Arrow 1x05

Die Episode Damaged der US-Serie Arrow zeigt Oliver Queen (Stephen Amell) gleich in zwei Situationen, in denen er sich in Gefangenschaft befindet. Zum einen in der Gegenwart, da Detective Quentin Lance (Paul Blackthorne) überzeugt ist, belastendes Material gegen ihn gefunden zu haben, das ihn mit dem maskierten Vigilanten Arrow in Verbindung bringt. Auf der anderen Seite wird Oliver auch in der Inselhandlung gefangen genommen und muss dort eine schmerzhafte Folter über sich ergehen lassen, die bleibende seelische und körperliche Spuren bei ihm hinterlässt.
Damaged beyond repair?
Wie sich schnell herausstellt, hat Oliver seine Verhaftung nicht nur geplant, sondern es sogar bewusst darauf angelegt und sich einen elaborierten Plan zurechtgelegt. Da seine Rückkehr aus dem Insel-Exil zufällig mit dem Auftauchen des maskierten Rächers zu tun hat, liegt es für ihn auf der Hand, der offensichtlichen Beweislage entgegenzuwirken. Da sein einziger Vertrauter Diggle (David Ramsey) ist, kann er nur ihn in seinen Plan einweihen, auch wenn es Diggle gar nicht gefällt, wie eine Marionette behandelt zu werden.
Auch für Laurel (Katie Cassidy) hat Ollie einen Platz in seinem Schachspiel reserviert. Er bittet sie, seine Verteidigung zu übernehmen. Nach anfänglichen Zweifeln entscheidet sie sich, ihrem Ex zu helfen - unter der Bedingung, dass Ollie eine Fußfessel mit einem GPS-Signal tragen muss. Da er nun unter Hausarrest steht, beschließt der Milliardärserbe spontan, eine Party zu schmeißen und sucht sich das Motto „Gefängnis“ aus. So hat er nicht nur hunderte von Zeugen, sondern kann Diggle auch noch parallel als Ersatz-Arrow auftreten lassen, um Oliver gleichzeitig ein Alibi zu beschaffen und ihn von den Vorwürfen freizusprechen.
Zwischendurch öffnet sich Oliver Laurel zumindest ein Stück weit. Er ist bereit, in Detective Lances Anwesenheit einen Lügendetektortest zu absolvieren, den er auch besteht. Doch sowohl der Detective als auch dessen Tochter haben Zweifel. Laurel hat sogar einen Beweis für seine Lüge, da er ganz offensichtlich bei der Frage gelogen hat, ob er je im Iron-Heights-Gefängnis war - denn dort waren sie während ihrer gemeinsamen Schulzeit. Doch Olivers kalkulierte Offenbarung, dass er auf der Insel gefoltert wurde und seine Bereitschaft, die Verantwortung für den Tod von Laurels Schwerter auf sich zu nehmen, bringt ihn emotional wieder ein Stück näher an seine Ex-Freundin, so dass später sogar ein leidenschaftlicher Kuss ausgetauscht wird. Indirekt kann sich Laurel also denken, dass Ollie etwas verbirgt, doch gleichzeitig ziehen beide bald wieder eine Mauer um sich hoch und einigen sich (vorerst), dass sie sich nicht näherkommen dürfen. Aber wir alle wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die beiden zusammenkommen werden.

Walter konfrontiert Moira
Währenddessen ist Walter (Colin Salmon) weiterhin auf der Suche nach Antworten bezüglich Moiras (Susanna Thompson) Verstrickungen im Fall der „Queen's Gambit“, dem Schiff, auf dem Oliver und sein Vater verunglückt sind. Er beauftragt den Sicherheitschef damit, die Überreste des Schiffs an einen sicheren Ort zu bringen, doch „zufällig“ erleidet dieser einen tödlichen Unfall. Walter bleibt also nichts anderes übrig, als die direkte Konfrontation mit Moira zu suchen. Doch diese warnt ihn nur davor, sich nicht weiter einzumischen, da sehr einflussreiche Menschen hinter der Sache stecken.
Wie einflussreich? Offenbar hängen die Namen der Liste damit zusammen. Moira stellt den well-dressed man (John Barrowman) zur Rede, der den Mord an dem Sicherheitschef, einen Attentatsversuch auf ihren Sohn Oliver und weitere Gräueltaten zu verantworten hat, und droht diesem. Da Oliver in ihren Augen nicht der maskierte Vigilant sein kann, soll er sich und seine Leute von ihrer Familie fernhalten. Doch das Spiel der Drohgebärden können beide spielen. Ist Walter auf seiner „Geschäftsreise“ also sicher oder wird man auch ihn bald beerdigen müssen?
Lehrstunde auf der Insel

