Arrow 1x04

Arrow 1x04

Nur weil man ein Geheimnis kennt, heißt das noch nicht, dass man dieses auch gutheißen muss. Oliver Queen erfährt das in der Episode An Innocent Man am eigenen Leib. Außerdem: Gelingt es, einen Unschuldigen zu retten? Review.

Szenenfoto aus der Episode „An Innocent Man“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW
Szenenfoto aus der Episode „An Innocent Man“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW

Die Arrow-Episode An Innocent Man setzt die Handlung da fort, wo Lone Gunmen aufgehört hat. Diggle (David Ramsey) wacht aus seinem Delirium auf, nachdem er durch einen Schuss verwundet wurde, und findet Oliver Queen (Stephen Amell) in seiner Arrow-Kluft vor sich - ohne Kapuze . Ob es die Nachwirkungen der Verletzung sind oder etwas anderes - jedenfalls wird klar gemacht, dass Diggle doch nicht vorher wirklich wusste, dass Ollie und Arrow dieselbe Person sind. Also holt er erst einmal kräftig aus und versucht dem Vigilanten eine zu verpassen. Denn Diggle sagt Ollies Doppelidentität alles andere als zu. Als Ex-Soldat kann er sein Verhalten zunächst nicht nachvollziehen und lehnt sein Angebot ab, an seiner Seite den Feldzug gegen alle, die Starling City schaden könnten, zu unterstützen. Oliver jedenfalls weiht ihn als ersten in sein Geheimnis ein und teilt ihm gleichfalls mit, was wirklich vor fünf Jahren passiert ist.

Doch Diggle reagiert ablehnend. Zunächst kündigt er offiziell seinen Job als Olivers Leibwächter mit der Begründung, dass er dessen Abendgestaltung nicht gutheißen kann. Er unterlässt es jedoch, ihn bei den zuständigen Behörden zu melden. Für Ollie liegt die Sache klar auf der Hand: Ein gut ausgebildeter Mann wie Diggle könnte ein wertvoller Unterstützer für seinen Zweck sein - und zu zweit kämpft es sich besser als allein.

Das Stichwort „Zusammenarbeit“ ist auch im Listennamen-der-Woche wichtig. Denn über das Fernsehen bekommt Ollie Wind davon, dass Peter Declan (Lane Edwards) zwei Tage vor seiner Exekution steht, da ihm vorgeworfen wird, den Tod seiner Frau verantwortet zu haben. Oliver wird den Verdacht nicht los, dass der Mann unschuldig ist, und stellt Nachforschungen an. Er stößt auf den Namen Jason Brodeur (T.J. Ramini), der auf der Liste seines Vaters steht. Also „bittet“ er Laurel (Katie Cassidy) - genauer gesagt stellt er ihr nach - sich als Anwältin um den Fall zu kümmern. Arrow zwingt beziehungsweise „überzeugt“ nun also auch die Strafverteidigerin zur Zusammenarbeit - wie schon ihren Vater, Detective Quentin Lance (Paul Blackthorne), in der letzten Episode.

Mit verstellter Stimme und in Verkleidung trifft er sich in der Episode mehrfach auf Hausdächern mit Laurel und besorgt ihr auf seine Art Hinweise, Beweisstücke und sogar ganze Geständnisse. Zwar äußert Laurel Bedenken über seine Herangehensweise, wird ultimativ jedoch von einer Mischung aus mysteriösem Charme und Argumenten überredet - erneut, zumindest vorerst.

Doch die Anwälte von Brodeur sind mit allen Wassern gewaschen und überzeugen die Richterin, die drückenden Beweise nicht anzunehmen. Doch damit spielen sie nur auf Zeit - eigentlich planen sie, die Exekution vorzuziehen und organisieren einem Aufstand im Iron-Heights-Gefängnis (Flash-Freunde erkennen diesen Namen als Verwahrungsort der Rogues) mit dem Zweck Declan zu besitigen.

Arrow kann sich - Achtung Sarkasmus! - in der besten und unauffälligsten Verkleidung, nämlich einer Wärteruniform mit Ski-Maske (aber dazu später mehr), ins Gefängnis schleichen und die Gefangenen solange abwehren, bis die Wärter die Lage wieder kontrollieren. Dabei prügelt er jedoch einen Gefängnisinsassen so windelweich, dass Laurel nur geschockt reagieren und ihn gerade noch stoppen kann, ehe dieser zu weit geht.

