Almost Human 1x04

Leider lässt die dieswöchige Folge von Almost Human abermals einen roten Faden vermissen und präsentiert einen neuen Fall der Woche, diesmal mit dem Fokus auf Drogenhandel und Korruption innerhalb des LAPD. Wieder gibt es am Ende eine Wendung, die in diesem Fall aber aus dem Drogenstoryklischeebuch stammt. Hoffentlich ist Euch der comic relief-Techniker Rudy Lom (Mackenzie Crook) mittlerweile ans Herz gewachsen, denn dies ist eine Folge, in der er glänzen darf. John (Karl Urban) und Dorian (Michael Ealy) treten in den Hintergrund und gehen am Rand ihrer Was sich liebt, das neckt sich-Routine nach, während Rudy zum unwahrscheinlichen Undercoveragenten wird.
Rahmenhandlung und Ramen
Die Episode beginnt mit einem angespannten Rudy, der in einem Labor steht und seine Optionen abwägt. Er scheint in Schwierigkeiten zu sein. Ein Ablenkungsmanöver später befindet er sich bereits auf der Flucht und wird angeschossen.
24 Stunden zuvor
John genießt Nudeln in einem japanischen Restaurant, während Dorian, der natürlich nichts zu sich nimmt, ungeduldig auf ihn wartet und seinen Partner in die Anstandsbredouille bringt, eine lebendige Schnecke essen zu müssen. Unterdessen wird einem Drogenring, angeführt von jemandem mit dem Decknamen Bishop, ein neuer Koch durch einen jungen Mann vorgestellt. Er bringt eine Probe mit 84% Reinheit mit. Beide werden jedoch prompt erschossen, als herauskommt, dass der jüngere ein internes Abhörgerät trägt.
Bei dem Kontaktmann handelte es sich um Trevor Cooper, ein Polizist und guter Freund von John. Dieser kann sich nicht vorstellen, dass sein alter Kumpel ein korrupter Cop mit Beziehungen zur Drogenwelt gewesen sein soll, auch wenn dieser vom Drogendezernat unter Captain Barros (Benito Martinez) schon länger beobachtet wurde. Auch für den Seelenfrieden der Witwe Kelly gelobt John, sich der Sache anzunehmen.
Fear and Loathing in Future-L.A.
Bei den Drogen im Besitz von Cooper handelt es sich um „Bendzopropen“, kurz „The Bends“ gennant. Eine hochgradig süchtig machende Substanz. Wie es aussieht, hat Cooper eine unauthorisierte Undercoveraktion im Alleingang durchgeführt, um den Drogenlord Bishop zu überführen, wie die Aufnahme aus der Empfängerbox seines Transmitters beweist. Captain Maldonado erhält einen Bericht über 25 neue Überdosisfälle und fünf Tote. Die Droge verbreitet sich. John schlägt eine weitere Undercoveroperation mit einem anderen Drogenkoch vor und bittet den hauseigenen Rudy um Hilfe bei der Infiltration. Anscheinend ist Rudy nicht nur Techniker und Androidenspezialist, sondern nun auch ein brillanter Chemiker.
Zum Glück wollte sich der introvertierte Schmächtling schon immer einmal gern als Held sehen und willigt kurzerhand ein. Während John und Dorian jemanden mit Kontakt zum Drogenring von Bishop ausfindig machen, erhält Rudy von Detective Paul ein wenig Lügentraining, um seine Rolle als Drogenkoch überzeugend spielen zu können. Der Fedorahut, den Rudy als Requisite einbringen will, wird hingegen abgelehnt. Auch das Probekochen misslingt und kostet seinen Androidenassistenten ein Auge. „Humor“, Ladies and Gentlemen!
Vor dem Treffen mit der Drogengang nimmt Rudy einen experimentellen Trunk ein, der ihm ein GPS-Signal verleiht, über welches er aufspürbar bleibt. Auf dem Weg zu dem Meeting wird er zudem von Pauls Bugs, ferngesteuerten Robokakerlaken mit Kameras, begleitet. Als er sich anfangs ungeschickt anstellt, kommt Dorian dazu und gibt sich als sein Assistenzandroid aus. Die Gesichtserkennung des LAPD identifiziert einen der Handlanger als Effren Cruz und den für Bishop gehaltenen Mann als Gavin Maxwell. Dieser ist jedoch nicht der Drahtzieher. Der wahre Bishop zeigt sich nicht so einfach.
