. Auch wenn Thea immer noch nicht nachvollziehen kann, warum Oliver sich teilweise so distanziert verhält und in gewisser Weise einen Freifahrtschein erhält, wenn es um solche Familienangelegenheiten geht. Gleichzeitig versteht sie, dass er bestimmte Geheimnisse hat, würde es aber begrüßen, wenn er sie mit irgendwem teilen könnte. Gesagt getan: Helena scheint dafür die designierte Person zu sein. Außerdem kehrt auch Walter (Colin Salmon) von seiner Geschäftsreise zurück, weil er seine Frau liebt - wenn man ihm da denn vertrauen kann. Oder hat er seine Recherche schon beendet? Wir werden sehen.

Auch das Machtspiel von Moira und Merlyn Senior geht in dieser Episode weiter. Er versichert sich selbst darüber, dass so ein Vorfall wie das Beinahe-Attentat sich nicht negativ auf ihre gemeinsame Sache - was auch immer genau dahinter steckt - auswirkt. Doch ob es eine weise Idee ist, so sehr in ihr Privatleben vorzudringen, muss sich zeigen.
Die Mythologie und Kontinuität der Serie wird ebenfalls vorangebracht, indem China White (Kelly Hu) ihr Comeback feiert. Es ist erfreulich, dass der Triaden-Handlungsbogen im Hintergrund weitergesponnen wird, auch wenn man sich wünscht, dass manche Widersacher etwas besser ausgearbeitet werden. Immerhin hat man mit Barrowmans Figur und einem mit Sicherheit wiederkehrenden Deathstroke zwei vielversprechende Kandidaten in der Hinterhand. China White darf erneut nur wenige Sätze von sich geben, was etwas schade ist. Aber wer weiß, vielleicht ist das nur der Anfang einer größeren Storyline. Übrigens nimmt die Inselhandlung in dieser Episode eine komplette Auszeit, was aber auf den ersten Blick gar nicht negativ ins Gewicht fällt.
Comic-Connection

Bei Helena Bertinelli handelt es sich um eine aus den Comics bekannte Figur. Da aber aktuell in der Episodenhandlung noch nicht explizit gezeigt wurde, ob sie tatsächlich in ihre Comicrolle schlüpft, halten wir uns an dieser Stelle besser noch etwas zurück und sparen uns das für die nächste Review auf. Die Schauspielerin selbst setzt den Trend fort, dass die jüngeren Darstellerinnen in ihren ersten Auftritten noch ihre Probleme haben - entweder mit dem Material, das sie zu spielen haben oder ähnlichem. Denn lange Zeit fällt es schwer, Helena als Figur ernst zu nehmen. Manchmal wirkt die Darstellerin etwas unbeholfen, aber auch gleichzeitig interessant.
Immerhin gibt es bei der Figur deutliche Parallelen zu Arrow selbst. Das fängt mit dem direkten Zitat aus der Episode „Pilot,Arrow“ an: „No one can know my secret!“ Weiterhin sind auch ihre Methoden denen von Ollie gar nicht so unähnlich. Helena, die den Rezensenten bisweilen an die Mischung einer jungen Jennifer Garner und der nicht ganz so gelungenem Nachahmung des Spiels von Anne Hathaway in „The Dark Knight Rises“ erinnerte - ohne je die Stärke einer von beiden zu erreichen - schreckt nicht davor zurück, ein Leben zu nehmen. Doch sie handelt eher aus Rache und möchte Vergeltung für den Tod ihres Verlobten denn zum größeren Wohl der Stadt, wie es Oliver tut. Dennoch könnte dies auch für den Bogenschützen ein Moment für ein Überdenken seiner Motive oder Methoden sein. Diggle versucht bereits ihn davon abzubringen, tödliche Gewalt anzuwenden. Gleichzeitig sind seine Pfeile und seine Ausbildung durchaus fokussierter und überlegter als Helenas impulsive Rachefeldzüge.
Oliver scheint stets so porträtiert zu werden, dass er genau weiß, wo seine Pfeile einschlagen werden. Doch bei Pistolenkugeln kann auch schnell ein Schuss nach hinten losgehen. Ob sich das rächt, die beiden eine Zusammenarbeit beginnen oder bald wieder getrennte Wege gehen werden, wird sich wohl spätestens in der kommenden Episode zeigen (auch wenn man durch die Preview-Bilder „44607“ und Promos bereits eine grobe Richtung erahnen kann).
Fazit
Muse of Fire ist eine weitere überdurchschnittlich unterhaltsame Episode der US-Serie Arrow, die eine gute Mischung aus Action, Drama, Charaktermomenten und auch einer Prise Humor liefert. Auch ohne die Hintergründe und die Spannung, die die Inselhandlung normalerweise mitbringt, werden einige Geheimnisse gelüftet und so wird für die nächste Folge direkt eine interessante Ausgangslage geschaffen.
Videopromo zu Vendetta (1x08) der nächsten Episode der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 30. November 2012(Arrow 1x07)
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