Almost Human 1x02

Almost Human 1x02

Nach einem vielversprechenden Start mit der Pilotepisode nistet sich die zweite Folge von Almost Human bereits in der Procedural-Hölle ein und nimmt ein Thema in Angriff, welchem die Serie offenbar nicht gewachsen war.

Detective Kennex (Karl Urban) und Dorian (Michael Ealy) aus „Almost Human“ ermitteln im Rotlichtmilieu. / (c) FOX
Detective Kennex (Karl Urban) und Dorian (Michael Ealy) aus „Almost Human“ ermitteln im Rotlichtmilieu. / (c) FOX

Wie schnell eine Serie, die vorgestern noch voller Potential steckte (und bei uns eine hoffnungsvoll-positive Rezension abgestaubt hat), doch plötzlich eine Bauchlandung machen kann. Die zweite Folge mit dem Titel Skin lässt die vermeintliche Rahmenhandlung von Almost Human links liegen und widmet sich völlig dem Cop-Procedural mit einem Fall der Woche. Dies wäre gar nicht so schlimm, wenn nicht das sensible Thema der Prostitution gewählt worden wäre. Dieses nimmt die Sci-Fi-Serie von FOX mit wenig Feingefühl in Angriff und wirft dabei mit Klischees um sich, die nur schwer zu ertragen sind.

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Sebastian Jones war einst Hersteller von Androiden und nimmt in einem Bordell, in welchem Sexbots arbeiten, eine DNA-Probe von seiner bezahlten Begleiterin. Dies beschert ihm einen Besuch von den Handlangern des Etablissements, die ihn prompt um die Ecke bringen und die Spuren mithilfe eines Tatortreinigers (DNA-bomb) vernichten. Dorian (Michael Ealy) findet schnell heraus, dass es sich bei der Dame um einen Roboter handelt, was gegebenenfalls zukünftige Twists bezüglich Serienfiguren und ihrer geheimen Androidenidentität ausschließt. Schade eigentlich. Seltsamerweise hinterlässt die synthetische Roboterfrau jedoch menschliche DNA-Spuren jenseits des Tatorts - und zwar die einer vermissten Person. Sie ist dabei nicht die einzige, die auf diese Weise entführt wurde und so werden wir Zeugen, wie eine weitere Frau vor den Augen ihres Sohnes entführt wird.

John (Karl Urban) verhört den kleinen Jungen, obwohl bereits zu Beginn der Folge etabliert wurde, dass er weder etwas für Kinder noch für Katzen übrig hat. Dorian drückt seine Bedenken aus, doch John schlägt sich überraschend gut, auch wenn er den kleinen Victor mit einer Spielzeuggiraffe bestechen muss. An den John-kann-nicht-mit-Kindern-Gag müssen wir uns wohl gewöhnen, denn der Trailer zur nächsten Folge verspricht Ähnliches. Auf dem Weg zu einem der Verdächtigen, dem ehemaligen Partner des Opfers im Sexbot-Business, wird Dorian nachdenklich und fragt, was die angemessene Antwort für ein Kind wäre, wenn es fragt, wo die verstorbene Mutter ist. „An einem besseren Ort“ ist für John die offensichtliche Antwort, doch Dorian hält daran fest, dass das Leben nach dem Tod in den Erinnerungen anderer stattfindet.

Wie sich herausstellt, sind die Sexarbeitroboter mit einem ähnlichen Programm wie Dorian und die DRN-Modelle ausgestattet. Dieses erlaubt ihnen, besonders empathisch zu sein und sich auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzustellen. Der ehemalige Partner des Toten, der eine Robotersexshow betreibt, scheidet auch bald als Verdächtiger aus. Ein albanisches Konsortium entpuppt sich nämlich als größter Kunde, der womöglich Roboter mit menschlicher DNA ausgestattet hat, was höchstgradig illegal ist. Bei den neuen Verdächtigen handelt es sich um die Betreiber des Bordells, angeführt von Yuri, der sich sofort verdächtig macht, denn Dorian verfügt auch über die Fähigkeiten eines Lügendetektors.

