Almost Human 1x09

Nach zwei Wochen Pause kehrt Almost Human mit der Folge Unbound ins US-Fernsehen zurück und bringt etwas fertig, woran viele verzweifelte Sci-Fi-Fans wohl nicht mehr geglaubt haben. Die im Piloten begonnene Geschichte wird endlich fortgeführt (und das mit mehr als nur einer fünfminütigen Dialogszene)! Die wahre Überraschung ist jedoch: Die Episode ist so überraschend gut, dass es umso deprimierender stimmt, was aus dem Rest der Serie geworden ist, der nicht an den übergreifenden „Story-Arc“ gebunden ist.
Für alle, die sich schon (verständlicherweise) von Almost Human verabschiedet haben, darf dieses Review durchaus eine Empfehlung darstellen. Die Folge wird eine/n vielleicht nicht unbedingt mit den Zukunftscops von FOX versöhnen, bietet aber zumindest den schon vor Beginn der Serie versprochenen John Larroquette „54632“, der bisher das Beste ist, was Almost Human je passiert ist. Für alle Actionfreunde gibt es zudem einen Killerroboter, der für den höchsten body count der Serie sorgt.
Robodornröschen
Eine Frau wird von einem vermummten Räuber bedroht und erschossen, nachdem sie ihre Geldbörse herausgegeben hat. Der Täter wird schnell von der Polizei verfolgt und niedergeschossen. Wie sich herausstellt, ist der Räuber ein Roboter. Regungslos wird er im Polizeiarchiv archiviert, wo der Körper jedoch, reaktiviert, den im Cliffhanger des Piloten gesehenen Androidenkopf ausfindig macht und diesen gegen seinen provisorischen Zyklopenkopf tauscht. Auf dem Weg tötet das erwachte Killerdornroboröschen (Gina Carano) einen Polizisten. Das erste vieler Opfer in dieser Folge. Sie ist wohl keine Morgenperson.
John (Karl Urban) und Captain Maldonado (Lili Taylor) identifizieren die Erwachte als ein XRN-Modell, zu welchem Dorian (Michael Ealy) nichts in seiner Datenbank findet. Ist sie auf dem Weg in das vermeintliche Ghetto jenseits der großen Mauer? Arbeitet sie für das Syndikat? John klärt seinen Kollegen über die Geschichte der künstlichen Polizeipartner auf: Lumacorps ist der Konzern, der die DRN-Modelle hergestellt hatte, welche zu Polizisten gemacht wurden. Diese verloren jedoch kurze Zeit später ihren Verstand, einige zerstörten sich sogar selbst. Lumacorps verlor daraufhin seinen guten Ruf, worauf man dort einen Soldatenroboter mit der Kennzeichnung XRN herstellte, um sich zu beweisen. Eine Demonstration in der Innenstadt führte jedoch zu einem dreitägigen Massaker, bei dem 26 Polizisten ihr Leben ließen, als sie gegen nur ein XRN vorgingen. Der Kopf war das einzige, was von dem Modell übriggeblieben war.
Who's your daddy?
In der Zwischenzeit hat das erwachte XRN-Modell einen Taxifahrer umgebracht, um zu einem Lagerhaus zu gelangen, wo sie sich mit einem neuen Körper ausstattet. Wie Rudy (Mackenzie Crook) nämlich herausfindet, war der provisorische Körper lediglich mit einer sekundären Energiequelle ausgestattet, die keine lange Lebenszeit besitzt. Mit dem neuen Körper wird sie von dem Betreiber des Reparaturservices für Roboter entdeckt. Bei diesem handelt es sich, wie Dorian beim späteren Verhör erfährt, um Dr. Nigel Vaughn (John Larroquette), den ehemaligen Geschäftsführer von Lumacorps, der unter neuem Namen kleinere Reparaturen verrichtet, da er seit dem Vorfall mit dem XRN-Modell seine Lizenz für Arbeiten im Bereich der Robotik verloren hat. Er ist entzückt, zu sehen, dass Dorian noch immer für die Polizei arbeitet.
Während Dr. Vaughn eine Idee hat, wie sie Danica (wie er sie nennt) mithilfe von Rudy und dem Polizeilabor aufspüren könnten, besorgt Dorians Schwester sich das Auge eines Firmenmitarbeiters, mit welchem sie sich Zugang zu den Räumlichkeiten verschafft. In Rudys Bastelstube angekommen wird Dr. Vaughn von Rudy, der sich vor Heldenverehrung kaum fangen kann, mit einem Hofknicks begrüßt. Im alten Equipment finden sie schließlich die synthetischen Seelen, Vaughns größte Errungenschaft, mit welchen die DRN- und XRN-Modelle ausgestattet sind. Ein Anruf von Agent Paul (Michael Irby) lässt die Ermittler wissen, dass Danica unterdessen 500 ZNA-Prozessoren gestohlen hat. Anscheinend will jemand Androiden herstellen.
Ein Experte für Robotik versichert John und Dorian in einem Gespräch, dass es sich bei dem verwendeten Zyklopenroboter um ein jüngeres Modell mit neuester Technologie handelt, das nicht offiziell, sondern vielleicht sogar jenseits der Mauer hergestellt wurde. Nur eine Handvoll talentierter Ingenieure wären jedoch zu so einem Meisterstück fähig. Im Labor sind Rudy und Dr. Vaughn währenddessen dabei, am tracking von Danica zu arbeiten. Rudy bewundert ihn noch immer für die Erfindung der DRNs, doch sein Vorbild spekuliert, ob nicht beim Erbauen etwas Düsteres von ihm in Danica gelandet sein könnte.
