Almost Human 1x11

Noch drei Folgen von Almost Human sind übrig und wie die Dinge derzeit stehen, wird es sich tatsächlich um die letzten Episoden der gesamten Serie handeln. Etwas frustrierend stimmt dabei die Tatsache, dass kurz vor Schluss noch mit Mysterien bezüglich Dorian begonnen wird, die vermutlich keine Auflösung mehr erfahren werden. Leider handelt es sich bei Disrupt auch nicht um den Einstieg in einen Dreiteiler, welcher der Rahmenhandlung um das Syndikat und Dr. Vaughn Raum geboten hätte, womit zumindest der Weg zu einem befriedigenden Abschluss frei wäre. Stattdessen befasst sich das „Cyber-Prodcedural“ diese Woche mit wild gewordenen Securitysystemen und der Zukunftsversion von „Anonymous“.
In flagranti
Polizeitechniker Rudy Lom (Mackenzie Crook) hat Dorian (Michael Ealy) in seinem Labor liegen, wo dieser mittlerweile wohnt. Er hat Zugriff auf die Erinnerungsdaten seines künstlichen Mitbewohners, doch dieser hat nach seinem Erwachen wenig Verständnis für die „Wartung“, welche ihm angeblich während seiner Ruhephase verpasst wurde. Detective Kennex (Karl Urban) schneit herein, um Dorian für die Schicht abzuholen. Sie vertreten Detective Paul, der laut John wegen einer einem Intimpiercing zu verdankenden Infektion in Behandlung ist.
Andernorts kehrt Mr. Bennett nach Hause zurück, wo seine besorgte Frau auf ihn wartet. Vor einem Jahr ist ein Teenager durch ihr Synturion-Sicherheitssystem ums Leben gekommen, als dieses eine Fehlfunktion hatte und dabei den Selbstschuss aktivierte. Seitdem hat das Paar viele Drohbriefe und Morddrohungen erhalten. Sam, das Hologramm des Hauses, schließt Mrs. Bennett kurz darauf im Swimmingpool ein und lässt das Feuer auf Mr. Bennett eröffnen.
Am Tatort angekommen schließen die Ermittler schnell aus, dass es sich um eine erneute Fehlfunktion handelt und John gibt abermals Auskunft über Detective Pauls Gesundheitszustand. Diesmal sollen Hämorrhoiden Schuld an seiner Abwesenheit sein. Dorian ermahnt seinen Partner bezüglich seines indiskreten Streichs, doch dieser erklärt ihm, dass menschliche Kontakte nicht ohne Reibung vonstatten gehen würden. Sie befragen schließlich das Hologramm, welches sich sehr hilfsbereit gibt und die Polizisten über die Drohbriefe informiert.
Bei Synturion treffen John und Dorian schließlich auf eine Androidenversion von Sam. Das neue Modell soll demnächst als persönliches Sicherheitssystem auf den Markt gehen, weshalb dem Unternehmen das Vertrauen des Verbrauchers gerade zu dieser Zeit wichtig ist. Die Geschäftsführerin und der Anwalt von Synturion klären die Polizei darüber auf, dass es sich bei den Vorfällen vermutlich um Hackerangriffe handelt, die in das System eingegriffen haben. Im Gebäude der Firma hat Dorian plötzlich Flashbacks der mysteriösen Bilddateien, die Rudy abgerufen hatte. Es handelt sich um Erinnerungen eines kleinen Jungen, der mit einem Spielzeugshuttle spielt.
Cyberpunk Rudy
Im Polizeipräsidium trifft Detective Stahl (Minka Kelly) unterdessen auf die Mutter des vor einem Jahr umgekommenen Aaron. Sie ist zwar für ein Verbot der Synturion-Systeme, hat jedoch keinerlei Erfahrung im Hacken und behauptet zudem, keine Mörderin zu sein. Kurz darauf verursacht eine Hackergruppe namens Disrupt einen Stromausfall in der Stadt und propagiert den Slogan „Justice for Aaron“. Rudy war einst Teil der Hackerszene und versucht, die Detectives Kennex und Stahl mit den anonym agierenden Cyberterroristen in Verbindung zu bringen. Diese Feiern Erfolge wie den Blackout nämlich stets mit einer Party, zu der einschlägige Personen geladen werden.
Mit Rudys alter Hackeridentität und sehr aufgesetzter Cyberpunk-Kostümierung, die von den dort anwesenden Hackern sofort als Polizeitarnung durchschaut wird, begeben sich die beiden zur Hackerparty. Diese findet im virtuellen Raum statt, während die physisch Anwesenden lediglich herumsitzen. Sie sind auf der Suche nach einem Hacker namens Crispin X, der für den Stromausfall verantwortlich sein soll, jedoch nicht zum Disrupt-Netzwerk gehört. Er sei vielmehr ein Hackersöldner. Der junge Mann ist bald gefunden und wird mit aufs Revier genommen.
Im Labor unterhalten sich Dorian und Rudy zwischenzeitlich über die ihm erscheinenden Bilder. Dabei könnte es sich um tatsächlich Gesehenes handeln, welches vom Androidenhirn als Erinnerungen neu interpretiert wird. Bei dieser Gelegenheit gesteht der Techniker zudem, dass er Dorian bereits vor seiner Reaktivierung für den Polizeidienst hin und wieder aufgeweckt hatte, um sich die Zeit mit ihm zu vertreiben. Diese Daten musste er jedoch im Anschluss wieder löschen. Dorian möchte sie zurück, sofern Rudy sie noch finden kann.