Die im Bordell arbeitenden Androiden entsprechen den gesetzlichen Vorschriften, doch unterdessen wird die Leiche eines zerstörten Roboters ohne Haut gefunden. Dabei handelt es sich um die Dame vom Beginn der Episode, deren Erinnerungen komplett gelöscht wurden. Der Verdacht, Sexbots mit menschlicher Haut könnten sich im Umlauf befinden, macht sich breit. Bald darauf wird, dank Victors Hinweis auf das Auto der Entführer, eine der synthetischen Prostituierten namens Vanessa (Ella Thomas) in Gewahrsam genommen. Diese verfügt über die DNA-Signatur einer der vermissten Frauen. Eine nun folgende Razzia des Bordells fördert zur Enttäuschung der Detectives nicht das vermutete Skin-Labor zutage. Dorian macht jedoch das Modul eines der Roboter ausfindig, die über die DRN-Technologie verfügen. Diese geben ein ungewolltes GPS-Signal ab, über welches sich der Aktivierungsort der künstlichen Menschen bestimmen lässt. Das richtige Labor, in welchem die synthetischen Körper mit organischer Haut ausgestattet werden, wird nun hoppgenommen. Bis auf die Frau, mit der nun von Vanessa getragenen Haut, haben alle Vermissten überlebt. So auch Victors Mutter.

In einem unangenehmen Epilog besteht Captain Maldonado (Lili Taylor) darauf, dass Vanessa nun zerstört werden muss, da eine synthetische Person mit menschlicher DNA gegen das Gesetz verstößt. Dorian begleitet sie während ihrer letzten Minuten und versichert ihr, sie werde an einen besseren Ort gehen und er werde sich an sie erinnern. John hingegen besucht zum ersten Mal seit dem Hinterhalt, der ihn sein Bein gekostet hat, die Familie seines verstorbenen Partners.

Skin ist leider eine ganz schöne Zumutung. Die Themenwelt „Sex“ ließ die Autoren nichts als pubertäre Gags hervorbringen. Zu den Highlights dieser Farce gehört eine Dialogszene zwischen den beiden Hauptfiguren, in der es über das von Dorian angelegte Datingprofil für John geht und dieser seinen synthetischen Partner bittet, seine Hoden nicht zu scannen. Den Vogel schießt jedoch die Szene ab, in welcher der LAPD-Tech-Spezialist Rudy (Mackenzie Crook) die Roboterfrau Vanessa unter die Lupe nimmt und als verschüchterter Nerd nur versehentliche Zweideutigkeiten übers „Kabelreinstecken“ und ähnlich Albernes hervorbringt.

Natürlich kommt es der Folge auch sehr gelegen - trotz des unangenehmen Themas von Entführung und zumindest implizierter Zwangsprostitution -, die für Sex entworfenen Modelle möglichst heiß und sexy darzustellen. So kann dem (filmtheoretischen) „männlichen Blick“ (male gaze), unter dessen Berücksichtigung die Inszenierung offenbar entstand, etwas geboten werden. Ebenso unangenehm ist der Beigeschmack, den die Auflösung des Falls betrifft. Etwas Stereotypbehafteteres als osteuropäische Bordellbetreiber war nicht aus der Kreativkiste zu kramen?

Auch hat die Auflösung bezüglich der gestohlenen Haut wenig Sinn. Wir schreiben das Jahr 2048, wir haben Roboter mit dermaßen hoher „A. I.“, dass sie sogar Gefühle haben und allen möglichen technischen Schnickschnack. Aber wir bekommen es nicht hin, synthetische Haut realistisch genug zu gestalten? Außerdem ist die DNA-Spur, wie wir sehen konnten, dermaßen leicht aufspürbar, dass die gesamte Operation obendrein viel zu riskant gestaltet ist, um profitabel sein zu können.

Fazit

Die zweite Folge von Almost Human hat es leider geschafft, die optimistische Haltung gegenüber dieses neuen Eintrags aus dem Sci-Fi-Genre verkümmern zu lassen. Ein unspannender Fall, der wenig Sinn ergibt und wieder in einer Ballerei endet. Ebenso haben die unsensible Handhabe eines schwierigen Themas und die Dialoge, bei denen es einem die Sprache verschlägt, aus dieser Folge eine Stunde Fernsehen zum Fremdschämen gemacht. Darüber konnten auch Lichtblicke wie die Konfrontation Dorians mit seiner Sterblichkeit und einfallsreiche Gadgets nicht hinwegtrösten. Wir sehen uns nächste Woche, „Almost Human“. Bitte, lass' dies einen Ausrutscher gewesen sein - ansonsten werden die kommenden elf Folgen sehr anstrengend.

Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 21. November 2013

Almost Human 1x02 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 2
(Almost Human 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Sex-Bots
Titel der Episode im Original
Skin
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 18. November 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. Oktober 2014
Autor
Cheo Hodari Coker
Regisseur
Michael Offer

Schauspieler in der Episode Almost Human 1x02

Darsteller
Rolle
Karl Urban
Mackenzie Crook
Michael Irby

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