24: Live Another Day 1x12

24: Live Another Day 1x12

Zum Abschluss des Serienreboots 24: Live Another Day serviert uns das Kreativteam die perfekte 24-Episode. Action, Spannung, große Gefühle, tragische Momente, ein aufwühlender Cliffhanger, grandiose technische Umsetzung - die Miniserie endet mit ihrem absoluten Höhepunkt.

Große Geste am Ende eines großen Finales: Jack und Chloe halten Händchen. / (c) FOX
Große Geste am Ende eines großen Finales: Jack und Chloe halten Händchen. / (c) FOX

Das Reboot von 24 als Miniserie 24: Live Another Day hatte Höhen und Tiefen. Nach wenigen Episoden war klar, dass die Produzenten keine Neuausrichtung des Actionformats anstrebten, sondern viel eher ein „Best of“ des Franchises abfeiern wollten. Das gelang an vielen Stellen, als Nebenprodukt tauchten manchmal jedoch auch diejenigen negativen Merkmale auf, die der Serie spätestens seit der sechsten Staffel am Bein hingen.

Das Beste kommt zum Schluss

Irgendwann hatte Jack Bauer (Kiefer Sutherland) alles gesehen, hatte schlimmste Tragödien durchlebt, mehrfach die Welt gerettet, waren totgeglaubte Charaktere ins Leben zurückgekommen. Die Freude über das Reboot war bei mir denn auch eher durch nostalgische Gründe ausgelöst, ich erinnerte mich natürlich viel lieber daran, wie viel Freude mir die ersten Staffeln brachten - und auch daran, dass die achte und vorerst letzte Staffel Jack einen würdigen Abschied bescherte.

Meine Euphorie über Jack Bauers Wiederauferstehung wich also stellenweise Ernüchterung über die Rückkehr allzu bekannter 24-Standards. Wir bekamen in der Hälfte der Episodenanzahl das übliche Serienschema: Der erste Bösewicht, Margot Al-Harazi (Michelle Fairley), wird durch einen größeren Bösewicht, Adrian Cross (Michael Wincott), ersetzt, der wiederum selbst durch einen noch größeren Bösewicht, Cheng Zhi (Tzi Ma), ersetzt wird, den wir idealerweise noch aus früheren Episoden kennen.

Diese Berechenbarkeit konnte manchmal ermüdend sein - bis zur Finalepisode. Hätte ich vorher gewusst, dass ich mit solch einem furiosen Abschluss belohnt werden würde, wäre ich mit breitem Grinsen und viel Wohlwollen durch die Untiefen des 24-Universums gewatet. Das Finale vereint sämtliche Elemente, die 24 in seinen besten Momenten zur packendsten Actionserie aller Zeiten machten. Atemberaubende Action trifft hier auf mehrere tragische Ereignisse, große Emotionen und einen mitreißenden Abschluss. Das Ganze geschieht vor der Drohkulisse eines neuen Weltkriegs, was von mir in den letzten Episoden kritisiert worden war, sich hier aber vollends auszahlt. Wie konnte ich jemals an Dir zweifeln, Jack?

Mit Samuraischwert gegen Cheng (Tzi Ma): Jack Bauer ist jedes Mittel recht. © FOX
Mit Samuraischwert gegen Cheng (Tzi Ma): Jack Bauer ist jedes Mittel recht. © FOX

Die Episode beginnt mit Jack Bauers obligatorischem voice-over, das nun zum ersten Mal ankündigt, dass sich die Erzählzeit über zwölf Stunden erstreckt und dies überdeutlich betont. Jack und Kate Morgan (Yvonne Strahovski) erfahren von Chengs Fluchtplänen und werden wenig später von ihm erpresst. Er werde Audrey (Kim Raver) erschießen lassen, sollten sie versuchen, ihn aufzuhalten.

You should've stayed hidden like a rat

Weil jedoch Cheng der Schlüssel zur Verhinderung eines Krieges zwischen den USA und China ist, müssen sich Jack und Kate aufteilen, um beide Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Kate soll also Audrey retten, Jack die ganze Welt. Währenddessen ordnet Präsident Heller (William Devane) die höchste Alarmstufe an. Als Reaktion auf den Abschuss eines chinesischen Flugzeugträgers durch ein amerikanisches U-Boot nähert sich nun nämlich eine chinesische Flotte dem amerikanischen Truppenstützpunkt im japanischen Okinawa. Im Verhandlungsgespräch mit dem chinesischen Präsidenten findet Heller klare Worte: „Once your forces cross the 12-mile-limit outside of Okinawa, we fight.“ („Sobald Ihre Streitkräfte die 12-Meilen-Grenze außerhalb Okinawas durchbrechen, befinden wir uns im Krieg.“)

In der Zwischenzeit ist es der im Wald umherirrenden Chloe (Mary Lynn Rajskub) gelungen, ein Handy aufzuspüren und sich bei Jack zu melden. Sie bittet ihn, sie wieder in sein Team aufzunehmen, schließlich sei sie die letzte Freundin, die ihm noch geblieben sei. Während sich Jack, Chloe und Belchek (Branko Tomovic) also auf den Weg zum Hafen machen, wo Cheng Vorbereitungen für seine Flucht trifft, lokalisieren Kate und Audrey in einer gemeinsamen, riskanten Aktion den Scharfschützen, der Audrey im Visier hat.