„Disrupt's members are anonymous“
Wie sich herausstellt, hatte Disrupt den Hacker Crispin X engagiert, um den Stromausfall zu verursachen. Er will jedoch nichts mit dem gehackten Sicherheitssystem zu tun gehabt haben. Zwischenzeitlich wurde der Anwalt von Synturion getötet. Sein Sicherheitshaus hatte die Feuerlöschvorkehrung aktiviert und den Sauerstoff abgeschnitten. Der Hack dieses Vorganges war jedoch geschehen, als sich der verhaftete Hacker bereits in Gewahrsam befand. Wieder wird sich bezüglich Detective Paul erkundigt. Diesmal soll er laut Kennex eine Infektion von einem Sex-Bot davongetragen haben.
Synturions Anwalt hatte im Vorfeld Drohmails erhalten, die ein Foto von Aaron beinhalteten. Crispin X wird ein Deal angeboten, sofern er den Rest des Teilfotos wiederbeschafft. Mit seinem Equipment ist es ihm tatsächlich möglich, verschlüsselte Daten auf Aarons Computer ausfindig zu machen. Der übrige Teil des Fotos zeigt ein junges Mädchen, welches als Emily identifiziert wird. Sie gilt mittlerweile als verschollen. Auch die Geschäftsführerin von Synturion erhält nun bedrohliche E-Mails und die Ermittler machen sich auf zum Gebäude der Securityfirma, während Emily und Crispin X sich ein Hackingduell um das Leben der Geschäftsführerin leisten. Sie ist im Begriff, auch hier den Sauerstoffzufluss abzuschneiden und aktiviert obendrein Sam-Bots.
Dorian findet schließlich die hinter allem steckende Emily und leistet sich ein Gefecht mit einem seiner Securitykollegen. John lässt via Crispin X einige Hologramme von sich selbst erstellen, um die anderen Androiden zu verwirren. Von dem Roboterpolizisten schließlich gestellt, droht Emily schließlich mit Selbstmord, um sich Dorians Programmierung zunutze zu machen. Doch sie wird bald zur Aufgabe überredet. Sie und Aaron waren ein Paar und er starb, als er auf dem Weg war, sie zu treffen. Rechtzeitig gelingt es dem anderen Hacker, den Sauerstoff zu sichern.
Im Polizeirevier geht schließlich Johns Streich auf und Captain Maldonado (Lili Taylor) bekommt von einem Polizisten gesammeltes Geld überreicht, für welches sich Detective Paul ein Hämorrhoidenkissen besorgen soll. Dieser befindet sich jedoch in Wirklichkeit mit seiner Mutter in Mexiko, wie wir erfahren. Detective Stahl bittet hingegen erneut die Mutter von Aaron ins Präsidium. Anhand seiner Social-Network-Kontakte, die ihm ein digitales Denkmal gesetzt haben, zeigt sie ihr, wie viele Menschen ihr Sohn zu Lebzeiten berührt hat und dass er nicht einsam gestorben ist.
Rudy informiert John über die Bilddateien in Dorians Gedächtnis und verrät ihm, dass es sich dabei um organische Erinnerungen handelt, die wohl jemand dort implantiert haben muss. Die beiden wollen die Angelegenheit zukünftig auf eigene Faust erforschen, um nicht Dorians Ausmusterung zu provozieren, sollte vermutet werden, dass auch er - wie die anderen DRN-Modelle - seinen Verstand verliert.
Fazit
Während die letzten drei Folgen von Almost Human in korrekter Reihenfolge ausgestrahlt werden, handelt es sich bei Disrupt nicht, wie angenommen werden könnte, um einen Teil eines größeren Staffelfinales, welches die Rahmenhandlung als Mehrteiler wieder aufgreift. Geboten wird dafür immerhin ein Fall, der etwas differenzierter mit der Problematik anonymer Netzbewegungen umgeht, als es etwa die Folge Simon Says getan hatte. Die Aktivisten von Disrupt, bei denen es sich eindeutig um eine Anspielung auf Anonymous handelt, wären für die Autoren, deren Drehbücher bisher gern den offensichtlichen und somit flachen Weg eingeschlagen hatten, ein leichtes Ziel gewesen. Die dargebotene Zurückhaltung soll deshalb nicht unerwähnt bleiben.
Leider führt uns die aktuelle Folge erneut vor Augen, wie viel interessanter die Welt der Cyberpunks und Bodymodder aus der Undergroundhackerszene im Gegensatz zur geleckten Saubermannwelt der LAPD-Cops ist. Natürlich wurden diese hier als hedonistische Paradiesvögel dargestellt, aber auch in diesem Fall war zumindest eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Zudem gehört die fehlgeschlagene Infiltrierung der Detectives wegen Nichtverstehens der Szenegepflogenheiten zu den besseren und amüsanteren Szenen der Serie. Sie unterstreicht vor allem Rudys Charakter, der zwar Teil des Hackermilieus gewesen sein will, aber auch hier nicht ganz hineinzupassen schien.
Das Geheimnis um die Erinnerungen von Dorian hätte der Serie als sekundärer roter Faden sehr viel früher gutgetan. Es beschert der Serie nicht nur ein Mysteryelement und lässt einiges an Spekulationen zu (Ist Dorian mit den Erinnerungen eines verstorbenen Menschen gefüttert oder war er selbst einmal ein Mensch, der nach einer Krankheit mit einem künstlichen Körper ausgestattet wurde?). Es lässt die Serie womöglich einer Frage nachgehen, die etwa in „Ghost in the Shell“ und anderen Science-Fiction-Werken von zentraler Natur ist: Was macht einen Menschen aus und ab wann wird einer künstlichen/teils künstlichen Person die Würde eines solchen gewährt?
Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 18. Februar 2014(Almost Human 1x11)
Schauspieler in der Episode Almost Human 1x11
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