Oliver und Yao Fei (Bryon Mann) sind auf Nahrungsjagd. Oliver ist es überdrüssig, nur die abgeschossenen Opfer einzusammeln und möchte selbst den Bogen spannen. Doch er ist kein Naturtalent und verfehlt sein vorgegebenes Ziel meterweit. Schlimmer noch: Als er das potenzielle Abendessen und die verschossenen Pfeile aufsammeln möchte, wird er von bewaffneten Männern gefangen genommen.
Bald nimmt ihn der zwielichtige Edward Fyers (Sebastian Dunn) ins Verhör. Der naive Oliver erzählt ihm frei heraus, dass er Teil einer wohlhabenden Familie ist, die Fyers fürstlich entlohnen würde, wenn er ihn nach Hause bringt. Doch offenbar hat der zunächst anderes im Sinn. Aus noch unbekannten Gründen ist er auf der Suche nach seinem Mentor Yao Fei. Doch Ollie lügt ihm ins Gesicht, was sein Gegenüber sofort merkt. Also schlägt die Stunde von Deathstroke (Jeffrey Robinson), der Oliver durch Folter zum Reden bringen möchte. Nun wissen wir also, wer zumindest für einen Teil der Narben auf Ollies Körper verantwortlich ist. Immerhin 20 Prozent seines Körpers sind mit Narben bedeckt, wie Detective Lance in seinem Verhör in der Gegenwart zu Protokoll gibt.
Duell mit Deathstroke

Yao Fei wartet eine günstige Gelegenheit ab und sucht den Kampf mit Deathstroke, der übrigens eines der bisherigen Actionhighlights der noch jungen Seriengeschichte darstellt. Hoffentlich gibt es davon noch mehr zu sehen. Außerdem kann man sich nur wünschen, dass eine Kombination aus Deathstroke - in den Comics hauptsächlich ein Feind der „Teen Titans“ - und dem well-dressed man als Hauptwidersacher für diese Debütstaffel von Arrow genutzt werden. In den Comics ist „Deathstroke“ ein wahrer bad ass und einer der fähigsten Kämpfer des DC-Universums, der es mit kompletten Superheldenteams aufnehmen kann. Bereits im Piloten konnte man seine Maske in einer Szene deutlich sehen, so dass es naheliegen würde, anzunehmen, dass er zumindest für die Inselhandlung noch eine große Rolle spielen wird. Begrüßenswert wäre dies allemal, zumal der Rezensent eine große Schwäche für die Figur hat. Vielleicht sehen wir ihn auch in der Gegenwart bald.
Olivers Inselmentor weiß nun also, dass er seinem Schützling vertrauen kann. Der weitere Aufenthalt auf der Insel mit dem aus dem Mandarin übersetzen Namen „Purgatory“ - also Fegefeuer - wird nun bestimmt bald damit verbracht, ihn in der Überlebenskunst und dem Umgang mit Schusswaffen zu schulen. Wie man zu Beginn der Folge sieht, ist es nämlich ein weiter Weg bis zum Meisterschützen, der Oliver Queen jetzt ist.
Arrow als Taktiker

