Absentia 1x01

© tana Katic in „Absentia“ / (c) AXN
In der Episode Comeback der neuen Serie Absentia wird die bereits nach ihrer Entführung durch einen Serienkiller für tot erklärte FBI-Agentin Emily Byrne (Stana Katic) sechs Jahre nach ihrem Verschwinden überraschend wieder freigelassen. Doch während ihrer Abwesenheit haben sich viele Dinge geändert: Ihr Ehemann Nick (Patrick Heusinger) hat inzwischen wieder geheiratet, während die Involvierung des Mannes (Richard Brake), der für das Verbrechen an ihr verurteilt wurde, in Zweifel gestellt werden kann.
Was gehieht in der ersten Episode?
FBI-Agent Nick Durand erhält sechs Jahre nach dem Verschwinden seiner Ehefrau und Kollegin einen Anruf mit Instruktionen, der ihm den Aufenthaltsort seiner gegen alle Erwartungen noch lebendigen Frau verrät. Gemeinsam mit einer Einsatztruppe des FBI gelingt es ihm, diese aus ihrem nassen Gefängnis zu befreien.
Emily ist sichtlich gezeichnet von langjährigen Strapazen und versucht, sich Schritt für Schritt an ihre neu gewonnene Freiheit zu gewöhnen. Ihre Erinnerungen an das Erlebte sind jedoch lückenhaft, was in Zusammenhang mit dem Trauma, den zahlreichen Nadelstichen in ihren Armen und mit diversen Substanzen und Halluzinogenen in Verbindung stehen könnte, mit denen das Wasser des Tanks, in dem sie vorgefunden wurde, versetzt gewesen ist.
Ihre Versuche, sich mit ihrem entfremdeten Sohn und Nicks neuer Ehefrau Alice (Cara Theobold) auseinanderzusetzen, machen ihr die Rückkehr in ein halbwegs geordnetes Leben nicht leicht, was wiederum von neuen Hinweisen in den Hintergrund gedrängt wird, die auf die mögliche Identität ihres Peinigers schließen lassen.
Doch die Identifikation einer Wasserleiche, die nach dem Schema des Serienkillers malträtiert wurde, beschert eine überraschende Wendung und neue Probleme, denn es ist ein bekannter Gangster, den sie schon lange zur Strecke bringen wollte. Doch die wirklich verstörende Nachricht ist: Emilys DNA befindet sich unter dessen Fingernägeln.
Welchen Eindruck macht der Serienstart von „Absentia“?
Absentia startet derzeit etwas unter dem Radar durch, verdient es aber definitiv, näher betrachtet zu werden. Die in Bulgarien für den Sender SONY AXN gedrehte Serie wird durch eine dichte und packende Atmosphäre bestimmt und kann seine Zuschauer von Beginn an packen.
Der Psychothriller setzt dabei voll und ganz auf die Leistung seiner Hauptdarstellerin Stana Katic und spekuliert hier erfreulicherweise goldrichtig. Denn diese liefert in ihrer ersten Rolle seit dem Serienende von Castle eine außergewöhnlich ergreifende und intensive Performance ab, welche mit der düsteren Stimmung in perfektem Einklang steht. So sehr sogar, dass die vielschichtigen Emotionen einen mühelos gemeinsam mit ihrer Figur tiefer in die Geschichte hineinziehen.
Die kühle, dunkle Ästhetik der Folterkonstruktionen am Tatort und die eingestreuten Flashbacks erinnern an Filme der „Saw“-Reihe minus des Gemetzels. Der vorwiegend kalte Farbton der Bilder unterstreicht das trostlose Gefühl der gezeichneten Protagonistin.

Doch vor allem das Mysterium und der sich am Ende ankündigende Tempo- beziehungsweise Stimmungswechsel machen Lust auf mehr. Viele Fragen beschäftigen einen bereits während der ersten Episode: Warum ist Emily noch am Leben und welchen Zweck verfolgen der oder die Täter? Welche Rolle spielt der undurchsichtige Conrad Harlow (Richard Brake) in dem Ganzen? Wird Emily nun zum Sündenbock oder steht uns gar ein Twist à la „Memento“ bevor? Zumindest wird bereits jetzt schon der Eindruck erweckt, dass uns noch viel mehr als eine simple Serienkillerstory und die Jagd auf diesen erwartet.
Ihre Gewaltbereitschaft gegen Ende der Episode zeigt zum einen, dass sie nicht vorhat, in der Opferrolle zu bleiben. Sie beweist zum anderen eine beeindruckende Stärke, die sie in sich trägt, andererseits ist es möglicherweise auch einfach ein Zeichen, dass in ihr durch die Gefangenschaft und Folter etwas zerbrochen ist, was womöglich nie richtig verheilen wird. Abgerundet wird die Episode von Emilys persönlichen Beziehungen, die ähnlich wuchtig auf emotionaler Ebene wie die anderen Ereignisse eingeschlagen. Alle Schicksale ihrer Freunde und Familie sind mit ihrem eignen verknüpft, angefangen von den beinahe beiläufig erwähnten vergangenen Alkoholproblemen ihres Bruders, bis hin zum rituellen Besuch ihres leeren Grabes durch ihre Familie. Die Trope des Gedächtnisverlusts mag zwar ein alter (und effektiver) Hut sein, doch im Umfeld der Episode wurde dies durch Emilys Trauma sowie bewusstseinserweiternde Substanzen im Wasser zumindest fürs Erste genügend und schlüssig begründet.
Fazit
„Absentia“ ist ein packender und atmosphärisch dicht inszenierter Psychothriller, der Lust auf mehr macht. Hauptdarstellerin Stana Katic trägt mit ihrer mitreißenden Darbietung dazu maßgeblich bei und legt eine schonungslose Emotionalität an den Tag, die einen kaum unberührt lässt.
Solange die Geschichte nicht wider Erwarten ins Abstruse oder zu stark Konstruierte abdriftet und die bisher vielversprechenden Charakterzeichnungen konsequent weiterverfolgt werden, sieht es so aus, als ob SONY AXN hier eine kleine Perle an Land gezogen hat.
Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 27. September 2017Absentia 1x01 Trailer
(Absentia 1x01)
Schauspieler in der Episode Absentia 1x01
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