13 Reasons Why Staffel 2
13 Reasons Why Staffel 2 Episodenguide
Review zu 13 Reasons Why Staffel 2
Von Tapes zu Polaroids: Letzten Freitag ist die neue Staffel von 13 Reasons Why auf Netflix gestartet. Diese setzt fünf Monate nach der ersten Staffel. In dieser findet die Verhandlung von Hannahs Mutter (Kate Walsh) gegen die Schule statt, da diese ihren Pflichten nicht nachgekommen sein soll. Im Gegensatz zur ersten Staffel, in der Hannah (Katherine Langford) selber ihre Geschichte erzählt, wird uns nun also eine neue Perspektive geboten. In jeder Episode sagt ein anderer Schüler vor Gericht aus und uns wird deren/dessen schnelle Sichtweise auf Hannahs Leben gezeigt. Somit erhält man die erwähnte multidimensionale Ansicht der Geschehnisse.
Täter werden zu Opfer
In der vorherigen Staffel wurde pro Episode eine Kassette abgespielt. In dieser wurde je eine Geschichte aus Hannahs Leben erzählt, die einen Grund für ihren Selbstmord darstellt. Dabei wurde uns quasi je ein „Täter bzw. Verursacher“ für Hannahs Tod geboten. Nun kommen die Täter im Gericht selber zu Wort und können ihre eigene Geschichte zu den Geschehnissen erzählen. Hierbei steht pro Episode eine Figur, ihre Sicht auf Hannahs Leben und deren Beziehung zu Hannah im Fokus.
Dieser Perspektivenwechsel bewirkt, dass die Erzählung nicht mehr so subjektiv und auch einseitig wirkt. Nun wird nicht mehr alles in Schwarz und Weiß - für und gegen Hannah - eingeteilt. Stattdessen erscheinen die verschiedenen Figuren samt Erzählungen nun in Schattierungen von grau. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, wie er die Geschehnisse einordnen würde. Außerdem werden so die Nebenfiguren, die vorher eher wie Karikaturen ihrer selbst gewirkt haben, mehr beleuchtet, bekommen Ecken und Kanten und erhalten so eben auch mehr Tiefe. Das führt dazu, dass dem Zuschauer manche Charaktere, die vorher als „Hassfiguren“ fungiert haben, nun näher gebracht werden und man sogar mit ihnen mitfühlt und -leidet.
Außerdem bewirkt die Zuwendung zu den anderen Figuren, dass Hannah weniger im Fokus steht. Dadurch können andere Figuren nicht nur in Bezug zu ihr thematisiert werden, sondern auch als individuelle Schüler mit Problemen, Beziehungen und Freundschaften dargestellt werden. Somit erhält man einen neuen Blick auf die Figuren und ihre Beziehungen. Hierbei muss man schnell feststellen, dass man manche Figuren vielleicht vorschnell verurteilt hatte.
Dieser neue Blick auf die Figuren und deren Beziehungen findet sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart statt. Auf der Vergangenheitsebene werden die bereits thematisierten Beziehungen weiter ausgeschmückt. Die wohl bedeutendste und mitreißendste stellt hierbei die bisher unbekannte Liebesgeschichte von Hannah und Zach (Ross Butler) dar, die in Das Lächeln an den Docks völlig neue Ausmaße erreicht, welche man so vorher nicht hatte kommen sehen. Diese Episode erfüllt einen gleichermaßen mit Freude und Traurigkeit. Freude darüber, dass die beiden eine solch schöne Zeit miteinander verbracht haben und Traurigkeit darüber, dass sie diese Zeit nie wieder miteinander verbringen werden und dass auch diese verspürte Freude Hannah nicht davon abgehalten hatte, Selbstmord zu begehen. Sie ist mit eine der besten und emotionalsten Episoden dieser Staffel. Innerhalb von einer Episode schaffen es die Showrunner, uns die Liebesgeschichte der zwei Turteltauben glaubwürdig zu verkaufen. Das liegt vor allem daran, dass die beiden Darsteller so wunderbar miteinander harmonieren, so dass man schnell vergisst, dass es zuvor noch um Hannah und Clay (Dylan Minnette) und nicht Hannah und Zach ging.
