House 6x08

House 6x08

Drei von Vier! Das Gebot der Stunde bei House' (Hugh Laurie) neuestem Auftreten hatte Züge einer Castingshow. Kaum wieder an der Macht, begann der berühmteste Arzt des Plainsboro gleich damit, sein Team umzugestalten. Gibt man den Fall der Woche, einen Pornostar, und sehr viel Dramatik um Eheleute dazu, so erhält man … Langeweile. Ein Review von David Weiss.

Greg House (Hugh Laurie) und 13 (Olivia Wilde) / © FOX
Greg House (Hugh Laurie) und 13 (Olivia Wilde) / © FOX

Let's get hot in here…

Da war selbst House noch nicht. Eine schwer einzuordnende Umkleidekabine eines Filmsets. Der Mieter der Kabine, ein dunkelhaariger Mann (Troy Garity), scheint wegen etwas ziemlich angefressen zu sein. Jedenfalls verlässt er lamentierend den Raum, um auf dem Filmset mit seinem Regisseur die Diskussion fortzusetzen. Um sie herum - ein Haufen leicht bekleideter Schönheiten. Wir sind also zu Gast an dem Ort, aus dem die nicht jugendfreien Männerträume gemacht werden sollen.

Der Mann, Hank, setzt die Unterhaltung angeregt fort, dann gehen die Setlichter an, der Mann greift sich an sein nun schmerzverzerrtes Gesicht und keucht:
Meine Augen! Sie fühlen sich an, als würden sie explodieren!
Der Beruf des Mannes alleine sollte ihn schon dafür qualifizieren, House' Aufmerksamkeit zu erregen und seine Hilfe zu erhalten. Das wäre auch tatsächlich so, wenn House denn das Sagen hätte …

Guess who's back …

Das Teambüro der diagnostischen Abteilung ist überraschend leer. Nur zwei Personen sitzen an dem langen Tisch, diese unterhalten sich dafür überaus angeregt. Fast könnte man meinen, sie streiten. Thema ist der neueste Fall des Teams oder besser, welcher es sein soll! Foreman (Omar Epps), der eine Protagonist, will unbedingt ein Baby mit Fieber und Muskelschwäche behandeln, House aber - wen wundert's - den Pornostar. Foreman scheint den Streit zu gewinnen: Er verweist darauf, wer offiziell noch immer das Sagen in der diagnostischen Abteilung hat. House verzieht sichtbar das Gesicht, er glaubt sich fügen zu müssen, in diesem Moment scheint er sicher, die Kontrolle zurückerhalten zu wollen.

Nur Foremans Siegesfreude war verfrüht. Denn seine - ich erlaube mir an dieser Stelle Season 2 zu zitieren - „Terrorherrschaft“ endet nun, dafür beginnt die von House aufs Neue. Cuddy (Lisa Edelstein) betritt das Büro, in ihrer Hand ein Umschlag, der die Dinge wieder normalisieren soll: Die ärztliche Zulassung von House. Nun ist er ganz offiziell wieder zurück (und) „an der Macht“.

Als Zuschauer ist dies die passende Gelegenheit sich zu fragen, wo eigentlich Chase (Jesse Spencer) und Cameron (Jennifer Morrison) stecken? Und wie es den beiden geht? Wir erinnern uns: Am Ende der letzten Folge hat Chase seiner Frau endlich den Mord gebeichtet, sie schien nicht unbedingt gewillt, die Sache einfach zu akzeptieren.

Hallo; wir kündigen!%26copy;%26nbsp;FOX
Hallo; wir kündigen!%26copy;%26nbsp;FOX

„Mancher hinterlässt eine Lücke, die ihn ersetzt“ (Pearl S. Buck) …

Ganz so schlimm, wie es sich am Ende der letzten Episode andeutete, scheint es für Chase doch nicht ausgegangen zu sein. Cameron ist bereit, zu akzeptieren und zu vergeben. Jedoch nicht bedingungslos. Um ihre Ehe zu retten und ihr Leben zu verbessern, setzt sie durch, dass die beiden Eheleute im Plainsboro (ab jetzt ohne ugh;-)) kündigen und sich eine neue Arbeitsstelle suchen. Chase‘ Reaktion lässt sich am besten mit dem Wort „verhalten“ beschreiben. Er will nicht wirklich gehen, weiß aber, dass er nach Camerons Entgegenkommen nicht anders kann, als den Entschluss mitzutragen.