Robotergesetze, Schmobotergesetze
Rudy kocht und macht seine Sache gut. 95% Reinheit erlangt das von ihm erzeugte Produkt. Heisenberg wäre stolz. Auch die Gang ist beeindruckt und führt Rudy in das eigentliche Labor, nachdem sie ihm einen Drink vorgesetzt haben, der sein GPS-Signal deaktiviert. Als das Team den Laden stürmt, sind die Männer samt Rudy längst verschwunden. Immerhin gelingt es, Cruz in Gewahrsam zu nehmen, wo er von John und Dorian mithilfe Jack-Bauer-Methoden zum Reden gebracht wird. Offensichtlich gilt für Dorian nicht das erste der Asimovschen Robotergesetzte, welches besagt, ein Android dürfe kein menschliches Wesen wissentlich verletzen.
Beim großen Twist der Episode stellt sich heraus, dass es sich beim Drogenbaron Bishop um den Drogendezernatcaptain Barros handelt. Captain Maldonado ruft ihn an und verwickelt ihn in ein Gespräch, bis sein Standort lokalisiert werden kann. Maxwell kontaktiert das erste Labor, erreicht aber niemanden und die Bande um Barros/Bishop schöpft Verdacht. Die 24 Stunden sind um, wir sind zurück in der Szene aus dem Prolog. Rudy ergreift die Flucht.
Rock'em Sock'em Robots
Nun erreichen auch John und Dorian das zweite Labor und der Actiongang der Folge wird serviert. Während John die menschlichen Handlanger erledigt, liefert sich sein künstlicher Partner ein Gefecht mit dem Androiden der Ganoven. Am Ende stellt John den angeschossenen Barros, der gelobt, wegen eines mistrials freizukommen und ihn fertigzumachen. John richtet ihn hin.
Zurück im Präsidium bedankt sich Kelly bei John für das Vertrauen in ihren Mann und Rudy erhält die Anerkennung seiner Kollegen. Dorian besteht sogar darauf, ihn mit in die Bar zum feierabendlichen Trinken zu nehmen und so wird aus dem Duo im Wagen plötzlich ein Dreiergespann. Reue aufgrund von Folter und Selbstjustiz? Fehlanzeige.
Fazit
Für einen Fall der Woche ohne anhaltende Konsequenzen wäre The Bends gar nicht schlecht, würden nicht einige Details die Suppe versalzen. Angefangen mit der verpassten Gelegenheit bei der Drogenthematik. Wäre es um eine Substanz gegangen, die dem Nutzer obendrein einen Vorteil verschaffen würde, wie es in „Cyberpunk“-Literatur häufig anzutreffen ist, hätte die Folge durch Einbeziehung der Abhängigen und ihrer Fähigkeiten interessanter gemacht werden können. So ist es lediglich eine „Drug-Bust-Episode“, die auch im Hier und Heute hätte spielen können.
Zum blutigen Elefanten im Raum: Warum kommt es bei Serien auf FOX zur selbstgerechten Porträtierung von Selbstjustiz und Folter? (schreiben die Konservativen von FOX News mittlerweile die Serien?) Musste John unbedingt zu Jack Bauer aus 24 gemacht werden? Ich muss meine Helden nicht durchweg „heldenhaft“ dargestellt sehen, aber wenn dermaßen unreflektierte Selbstjustiz aufgezeigt wird, wäre es adäquat, ein wenig Feingefühl zu zeigen und es nicht unkommentiert oder ohne weiteres Reflektieren der Figur im Raum stehenzulassen. Apropos Feingefühl: Ein aus Lateinamerika stammender Cop ist der Drogenbaron? Komm' schon, Almost Human, ich hatte mich gerade erst von den stereotypen Osteuropäern mit Prostitutionsring aus Folge zwei erholt!
Angesichts dessen möchte ich es mir fast ersparen, auch noch das wöchentliche Lamentieren über fehlende Substanz oder die kläglichen Einarbeitungsversuche von Humor, den die Serie einfach nicht aufbringen kann, abzuhaken. Insgesamt eine kurzweilige Episode, an der genug Zuschauer ihre Freude haben werden, die für manche aber auch wieder einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 3. Dezember 2013Almost Human 1x04 Trailer
(Almost Human 1x04)
Schauspieler in der Episode Almost Human 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?