Komplimente retten Leben
Die mörderische Roboterdame sitzt mittlerweile in einem Taxi und erschießt beinahe eine Mutter und ihr Kind, ehe das Mädchen ihr ein Kompliment macht und sich somit rettet. Dr. Vaughn stattet John mit einem EMP-Spieß aus, der in Danicas Nacken gestochen werden muss, um sie zu deaktivieren - außerdem ist das Aufspüren erfolgreich. Sie ist auf dem Weg zum Stadtrat James Hart, der sich derzeit auf einer gut besuchten politischen Veranstaltung befindet. Sie richtet dort erneut ein Blutbad an, während die Polizei noch auf dem Weg zu ihr ist. Am Ort des Geschehens muss John jedoch feststellen, dass die EMP-Waffe nicht funktioniert und Dr. Vaughn sich aus dem Polizeirevier geschlichen hat.
Es kommt zu einem Kampf zwischen Dorian und Danica, die dem DRN-Modell versichert, Opfer seien notwendig, ehe sie ihren Bruder schließlich auf einer Metallstange aufspießt. John stellt sich erneut dem gefährlichen XRN-Modell und ist in der Lage, einen der Pins ihrer Granaten zu erwischen, die detoniert, nachdem John sie rechtzeitig in einen Aufzug gekickt hat.
Wie sich herausstellt, ist der Politiker James Hart ein starker Gegner der DRN-Modelle und will diese komplett einstampfen und gegen MX-Modelle ersetzen lassen. Er ist auch derjenige, der mit für den Fall von Lumacorps gesorgt hat, doch es ging Dr. Vaughn nicht nur um Rache, sondern um Ressourcen. Er hat die synthetischen Seelen aus dem Polizeilabor gestohlen und ist nun mit den von Danica besorgten ZNA-Prozessoren ausgestattet. Captain Maldonado und ihr Team spekulieren darüber, wo er sich ein neues Labor aufbauen könnte. Doch ein Labor jenseits der Mauer wird von allen Beteiligten als verrückter Unfug ausgeschlossen.
Dorian ist von seinem Schöpfer enttäuscht und äußert Besorgnis darüber, dass ihm das gleiche Schicksal drohen könnte wie den anderen DRN-Modellen oder seiner XRN-Verwandten, die laut Vaughn nicht anders gewesen sein sollen als er selbst. John versichert ihm, dass er keinesfalls wie die anderen ist. Am Stadtrand steht Dr. Vaughn nun mit seinem gestohlenen Equipment vor der riesigen Mauer und wird auf ein Signal hin von Komplizen auf die andere Seite gezogen.
Fazit
Warum nicht gleich so, Almost Human? Mit Unbound wird endlich die im Piloten angedeutete Geschichte fortgeführt und das sogar auf interessante Weise. Gina Carano macht als Killerroboter auf Tötungstour eine bedrohliche Figur und John Larroquette ist eine absolute Wonne als Androiden-Gepetto, auch wenn die Präsenz eines so profilierten Gaststars natürlich ein wenig die schurkische Wendung am Ende vorwegnimmt. Sogar Techniker Rudy hat ihm gegenüber die Möglichkeit, wahrhaftig witzig zu sein, im Gegensatz zu den sonstigen Comedyversuchen bei dieser Figur.
Auch die an „Escape from New York“ und andere Dystopien erinnernde Mauer, die sicher auch ein paar Game of Thrones-Assoziationen wecken wird, ist allein aus dem Grund interessant, weil die Ghettoisierung die dreckigeren Aspekte dieser Zukunftswelt erklären würde und warum der Rest der Serie so langweilig und geleckt aussieht. Verbergen sich noch mehr Freigeister hinter der Wand, die noch gefährlichere Konstruktionen erbaut haben als lediglich Roboter in Menschengestalt? Ich bin sicher, was immer wir aufgetischt bekommen wird eine herbe Enttäuschung sein, aber man wird wohl noch träumen dürfen.
Auch die Action in dieser Folge ist deutlich besser choreografiert als in den Wochen zuvor. Besonders der Kampf gegen Danica am Ende weiß zu überzeugen und endet durch den Granatenstecker auf einer humorigen Note, die nicht so fehl am Platz ist wie der zuvor exerzierte Pathos inklusive Selbstjustizplädoyer.
Unbound ist trotz der verkehrten Ausstrahlungsreihenfolge der Serie die neunte Folge von Almost Human, womit von den vier verbleibenden Episoden drei tatsächlich nach der heutigen angesiedelt sind (in der eigentlichen Reihenfolge). Hoffentlich gibt es zum Ende der Staffel auch ein Wiedersehen mit Larroquettes Dr. Vaughn und seinen mechanischen Schergen jenseits der Mauer. Eine Fortführung via FOX sieht zu diesem Zeitpunkt immer unwahrscheinlicher aus, aber ich wage zu behaupten, dass wir die Staffel (beziehungsweise die Serie) mit einer durch Vaughn fertiggestellten Roboterarmee auf der anderen Seite der Mauer als Cliffhanger beenden werden. Parallelen zu gewissen Game of Thrones-Cliffhangern wären natürlich absolut zufälliger Natur.
Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 4. Februar 2014(Almost Human 1x09)
Schauspieler in der Episode Almost Human 1x09
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