Beide begeben sich also ins Krankenhaus, um dort ihren Kollegen die Entscheidung mitzuteilen, um danach neu beginnen zu können. Cuddy akzeptiert die Kündigung. Und auf einmal sind House und Foreman ganz alleine. Das ganze entbehrt nicht einer gewissen Ironie, war Foreman doch der Erste, der in Staffel Drei das Team verlassen hat. Auf ihn kommt nun eine Menge Arbeit zu, denn House hat keine Wahl (außer es selbst zu tun, aber das ist ja bekanntlich nicht unbedingt seine liebste Beschäftigung), außer seinem verbliebenen Untergebenen die kompletten Untersuchungen aufzutragen.

Da waren es nur noch zwei: House und Foreman%26copy;%26nbsp;FOX
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House selber muss nun daran gehen, die entstandene Lücke wieder zu füllen. Zeit, zwei alte Bekannte aufzusuchen, die wir seit geraumer Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen haben. House kriegt dafür einmal metaphorisch und einmal buchstäblich eine Tür ins Gesicht. Der erste Gang für ihn zu Taub (Peter Jacobsen) in dessen neue Praxis. Der will nicht zurück ins Team, lässt sich aber dennoch einen Diagnosevorschlag entlocken. Weiter geht die Reise zu 13 (Olivia Wilde). Die schließt tatsächlich einfach ihre Wohnungstür.

Ganz zur reinen Partnerarbeit verkommt der Fall aber nicht. Denn Foreman kann Chase und Cameron doch überzeugen, zu helfen. Somit ist das inzwischen „ganz alte“ Team ein letztes Mal vereint. Aber wie man sich jetzt schon leicht denken kann, 13 und Taub bleiben nicht bei ihrer Ablehnung.

Team Competition

Der Titel der Episode ist Teamwork. Realistischer wäre „Team-Wettbewerb“. House hat drei freie Plätze im Team zu vergeben. Nach der Kündigung von Chase und Cameron, die dann doch wieder an dem Fall zu arbeiten beginnen, macht er sich nun daran, eine „Best-Of-Auswahl“ seiner beiden Teams zu suchen. Oder anders ausgedrückt: Drei von Vier! Einer muss gehen.

Das geht zwar schon sehr weit in ein Fazit, aber dieser Plot ist bedauerlicherweise einfach nur billiger Effekt. Die Logik diktiert so oder so, dass, egal, welche Entscheidung House nun trifft, es nicht dabei bleiben wird. Es gibt zwei persönliche Beziehungen innerhalb der Ärzte. Chase und Cameron. Trennt er die beiden, sagt schon der einfache Fakt, dass die beiden verheiratet sind, dass der Handlungsbogen und die Teamformation noch nicht endgültig abgeschlossen sind.

Für seine Spielchen ist House kein Weg zu weit%26copy;%26nbsp;FOX
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Daneben gibt es noch immer die Vergangenheit von Foreman und 13. Eigentlich können die beiden nicht mehr zusammenarbeiten. Nur hat House eine besondere Beziehung zur Huntington-Patientin. Ab und zu scheint er sich wie um eine Tochter um sie zu sorgen. Man kann sich gut daran erinnern, wie stark er auch in Staffel Sechs schon um ihr Glück gekämpft hat. Bliebe also Taub. Dann säße House mit Foreman, 13, Chase und Cameron in einem Büro. Potenziell also mit zwei Paaren.

Kaum vorstellbar, da Taub, der auch schon das eine oder andere Mal seine Ehe riskiert hat, House in dieser Hinsicht sicherlich am nächsten steht, keine Angst vor House hat und ihm mit fundierter Kenntnis häufig widerspricht. So darf der Zuschauer also einen Wettstreit zwischen den alten und neuen Teams erleben. Der wird aber die Dinge nicht abschließend klären können.

