House 7x07

Die ersten paar Minuten der Episode A Pox on Our House aus der Serie House machen stutzig - man hat den Eindruck, als sei man aus Versehen beim Film „Fluch der Karibik“ gelandet: 18. Jahrhundert, ein Schiff auf hoher See, europäische Eroberer... doch dann wird es medizinisch. Einige unheilbar kranke Sklaven werden kurzerhand über Bord geworfen, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Ein Vater wird von seinem Sohn getrennt und bestimmt kurz vor seinem Tod einen neuen Vormund - später werden wir erfahren: das ist Richtung weisend…
Familienausflug
Schwupps, befinden wir uns auch schon in der Gegenwart. Genauer gesagt: auf einem Boot in der Gegenwart. Dort warten Lulu (Samantha Smith) und Niles (Andrew Fiscella) auf ihre Kinder Julie (Hayley Chase) und Roger (Aaron Refvem), die auf Tauchgang sind. Der Ausflug soll die frisch gebackene Patchwork-Familie enger zusammen schweißen. Das wird er, wenn auch anders als vermutlich erhofft...
Julie hat in einem alten Schiffswrack - eben jenem aus den ersten Minuten der Episode - einen verschlossenen Glasbehälter gefunden und mitgenommen. Sie zeigt diesen ihren Eltern. Dabei zerbricht er in ihren Händen und verursacht stark blutende Schnittwunden. Kann ein Krankheitserreger Jahrhunderte überdauern und dann noch übertragen werden? Es scheint so!
Willkommen in Princeton
Denn: Kurz darauf wird die Familie im Princeton Plainsboro Krankenhaus unter Quarantäne gestellt. Es sieht ganz danach aus, als hätte sich Julie mit dem Pockenvirus infiziert, einem Erreger, der unvermeidlich zu mehr oder weniger schweren, oft tödlichen Krankheitsverläufen führt. Heilmittel gibt es nicht. Das Virus gilt als ausgestorben; höchstens Terroristen könnten es im Rahmen biologischer Kriegsführung einsetzen.
Schließlich rückt das CDC an (Center for Disease Control, die amerikanische Gesundheitsbehörde) und übernimmt den Fall. Greg House (Hugh Laurie) und sein Team bekommen derweil Zweifel, ob es sich bei der Erkrankung wirklich um die gefürchteten Pocken handelt, doch der leitende Arzt des CDC, Dr. Broda (Dylan Baker) bleibt stur.
Diagnose, House-Style
Der eigenwillige Diagnostiker will nun mit Hilfe des Logbuches nach Hinweisen auf damalige Krankheitsverläufe suchen. Dumm nur, dass das gute, alte Stück in Niederländisch verfasst ist. Glücklicherweise kennt House eine Dame, die dieser Sprache mächtig ist: eine Erwachsenen-Entertainerin aus dem Internet. Warum die verstaubten Krankenhaus-Übersetzer bemühen, wenn es spritziger geht? Erotik-Darstellerin Geerte (Tess Kartel) wird also zweckentfremdet und übersetzt via Webcam einige Passagen des Schiffstagebuches.

Inzwischen erkrankt nach der Tochter auch der Vater der Familie, und sein Zustand verschlimmert sich rapide. House vermutet: durch den Pockenimpfstoff, welcher der gesamten Familie vorsorglich gespritzt wurde.
Aber Houses Diagnose umfasst einiges Wenn und Aber: House mutmaßt, dass bei Familienvater Niles eine alte Krebserkrankung wieder aufgetreten ist. Dadurch wäre sein Imunsystem geschwächt, so dass er vom Impfstoff krank wurde. Folglich leide Niles unter den eingeimpften Pockenviren, seine Tochter aber an einer anderen Krankheit, die es zu diagnostizieren und zu behandeln gelte.
So sicher ist sich House, dass er den Quarantäneraum ohne Schutzkleidung betritt! Das ruft beim CDC, innerhalb seines Teams und natürlich bei Cuddy tiefstes Entsetzen hervor. Nun steckt er fest! Und wenn er sich irrt? Die Spannung steigt, Niles geht es immer schlechter - und House rät ihm schließlich, sich von seiner Familie zu verabschieden. Durch die Glasscheibe hindurch werden rührende Abschiedsworte ausgetauscht und der Vater versichert seinem Sohn, Lulu werde sich sehr gut um ihn kümmern. Sekunden später erleidet er einen Herzstillstand und stirbt - trotz Reanimationsversuchen.
Zuviel gewagt?
Jetzt bekommt es House doch mit der Angst zu tun! Während Cuddy (Lisa Edelstein) und die männlichen Vertreter seines Teams ihn mit Vorwürfen bombardieren, forscht Masters (Amber Tamblyn) weiter. Sie nimmt wieder Kontakt zu der niederländischen Sprachbeauftragten auf und lässt sie weitere Passagen übersetzen. Es stellt sich heraus: der Kapitän hatte eine Katze. Masters zählt zwei und zwei zusammen und kommt dem wahren Übeltäter auf die Spur: Rickettsien.
Diese Bakterien werden über Flöhe, Milben und Zecken übertragen, lassen sich im Gegensatz zu Pockenviren jedoch in unserer Zeit gut behandeln. Jetzt muss nur noch das CDC überzeugt werden. Masters bittet House, Niles' Leiche nach bestimmten Nekrosemerkmalen abzusuchen, denn diese würden ihre Diagnose bestätigen. Um das zu tun, muss er die Leiche jedoch entkleiden und berühren - akute Ansteckungsgefahr! Masters' eindringliche Beteuerungen, es handle sich garantiert um Rickettsien, überzeugen House: er untersucht den Körper… und wird fündig.

Die Quarantäne wird aufgehoben; Julie überlebt dank der späten, aber richtigen Therapie. Alle sind erleichtert, auch wenn die rettende Erkenntnis für den Familienvater zu spät kam.
In einer Nebenhandlung sehen wir Wilson (Robert Sean Leonard) und seine Freundin Sam (Cynthia Watros) bei dem Versuch, die kleine krebskranke Eva (Devon Woods) zu trösten: das Mädchen fühlt sich einsam, da ihre Mutter wegen der Quarantäneverordnung das Krankenhaus nicht betreten darf.
Das von Cuddy gezeigte passiv-aggressive Verhalten ihm gegenüber lässt House erkennen, dass sie mittlerweile von seinem Betrug um den Bluttest in der letzten Episode, Office Politics, weiß! Sie gibt sich zunächst unversöhnlich. Dann - als er in Lebensgefahr zu sein scheint - versöhnlich. Und zu guter Letzt verbleibt sie… nachtragend.
Fazit
A Pox on Our House liefert endlich wieder einen mitreißenden, spannenden Fall. Eine willkommene Abwechslung nach der langen Zeit, da in der siebten Staffel Zwischenmenschliches im Vordergrund stand!
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 23. November 2010(House 7x07)
Schauspieler in der Episode House 7x07
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