Star Trek: Lower Decks 5x06

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Of Gods and Angles
In Of Gods and Angles (dt.:„Von Göttern und Kanten“) hat sich die Cerritos beim Veraflex-Nebel eingefunden und empfängt zwei Delegationen verfeindeter photonischer Wesen. Die „Orbs“ und „Kuben“ oder auch Kugeln und Würfel beäugen dabei einander extrem kritisch wegen der unterschiedlichen Geometrie. Konflikte scheinen vorprogrammiert und als Quadralon (Jack Quaid) verschwindet und sein Zimmer verwüstet vorgefunden wird (inklusive eines photonischen Rückstands, der, äh, später noch anders gedeutet werden soll), geht Captain Freeman (Dawnn Lewis) bereits vom Schlimmsten aus. Mariner (Tawny Newsome) und Fähnrich Olly (Saba Homayoon) sollen den Vorfall heimlich untersuchen, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.
Fähnrich Olly wird uns dabei als Problemkind präsentiert, welches bereits von mehreren Schiffen geflogen ist und nun auf der Cerritos eine letzte Chance erhält. Eigentlich ist sie Ingenieurin, aber ihre Erfindungen neigen dazu, Fehlfunktionen mit eher dramatischen Konsequenzen zu haben. Sie stammt übrigens vom griechischen Gott Zeus ab, womit erneut ein kleiner Bogen zu den Göttern aus der TOS-Folge „Who Mourns for Adonais?“ (dt.:„Der Tempel des Apoll“) geschlagen wird. Als Demigod besitzt sie aber laut eigener Aussage keine besonderen, göttlichen Fähigkeiten.
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Boimler (Jack Quaid) erfährt derweil von seinem heimlich aus dem Paralleluniversum entwendeten „Ratgeber“, dass sein Alter Ego bei diesem Abenteuer mit Dr. T'Ana (Gillian Vigman) Freundschaft geschlossen hat und beschließt, es ihm gleichzutun. Denn dadurch erhofft er sich eine bessere Chance auf den Kapitänsstuhl. Rutherford (Eugene Cordero) und Tendi (Noel Wells) betrachten dieses Vorhaben eher skeptisch und Boimlers erster Versuch beschert ihm direkt einen Aufenthalt auf der Krankenstation. Das soll ihn aber nicht daran hindern, weitere Versuche zu unternehmen, um in Dr. T'Anas Freundschaftskreis (ein Buchclub) vorzudringen.

Squaring the Circle
Star Trek: Lower Decks serviert uns diese Woche eine Bottle Episode, bei der (erneut) die übergreifende Handlung der Staffel ruht. Obwohl, vielleicht haben die griechischen Götter etwas mit den ominösen Portalen zu tun und sind doch nicht „gone with the wind“? Abwarten. Die Haupthandlung um die Orbs und Kuben ist jedenfalls sehr amüsant zu betrachten, wird doch die unterschiedliche Geometrie der beiden Spezies stellvertretend für Rassismus genutzt, um dem Zuschauer vorzuführen, wie dumm es ist, sich an äußeren Merkmalen zu orientieren und die Andersartigkeit des Gegenübers somit als „falsch“ oder „minderwertig“ zu betrachten. Es mag zwar sehr plakativ sein, hier quasi Kugeln und Würfel gegeneinander antreten zu lassen, aber „plakativ“ können die Macher von Star Trek: Lower Decks. Wird ihnen also die „Quadratur des Kreises“ gelingen? Ich sage Jein, wenngleich ich sehr viel Spaß mit der Folge hatte, aber genau darin liegt auch wieder der Knackpunkt.
Der Konflikt zwischen den Orbs und Kuben wird gekonnt auf das unterschiedliche Aussehen reduziert, was an verschiedenen Stellen - ebenfalls gekonnt - rübergebracht wird. Da wird sich eben von der einen Partei über die vielen Ecken und Kanten an Bord der Cerritos pikiert, während die andere Partei sich über die runde „0“ beim Artikel „10“ des Vertrags aufregt. Das mag auf absurde Weise lustig sein, aber es gibt keine wirklichen Inhalte, die diskutiert werden müssten. Wir erfahren nie, welche diplomatischen Schritte notwendig sind, um die beiden verfeindeten Spezies zusammenzubringen. Und das ist irgendwie schade. Man könnte auch sagen, der Konflikt bleibt zu oberflächlich.
Vielleicht kommt ein wenig Spannung auf, wenn Quadralon scheinbar ermordet wurde oder wenn Mariner und Olly Propaganda-Material finden und eine der Orbs ins Verhör nehmen. Aber nicht wirklich, denn es ist Olly, die uns direkt zwei Möglichkeiten für diesen potenziellen Mord vor Augen und damit die ganze Mordtheorie indirekt ad absurdum führt. Denn das wäre zu einfach, weil die vorgegriffene Lösung - so offensichtlich sie auch sein mag - eben selten die Lösung ist. Jedenfalls in Serien dieser Art. Aber was bleibt dann noch, wenn Olly sich auf dem Holzweg befindet, und was kommt einem doch sehr schnell in den Sinn, wenn zwei verfeindete Gruppen zusammenfinden müssen, um der Cerritos und Freeman ein erfolgreiches Abenteuer zu bescheren?
Mich hat das Ende jedenfalls nicht überrascht. Quadralon war zusammen mit Radiara (Gabrielle Ruiz) auf dem Holodeck, denn die beiden sind ineinander verliebt (was auch das verwüstete Zimmer und einen gewissen photonischen Rückstand erklärt) und haben sogar direkt mal für Nachwuchs gesorgt. Romeo und Julia eben, allerdings ohne das tragische Ende. Ließ sich in meinen Augen kommen sehen und klar, somit können die Orbs und Kuben den Vertrag unterschreiben und ihre feindlichen Aktivitäten zu den Akten legen. Insofern ist die Quadratur des Kreises gelungen, ja, aber halt leider unabhängig von Inhalten oder Forderungen beider Parteien, die wir niemals erfahren.