Zumal der verspolierte Zuschauer sowieso weiß, wer gehen wird. Und das hat nichts mit House' Wettstreit, sondern mit der Persönlichkeit von Cameron zu tun. Diese unterhält sich nämlich mit House und versucht diesen zu überzeugen, sie haben Chase verziehen. House glaubt es nicht. Und in Cameron wächst die Überzeugung, House wolle ihre Ehe zerstören, um seine Spielchen zu spielen. Sie rechnet später mit ziemlich harten Worten mit ihrem Chef ab. Es ist deutlich, dass sie die einzige Person ist, die den Platz im Team wirklich nicht will.

Kein Ende ohne Anfang

Nun sind die Dinge aber erst einmal wie sie sind. House lässt das eine Team im Krankenhaus arbeiten, während er das „andere“ Team per Fax und persönlichen Beziehungen „auf dem Laufenden“ hält. Darunter ist auch meine ganz persönliche Lieblingsszene der Folge: Um noch einmal mit 13 zu reden, besucht der Diagnostiker sie in ihrem Sportstudio. Vor der eigentlichen Unterhaltung sehen wir den Doc aber auch beim trainieren - mit Stock und Anzug absolviert er eine kleine „Ausdauereinheit“ auf dem Laufband, wobei die Unterhaltung mit dem Mann auf dem benachbarten Trainingsgerät sicher zu den besten Dialogen der Staffel gehört.

Dann muss aber auch House wieder „arbeiten“ und 13 beim Training stören. Diese hat eigentlich schon einen neuen Job gefunden, aber House „vergiftet“ (wie Cameron es später House vorwirfft) ihre Gedanken erfolgreich und bringt sie dazu, auch innerlich mehr und mehr zur diagnostischen Medizin zurückzukehren.

Der Wettstreit äußert sich also in der Form, dass zwei Mitglieder wieder von der „Droge“ diagnostische Medizin süchtig geworden sind, Chase nie davon abgekommen ist und Cameron nur eins möchte: Glück.

In der Nähe von House ist Glück allerdings nicht zu finden. Seit Lucas (Michael Weston) als Cuddys Freund wieder aufgetaucht ist und somit House eigene Aussichten auf Glück vorläufig zerstört hat, wird diese These langsam traurige Gewissheit.

Die persönlichen Frontlinien sind gezogen. Selbst Wilson (Robert Sean Leonard) schlägt sich voll auf die Seite von House, als es um das Thema Lucas geht. Sein Vorwurf an Cuddy „Warum hast du es nicht wenigstens mir gesagt?“ deutet auch die Richtung an, in der sich die persönliche Beziehung zwischen Cuddy und Wilson entwickeln wird. Zumindest solange Lucas da ist.

Trotz der Tatsache, dass nie die ganze Tiefe der Beziehung zwischen Cuddy und Wilson wirklich ausgeleuchtet worden ist, wissen wir doch sicher, dass zwischen Cuddy und House etwas ist. Nun muss man sich fragen, ob Cuddy wirklich bereit ist, die Beziehung zu ihren Freunden zu riskieren - sie vertraut ja scheinbar nicht einmal Wilson - und ständig in House‘ Nähe zu arbeiten, für den sie irgendwas fühlt, nur um mit Lucas zusammenbleiben zu können? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Hello and Good Bye

Bevor ich aber in Gänze in die Kritik abdrifte, ist es erst einmal an der Zeit, Hank zu retten und den Wettstreit der Teams zu entscheiden. Das alte Team hatte sich für eine falsche Behandlung entschieden und in einem typischen Finale für House stellen 13 und Taub per Telefon in allerletzter Sekunde die richtige Diagnose (eine Sonderform von Morbus Crohn) und können so eine Behandlung, welche dem Patienten geschadet und nicht geholfen hätte, abwenden. Für den medizinischen Fall ist also eine Art von Happy End erreicht.

Die Teamformation klärt sich auch, da Cameron die einzige Entscheidung trifft, die ihr bleibt, um ihre Freiheit zu retten. Für sich, und gegen House und Chase. Nun ist sie also weg. In den News heißt es sehr häufig „Rückkehr nicht ausgeschlossen“. Nach Ansicht des Plots traue ich mich sogar noch mehr zu sagen: Sie wird definitiv wiederkommen!

