1923 2x04

1923 2x04

In „Die eisernen Flüsse“ erleben wir, wie sehr die Roaring Twenties in „1923“ eher an das finsterste Mittelalter erinnern als an die Zeit vor hundert Jahren.

Harrison Ford und Helen Mirren auf einem Szenenfoto der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“
Harrison Ford und Helen Mirren auf einem Szenenfoto der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“
© Paramount+

Donald Whitfield (Timothy Dalton, Penny Dreadful) stellt in Begleitung seines Vasallen Banner Creighton (Jerome Flynn, Ripper Street) einer Versammlung von Investoren seine Pläne mit dem Land der Duttons vor. Inspiriert von einer Gruppe norwegischer Skifahrer will er im schneereichen Montana ein Wintersportresort errichten.

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In letzter Sekunde

Alexandra (Julia Schlaepfer, The Politician) war auf dem Bahnhof in New York unvorsichtig genug, um einen Räuber auf sich aufmerksam zu machen. Dieser überfällt sie in der Toilette, schlägt sie brutal zusammen und stiehlt ihr Geld. Schwer angeschlagen kann Alexandra in letzter Sekunde auf den bereits fahrenden Zug nach Billings, Montana aufspringen, da ihre Fahrkarte glücklicherweise noch in ihrem Besitz ist. Ihr billiges Schlafwagenabteil muss sie sich mit einer mehrköpfigen Familie teilen.

Blutige Rettung und gute Neuigkeiten

Auf Yellowstone findet die in der letzten Folge angedrohte Schädelöffnung von Zane (Brian Geraghty, Big Sky) statt. Dr. Miller (Mark Daneri, Gastauftritte unter anderem in American Crime) stehen hierfür jedoch keine Narkosemittel zur Verfügung. Er kann den Operationspatienten lediglich mit Chloroform betäuben, während ihm Jacob Dutton (Harrison Ford, „Indiana-Jones“-Filmreihe) und Jack (Darren Mann, Chilling Adventures of Sabrina) assistieren.

Cara (Helen Mirren, „White Bird“) lenkt derweil Zanes besorgte Ehefrau Alice (Joy Osmanski, Stargirl) ab. Der unter barbarischen Umständen erfolgte Eingriff glückt jedoch und nach der Entfernung eines Blutgerinnsels verspürt der Vormann deutliche Besserung.

Elizabeth (Michelle Randolph, Landman) ist nach wie vor fest dazu entschlossen, die Ranch zu verlassen und zu ihrer Familie nach Boston zu gehen. Nachdenklich macht sie allerdings ein Gespräch mit Jacob, nach dem sie sich die noch immer notwendige Injektion selbst verabreicht. Da sie dabei massive Schmerzen verspürt, untersucht Dr. Miller sie ein weiteres Mal und stellt fest, dass sie schwanger ist.

Gesetzes- und andere Härten

Spencer (Brandon Sklenar, Westworld) wird bei Fort Worth in Texas von einem Polizisten aufgegriffen, der von seiner Beteiligung an dem Alkoholtransport weiß. Er zwingt ihn dazu, diesen mit einem Beamten an seiner Seite durchzuführen. Am Zielort kommt es zu einer wilden Schießerei, in deren Verlauf der ans Lenkrad des Wagens gekettete Spencer sich befreien und flüchten kann. Auf einen fahrenden Zug aufgesprungen gerät er vom Regen in die Traufe. Eine Gruppe zerlumpter Hobos verlangt Geld von ihm und droht ihm damit, ihn zu schnappen, wenn er einschläft. Natürlich kommt es zum Kampf.

Bahnhof des Todes

Nachdem Christy (Cailyn Rice), eine der beiden Sexsklavinnen Whitfields, durch die Quälereien ihrer Leidensgenossin Lindy (Madison Rogers) zu Tode gekommen ist, befiehlt er Creighton, die Leiche verschwinden zu lassen. Dies soll auf einem Stück Niemandsland zwischen Montana und Wyoming geschehen, das man später - zu Zeiten der Hauptserie, zu der hiermit eine Brücke geschlagen wird - einmal schlicht den „Bahnhof“ nennen wird.

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Szenenfoto aus der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“
Szenenfoto aus der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“ - © Paramount+

Gerade, als sich Teonna (Aminah Nieves, „Blueberry“), ihr Vater Runs His Horse (Michael Spears, „Into the West: In den Westen“) und Pete (Jeremy Gauna, American Primeval) als Nachwuchscowboys sicher zu fühlen beginnen, entdecken sie überall Steckbriefe, mit denen nach ihr gefahndet wird.

