Almost Human 1x03

Mit Are You Receiving? liefert Almost Human diese Woche eine in sich abgeschlossene Geiseldramastory inklusive Twist ab. Diese gestaltet sich auch erfreulich kurzweilig und dient als Vehikel, um die Beziehung zwischen John und Dorian abermals zu festigen. Das Infiltrieren von durch Terroristen besetzten Bürogebäuden schweißt eben zusammen und so langsam wird das Wort „Buddy“ in Buddy-Copserie richtig groß geschrieben.
Wie eine gut geölte Maschine
Wir beginnen mit John (Karl Urban) und seiner Morgenroutine, bei der er sein kybernetisches Bein anlegt. Es quietscht und der Detective erinnert sich an den Ratschlag seines synthetischen Partners: Olivenöl. Das Hausmittel hilft, doch auf dem Weg zu ihrem Einsatz ist John zu stolz, um dies zuzugeben und degradiert Dorian (Michael Ealy) zum Kaffeaufwärmer. Dahinter steckt jedoch kein authentischer Hass mehr gegen die Kollegen der künstlichen Art, sondern vielmehr freundschaftliche Neckerei. So wird die mittlerweile als Bondingszene etablierte Autofahrt zur The Odd Couple-Routine, in welcher Dorian die Rolle des pedantischen Felix (Tony Randall) übernimmt.
Ihr Ziel ist das Sanderson-Bürogebäude, welches von Terroristen in ihre Gewalt gebracht wurde, nachdem diese einen Wachmann erschossen haben. Sie verschanzen sich mit einer Gruppe Geiseln im 25. Stockwerk und zerlegen mit einer Bombe den Serverraum, als die Officers am Tatort angekommen sind. Trotz direkter Anweisung von Captain Maldonado (Lili Taylor) entschließt sich John zur Erklimmung des Treppenhauses, während das Gebäude evakuiert wird. Das LAPD iniziiert daraufhin eine Signalstörung, die sämtliche Kommunikation mit dem Gebäude verhindert.
Wo ist Robo-Kevin-Spacey, wenn man einen Geiselverhandler braucht?
Auf ihrem Weg durch das Treppenhaus nimmt Dorian den Anruf einer Mitarbeiterin im Gebäude namens Paige entgegen, die sich auf dem Stockwerk mit den Geiselnehmern befindet. Sie konnte sich in ein Versteck flüchten und hat Angst um ihre Schwester, die sich unter den Gefangenen befindet. Von denen wird nun einer erschossen und als Nachricht an die unten bereitstehenden Cops aus dem Gebäude geworfen.
Bei den Geiselnehmern kommt danach eine Verhandlungsdrohne mit einem Mobiltelefon an. Captain Maldonado verhandelt direkt mit dem Anführer (Damon Herriman), der als Lucas Vincent identifiziert wird. Er ist laut Datenbank ein Mitglied der Holy Reclamation Army, einer Terrororganisation, die bereits in New Tokyo eine ähnliche Aktion durchgeführt hat. Vincent fordert das Abziehen der Scharfschützen von Detective Paul, der den Einsatz unten am Gebäude leitet. Außerdem fordert er eine Fluchtmöglichkeit sowie einen fission igniter, der als verheerende Waffe benutzt werden könnte. Er gibt der Polizei 43 Minuten zur Erfüllung der Forderungen, bevor weitere Geiseln vom Himmel fallen.
Technikspezialist Rudy (Mackenzie Crook) schlägt Captain Maldonado vor, einen falschen fission igniter zu entwerfen, der erst bei näherer Untersuchung als Fälschung enttarnt werden könnte und macht sich ans Werk. Bei einer Schießerei mit einem der Terroristen wird Dorian am Kopf verletzt und die beiden machen eine seltsame Entdeckung. Das überwältigte Mitglied der Gruppe trägt einen face maker, der ein falsches Gesicht über sein eigenes projiziert und ihn somit als Mitglied der Terrororganisation identifizieren lässt. Zudem finden die beiden einen transparenten, roten Chip mit der Aufschrift „Start“.
John kümmert sich daraufhin um Dorians Verletzungen. Dieser gibt ihm Anweisungen, wie er mit welchem Draht in seinem Kopf zu verfahren hat. Dennoch schaltet er seinen Partner aus Versehen ab. Gemäß seiner „Wird-schon-schiefgehen-Attitüde“ „macgyvert“ er seinen Freund kurzerhand mit einem Stück benutztem Kaugummi wieder zusammen. Paige meldet sich erneut per Telefon und informiert die Polizisten darüber, dass die Terroristen über ihre Anwesenheit informiert wurden. Sie verlässt dann ihr Versteck, um bei ihrer Schwester zu sein.