In der Gegenwart entwickeln sich neue Freundschaften, die das Grundgerüst der gelungenen zweiten Staffel darstellen. Sie bilden eine der größten Stärken und Freuden der neuen Episoden. Während zu Beginn alles noch etwas schleppend verläuft, gewinnt die neue Season immer mehr an Fahrt, bis sie eine neue, nicht aufzuhaltende Dynamik entwickelt. Ein Großteil hiervon ist den Figuren und ihrer starken Entwicklung geschuldet. Bei diesen neuen Freundschaften stechen insbesondere die von Alex (Miles Heizer) und Zach sowie die von Justin (Brandon Flynn) und Clay heraus. Der entscheidende Faktor hierbei ist vor allem, dass diese Beziehungen überraschend daherkommen, da man diese so wohl nie vermutet hätte. Während der neuen Folgen stellt man nun jedoch fest, dass diese Figuren sich wunderbar ergänzen. Beide Parteien helfen einander in Notlagen, egal, ob es sich hierbei um psychische oder physische handelt. Justin und Clay werden im Laufe der Staffel nicht nur zu Freunden, sondern zu wahren Brüdern - Clays Eltern wollen Justin adoptieren.
Bei manchen Figuren wird die neue Fokussierung im Erzählen dafür genutzt, dass sie eine Entwicklung durchmachen. An dieser Stelle tritt erneut Justin hervor. Dieser mausert sich von einem feigen Idioten, der alles tut, um in der Gunst seiner Freunde zu steigen, zu einem liebevollen, naiven und verletzlichen Jungen, der sich um seine Freunde sorgt und kümmert. Außerdem haben Hannahs Kassetten bei einer anderen Person die gewünschte Wirkung erzielt und zur Selbstreflexion angeregt: Kevin Porter (Derek Luke) bereut, dass er nicht mehr für Hannah getan hat und möchte das wiedergutmachen, indem er sich nun um die Schüler kümmert, die er noch retten kann.
Jedoch macht nicht jeder eine positive Entwicklung durch. Uns wird auch ein äußerst tragischer Lebensweg vor Augen geführt: der von Tyler (Devin Druid). Er war schon immer ein Ausgestoßener und missverstandener Schüler der Liberty High. Für einen Augenblick scheint sich das Blatt bei ihm zum Guten zu wenden, denn er trifft Personen, die ihn verstehen und aufnehmen. Deren Freundschaft nimmt jedoch keine gute Wendung und schließlich trennen sie sich wieder, bevor schlimmere Sachen passieren können. Man hätte annehmen können, dass hiermit sein Handlungsstrang beendet ist. Stattdessen entscheiden sich die Macher des Teenie-Dramas dazu, Tylers Werdegang eine noch dramatischere Wendung zu verpassen, die außerdem nicht aktueller sein könnte. Auf dem Jungenklo wird er von drei Baseball-Spielern, allen voran Montgomery (Timothy Granaderos), vergewaltigt. Dabei scheut die Serie, wie bereits bei Hannahs Selbstmord, nicht vor äußerst graphischen Darstellungen zurück. Diese sind sehr schwer mit anzusehen, doch manch einer mag vielleicht sagen, dass solch eine schonungslose Darstellung der brutalen Realität notwendig ist.
Dieses Erlebnis bringt bei Tyler das Fass zum Überlaufen. Im Gegensatz zu Hannah, die ihre Verzweiflung an sich selbst ausgelassen hat, wählt er einen anderen Weg - einen Weg, den heutzutage viele Schüler (und andere Menschen) nehmen, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Er greift zur Waffe und möchte in der Schule einen Amoklauf begehen. Das ist, insbesondere in den USA, leider die traurige Realität, gegen die unbedingt etwas unternommen werden muss.
Hierzu kommt es glücklicherweise nicht. Doch darum geht es nicht. 13 Reasons Why führt uns vor Augen, wie schnell so etwas passieren kann. Man muss immer die Augen offenhalten. Die Schule darf ihre Aufgaben nicht vernachlässigen. Freunde dürfen andere Freunde nicht im Stich lassen, wenn sie merken, dass derjenige Hilfe braucht. Tylers Entwicklung hat sich lange angedeutet und es wurden nur akute Lösungsansätze verfolgt.
Kontrovers, provokant und relevant
Bei der ersten Staffel wurde oft die graphische Darstellung (eines Selbstmordes) kritisiert. Auf solche Stilmittel greifen die Macher auch in der neuen Season zurück - jedoch warnen sie dieses Mal ausdrücklich vor den jeweiligen Episoden davor. Außerdem bieten sie eine Webseite an, auf der Menschen in Not Hilfe erhalten. Dadurch beweist das Drama einerseits, dass es aus seinen Fehlern gelernt hat und andererseits etabliert es sich mal wieder als eine der provokativsten, kontroversesten und relevantesten Fernsehserien ihrer Zeit.