Immerhin wird Declan nach Klärung der Sachlage und einem Geständnis vom echten Täter freigesprochen und darf seine Tochter wiedersehen, während Bordeur verhaftet wird. Ollies Ad-Hoc-Verkleidung rächt sich auf dem Fuß, denn Blackthorne und seine Kollegen gehen das Überwachungsmaterial durch und erkennen darauf eindeutig den Milliardärserben, dem sie nun von Körperverletzung, Ruhestörung bis hin zur Ruhestörung eine ganze Palette an Delikten vorhalten - und ihn verhaften.

Das ist jedoch längst nicht alles, was die Episode An Innocent Man zu bieten hatte.

Don't call Diggle a sidekick

Diggle verbringt den Großteil der Episode damit, zu überlegen, wie er auf Ollies Angebot reagieren soll. Unterstützt er jemanden, der ganz klar außerhalb des Gesetzes zu stehen versucht und sogar Menschen auf seinem Gewissen hat, oder hat er bei seinem Feldzug gegen die Menschen, die die Stadt korrumpieren wollen, vielleicht sogar Recht? Im Gespräch mit seiner Schwägerin Carly (Christie Laing) wird deutlich, dass er den Tod seines Bruders Andy (übrigens eine Hommage an den „Green Arrow: Year One“-Autoren Andy Diggle) nicht einfach so vergessen kann. Auch wenn Carly an seine Vernunft appelliert und meint, dass ihr Sohn bereits den Vater verloren hat und nicht noch den Onkel verlieren sollte.

Diggle versteht sich aber wohl als eine Kraft, die Ollie mäßigen, als Stimme der Vernunft fungieren und die ihm eventuell andere Wege als Mord aufzeigen könnte. Denn schließlich willigt er am Ende der Episode ein, ihm zu helfen. Aber vorher muss erst einmal der große Stolperstein überwunden werden, da Oliver ja von Blackthorne verhaftet wurde.

Die Moira-Verschwörung

Moira Queen (Susanna Thompson) macht ihren Ehemann Walter (Colin Salmon) stutzig, als diese ihm mitteilt, dass eine Firmenangelegenheit nicht in den Büchern erscheint. Interessanterweise misstraut Walter seiner Frau und kommt als erste Figur dahinter, dass sie etwas vor ihm und ihrer Familie versteckt. Das bringt die Rückkehr der witzigen IT-Angestellten Felicity (Emily Bett Rickards), die bekanntlich schon Oliver in der letzten Episode geholfen hat und wieder einmal für comic relief und ein paar aufheiternde Momente gesorgt hat, in einer Folge, die auf Tommy Merlyn verzichtet hat. Die Computerexpertin Felicity soll die Akten der Firma genauer unter die Lupe nehmen und aufdecken, wo der Millionenbetrag, den Moira angeblich in einen Upstart investiert hat, wirklich hingeflossen ist. Rasch findet sie heraus, dass die Spur zu einem Lagerhaus führt, das in Firmenbesitz ist.

Dieses Lagerhaus ist jedoch mit einem Passwort geschützt, das wiederum jedoch keine allzu große Herausforderung für Walter darstellt. - Notiz an Moira: Wenn du schon das Wrack des Schiffes versteckst, auf dem sich dein Mann und dein Sohn befanden, die fünf Jahre lang für tot gehalten wurde, dann benutze doch bitte ein Passwort, das man nicht nach vier Anläufen herausfinden kann. - Oder legt sie es darauf an, gefunden zu werden? Viel wichtiger: Was wird Walter unternehmen? Da er hinter dem Rücken seiner Frau agiert hat, wird er sie mit Sicherheit nicht direkt konfrontieren.

Moira scheint also mehr als eindeutig in den Schiffbruch verwickelt zu sein und hat es über all die Jahre geschafft, es vor allen anderen zu verbergen. Aber aus welchem Grund? Und woher weiß sie von der Liste? Und wie genau hängt die von John Barrowman (Torchwood) gespielte Figur damit zusammen? Diese Nebenhandlung bleibt also spannend.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;An Innocent Man%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Insel der Langeweile

Was in dieser Episode nur bedingt spannend war, waren die kurzen Insel-Einschübe. Es liegt auf der Hand, dass diese zeigen sollten, dass ein Wandel im verwöhnten Oliver Queen nötig war, um auf der Insel überleben zu können. Außerdem, dass es ein weiter Weg ist, von jemandem, der zuvor nie einem Huhn etwas zu leiden tun konnte, zu jemanden, der für sein Ziel ohne größeres Zögern einer anderen Person einen Pfeil ins Herz schießen würde. Yao Fei (Byron Mann) offenbart nicht nur, dass er sehr wohl Englisch sprechen kann, sondern dass das Leben auf der Insel eben auch Opfer erfordert, wenn man denn überleben will.

