Almost Human 1x13

Ein vorerst (?) letztes Mal ist die Science-Fiction-Copserie Almost Human bei FOX auf Sendung gegangen. Über die Zukunft des Zukunftsprocedurals wird in den kommenden Tagen entschieden werden, Optimismus unter den Fans sollte jedoch mit Vorsicht genossen werden, denn die Zuschauerzahlen sind seit der zehnten Folge erneut abgerutscht. Was im Vorfeld noch als Hoffnungsträger des Genres gehandelt wurde, entpuppte sich für viele rasch als Enttäuschung, was fehlendem Mut und fehlender Substanz bei den Drehbüchern zuzuschreiben ist. Kann das erste Staffelfinale die Serie wenigstens zum Teil rehabilitieren? Werden Antworten auf offengelassene Fragen gegeben, Storyelemente zusammengefügt oder wenigstens per Teaser ein wenig Lust auf eine zweite Staffel gemacht? Oder ist die Episode Straw Man eher seinem Titel ähnlicher und abermals eine ausgestopfte Hülle ohne Inhalt?
Damsel in Distress
Im Ghetto der Stadt wird ein obdachloser Teenager von einem Mann belästigt, der ihr einen Schlafplatz bei sich anbietet. Die Jungfrau in Nöten wird von einem sympathisch wirkenden Mann in einem Rollstuhl gerettet, der ihr anbietet, sie zu einem Nachtlager zu führen, das noch Schlafplätze zu bieten hat. Auf dem Weg dorthin, wird Abby von ihrem nun laufenden Begleiter betäubt und verschleppt.
Beim LAPD findet derzeit die Evaluation der künstlichen Polizeikollegen statt, zu denen nicht nur die MX-Modelle sondern auch Dorian (Michael Ealy) geladen ist. Die Kollegen werden einzeln zu dem DRN-Modell befragt, das eigentlich auf eine Weltraumstation versetzt werden sollte, ehe Captain Maldonado es erneut für den Dienst an der Seite von Detective Kennex (Karl Urban) abstellte. Das Interview mit den Besuchern aus der Zentrale macht Dorian sichtlich nervös, doch er scheint sich gut zu schlagen.
Bald danach sind John und Dorian bereits auf dem Weg zu ihrem nächsten Fall. Die Leiche von Abby wurde gefunden und weist ein verstörendes Merkmal auf: Ihre Organe wurden entfernt und mit Stroh ersetzt, ehe ihr Körper säuberlich zugenäht wurde. Die Polizisten erkennen dies sofort als die Handschrift des sogenannten „Straw Man“. Ein Serienkiller, der vor Jahren sein Unwesen trieb und dessen Fall damals von Johns Vater untersucht wurde. Dieser war auch in der Lage, den vermeintlichen Täter zu fassen, kurz bevor er im Dienst ums Leben kam. Der Strohmann, Michael Costa, sitzt jedoch seitdem in Haft, beteuert aber nach wie vor seine Unschuld.
Daddy Issues
Von dieser soll auch Detective Kennex Senior zuletzt überzeugt gewesen sein, der Costa noch vor seinem Tod einen Besuch abgestattet hatte. Verdächtigerweise sind auch die Akten zum Serienkillerfall von damals verschlüsselt, doch Captain Maldonado verschafft John Zugriff. Sein Misstrauen gegenüber möglicher Verräter im LAPD geht so weit, dass er im Folgenden allein an die Untersuchung der alten Akten geht.
Dorian stattet unterdessen Rudy (Mackenzie Crook) einen Besuch ab, mit dem er über die Evaluation spricht. Er soll ein zweites Mal befragt werden, was ihm keine Zuversicht beschert. Bei der Untersuchung der Akten seines Vaters stößt John auf einen verdächtigen Verweis auf die Füße der Opfer. Als Rudy ihm gegenüber später die auffällig sauberen Fingernägel der Opfer erwähnt und John auf die Plattfüße der Toten aufmerksam macht, springt beim Polizeitechniker der Funke über. Bei den vermeintlichen Opfern handelt es sich um Replikationen aus einem Drucker für organisches Gewebe. Ältere Modelle dieser Technik würden Plattfüße als Nebenwirkung verursachen und können zudem keine Organe drucken, was durch die Strohfüllung vertuscht werden sollte.
Ein zweites Opfer wird gefunden, dessen Organe ebenfalls fehlen. Der sich als Rollstuhlfahrer ausgebende Täter hatte wieder in einem Zufluchtsort für Obdachlose zugeschlagen, was den Ermittlern klar wird, als sie eine typische Stichwunde am Finger des gefälschten Opfers sehen. Ausgabemaschinen für Nährstoffkapseln messen auf diese Weise den Blutwert und geben den nötigen Nahrungsersatz aus. Captain Maldonado ordnet daraufhin an, die Hilfestellen für Obdachlose patrouillieren zu lassen, um den Täter in zwei der nicht von der Polizei belagerten Orte zu locken. Während Detective Paul (Michael Irby) sich inkognito unter die Menschen mischt, gibt John im Wagen eine Story über seinen Vater zum Besten. Dieser sei ein Vorzeigecop gewesen, der keinesfalls Dreck am Stecken gehabt haben könnte.