Doppelter Boden, Nudeln und Elton John
Der fission igniter wird per Drohne geliefert, doch die angeblichen Terroristen haben kein weiteres Interesse an dem Gerät. Wie sich herausstellt, war die ganze Geiselaktion im Sanderson-Gebäude nur ein Ablenkungsmanöver für das wahre Verbrechen, welches gleichzeitig in der Nachbarschaft stattfindet: ein Raub, bei dem eine große Menge des wertvollen Metalls Palladium (hallo, „Iron Man“-Referenz?) gestohlen werden soll. Wegen der unterbrochenen Kommunikation operieren die Ganoven mit der Low-Tech-Variante der transparenten Chips, mit welchen Befehle in die Umgebung projiziert werden.
Dorian begibt sich über den Fahrstuhlschacht zu den Kriminellen, ehe sie einen Großteil der Geiseln umbringen, und nimmt sich im Alleingang der Schurken an. Diese überwältigen ihn jedoch und der Anführer ist im Begriff ihn zu erschießen, als ein totgeglaubter Komplize auftaucht. Bei diesem handelt es sich in Wahrheit um John, der nun ebenfalls einen face maker trägt und die Verbrecher übermannt. Er weist Captain Maldonado an, das Störsignal zu deaktivieren, denn dieses hat gleichzeitig den Alarm verhindert, welcher den Raub hätte auffliegen lassen.
Trotz der Befehlsverweigerung zu Beginn der Episode erhalten John und Dorian bei der Rückkehr ins Polizeipräsidium Applaus. Rudy möchte sich am liebsten gleich an die Reparatur von Dorian machen, doch John lädt seinen Partner ein, ihn zum Essen zu begleiten. Auf der Fahrt dankt Dorian ihm für die Rettung seines Lebens und zieht John mit seinem echten Namen auf, den er nun erfahren hat: Reginald, benannt nach dem wahren Namen von Elton John.
Fazit
Die dieswöchige Episode ist ein recht spannendes Geiseldrama, hinter welchem zwar (wie auch John am Ende der Episode anmerkt) ein ganz schön elaborierter und riskanter Plan steckt - bedenkt man, dass es eigentlich „nur“ um einen Raub ging. Damon Herriman gibt als Anführer der Bande einen bedrohlichen Antagonisten ab, verlässt die Episode aber etwas sang- und klanglos. Mit den face makern haben wir wieder ein praktisches Gadget präsentiert bekommen. Das lässt hoffen, dass noch mehr solcher Schätze auf dem Schwarzmarkt vorhanden sind und in Kombination noch vielseitigere Cyberkriminelle hervorbringen. Wer mit den Romanen von William Gibson oder dem Cyberpunkrollenspiel „Shadowrun“ vertraut ist, könnte eine Ahnung davon haben, was für mannigfaltige Spielzeuge und Augmentierungen noch möglich wären.
Etwas schablonenhaft wird mittlerweile der Einsatz emotionaler Bezugsfiguren, um die wir uns als Zuschauer sorgen sollen. In der letzten Episode war es die entführte Mutter mit ihrem Kind und dieses Mal die beiden Schwestern unter den Geiseln. Natürlich sind Figuren wie diese teilweise notwendig, doch ihre Funktion als Einwegcharakter ist hier dermaßen transparent, dass man die Manipulation fast nicht zulassen möchte. Auch hätte die Episode so etwas eigentlich nicht nötig, denn das emotionale Futter wird dieses Mal in großer Portion von John und Dorian geliefert, deren Freundschaft hier endlich glaubwürdig ins Zentrum rückt und so zum Herzstück der Episode wird.
Are You Receiving? ist ein befriedigender und spannender „Case-of-the-Week“, der uns die Hauptfiguren (und die Figuren einander) näherbringt. Trotzdem dürfte es, wenn es nach mir ginge, ab kommender Woche langsam mit dem Handlungsbogen, der in der Pilotepisode als roter Faden der Serie angedeutet wurde, weitergehen.
Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 26. November 2013Almost Human 1x03 Trailer
(Almost Human 1x03)
Schauspieler in der Episode Almost Human 1x03
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