Law & Order: Special Victims Unit 13x05

Wir können es ja unter dem Motto „Irgendwann musste es ja passieren“ verbuchen. Es ist nur schade, dass es eben überhaupt passiert ist. Von was die Rede ist? Na, ist doch logisch: Wer meine Reviews in den letzten Wochen halbwegs aufmerksam verfolgt hat, wird festgestellt haben, wie erstaunlich gut die neue Staffel der US-Serie Law & Order: Special Victims Unit bisher ist. Und das trotz aller Castwechsel und den Personalwechsel hinter den Kulissen.
Jedenfalls ist Missing Pieces in der Tat die erste Episode der Serie im mittlerweile dreizehnten Jahr, die nicht wirklich zu überzeugen weiß. Das Wortspiel mit den „wirklich fehlenden Teilen“ lasse ich jetzt mal weg (ups!). Dass sie nicht überzeugen kann, liegt jedenfalls in erster Linie vor allem daran, dass die Schreiber anscheinend nicht genau wussten, wohin die Folge denn überhaupt gehen soll. Soll sie die Zuschauer weiter an den neu zusammengewürfelten Cast erinnern oder soll sie eine wirklich interessante Story in den Vordergrund stellen? Oder soll sie wo ganz anders und überhaupt irgendwie anecken?
Nähern wir uns mal Möglichkeit eins an: der erneuten Gewöhnung an den „neuen“ Cast.
An sich sicher eine gute Idee. Aber: Warum wird dann auch nicht der gesamte Cast benutzt? Zwar treten die Eigentlich-Castmitglieder Diane Neal und Tamara Tunie in (jeweils leider zu kleinen) Gastrollen auf, aber der tatsächlich der Stammbesetzung angehörige Richard Belzer fehlt als Sgt. John Munch komplett. Klar - Belzer gab vor einigen Jahren mal bekannt, etwas kürzer treten zu wollen und SVU institutionalisiert diese Taktik auch schon seit Jahren.
Dennoch fehlt der Serie einfach mit jeder Episode, in der er nicht mindestens mit kurzen Sprüchen auftritt, ein kleines Stückchen an Wärme und Menschlichkeit. Und gerade bei so schwer verdaulichen Geschichten wie in dieser Woche wäre das einfach schön gewesen.
Auch ansonsten präsentiert die Folge die restlichen Castmitglieder nicht gerade optimal. Ja, die Einführungsszene mit der Übersicht, wie vier der Charaktere Halloween verbringen (Benson (Mariska Hargitay) unterwegs mit Calvin - wer erinnert sich noch? -, Amaro (Danny Pino) mit seiner Tochter und Mutter und Fin (Ice-T) und Rollins (Kelli Giddish) bei der Arbeit) ist nett. Ebenso die zwischenmenschlichen Gespräche zwischen Benson und Amaro und Fin und Rollins. Aber auch nicht mehr passt dazu als dieses eher nichtssagende Attribut. Darüber hinaus wirken manche Szenen mit vielen Castmitgliedern auf einem Haufen aufgesetzt. Zwar werden die Sätze nicht von unterschiedlichen Personen zu Ende gesprochen (à la CSI: Crime Scene Investigation), aber Gedanken aufgefasst und fortgedacht (siehe die Endszene). Nicht wirklich besser als das Komplettieren von Sätzen. Zumindest in einer Episode wie dieser.
Denn das Hauptproblem liegt eigentlich genau darin, wo die Serie ansonsten Punkte machen kann: in Möglichkeit zwei - der Story. Ein verschwundenes Baby kann zwar durchaus den Zuschauer aufrütteln und mitreißen. Aber nicht, wenn es so vorhersehbar dargestellt wird wie hier. Egal, ob man Law & Order: Special Victims Unit kennt oder nicht: Es ist sofort klar, dass mit den Eltern (dennoch glaubwürdig porträtiert von Lisa Joyce und Dennis Flanagan) etwas nicht stimmt und sie mehr oder weniger hinter der Sache stecken. Dass so etwas dann im Endeffekt auf einen plötzlichen Kindstod hinausläuft, ist zwar realistisch und auch tragisch, aber auch schlichtweg lahm. Zumindest nach den ganzen Andeutungen und Halb-Beschuldigungen, die die Folge davor macht.
Es muss ja gar nicht sein, dass dazwischen noch Millionen Twists eingebaut werden, nur um irgendwie Spannung zu erzeugen. Aber andauernde, lange Befragungsszenen ohne Höhen und Tiefen strecken die Folge unnötigerweise. Denn natürlich ist so ein Thema wie ein verschwundenes Baby etwas, was mitfühlende Zuschauer mitreißen und sensibilisieren kann (und soll). Aber warum es dann zu einem plötzlichen Kindstod gemacht und das ganze damit zusammenhängende Schicksal der Eltern nur kurz angerissen wird, bleibt unverständlich. Gerade solch ein Thema ist doch geradezu prädestiniert, um für Aufklärung, Mitgefühl und Verständnis der Zuschauer zu sorgen, ohne belehrend zu wirken. Aber so knapp präsentiert wie hier, wirkt es nicht wirklich nach. Schade.
Fazit
Somit fällt auch keine dritte Möglichkeit bezüglich dessen, was uns die Autoren mit dieser Episode mitgeben wollen, ins Gewicht. Sie plätschert zum größten Teil vor sich hin. Ja, zwar ohne groß zu nerven, aber auch ohne wirkliches Interesse zu schüren. SVU polarisiert sonst gewollt und meistens gekonnt, aber dieses Mal tut es nichtmal das. Sympathische Haupt- und Gastdarsteller und glaubwürdige Geschichten reichen eben leider nicht immer aus. Aber ich bin guter Dinge, dass das demnächst wieder besser gelingt.
Hier der Trailer, der einen kurzen Eindruck der Episode verschafft:
Verfasser: Sebastian Detzler am Samstag, 22. Oktober 2011(Law & Order: Special Victims Unit 13x05)
Schauspieler in der Episode Law & Order: Special Victims Unit 13x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?