Thea und Oliver wieder ein Herz und eine Seele?

Die sprunghafte Beziehung zwischen den beiden Geschwistern geht indes weiter. In dieser Episode werden sie plötzlich wieder harmonisch gezeigt, und Thea fungiert als Ratgeber in Beziehungsdingen. Liebe Autoren, etwas mehr Kontinuität wäre hier schön. Haben die beiden nun Probleme miteinander oder ist das nur der übliche Streit unter Geschwistern? Ist Thea ein Problem-Kind, das den Verlust des Vaters mit wilden Eskapaden sowie Drogen und Diebstählen verarbeitet oder doch nur ein normaler Teenager? Oder dient sie nur als Plot-Device, um Ollie und Laurel unweigerlich zusammen zu führen.

Weitere Ungereimtheiten oder doch nicht?

Zwar wird mit dem Stimmenverfremder der Versuch gemacht, Oliver für Vertraute wie Laurel unkenntlich zu machen. Gleichzeitig verzichtet er aber auf die aus den Comics bekannte Domino-Maske und verlässt sich einzig auf die Kapuze, um unerkannt zu bleiben. Dass das noch gut gehen kann, kann man ja durchaus glauben. Aber was dann später die Ski-Maske mit den ausgesparten Augen soll, die quasi genau die Stellen zeigt, die man sonst nicht zu sehen bekommt, wirkt doch etwas arg unvorsichtig. Warum sollte Laurel, die Ollie kennt wie kaum eine Zweite, diesen nicht anhand seine Augen erkennen?

Klar, es war dunkel und ja, sie hatte in der Situation Angst, aber dennoch kommentiert sie ja eindeutig den Blick, den der maskierte Vigilant in diesem Moment hat. Natürlich kann dies auch bewusst gemacht worden sein, da die Polizei Ollie nun festgenommen hat und anzunehmen ist, dass in der nächsten Folge eine Verhandlung ins Haus steht, aber was ist dann der Zweck des Ganzen. Wird Ollie schon in der fünften Episode öffentlich geoutet? Wird die Geheimidentität fallen gelassen? Und wie will man erklären, dass Laurel ihn nicht erkennt? Vielleicht muss man dies auch einfach als das Clark-Kent-Problem hinnehmen.

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Wo wir schon beim Thema Laurel sind. Katie Cassidys Performance ist sicherlich eine der Schwächen der Serie bislang. Zu wenig Varianz, die immer gleichen Gesichtsausdrücke und manchmal möchte man meinen, auch etwas Lustlosigkeit in ihrem Spiel zu beobachten. Doch was in dieser Episode noch eklatanter war, ist die Tatsache, dass die Figur offenbar vergessen hat, dass sie noch in einer der letzten Episoden ordentlich austeilen konnte. Dies wird in An Innocent Man offenbar gleich an zwei Stellen vergessen. Zunächst als Arrow in ihre Wohnung einbricht, wo sie immerhin geistesgegenwärtig die Pistole aus der Schublade holt, aber noch viel deutlicher kommt das beim Aufstand im Gefängnis zum Ausdruck, wo sie eiskalt überrumpelt wird, und Arrow ihren Angreifer besinnungslos schlägt. Einerseits könnte man dies als Schock in dieser Situation deuten, denn in der Episode zuvor ist sie diejenige, die überraschend auftaucht, andererseits eben auch als nicht konsequente Charakterisierung.

Fazit

An Innocent Man offenbart erneut einige Baustellen der Superheldenserie Arrow. Das Wesen einiger Figuren müsste auf jeden Fall noch etwas deutlich und konsequenter herausgearbeitet werden. Hier sind vor allem Thea und Laurel zu nennen. Auch vom Spannungsgrad kann die Episode nicht ganz mit den vorherigen mithalten, wären da nicht die letzten zehn Minuten, würde die Wertung ein Stück weit schlechter ausfallen.

Doch da mit John Barrowmans Einführung, Walters Entdeckung, Diggles Entscheidung und Olivers Verhaftung einige interessante Entwicklungen angestoßen wurden, überwiegt doch ein positiver Eindruck und vor allem die Vorfreude auf die kommende Episode, mehr als die milde Enttäuschung über einige Elemente dieser vierten Folge.

Vorschau auf die Arrow-Episode „Damaged“ (1x05):
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 2. November 2012
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Arrow 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Unschuldig
Titel der Episode im Original
An Innocent Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 31. Oktober 2012 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 7. Oktober 2013
Regisseur
Vincent Misiano

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