Alphas 1x01

Alphas 1x01

Der Frage, was passiert, wenn man die X-Men mit den Ermittlern von CSI mischt, geht die neue Syfy-Serie Alphas nach. Herauskommt ein Serienpilot mit Potenzial, aber ohne wirkliche Höhepunkte. Ein Review.

Der Cast der US-Serie „Alphas“ / (c) Syfy
Der Cast der US-Serie „Alphas“ / (c) Syfy

Superhelden in TV-Serien gab es schon so einige. Gerade in der abgelaufenen TV-Season wagten sich die Networksender ABC mit No Ordinary Family und NBC mit dem Batman-Rip-Off The Cape an Superheldenstoffe, die nicht auf bekannte Marken setzten und beide ultimativ an fehlendem Zuschauerinteresse scheiterten.

Der amerikanische Kabelsender Syfy möchte dies mit der neuen Superwesenserie Alphas nicht erleben und setzt zwei eigentlich recht beliebte Formeln zusammen: Menschen mit Superkräften und Ermittlerteams, die Verbrechen auflösen. Ob das gutgeht?

Gut geklaut ist besser als schlecht selbstgemacht...

Der Serienpilot von Alphas erinnert Kenner der Materie stark an eine Team-Dynamik, wie man sie aus den Anfängen der „X-Men“-Comics oder -Filme kennt und startet mit einer Portion Exposition, in der die wichtigsten Figuren und ihre Kräfte vorgestellt werden. Ein weiser Mentor nimmt ein Team, bestehend aus einer Handvoll begabter junger Menschen, unter seine Fittiche und trainiert sie in seinem Kampf für das Gute. Praktischerweise sind die Schützlinge mit Fähigkeiten ausgestattet, die wunderbar zur Verbrecherjagd geeignet sind.

Who is Who?

Es gibt die menschgewordene CSI: Crime Scene Investigation-Kamerafahrt namens Rachel (Azita Ghanzizada), die anhand ihrer verstärkten Sinne Tatorte auf Herz und Nieren prüfen kann. Sie entdeckt somit Spuren, die dem normalen Menschen verborgen bleiben. Kann aber immer nur einen Sinn besonders hervorheben und büßt dadurch temporär die anderen ein.

Es gibt - selbstredend - ein Muskelpaket namens Bill Harken (Malik Yoba), das jedoch nur von dem natürlichen Fluchtreflex eines Menschen Gebrauch machen kann und die eigene Stärke dabei nicht überschätzen sollte. Zwar ist es möglich, Häuserwände einzuschlagen und ein Auto anzuheben, aber nach kurzer Zeit ist die Superkraft auch schon an ihrer Grenze angekommen.

Die Figur Nina Theroux (Laura Mennell) verfügt über einen interessante Variante der Superkraft Telepathie. Denn, wie es scheint, funktioniert diese nur in eine Richtung. Sie kann zwar mithilfe gedanklicher Suggestion anderen Menschen ihren Willen aufdrücken, aber nicht ihre Gedanken lesen. Außerdem braucht sie, um dabei erfolgreich zu sein, direkten Augenkontakt. Natürlich verliert man, wenn man über ihre Kraft Bescheid weiß, direkt ein Stück weit das Vertrauen in sie - manipuliert sie gerade oder nicht?

Last but not least ist da der autistische Gary Bell (Ryan Cartwright), dessen Fähigkeit - sämtliche Frequenzen von seinen inneren Augen visualisieren zu können und damit Hinweise und Spuren zu finden - wahrscheinlich noch die optisch ansprechendste ist. Wie in „Minority Report“ manipuliert er stets schwebende Interferenzen und elektromagnetische Signale, die nur er sehen kann.

Die erste Episode Pilot stellt nicht nur das Team, das von Dr. Lee Rosen (David Strathairn) geleitet wird, vor, sondern rekrutiert am Ende der Episode einen weiteren Kadetten für sein Team: den Meisterschützen Cameron Hicks (Warren Christie).

Es ist klar, dass in einem Serienpiloten zunächst die Figuren etabliert und vorgestellt werden müssen, aber irgendwie kommt die Motivation für das Zusammenarbeiten des Teams nicht überzeugend durch. Machen sie ihren Job, weil sie Kräfte haben? Oder vertraut die Regierung plötzlich unausgebildeten Superwesen die Verbrechensbekämpfung der Stadt an?

Wo sind all die Schurken hin?