Cyborg - Definitiv nicht schwedisch
Wegen der Polizeipräsenz lässt der Täter von der Entführung einer weiteren jungen Frau ab, schnappt sich jedoch einen jungen Mann, mit dem Detective Paul sich kurz zuvor unterhalten hat. Die Drohnen der Polizei machen schnell den Entführer-Van ausfindig und der Fahrer wird per Gesichtserkennungs-Software als Glen Dunbar identifiziert, der sich bereits des Schwarzmarkthandels schuldig gemacht haben soll. Bei dem Stürmen seines Verstecks entdecken die Ermittler die echten Opfer, denen verschiedene Technologie eingepflanzt wurde. Dunbar selbst ist ein Cyborg seit er selbst versucht hat, eine Krankheit durch im Körper eingebaute Technik zu bekämpfen. Hierfür benötigte er jedoch Versuchspersonen, deren Verschwinden er durch die Duplikate unauffällig gestaltete. Die damaligen „Morde“ hing er Michael Costa an und nun, Jahre später, war es Zeit für neue Technologie und neue Versuchskaninchen.
Ein korrupter Cop namens Grant hatte zudem technische Geräte aus dem Beweismittelraum der Polizei gestohlen und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Ein Verbrechen, für das Johns Vater beschuldigt wurde. Kurz nach dessen Tod wurde auch Grant tot aufgefunden. Nach einem Kampf mit dem technisch aufgerüsteten Glen, den John durch ein paar gezielte Schüsse in dessen Brust beendet, ist der Fall abgeschlossen und Michael Costa wird aus dem Gefängnis entlassen.
Während seines zweiten Interviews imitiert Dorian zunächst das nüchterne Verhalten eines MX-Modells, ehe er erfährt, dass sein Dienst verlängert wurde. Grund hierfür sei vor allem das Lob seines Partners John Kennex gewesen. Dieser habe zu Protokoll gegeben, dass er nicht mehr im Polizeidienst wäre, hätte er nicht Dorian an seiner Seite. Bei seinem Lieblingsnudelstand wird John daraufhin mit einem Geschenk von Dorian überrascht. Über Rudy war er in der Lage, ein künstliches Bein zu besorgen, das weiterentwickelt ist, als seine aktuelle Prothese. Eine eingehende Nachricht bezüglich eines neuen Falls unterbricht den freundschaftlichen Moment und die Partner brechen in ein neues Abenteuer auf.
Fazit
Wie T.S. Elliots Weltuntergang endet die erste Staffel und somit vielleicht auch die Serie Almost Human nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Wer mit einer Zusammenführung der verschiedenen über die dreizehn Folgen der Staffel eingeführten Elemente gehofft hatte, kann geruht weiterträumen und höchstens auf eine zweite Staffel hoffen, über deren Urteil das Seriengericht bei FOX noch immer nicht entschieden hat.
Als reguläre Folge könnte Straw Man als überdurchschnittliche Episode der Serie durchgehen, als Finale einer Staffel, die uns vergeblich auf einen größeren Zusammenhang hat warten lassen, ist die Belanglosigkeit dieses Falles eher unentschuldbar, auch wenn es teils um Hintergrund unserer Hauptfigur geht. Wie Captain Kirk am Anfang von „Star Trek: Generations“ kommt man sich vor, wenn der Kapitän der neuen Enterprise vertröstend auf „Dienstag“ verweist, wann immer nach einem Feature des Raumschiffs gefragt wird. Was befindet sich hinter der großen Mauer? Was ist mit Johns verräterischer Exfreundin? Was ist mit dem Syndikat? Was ist mit Dr. Vaughns Roboterarmee? Was ist mit Dorians mysteriösen Träumen? All das sind Fragen, deren Antworten erst Dienstag, beziehungsweise in der zweiten Staffel, die womöglich eher am Sankt Nimmerleinstag ansteht, geliefert werden.
Selbst die Folge an sich verpasst während ihres Falles einmal mehr die Chance, etwas interessanteres zu veranstalten und opfert diese Möglichkeit auf dem Altar von Johns Saubermann-Daddy, dessen Image nicht befleckt werden durfte. Wäre es nicht interessanter gewesen, hätte dieser seinen Tod auch nur mithilfe eins Duplikats vorgetäuscht und würde mit dem Cyborg zusammenarbeiten? Oder noch besser, mit dem Syndikat?
Abschließend möchte ich die Leser dieser wöchentlichen Lamentation mit zwei Stücken hoffnungsvoller Information entlassen. Zum einen in Form einer Zahl: Dieses Jahr sind insgesamt 18 Science-Fiction-Piloten bei den US-amerikanischen Networks in Entwicklung „57870“. Mögen es mehr als einer von ihnen zur Serienbestellung schaffen, so dass die Hoffnung der Freunde dieses Genres nicht wieder auf einem einzigen Kandidaten mit vielversprechenden Vorzeichen ruht. Zum anderen in Form einer Empfehlung: Wem die Prämisse von Almost Human gefiel, die Ausführung aber zu flach daherkam, dem seien zwei Serien ans Herz gelegt, die ihre Sache besser gemacht haben. Während das schwedische Science-Fiction-Drama Real Humans (OT: „Äkta människor“) sich vor allem mit der emotionalen und philosophischen Frage des Menschseins beschäftigt, brilliert die Animeserie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex mit tiefsinnigen Geschichten über die Bekämpfung von Cyberkriminalität und einer komplexen Zukunftswelt, die sich Folge um Folge inklusive einer übergreifenden Handlung entfaltet.
Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 4. März 2014Almost Human 1x13 Trailer
(Almost Human 1x13)
Schauspieler in der Episode Almost Human 1x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?