Almost Human 1x12

Almost Human 1x12

Ein Serienkiller entnimmt seinen Opfern via Nanotechnologie Körpermerkmale, um sich selbst zu verschönern. Allein wegen des hanebüchenen Twists am Ende sollte diese sonst mittelmäßige Episode von Almost Human nicht ausgelassen werden.

Die Detecives Kennex (Karl Urban) und Stahl (Minka Kelly) sprechen mit Captain Maldonado (Lili Taylor) / (c) FOX
Die Detecives Kennex (Karl Urban) und Stahl (Minka Kelly) sprechen mit Captain Maldonado (Lili Taylor) / (c) FOX

Die vermutlich vorletzte Folge des Sci-Fi-Procedurals Almost Human spielt mit ihrem Episodentitel Beholder auf eine klassische Episode der Anthologieserie The Twilight Zone namens „Eye of the Beholder“ (von 1960) an, in welcher es ebenfalls um äußerliche Entstellung und das Konzept von Schönheit ging. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Folgen kommen am Ende mit einer überraschenden Wendung daher, die sich gewaschen hat. Auch wenn die in „Almost Human“ präsentierte Überraschung unter Umständen für schallendes Gelächter aufgrund von Schadenfreude und eines aberwitzig-gelegen geschriebenen Handlungsverlaufs sorgen kann.

Wii-Golf und Herzschmerz

Ein attraktiver junger Mann genießt ein wenig Freizeit mit dem Spielen von virtuellem Golf, als er plötzlich von einem etwas entstellt anmutenden Tunichtgut überfallen wird, der ihm etwas injiziert. Auf dem Polizeirevier berichtet John (Karl Urban) seinem Robopartner Dorian (Michael Ealy) von einem mies gelaufenen Date, als die Information über den Mord reinkommt. Bei dem Toten handelt es sich laut Detective Stahl (Minka Kelly) um einen Chrome, wie die genetisch optimierten Menschen genannt werden, zu denen ja auch sie selbst gehört.

Der Herzinfarkt wäre nie als möglicher Mord entlarvt worden, wenn es sich bei dem Toten nicht um einen Chrome gehandelt hätte, denn ein solcher medizinischer Notfall ist bei Menschen mit korrigierter DNA auszuschließen. An der Eintrittswunde der Nadel werden die genetischen Fingerabdrücke von sieben Personen gefunden, die ebenfalls zu den Opfern des Serienkillers gehören. Ihr Tod wurde jedoch als normaler Herzinfarkt verbucht, da es sich bei ihnen nicht um Chromes gehandelt hatte. Captain Maldonado (Lili Taylor) merkt zudem an, dass sämtliche Opfer attraktive Personen sind.

Chrome-Club

Unterdessen betritt das mörderische Phantom ein düsteres Labor, in welchem er einen Wissenschaftler dazu erpresst, ihn abermals einer gewissen Behandlung zu unterziehen. Detective Stahl verfolgt unterdessen eine Spur, die sie zu einem exklusiven Club für Chromes führt. Nach anfänglichem Widerstand, der ihr als abtrünnigem Chrome-Cop an der Tür begegnet, unterhält sich der Clubbetreiber Jake mit ihr und überlässt ihr schließlich die Aufzeichnungen der Videoüberwachung.

John und Dorian betreten einmal mehr den „Rudy Comedy Club“ aka das Polizeilabor, wo die verschrobene Selbstwahrnehmung des nerdigen Technikers (Mackenzie Crook) einmal mehr als Humor durchgehen soll. Er ist schockiert darüber, nicht über den Killer informiert worden zu sein, obwohl er als Kind als Model tätig war. Mit dem Videomaterial wird via Gesichtserkennung schließlich ein Mann identifiziert, der das Opfer verfolgt hat. Dieser wird jedoch als zwei verschiedene Personen erkannt. Der mutmaßliche Täter verwendete plastische Nanotechnologie, um sein Gesicht zu verändern.

Die Polizisten statten daraufhin Dr. Amir einen Besuch ab, der diese Technologie einst erfunden hat. Er erklärt ihnen, dass sie nicht länger verwendet wird, da sie in dem abgetasteten „Spender“ des gewünschten Körpermerkmals einen Herzinfarkt auslösen würde. Wie wir erfahren, ist der Killer namens Eric ein entstelltes Versuchsobjekt aus den Testläufen dieser Technologie und sein assistierender Wissenschaftler einer der beteiligten Chirurgen. Dieser hilft ihm unterdessen dabei, die grünen Augen einer jungen Frau zu übernehmen, wozu er Eric zunächst eine Dosis Adrenalin verabreicht.

Total Rip-off - Die totale Abkupferei

Im Wagen verteidigt John seine unperfekten Züge und kritisiert den übertriebenen Einsatz von Technologie. Sein Partner lässt diese flache Kritik jedoch nicht stehen und besteht darauf, Johns technische Prothese gegen ein Baumstumpf oder eine Schaufel einzutauschen, wenn er so gern in einer vermeintlich „natürlichen“ Welt leben möchte. Die beiden sind auf dem Weg zu einem Outdoor Fight Club, wo Roboter gegeneinander antreten. John sucht einen Mann namens DiCarlo auf und findet ihn in einem „Exo-Suit“, der bei dem es sich - wie einst bei Schwarzenegger in „Total Recall - Die totale Erinnerung“ - um eine korpulente Frau handelt. Nach einigem Hin und Her gibt dieser zu, einen Doktor zu kennen, der die gesichtsverändernde Nanotechnologie einsetzt, um Leuten auf der Flucht eine neue Identität zu verschaffen.