Insgesamt wirkt die Episode Damaged ausgereifter als die etwas schwächere Episode zuvor. Das gilt vor allem für die Dialoge. Die sind hier zwar noch nicht spitzenklasse, aber zumindest stimmiger als in manchen Momenten der vorherigen Episoden und sie fügen sich organischer und weniger expositorisch in die Szenen ein. Es hilft natürlich ungemein, den Arrow-Monolog auf das knappste zu verkürzen. Mit Diggle hat Ollie nun auch jemanden, mit dem er sich im taktischen Bereich austauschen kann. Aber auch der Humor kommt wieder einmal nicht zu kurz (diesmal durch Oliver und - man höre und staune - Laurel mit ihrer Fußfessel) und die Mischung zwischen dramatischen und komischen Momenten passt.
Kurze, inkonsequente Momente der Figurenzeichnung sind immer noch vorhanden, wobei man zumindest einen davon auch eventuell in der Kategorie „Humor“ einordnen kann. Denn als Diggle in der Arrow-Hölle die Gadgets zu sehen bekommt und sich freut wie in einem Spielzeugladen, sind die moralischen Bedenken auf einmal für kurze Zeit verflogen. Später echauffiert er sich jedoch wieder, keine Marionette zu sein und wünscht, in Ollies Pläne einbezogen zu werden.
Dass seine eigene Verhaftung lange im Voraus von Oliver geplant ist, kann man sich als erfahrener Serienzuschauer bereits vorstellen, ebenso, dass Diggle derjenige ist, der ihn „vertritt“ und ihn im Endeffekt entlastet. Ein Problem, das bereits in der letzten Woche angesprochen wurde - nämlich, dass nur bedingt Wert auf eine Unkenntlichkeitmachung des Gesichts in Form einer Maske gelegt wird -, wiederholt sich hier. Es sind zwar alle Feinde besiegt, als man Diggles Gesicht sieht, aber dieser verzichtet gänzlich auf eine aufgemalte Maske. Gerade, wenn man doch versucht, die Identität zu verstecken - und darum geht es in dieser Episode ja vordergründig -, könnte man auf solche Details verstärkt achten. Comicadaption hin oder her.
Man fragt sich außerdem, wie oder von wem Oliver dieses taktische Geschick und das Vorausplanen - das normalerweise eher von einer Figur wie Batman an den Tag gelegt wird - gelernt hat. Eigentlich gibt es viel zu viele unvorhergesehene Elemente, die einen solche Plan zunichte machen könnten, während Oliver eigentlich sehr sicher erscheint, dass der Plan aufgehen wird.
Neben dem Auftritt von Deathstroke, der optisch der Comicvorlage sehr nahe kommt und für einen kleinen Geek Out sorgt, wurde auch eine Bemerkung von Laurel mit besonderer Freude vernommen. Die „schrecklichen Fishnets“ (Netzstrümpfe), die Laurel bei der letzten Gelegenheit getragen hat, in der sie in Olivers Zimmer war, sind ein Markenzeichen ihrer Figurenvorlage. Diese bekleidet in den Comics nämlich eine Zweitidentität als Verbrecherbekämpferin Black Canery.
Interessant ist gleichzeitig auch, wie die Verheimlichung der Ereignisse auf der Insel innerhalb der Familien Queen und Lance für Zweifel und Nachforschungen sorgt. Gerade, da dieses Motiv so sehr betont wird - und das noch so früh im Serienverlauf -, legt nahe, dass bald weitere Familienmitglieder in den Kreis der Vertrauten aufgenommen werden. Wer weiß - vielleicht wird die Schwester Thea (Willa Holland), die bereits den aus den Comics bekannten Spitznamen Speedy besitzt, schon bald zum Bogenschützennachwuchs. Ansonsten kann man darauf gespannt sein, wie der well dressed man Moiras Einschüchterungsversuche quittieren wird.
Bezeichnend ist auch, dass Oliver nicht eher ruht, ehe ein Name auf der Liste gestrichen werden kann. Zwar vereitelt Diggle als Ersatz-Arrow den Waffenhandel, aber Ollie greift zum Ende der Episode noch einmal selbst ein und sorgt unter anderem mit einigen Trickpfeilen dafür, dass der deutsche Waffenhändler und seine Crew unschädlich gemacht werden - ohne Gnade.
Fazit
Deathstroke, eine mitreißende Inselhandlung, die Aufarbeitung des Foltertraumas und einige helle und witzige Momente machen die Episode Damaged zu einer weiteren sehenswerten und diesmal auch wieder qualitativ ausgewogeneren Ausgabe der US-Serie Arrow. Die in Stellung gebrachten Widersacher, die diesmal mehr als nur eine Folge eine Rolle spielen werden, sorgen dafür, dass man die nächste Episode wieder freudig erwartet.
Hier die Vorschau auf die Episode „Legacy“ (1x06) der US-Serie „Arrow“: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 9. November 2012(Arrow 1x05)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?