A Young Doctor's Notebook 1x02

In der neuen Episode von A Young Doctor's Notebook erfährt der Zuschauer mehr über seine beiden Hauptdarsteller, den jungen (Daniel Radcliffe) und alten Dr. Vladimir Bomgard (Jon Hamm). Beide porträtieren wunderbar die Diskrepanz zwischen dem berufsethischen Idealismus des jungen Arztes und der zunehmenden Resignation des alten. Letztgenannter hat sich über die Jahre eine veritable Morphiumabhängigkeit zugelegt, was ihn mittlerweile, im Moskau des Jahres 1934, in rechtliche Schwierigkeiten bringt.
Welcome to the dark side
Die Ursprünge seines Suchtverhaltens sind dabei in seiner Vergangenheit zu finden, in die er regelmäßig zurückkehrt, um seinem jungen Ich mit mehr oder weniger ernst gemeinten medizinischen und Lebensratschlägen auf die Sprünge zu helfen. Jedenfalls muss er zu dieser Zeit angefangen haben, sich mittels Morphium aus der tristen Realität des Provinzkrankenhauses zu flüchten. Sein dort angefangenes Tagebuch wird ihm 17 Jahre später zum Verhängnis werden, denn darin sind die Namen der Krankenhausangestellten vermerkt, die er nach deren Tod verwendet hat, um sich gefälschte Morphiumrezepte auszustellen.
Schweißgebadet sitzt er also einem Sicherheitsbeamten gegenüber, der ihn mit dieser Erkenntnis konfrontiert. In einem ähnlich schlechten Zustand taucht er auch in der Vergangenheit auf. Seine Laune ist nicht wirklich besser. Mit sarkastischen Kommentaren hält er sein junges Ich von der Arbeit ab, gibt ihm im rechten Moment dann aber doch wieder hilfreiche Hinweise.
Diese kann der junge Arzt bestens gebrauchen. Denn sein angelesenes Wissen (er wird nicht müde zu behaupten, alle Bücher in der Bibliothek seiner Moskauer Alma Mater gelesen zu haben) zeichnet ihn eher als Fachidioten denn als kompetenten Mediziner aus. Sowohl bei diversen Behandlungen wie beim richtigen Umgang mit Patienten zeigt er sich heillos überfordert. Besagte Patienten und seine skurrilen Mitarbeiter machen es ihm aber auch wahrlich nicht leicht.
Einer der Patienten, ein bulliger Hüne im Wehrdienst (Steve Speirs), ignoriert geflissentlich seine Genitalverstümmelungen, Hautausschläge und die dazugehörige Syphilis-Diagnose von Vladimir, um penetrant nach einem Gurgelmittel für seine Halsschmerzen zu verlangen. Als der Arzt ihm eindringlich klarmachen will, dass er bei Nichtbehandlung einen langsamen und schmerzhaften Tod sterben werde, interessiert ihn das gar nicht und er verlangt beim Feldscher (Adam Godley) nach einem „richtigen“ Arzt. Ganz große Komödie!
„Is she alive? -I'm afraid she is.“
Eine andere Patientin (Janine Duvitski) entpuppt sich als Betrügerin, die behauptet, eine ganze Flasche giftiger Tollkirschentropfen geleert zu haben und jetzt neue zu brauchen. Die vom jungen Bomgard gewitterte medizinische Sensation stellt sich schnell als einfacher Betrug heraus, er wird abrupt aus seinen Tagträumen von einer großen Karriere als Medizinprofessor gerissen.
Dann jedoch wird es ernst in der russischen Pampa. Ein Vater bringt voller Verzweiflung seine Tochter in das Krankenhaus. Sie sei in die Drehbank geraten. Beim Anblick der zerfetzten Beine des Mädchens überkommt Bomgard die schaurige Gewissheit, dass er nur ihr Leben retten kann, wenn er ihre Beine amputiert.
Während der hochgradig grotesken und detailliert ausgeleuchteten Szenen kommt die Episode zu ihrem Höhepunkt schwarzen Humors. Angesichts der quälenden Sägearbeiten wünscht sich der junge Bomgard nichts sehnlicher, als dass das Mädchen doch endlich sterben solle. Doch er zieht die Operation durch und rettet ihr Leben.
Leider kann auch diese Großtat seine Laune nicht wirklich erhellen. Nachdem er erfolglos versucht hat, seinem älteren Ich die Injektion des von der Operation übriggebliebenen Morphiums zu versagen und von Oberschwester Anna (Vicki Pepperdine) abermals mit seinem überlebensgroßen Vorgänger Leopold Leopoldowitsch verglichen wurde, schreibt er resigniert in sein Tagebuch: „I'm no doctor, I'm a butcher. Perhaps, I could lecture. In abattoirs.“
Fazit
Nach der überaus sehenswerten Auftaktepisode enttäuscht auch die zweite Episode von A Young Doctor's Notebook zu keinem Zeitpunkt. Jon Hamm, Daniel Radcliffe und die hervorragend besetzten Nebendarsteller spielen sich so mühelos die humoristischen Zoten zu, dass es eine Wonne ist, ihnen dabei zuzusehen.
Die Handlung dreht in der neuen Episode etwas ins Groteske ab. Die sehr explizite Darstellung der Beinamputation könnte bei so manchem Zuschauer für leichtes Unwohlsein in der Magengegend sorgen. Überhaupt muss sich der junge Arzt ein ums andere Mal die Hände schmutzig machen. Zur Krönung bekommt er eine volle Portion Eiter ins Gesicht, nachdem er einem Neugeborenen die Eiterbeule aufgestochen hat.
Den Autoren gelingt es, die wachsende Verzweiflung der beiden Protagonisten in ein amüsantes Trauerspiel zu verwandeln. Die hilflosen Versuche des jungen Vladimir, den Respekt seiner Patienten und Mitarbeiter zu gewinnen, scheitern ein ums andere Mal in grandios komischer Art und Weise.
Sei es das traurige Haarbüschel in seinem Gesicht, das er Bart nennt, oder seine fehlende Einfühlsamkeit („Give me the infant!“), er scheint zu Beginn seiner Tätigkeit alles falsch zu machen. Den Zuschauer freut's.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 19. Dezember 2012(A Young Doctor's Notebook 1x02)
Schauspieler in der Episode A Young Doctor's Notebook 1x02
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