Mit den Polizisten an seine Tür pochend spritzt sich der Wissenschaftler eine Dosis Adrenalin, um gegen die Cops angehen zu können, stirbt jedoch an den Folgen seiner Aufputschinjektion. Der nun tote Dr. McCann wird als einer der 20 Doktoren aus dem Nanobot-Versuch identifiziert und Dorian findet über ein Bild von Eric heraus, dass seine Gesichtszüge aus verschiedenen Menschen zusammengefrankensteinert sind. Seine Wangenknochen seien jedoch von einer noch nicht abgeernteten Zielperson, die ebenfalls identifiziert werden kann. Wegen daraufhin abgestellten Polizeischutzes sieht Eric von seiner nächsten Tat ab und stalkt stattdessen eine seiner Nachbarinnen, zu der er anscheinend seit längerem eine Chatbeziehung pflegt. Sie wollen sich bald treffen. Dies ist der Grund für Erics Taten, er möchte dem Avatar aus dem Chat, den er während seiner Konversationen verwendet hat, möglichst ähnlich sehen und sammelt dafür die nötigen Gesichtsmerkmale.

Achtung, Twist im Anflug!

Über eine wahrlich hanebüchene Schlussfolgerung kommen die ermittelnden Polizisten darauf, dass der Täter für die Kfz-Meldestelle arbeiten muss und stürmen bald darauf Erics Wohnung. Die Durchsuchung seines Computers lässt sie sofort die Motive durchschauen und wie es der Zufall so will, steht die Nachbarin gerade am Fenster gegenüber. Trotz seiner nicht abgeschlossenen Behandlung fasst sich Eric ein Herz und besucht die junge Frau namens Judy und gesteht ihr seine Zuneigung. Sie ist sichtlich gerührt von seinem Besuch, hat ihm jedoch etwas zu beichten. Ladys and Gentleman, machen Sie sich bereit für den größten Hammerschlag der Ironiefee, den das Fernsehland in jüngster Zeit als Twist zu bieten hatte...

Judy ist blind. Sie mochte Eric aufgrund ihrer Unterhaltungen und weil sie spürte, dass er genauso einsam ist wie sie selbst. In diesem Moment stürmt die Polizei die Wohnung und Eric ergreift die Flucht. Detective Kennex stellt ihn auf dem Dach und versucht, ihn vom Springen abzuhalten - ohne Erfolg.

Auf der Polizeistation bietet Dorian seinem Partner an, ihm einmal mehr bei seinen Drinks in der Bar Gesellschaft zu leisten, doch dieser lehnt ab. Stattdessen beschließt er, endlich die seit langem von ihm angehimmelte Valerie Stahl um eine Verabredung zu bitten, als diese gerade von dem Chrome Jake für ein Date abgeholt wird. John begibt sich allein in den Park, wo wir ihn und die Episode mit einer Montage verliebter Pärchen verlassen.

Fazit

Mit Beholder versucht Almost Human, vor seinem Staffelfinale noch einmal die großen Emotionen zu entlocken. Dies gelingt leider nur mäßig, da die Gefühle einmal mehr an Nebencharaktere aus dem Fall der Woche gekoppelt sind und nicht zuletzt der aberwitzige Twist jegliches Gewicht des tragischen Schurken verpuffen lässt. Während der Stalkingszene und zum Abschluss der Folge wurden als Emotionskanonen obendrein Sequenzen mit fragwürdiger Musikwahl präsentiert, die lediglich für längere Szenen gesorgt haben.

Minka Kellys Detective Stahl bekommt in dieser Folge wieder mehr zu tun und wir erfahren ein wenig über ihren Hintergrund und ihre Vorbehalte gegenüber genetisch optimierter Chromes, zu denen sie auch gehört. Ja, noch vor wenigen Folgen wurde an dieser Stelle mehr Charakterentwicklung dieser Art gewünscht, aber Kelly ist offensichtlich nicht in der Lage, den präsentierten Konflikt mit ausreichend Pathos zu transportieren.

Abschließend sei noch erwähnt, wie albern es ist, in „Almost Human“ das Thema ästhetische Relativität unterzubringen und Captain Maldonado erkennen zu lassen, dass sämtliche Opfer als gemeinsames Attribut Attraktivität besitzen, wenn der unattraktivste in dieser Networkhochglanzsendung der nerdige Techniker Rudy sein soll, der in Wirklichkeit aber auch höchstens „fernsehhässlich“ ist.

Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 25. Februar 2014

Almost Human 1x12 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 12
(Almost Human 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Das perfekte Gesicht
Titel der Episode im Original
Beholder
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. Februar 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 3. November 2014
Autoren
Chris Downey, Joe Henderson
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode Almost Human 1x12

Darsteller
Rolle
Karl Urban
Mackenzie Crook
Michael Irby

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