Der beste Teil der Folge ist ganz am Schluss. House ist in Wilsons Büro und unterhält sich über Version 3 seines Teams. House ist sehr kühl, als er sein Fazit zieht:
Three out of four ain't bad.
Erinnern wir uns zurück an den Beginn der Staffel. Der frisch therapierte House hatte auch einen Teil seiner Menschlichkeit wieder entdeckt. Er kämpfte um 13, Chase, Cameron, stand für Wilson ein. Die Menschen um ihn herum waren ihm nicht egal. Jetzt erlebt er den Abschied von Cameron. Eine Frau, die ihn geliebt hat. Eine Frau, die er seit Jahren kennt, mit der er gelitten hat, eine Frau, die in der Regel bedingungslos für ihn da war, verlässt ihn nun. Und er reagiert kalt. Das ist definitiv eine charakterliche Veränderung. House beginnt sich nach dem Schmerz wegen Cuddy und dieser persönlichen Tragödie innerlich wieder zurückzuziehen. Man fragt sich, was er tun wird, um das zu kompensieren?

Fazit

Im Prinzip steht meine Meinung bereits in der Einleitung. Die Episode war langweilig. Nun gibt es verschiedene Abstufungen von Langeweile und House erreicht mit Sicherheit nicht die schlimmste Version. Diese Episode hatte humorvolle Szenen, das Zusammenspiel zwischen den Charakteren ist immer sehenswert. Die Fans von 13 und Taub dürfen sich über ein gelungenes Comeback ihrer Lieblinge freuen. House hat sich fit gehalten. Der medizinische Fall war nur eine Randnotiz der Handlung, was bei House aber nicht stören muss, wenn der Plot ansonsten gut ist.

Das war er aber diesmal nicht. Die Idee, einen Pornostar zum Patienten der Woche zu befördern, schiebt eine Episode sehr schnell in Verdacht, nur auf Quote zu zielen (z.B. als Ankündigung in einer Programmzeitschrift: „Und in dieser Woche behandelt House Pornostar Hank, der auf dem Set zusammengebrochen ist“). Dem kann man entgegen wirken, wenn man den „Pornostar“ ein bisschen zurücktreten lässt und versucht, den „Menschen“ zu zeigen. Die Episode tut es nur ein bisschen, wenn Chase und Hank sich über die „Ehe“ austauschen. Aber das war viel zu wenig in dieser Richtung.

Der Plot über das Team war vorhersehbar. Zu keiner Sekunde war Zweifel, was nun wirklich passiert oder ob die Sache noch Dramatik erhält. Das einzige, was irgendwie in der Schwebe hing: Geht Chase auch?

Ich habe die Folge zum ersten Mal so gegen 22 Uhr gesehen. Und dachte spontan, dass die Serie und ich gleichsam Ermüdungserscheinungen zeigen. House funktioniert nach einem bestimmten Schema: Patient - Fall - Fehldiagnose - try and error zur richtigen Diagnose, zwischendurch zeitweilige Besserung. In 99 Prozent der Fälle kommen sie beim Happy End an. Man denkt im sechsten Jahr House nicht mehr, dass in Minute 17 und bei Version 3-C der Diagnose nun schon die richtige Antwort gefunden ist. Der Serie tut es also gut, wenn das Standardschema noch aufgefrischt wird. The Tyrant wählte beispielsweise den Dilemma-Ansatz, die vorherige Episode dafür den persönlichen. Teamwork hatte keine zufriedenstellende Antwort, welche Spannung erzeugen und für Überraschungen sorgen konnte.

Um versöhnlich zu enden: Gelacht habe ich trotzdem oft.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 22. November 2009
Episode
Staffel 6, Episode 8
(House 6x08)
Deutscher Titel der Episode
Teamwork?
Titel der Episode im Original
Teamwork
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 16. November 2009 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 21. September 2010
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 13. September 2010
Autor
David Hoselton
Regisseur
Greg Yaitanes

Schauspieler in der Episode House 6x08

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