Außerdem leben und sterben Superheldengeschichten von einem überzeugenden Widersacher, der über ein gewisses Charisma oder eine interessante Persönlichkeit verfügt. Doch auch dieser Faktor ist in Alphas bislang noch nicht zu sehen. Womöglich ist es gar kein Ziel der Serie, einen alles überstrahlenden Schurken einzuführen - wie etwa ein Sylar (Zachary Quinto) in Heroes oder ein Joker (Heath Ledger) in „The Dark Knight“ - denn die Pilotepisode wirkt so, als würde man hier klar dem Muster eines Case-of-the-Week folgen und in die Fußstapfen des ein oder anderen Procedurals schlüpfen wollen.

Bemerkenswert ist der Ton der Serie, der sich selbst stellenweise nicht allzu ernstnimmt und durchaus in den Bereich guilty pleasure abdriftet. Anders als, zum Beispiel, Heroes wirkt die Pilotfolge von Alphas von der Stimmung her etwas positiver und heller, auch wenn nirgendwo eine humorig-sympathische Figur des Kalibers Hiro Nakamura (Masi Oka) zu sehen ist.

Statt sich zu bemitleiden oder ihre Kräfte zu verstecken, gehen die Alphas zumindest in Einsätzen professionell mit ihren Kräften um. Es wirkt, als hätte man es bereits mit einem eingespielten Team zu tun und nicht wie mit Superhelden-Debütanten wie bei Heroes oder No Ordinary Family. Vielleicht wäre dieser Ansatz sogar etwas gewesen, was sich Fans nach der grandiosen ersten Staffel der NBC-Superheldenserie gewünscht hätten: ein harmonisierendes Superheldenteam.

Der Marvel-Faktor

Ein weiterer Aspekt, der gut herausgearbeitet wird, ist der sogenannte Marvel-Comics-Weg. Das könnte damit zusammenhängen, dass mit Zak Penn („X-Men 2“, „Der unglaubliche Hulk“) ein erfahrener Superhelden-Autor als Drehbuchschreiber beschäftigt wird. Denn die speziell für die Serie entwickelten Helden werden nicht als unfehlbare Alphawesen dargestellt, sondern als Menschen mit Schwächen, Limitation und persönlichen Problemen.

Der Autist Gary mag zwar eine nützliche Superkraft besitzen, ist aber sonst etwas in seiner eigenen Welt gefangen. Rachels Kraft ist zwar für ihren Job von Vorteil, aber ihre Familie behandelt die 24-Jährige immer noch wie ein Kind. Und Bill mag hart im Nehmen sein, kann seinen Körper aber auch nur begrenzt belasten und leidet unter Selbstüberschätzung. Wie diese Konflikte weiterhin präsentiert werden, wird sicherlich einer der unterhaltsameren Aspekte der Serie.

Fazit

Der Serienpilot zu Alphas ist somit als durchschnittlich unterhaltsam einzuschätzen. Diverse Muster aus anderen Comic-affinen Serien wurden so oder so ähnlich sicher schon mal woanders spektakulärer umgesetzt (zum Beispiel bei den „X-Men“ oder Heroes).

Die Superkraftauswahl der jeweiligen Figur ist vor allem eines: funktionell. Denn die Fähigkeiten passen prima zum Themenfeld der Verbrechensaufklärung. Außerdem hat man sich hierbei auf visuell einfach umzusetzende Spezialfähigkeiten verlassen, die niemanden so recht die Kinnlade runterklappen lassen. Interessanter ist da schon vielmehr, dass die Figuren durchaus eine sehr menschliche und verletzbare Seite an den Tag legen.

Die Darsteller sind insgesamt okay. Positiv hervorzuheben ist Ryan Cartwright, der als Autist gute Arbeit leistet. Der Rest des Schauspielensembles wird sicherlich im weiteren Verlauf der Syfy-Serie noch ihre speziellen Momente erhalten.

Das Potenzial für eine unterhaltsame Sommerserie ist durchaus vorhanden, denn bislang gibt es Luft nach oben. Echte Highlights oder „Wow!“-Momente blieben im Serienpiloten aus. Fans von Superheldenserien sollten reinschauen und sich selbst ein Bild von der Serie machen. Zumal im amerikanischen Fernsehen zurzeit eine kleine Dürre an klassischem Superhelden-Material herrscht.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 12. Juli 2011

Alphas 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Alphas 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Zeit zu töten
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 11. Juli 2011 (Syfy)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. Februar 2013
Autoren
Zak Penn, Michael Karnow
Regisseur
Jack Bender

Schauspieler in der Episode Alphas 1x01

Darsteller
Rolle
David Strathairn
Warren Christie
Azita Ghanizada
Laura Mennell

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