Dunkles Zeitalter

Journey the Rivers of Iron, die Halbzeitfolge der zweiten Staffel der Serie 1923, ist zu Beginn eine echte Belastungsprobe für Zuschauer, die nicht zufällig auch ganz gerne Horrorfilme anschauen. Die Szenen, in denen der Arzt Zanes Schädel mit einem Bohrer öffnet und anschließend mit seinen Instrumenten ein Blutgerinnsel entfernt, sind schon wirklich harter Stoff in einer an und für sich ohnehin schonungslosen Serie. Vor allem verdeutlicht dies die ungeheure Primitivität der damaligen Zeit, die gerade einmal ein Jahrhundert zurückliegt.

Das Gleiche gilt für die Sequenzen, die Spencers Flucht in und durch Fort Worth zeigen. Eine Gruppe von religiös fanatischen Abstinenzlerinnen hat eine (vermeintliche?) Prostituierte nackt geteert und gefedert und führt sie gefesselt durch die Stadt. Das durch und durch unmenschliche Schauspiel wird von der örtlichen Polizei lediglich mit einem spöttischen Lachen quittiert, während man auf der anderen Seite mit aller Härte gegen Alkoholschmuggler vorgeht. Erneut illustriert dies die ungeheure Doppelmoral damaliger Zeiten, die von vielen bis heute als Golden Age betrachtet und herbeigesehnt werden.

Geschichtslektion Hobos

Insgesamt ist die kritische Schilderung der Lebensumstände im Amerika vor seinem großen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Stärke von „1923“. Diesmal geht es dem Hobo-Mythos an den Kragen, der Thema vieler populärer Countrysongs war. Als Hobos bezeichnet man Eisenbahn-Tramps, Menschen, die auf der Suche nach Arbeit heimlich auf Züge aufsprangen und in Güterwaggons durch das Land reisten. Von Romantik konnte dabei selbstverständlich keine Rede sein, weder in der Wirklichkeit noch in der Serienhandlung. Hier kostet die Begegnung mit einer Gruppe solcher Hobos Spencer Dutton beinahe das Leben.

Oscar- beziehungsweise Emmy-reif

Harrison Ford auf einem Szenenfoto aus der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“
Harrison Ford auf einem Szenenfoto aus der Episode „Die eisernen Flüsse“ der Serie „1923“ - © Paramount+

Wie in den vorherigen Folgen von „1923“ und auch allen anderen Inkarnationen von Yellowstone ist immer wieder die hervorragende Besetzung bis in die Nebenrollen hervorzuheben. Sowohl Helen Mirren als auch Harrison Ford liefern ebenso großartige Altersrollen ab wie beispielsweise Sam Elliott im Vorläufer-Prequel 1883. Dabei zeigen sich die beiden stets als gleichberechtigte und gleichermaßen taffe Familienoberhäupter fernab rein patriarchaler Strukturen.

Doch auch Darstellerinnen wie Julia Schlaepfer, Aminah Nieves und Michelle Randolph verkörpern jede für sich in ungeheuer eindringlicher Spielweise gequälte, aber gleichzeitig auch überaus starke Frauencharaktere, deren Zeichnung sich erheblich unterscheidet. Der einstige vierte „007“-Darsteller Timothy Dalton gibt dabei als Donald Whitfield einen der denkwürdigsten und vor allem verachtenswertesten (Streaming-)TV-Bösewichte seit langem. Gegen ihn wirken frühere Vorgänger wie der berühmte J. R. Ewing geradezu wie Chorknaben.

Fazit

Hier und da wurde „1923“ vorgeworfen, die Handlung trete auf der Stelle. Diesem Eindruck kann sich der Rezensent ganz und gar nicht anschließen. Auch die aktuelle Folge zeigt, dass Serienmacher Taylor Sheridan seine Geschichte von langer Hand vorbereitet und an vielen Nebenschauplätzen weitererzählt, um sie letztendlich zusammenzuführen. Dabei kommt immer wieder auch offen geäußerte Zeitkritik zum Tragen und räumt mit dem Holzhammer mit zahlreichen, bis heute bestehenden romantischen Mythen auf. Großartige schauspielerische Leistungen tun auch in der aktuellen Folge ihr Übriges dazu, um die Serie zum TV-Erlebnis zu machen.

Vier von fünf Schädelbohrern verleihen wir vor allem deshalb, weil das ganz dicke Ende noch bevorstehen dürfte.

Verfasser: Thorsten Walch am Montag, 17. März 2025
Episode
Staffel 2, Episode 4
(1923 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Reise auf den Flüssen aus Eisen
Titel der Episode im Original
Journey the Rivers of Iron
Länge der Episode im Original
59 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. März 2025 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 16. März 2025

Schauspieler in der Episode 1923 2x04

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