Almost Royal 1x01

Mit Almost Royal versucht BBC America, ein Comedyformat auf der Basis teilfiktionaler Situationskomik zu etablieren. Das von Ed Gamble und Amy Hoggart gespielte, fiktive Geschwisterpaar Georgie und Poppy Carlton repräsentiert dabei das britische Königshaus, welches in verschiedenen Situationen auf das moderne Amerika trifft. In der Pilotfolge Los Angeles müssen sich die beiden noch warm spielen, um den gewünschen Effekt zu erzeugen.
In einem Prolog sehen wir die beiden in einer Interviewsituation im Mockumentary-Stil, wie wir ihn derzeit aus Formaten wie Modern Family kennen. Gamble und Hoggart erklären die Motivation, ihren USA-Trip zu starten. Ihr Vater George starb an einem „tragischen“ Gesichtsschuss und hatte als letzten Wunsch, dass die beiden die Vereinigten Staaten von Amerika kennenlernen.
Fiktiver Charakter vs. nicht fiktive Situation
Dabei soll der Humor vor allem durch das Aufeinandertreffen der fiktiven Charaktere und der nicht fiktiven Situationen funktionieren. Diese Methode wurde vor allem durch Sacha Baron Cohens Charaktere wie Ali G, Borat oder Brüno bekannt, war allerdings bereits in ähnlichen Zügen bei Andy Kaufman und seinem Alter Ego Tony Clifton zu verzeichnen. Dessen herablassende Art kam dabei jedoch vor allem hinter der Kamera zum Einsatz.
In Deutschland wurde diese Art von Humor 2005 durch Christian Ulmens Mein neuer Freund bekannt. Auf der Vorlage des britischen My New Best friend strapazierte dieser ein Wochenende lang die Nerven verschiedener „Kandidaten“ mit einem fiktiven Charakter, um sie so möglichst daran zu hindern, am Ende des Wochenendes ein Preisgeld einzuheimsen.
Dabei ist das Ziel dieser teilfiktiven Situationen, das Gegenüber durch den Störfaktor des eigenen, meist von der Norm abweichenden Charakters zu irritieren.
Dies wird in Almost Royal vor allem durch zwei Faktoren bestimmt: einem nationalen Unterschied zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten und einem Klassenunterschied zwischen den etwas weltfremden Royals und der Arbeiterklasse Amerikas.
In England we call this...
So werden Poppy und Georgie in der Premierenfolge nach Los Angeles und dabei in verschiedene Situationen geschickt, um ihre Charaktere zu etablieren. Sie besuchen eine Autoleihstelle, das italienische Model Fabio in einem Supermarktverkauf oder machen eine Sightseeingfahrradtour durch Beverly Hills. Nebenbei werden vor allem Poppys Ambitionen, berühmt zu werden, thematisiert, indem sie zum Beispiel am Set von The Bold and the Beautiful („Reich und schön“) vorspricht oder versucht, über den Agenten Lyle an Rollen zu kommen.
Poppy und Georgie werden dabei ähnlich wie Cohens „Borat“ als etwas weltfremde, teils auch naiv-verklärte Charaktere eingeführt. So missinterpretieren sie den Begriff der „friends with benefits“ (zu Deutsch: „Freunde mit gewissen Vorzügen“) auf einer nicht sexuellen Art und Weise und deuten somit das Thema des Inzests an. Vor allem Georgies Reaktion auf die Brustimplantate eines plastischen Chirurgen verweisen auf eine sexuelle Unerfahrenheit.
Auf dem Set von The Bold and the Beautiful fragen sie beispielsweise, ob die Darsteller wirklich ineinander verliebt sind oder etwa wie viele Emotionen Kim Matula darstellen kann. Leider schaffen es die beiden dabei nicht wirklich, ihr Gegenüber aus der Fassung zu bringen. Dies mag vor allem an den kommunikativ angepassten Gesprächssituationen in der Pilotepisode liegen. So werden mit Fabio, Matula oder dem Chirurgen sehr offene, auf Gefälligkeit bedachte Charaktere einbezogen, die sich durch kleine Irritationen wie Poppys minimalistisches Mienenspiel nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Georgie, that went so well
Almost Royal schafft es dabei, in Situationen aufzutrumpfen, in denen das eigene, überzogene Selbstbild der Charaktere auf die nüchterne Wahrnehmung des Gegenübers treffen. Dies funktioniert besonders anhand der Rolle Hoggarts, wenn sie zum Beispiel das gescheiterte Vorsprechen als Erfolg verbucht. Oder wenn die beiden darauf warten, von Lyle angerufen zu werden, obwohl dieser alles anderes als überzeugt von deren darstellerischem Vermögen ist.
Leider bleiben die beiden in der Auftaktepisode im Großen und Ganzen etwas zu defensiv. So schneiden sie zwar Themen wie die eigene Homophobie oder emotionale Distanz an. Diese führen jedoch eher dazu, das fiktive Selbstbild des britischen Königshauses vorzuführen als die Alltagssituationen in L.A.
Fazit
Almost Royal legt mit der Pilotepisode Los Angeles einen durchaus soliden Start hin, der jedoch noch ausbaufähig ist. In den Mittelpunkt der teilfiktiven Situationen geraten dabei vor allem die Charaktere von Poppy und Georgie, die von Ed Gamble und Amy Hoggart durchaus authentisch dargestellt werden. Sie schaffen es jedoch nicht wirklich, das Gegenüber aus der jeweiligen Komfortzone zu locken, geschweige denn vorzuführen.
Dies mag zum Teil daran liegen, dass das Gefälle zwischen der als oberflächlich vorgestellten Welt des britischen Königshauses und der des modernen Hollywoods nicht groß genug ist. Zur Etablierung der Charaktere und des Themas reicht diese Auftaktepisode zwar aus. Um in einer Liga mit Da Ali G Show oder My New Best Friend zu spielen, muss Almost Royal jedoch noch etwas in Gang kommen.
Verfasser: Henning Harder am Montag, 23. Juni 2014Almost Royal 1x01 Trailer
(Almost Royal 1x01)
Schauspieler in der Episode Almost Royal 1x01
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