Almost Human 1x01

Almost Human 1x01

Mit Almost Human aus J.J. Abrams Produktionshaus Bad Robot soll wieder frischer SciFi-Wind ins Fernsehen kommen. Ganz so frisch ist dieser Wind dann doch nicht, aber der Pilot macht bereits einiges richtig und kann mit interessanten Charakteren und einem aufwändigen Look punkten.

Cast der Serie „Almost Human“ / (c) FOX
Cast der Serie „Almost Human“ / (c) FOX

Große Science Fiction hat es derzeit nicht leicht im US-amerikanischen Fernsehen. „Star Trek“ ist seit der Verschiebung in die alternative Zeitline im Kinoformat nicht mehr im Fernsehen vertreten, Battlestar Galactica konnte sich nicht in Form seines Spin-Offs Caprica halten und das britische Doctor Who tröstet vermutlich nur wenige, denen es nach hard science gelüstet. Lediglich die Kabelsender scheinen der teurer zu produzierende Genrekost in Vertretung von Serien wie Defiance oder Falling Skies noch eine Heimat zu bieten. Diese haben jedoch kaum ein breiteres Appeal für das Spezialinteresse schaffen können, wie es etwa Game of Thrones im Fantasy-Genre vollbracht hat.

Almost Human soll diesen Missstand korrigieren. Mit Ansätzen großer Ideen, Starpower und dem nötigen Backup für Effekte zieht die neue SciFi-Serie via FOX in die Fernsehwelt hinaus und scheint dabei seine Vorfahren zu kennen. Die Linie zwischen Hommage und Ideenklau ist wie immer eine sehr dünne (nicht wahr, Herr Tarantino?), aber solang aus großartigem Quellenmaterial entnommen wird, soll sich nicht zu laut beschwert werde. Immerhin handelt es sich bei „Almost Human“ um eine Original-IP und kein Reboot/Remake oder eine sonstige Neuauflage von bereits erzähltem. Allein dafür gibt es schon mal Extrapunkte. Review-Modus, activate!

Anno Domini 2048

Wie uns die freundliche Stimme zu Beginn verrät, befinden wir uns 35 Jahre in der Zukunft und neue Technologien entwickeln sich ebenso schnell wie die Kriminalität ansteigt. Als Reaktion auf diesen Umstand wird den Gesetzeshütern ein Combat-Android als Partner zur Seite gestellt. Diese kommen designgemäß mit mehr Kraft und Ausdauer als Menschen und einer vernetzten Datenbank im Androidengehirn daher, sind aber nicht unbedingt die unterhaltsamsten Gesprächspartner und lassen auch auf dem Humorsektor einiges zu Wünschen übrig.

LAPD-Officer John Kennex (Karl Urban) ist seit des Hinterhalts, bei welchem er seinen menschlichen Partner und sein Bein verlor, kein großer Fan von den künstlichen Kompagnons. In seinen Augen war sein damaliger Androidenpartner mit für den fatalen Ausgang des Einsatzes verantwortlich. Nun kehrt er nach 17 Monaten im Koma zu seiner Einheit zurück und wird vorschriftsmäßig mit einem neuen Partner versehen. Bei Dorian (Michael Ealy) handelt es sich jedoch im Gegensatz zu den standartmäßigen MX-Modellen um ein DRN-Modell, das auf einem Programm namens Synthetic Soul läuft und wegen der Anfälligkeit für Bugs eigentlich zu den problematischen Einheiten gehört. Gleichzeitig macht es Dorian jedoch viel menschlicher als seine synthetischen Kollegen.

Trotz Johns Vorbehalte gegenüber seinem neuen Partner, raffen sich die beiden zusammen und beginnen, gegen das Syndikat zu ermitteln, welches auch für den Hinterhalt zwei Jahre zuvor verantwortlich war. Auf dem Schwarzmarkt heuert der LAPD-Cop seit geraumer Zeit einen Arzt an, der in seinem Gehirn rumkramt, um die verschütteten Erinnerungen an den Vorfall zu bergen. Hatte Johns verschwundene zu gut um wahr zu sein Ex-Freundin auch etwas mit der Verbrecherorganisation zu tun?

Das Syndikat entführt einen Kollegen Vogel und setzt ihn einer Substanz namens Myklon Red aus, die mit programmierter DNA gekoppelt wurde. Diese geht gegen den Biowaffenschutz, mit welchem die Cops geimpft wurden, vor und greift das Immunsystem an. Gleichzeitig dient die Entführung als Ablenkung, denn in der Beweiskammer des LAPD befindet sich etwas, an dem die Organisation interessiert ist. Ein Angriff auf das Präsidium beginnt, in dem sämtliche MX-Modelle mit einer Art EMP-Waffe ausgeschaltet werden. Das „Beweisstück“ bleibt dank der gekonnten Schießerei unserer Helden unentdeckt, erwacht jedoch zum Schluss von selbst.

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Die Pilotfolge von Almost Human dient als Eisbrecher zwischen seinen Protagonisten, indem Karl Urbans Figur mit seinem Roborassismus konfrontiert und von diesem kuriert wird. Nach dieser Einstandsfolge, durch die er sich noch durchknurrt, scheint die so schön bezeichnete RoBromance auf dem Weg zu sein. Ironischerweise ist John Kennex nach seiner Verletzung selbst mit einem künstlichen Bein ausgestattet und somit technisch gesehen ein Cyborg. Ein Kniff, der schon bei anderen (anfänglichen) Robohassern wie Del Spooner in „I, Robot“ oder Ross Sylibus in „Armitage III“ angewendet wurde.

Mit dem Themenfeld „künstlicher Mensch“ kommt natürlich gleichzeitig ein ganzer Haufen philosophischer Fragen daher. Was macht den Menschen zum Mensch, wenn nicht sein Körper aus Fleisch und sind wir nicht auch im Grunde Maschinen aus organischem Material? Fragen, wie sie bereits in SciFi-Werken von Asimov und Dick aufgeworfen wurden und in filmischer Form prominent etwa in „Blade Runner“ oder „Ghost in the Shell“ verarbeitet wurden. Die Diskussion um die Rechte der synthetischen Mitbürger funktioniert auch hier als Allegorie für real-soziologische Vorbehalte und plädiert für eine Abkehrung vom Essenzialismus.

Almost Human ist am besten, wenn es sich mit diesen (zugegeben nicht neuen) Aspekten beschäftigt. Der Kriminalfall gestaltet sich auf seinen ersten Metern noch ziemlich banal und dennoch überladen. Ohne die Chemie zwischen Urban und Ealy hätte es in den Procedural-Parts nicht viel spannendes zu holen gegeben. Angenehm aufgefallen sind auch Mackenzie Crook als Robodoktor und Lily Taylor als Kapitänin der Polizei und Johns Chefin. Was die Serie aber vor allem zu bieten hat, ist ein aufwändig durchgezogener Look, der in der ersten Folge noch einige Defizite im Bereich Story verzeihen lässt. Etwas dreckiger dürfte es gerne noch werden. So sind die optisch ansprechendsten Szenen jene auf dem Schwarzmarkt, wenn auch die Szenerie an die Cyberpunk-Kulisse von „Blade Runner“ erinnert.

Trailer zur Serie „Almost Human“ (1x02)

Verfasser: Mario Giglio am Montag, 18. November 2013

Almost Human 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Almost Human 1x01)
Deutscher Titel der Episode
2048
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. November 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. Oktober 2014
Regisseur
Brad Anderson

Schauspieler in der Episode Almost Human 1x01

Darsteller
Rolle
Karl Urban
Mackenzie Crook
Michael Irby

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