Während zuvor eher eine Geschichte bestehend aus Mobbing, was in Selbstmord resultiert, erzählt wird, verschiebt sich dieser Fokus in den neuen Folgen etwas. Nun, da der letzte Auslöser für Hannahs Tod - ihre Vergewaltigung - aus dem Sack ist, kann die Serie auch damit arbeiten und es sich zu eigen machen. So konzentriert sich das Drama auf sexuelle Belästigung. In einer unglaublich kraftvoll inszenierten Montage im Staffelfinale Bye treten alle Frauen und Mädchen auf, die in ihrem Leben schon sexuell missbraucht wurden. Hierbei ist es erschreckend, dass man von manchen gar nicht wusste, dass ihnen das widerfahren ist. Die Art wie, wann, wo, wem es passiert und von wem es ihnen zugefügt wurde, variiert stark. Sie haben jedoch alle etwas Grauenvolles durchmachen müssen - etwas, was eigentlich niemandem passieren sollte. Diese Montage kann man als aussagekräftiges Statement für die #MeToo-Bewegung betrachten. Hiermit beweist das Drama also erneut aktuelle Relevanz.
Die Existenz der sexuellen Übergriffe ist wahrlich grauenvoll, schrecklich und tragisch. Was jedoch noch viel verheerender ist, ist, dass nur ein geringer Bruchteil der Täter die Strafe erhalten, die sie verdienen. Das demonstriert, dass die Täter zwar die Verursacher des Problems sind, der Staat und das System jedoch das eigentliche Problem sind, indem sie keine zufriedenstellende Lösung anbieten (können). Das ist die noch viel größere Tragödie.
Dieser Systemfehler wird uns nach der Montage präsentiert. Jessicas (Alisha Boe) und Hannahs Vergewaltiger, Bryce Walker (Justin Prentice), erhält lediglich drei Monate auf Bewährung für seine Straftat. Passenderweise ist er ein weißer und privilegierter junger Mann, der ein hohes Ansehen in der Stadt genießt. Während der Richter hier ein falsches Statement für Sexualstraftäter setzt, trifft das Drama genau die richtige Entscheidung, indem uns kein Ende durch die rosarote Brille geboten wird. Stattdessen wird uns die knallharte Realität serviert, die hoffentlich zu Diskussionen diesbezüglich führt und idealerweise eine Änderung erzielen könnte.
Wen dieses Thema interessiert, dem sei außerdem die MTV-Serie Sweet/Vicious noch mal ans Herz gelegt.
Sonstiges
Erneut liefert Kate Walsh wieder eine grandiose schauspielerische Leistung ab. Ihre Trauer, Verzweiflung und Traurigkeit ist zum Greifen nahe. Man kann auf grauenvolle Weise nachvollziehen, was eine Mutter durchmacht, die ihre Tochter verloren hat. Außerdem beweist auch Brandon Flynn außerordentliches schauspielerisches Talent, das man ihm so bisher nicht angemerkt hatte. Der restliche Cast leistet ebenfalls gute Schauspielarbeit ab.
Aussicht auf dritte Staffel
Die Verhandlung zwischen den Bakers und der Schule ist beendet. Die Schule wird von den Schuldzuweisungen freigesprochen. Zudem verschwindet Hannah aus Clays Gedanken, als er ihr seine Gefühle während ihrer Trauerfreier gesteht und sie somit endlich loslässt. Dadurch wird Hannahs Geschichte endgültig beendet. Sie wird weder in den Gedanken von irgendjemandem noch in vergangenen Geschichten auftauchen. Daher die Frage: Hat eine weitere Staffel ohne die ursprüngliche Protagonistin überhaupt Sinn? Die eigentliche Prämisse, Hannah - ihr Leben und ihr Tod -, ist beendet. Das spricht gegen eine solche Weiterführung.
Dafür spricht jedoch, dass die Serie in dieser Staffel ihre Relevanz bewiesen hat und dass Hannah nicht mehr das einzige Standbein des Dramas ist. Stattdessen wurden neue kontroverse Fragen aufgeworfen, denen man in einer nächsten Staffel gut nachgehen könnte. Hierfür würde sich zum Beispiel das Thema der Waffengewalt anbieten.
Fazit
Erneut sorgt die neue Staffel der Romanadaption 13 Reasons Why für Diskussionsstoff. Dabei beweist sie, dass sie nicht davor zurückscheut, kontroverse Themen schonungslos anzusprechen. Dadurch etabliert sie sich als eines der relevantesten Dramen der heutigen Zeit.
Außerdem ist das Schauspielniveau auf hohem Niveau und einzelne Figuren machen eine unvorhergesehene, aber willkommene Entwicklung durch. Zudem werden diese realitätsnaher dargestellt, so dass man mit ihnen mitfühlen kann und so dass sie der zweiten Staffel neuen Reiz bieten.
«13 Reasons Why» Trailer
13 Reasons Why Staffel 2 Episodenguide
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