Kate und ihrem Team gelingt die Befreiungsaktion, wenige Augenblicke später kommt es jedoch zur größtmöglichen Tragödie. Ein zweiter Schütze nimmt Audrey ins Visier und trifft sie tödlich. Sie stirbt in Kates Armen und bekommt eine silent clock, eine stille Uhr. Jack erhält die niederschmetternde Nachricht von ihrem Tod, während er Chengs Schiff infiltriert. Seine Reaktion darauf ist von Sutherland meisterhaft gespielt und findet in der gesamten Miniserie nur durch die Reaktion von William Devane als Präsident Heller auf die Nachricht vom Tod seiner Tochter ihre Entsprechung.

Audrey Boudreau bekommt ihr letztes Geleit. © FOX
Audrey Boudreau bekommt ihr letztes Geleit. © FOX

Die tieftraurige Nachricht platzt mitten in die mitreißendste Actionsequenz, die das Reboot bisher zustande gebracht hat. Jack und Belchek werden darin von Chloe per Infrarotsatellit ferngesteuert, präzise schalten sie einen Gegner nach dem anderen aus. Die Szenen haben mich ein bisschen an das PC-Spiel „Commandos“ erinnert, bei dem es vor allem darauf ankam, mit Übersicht und List die gegnerischen Kämpfer auszuschalten - und nicht nur wahllos herumzuballern. Als Jack jedoch von Audreys Tod hört, gibt es kein Halten mehr. Voller Mordlust begibt er sich auf eine unbarmherzige Rachetour. Hätte ich nicht in der Redaktion gesessen, wäre ich wohl aufgesprungen und hätte ihn lautstark angefeuert.

Thank you for everything and good luck

Jack besiegt also sämtliche Gegenspieler und nimmt Cheng in Gewahrsam. Mit einem Samuraischwert zwingt er ihn dazu, seine Identität preiszugeben. Cheng gehorcht widerwillig, woraufhin der drohende Krieg mit China abgewendet werden kann. Der alte Jack Bauer hätte es wohl dabei belassen und Cheng den Behörden übergeben. Der neue, gebrochene Jack Bauer übt jedoch seine persönliche Rache an Cheng aus und köpft ihn mit dem Schwert. An der Stelle habe ich dann doch ein entzücktes Juchzen herausgelassen. Ja, da wurden meine Urinstinkte angesprochen - und nein, ich schäme mich nicht dafür, mich darüber gefreut zu haben.

Der emotionale Höhepunkt dieses Finales ist da aber immer noch nicht erreicht, denn nun ist plötzlich Chloe verschwunden. Jack erhält einen anonymen Anruf und vereinbart ein Treffen. Danach kommt es zum ersten Zeitsprung in der Geschichte der Serie. Zwölf Stunden später räsoniert Präsident Heller über den Tod seiner Tochter und seine fortschreitende Alzheimer-Krankheit. Zur gleichen Zeit tauschen die Russen ihre Gefangene Chloe gegen Jack aus. Bauer droht dem russischen Gesandten noch einmal, woraufhin der beschwichtigt: „We just want you, Mr. Bauer. That's all we've ever wanted.“ („Wir wollen nur Sie, Mr. Bauer. Das ist alles, was wir jemals wollten.“)

Wollen also auch wir mehr Jack Bauer? Ich war nach einigen Episoden ja skeptisch. Wenn wir jedoch in einer neuen Staffel der Miniserie erneut ein solches pay off bekommen, warum nicht? Der Erfolg des Finales ist zu einem großen Teil auch der hervorragenden technischen Umsetzung geschuldet. Regisseur Jon Cassar und Musikkoordinator Sean Callery erschaffen mit Bild und Ton ein mitreißendes, atemberaubend spannendes Crescendo an Actionversatzstücken, das am Ende zu seinem emotionalen Höhepunkt findet. Bravo!

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 15. Juli 2014

24: Live Another Day 1x12 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 12
(24: Live Another Day 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Live Another Day: 22:00 - 11:00 Uhr
Titel der Episode im Original
Day 9: 10:00 P.M.-11:00 A.M.
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 14. Juli 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. Juli 2014
Autoren
Manny Coto, Evan Katz
Regisseur
Jon Cassar

Schauspieler in der Episode 24: Live Another Day 1x12

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?