In der neuen FOX-Serie APB greift ein Tech-Milliardär auf der Suche nach Gerechtigkeit der überforderten Polizei von Chicago unter die Arme. Die hanebüchene Grundidee wird bis zum Ende der Pilotepisode gnadenlos durchgezogen. Diese kann insgesamt nicht viele Argumente für den Neustart liefern.

Natalie Martinez und Justin Kirk in „APB“ / (c) FOX
Natalie Martinez und Justin Kirk in „APB“ / (c) FOX
© atalie Martinez und Justin Kirk in „APB“ / (c) FOX

Wer hätte es für möglich gehalten: Der FOX-Serienneustart APB von David Slack (Person of Interest) bewegt sich doch tatsächlich überraschend nah am Nabel der Zeit. Amerikanische Polizeireviere, die komplett ausgelastet sind. Bürger in Not, denen man nicht rechtzeitig zur Hilfe kommen kann, weil das Personal und die finanziellen Mittel fehlen. Oder auch der allgemeine Blick auf die heutige Polizeiarbeit, die sich seit Jahren im Wandel befindet und dabei auch sehr viele negative Entwicklungen durchgemacht hat - das alles wird hier thematisiert.

All diese Aspekte bilden die Grundlage und das Rückgrat des neuen Formats von FOX, das jedoch in seiner Pilotepisode nicht besonders viel damit anfangen kann, den denkbar einfachsten Weg geht, jede Form von Tiefgang meidet und allen voran darauf bedacht ist, mit einem coolen Gimmick seine Zuschauerschaft zu fesseln. Dies artet jedoch recht schnell in allerlei Unsinn und seltsame Momente aus, die man als Außenstehender hinnehmen muss, um zumindest etwas Spaß an dem Ganzen zu haben. Eigentlich hat die Idee Potential. Abgerufen wird dieses aber nicht. Eher lassen die Serienmacher relevante Elemente einer derartigen Erzählung einfach so unter den Tisch fallen, was schon etwas verwundert.

Law enforcement revolution

Dabei spiele ich insbesondere auf die Prämisse der Serie an und welche Probleme mit dieser einhergehen. Also im Normalfall. In „APB“ scheint es aber niemanden wirklich zu stören, dass ein selbstverliebter, arroganter, stinkreicher Techunternehmer nach dem Mord an seinem besten Freund ein Chicagoer Polizeirevier bereitgestellt bekommt, um dort mit der neuesten Technologie eine kleine Revolution auszulösen. Und nebenbei die in der Steinzeit festsitzenden Ordnungshüter aufs nächste Level der modernen Polizeiarbeit zu hieven. So wird sich der gesuchte Mörder doch ratzfatz finden lassen. Und generell kann man doch von diesen technologischen Neuerungen nur profitieren, oder?

Big show

Unser Protagonist Gideon Reed (Justin Kirk), ein Genie mit Macken, aber auch einer guten Seite, ergaunert sich zu Beginn nicht nur besagtes Revier, indem er dem Bürgermeister der Stadt droht. Reed denkt auch in keiner einzigen Sekunde der Auftaktepisode daran, dass er durch das „Update“ unserer Freunde und Helfer - die Bereitstellung einer App, mit der Bürger sofort Verbrechen melden können, schusssichere Anzüge, neue Waffen und Fahrzeuge für den Einsatz - eine glorifizierte Privatmiliz ins Leben ruft, die letzten Endes nach seiner Pfeife tanzt. Einige Unstimmigkeiten zwischendurch sind fix überstanden, schlussendlich sind alle sehr angetan von diesem „Pilotprojekt“, kann der Mörder von Gideons engstem Vertrauten doch geschnappt werden.

Nicht ein einziges Mal wird hinterfragt, was es bedeuten kann, wann jemand aus dem Privatsektor mit Unsummen an Geld in eine staatliche, dem Gesetz untergeordnete Institution eingreift, um persönliche Motive zu verfolgen. Dies ist schon ziemlich erstaunlich, vor allem in der aktuellen Zeit, in welcher in den USA die Polizei mehr denn je unter der Beobachtung der Öffentlichkeit steht. Die Serienschöpfer gehen hier etwas blauäugig mit diesem sehr komplexen Thema um und interessieren sich vorwiegend dafür, ob der Technologiewahn der Moderne mit den klassischen Ermittlungsmethoden der Polizei zusammenpasst. Mögliche Konsequenzen dieser beiden Welten, die Reeves gedenkt, miteinander fusionieren zu lassen, werden komplett ausgeklammert.

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Publicity stunt

Dementsprechend platt ist die Geschichte, die letztlich nur an der Oberfläche eines sehr mannigfaltigen Themengebietes kratzt. Uninteressant sind die Ideen, die Gideon Reeves mitbringt und mit denen er den Alltag der Polizisten von Chicago revolutionieren sowie die Leben der Bürger sicherer machen möchte, ja nicht. Aber tolle Superdrohnen sind jetzt nicht besonders originell und eine smarte App, um die Reaktionszeit der Ordnungshüter zu verringern, lässt einen jetzt auch nicht wirklich staunend zurück.

David Slack, der viele Jahre an Person of Interest mitgearbeitet hat, bewegt sich hier in seinem Element und scheint große Freude daran zu haben, einen nach wie vor sehr konventionellen Berufsstand mit seiner Ansicht nach frischen Ideen aus dem Ingenieursbüro aufzupeppen. Im Großen und Ganzen kommen jedoch ein paar recht unbeeindruckende Einfälle zusammen, die mich ziemlich kalt lassen.

Anstelle sich den moralischen Fragen zu stellen, was es überhaupt bedeutet, wenn ein privater Investor in die Polizeiarbeit inolviert wird (in Zeiten wie diesen ist das sogar durchaus vorstellbar), wird dann viel Zeit darin investiert, eine gängige Procedural-Formel zu etablieren, die nichts Neues zu bieten hat und fix durchschaut ist. Aus der eigentlichen Grundidee macht man nicht mehr viel, was sehr enttäuschend ist. Ja, die Polizeiarbeit (nicht nur in den USA) muss sich verändern, um mit den neuen Herausforderungen der Verbrechensbekämpfung und der modernen Kriminalität in politisch hochsensiblen Zeiten Schritt halten zu können. Ob APB einen sinnigen Lösungsansatz präsentiert, darf jedoch stark bezweifelt werden.

Change the world

Dabei zeigt uns das Format durchaus valide Punkte auf und thematisiert so unter anderem die Umstände, unter denen viele Gesetzeshüter heutzutage arbeiten müssen, was die Erfüllung ihrer Pflichten nicht einfacher macht. Das geschieht zwar nicht besonders subtil (siehe die Zeugenberichtaufnahme von Gideon zu Beginn der Folge, als er sieht, in welchem Zustand das Polizeirevier ist), aber es wird immerhin berücksichtigt. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Dass die neu ausgestatteten Polizisten („RoboCop Lite“) ihre neue Macht aufgrund des technologischen Fortschritts missbrauchen könnten, ist anscheinend nicht relevant.

On hold

Denkbar, dass Slack und seine Autoren diesen Aspekt in späteren Folgen aufgreifen werden, sofern sich „APB“ denn im Programm von FOX halten kann. Es ist aber schon etwas bezeichnend, dass sich in der Pilotepisode eines derartig aktuellen Polizeidramas nicht ein Charakter dahingehend äußert.

Bei diesen sollte man im Übrigen auch keine Wunderdinge erwarten. Justin Kirk gibt seiner Figur eine gewisse Tiefe, wobei wir diese Art Mensch schon sehr oft im bewegten Bild gesehen haben. Er wirkt fast ein bisschen wie ein etwas zahmerer Tony Stark (nicht nur wegen seiner feurigen Einführung) aus dem Marvel-Universum. Insgesamt ist seine Darbietung aber nicht allzu aufgesetzt und durchaus glaubwürdig, auch wenn ich von einem so genialen Charakter schon erwarte, dass er die Folgen seiner Handlungen besser einschätzen kann.

Ihm gegenüber steht derweil Natalie Martinez, die die taffe Polizistin Amelia Murphy verkörpert. Auch sie schlägt sich recht passabel, ohne aber einen wirklich einzigartigen Eindruck zu hinterlassen. Die Dynamik zwischen Murphy und Reeves wird in den nächsten Epsioden wohl den Ton vorgeben. Für den Anfang ist dies in Ordnung, aber leider noch viel zu generisch, um positiv aufzufallen.

Neben Kirk und Martinez drängt sich derweil niemand wirklich auf, bei „Ghostbuster“ Ernie Hudson dürfte manch einer kurz aufschauen, aber auch er bekommt nicht wirklich viel zu tun. APB pendelt sich schließlich irgendwo zwischen erwarteter Enttäuschung und einem netten Versuch ein, dem Krimiseriengenre einen anderen Kniff zu geben. Leider wird dabei nicht weit genug über den Tellerrand geschaut sowie letzten Endes nur eine weitere furchtbar simple und nicht besonders spannende Geschichte erzählt, die in dieser Form nicht der Rede wert ist.

Trailer zu „ABP“:

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