Demigod
Fähnrich Olly ist das neueste Crewmitglied auf der Cerritos, aber ihre Anwesenheit an Bord wird sehr schnell in Frage gestellt, weil sie ständig Unfälle verursacht. Augenscheinlich ist sie keine gute Ingenieurin, weil ihre Erfindungen oder Vorhaben im Desaster enden, aber ist hier Hopfen und Malz verloren? Nein, natürlich nicht. Denn Mariner erkennt ihr Potenzial und ihr früheres Ich in Olly, womit sie Mama Freeman eingangs davon abhält, Olly direkt zu kicken.
Mir hat das Zusammenspiel dieser beiden Figuren sehr gefallen. Wir erkennen, dass Mariner gewachsen ist und sich gut in der Rolle der Mentorin macht. Denn Olly braucht dringend etwas Führung, genau wie unsere in Staffel eins noch sehr rebellische Mariner damals, die ähnlich oft bei ihren Vorgesetzten aneckte. Ollys Herkunft stellt allerdings eine Besonderheit dar, die eine jüngere Mariner nicht hatte. Hier hören die Parallelen auf und das ist auch der Punkt, wo es einigermaßen interessant wird. Denn eine Halbgöttin ohne vererbte Fähigkeiten von Zeus kann Olly nicht sein.
Ich meine, es ist bereits am Anfang und nachdem wir erfahren haben, dass Olly von Zeus abstammt, doch kein Wunder, dass elektrische Geräte in ihren Händen oft Fehlfunktionen haben, oder? Sie muss noch eine Menge lernen, ehe sie die kleinen Blitze unter Kontrolle bekommt, aber der erste Schritt ist einfach, sich ihrer Herkunft zu stellen und nicht, diese zu verstecken. Als der Konflikt zwischen den Orbs und Kuben eskaliert, kann Olly erstmals ihre göttlichen Eigenschaften benutzen und damit auch eine Portion Selbstvertrauen demonstrieren. Zwar verschlimmert sich die Lage dadurch zunächst (und beschert Boimler eine unangenehme Verletzung), aber die rettende Idee soll kurz darauf folgen und das gesamte Schiff retten.
Insgesamt ist dieser Teil der Haupthandlung der gelungenste, denn Mariner schafft es, aus einem vermeintlichen Problemkind ein wertvolles Mitglied der Crew zu machen. Dieser Werdegang von Olly ließ sich gewissermaßen vorhersehen, hat mich aber trotzdem überzeugt. Auch, dass sie am Ende erstmal in der Zelle landet (was wir von der jüngeren Mariner ebenfalls kennen), erscheint mir stimmig. Aber die Cerritos hat am Ende eine neue, ausgezeichnete Ingenieurin an Bord, deren besondere Fähigkeiten obendrein einen Bonus darstellen, der noch nützlich werden könnte.
Ob wir aber wirklich noch mehr von Olly sehen werden? Ich habe mich mitunter schon gefragt, weshalb so spät in der Serie noch eine neues Crewmitglied eingeführt und in den Mittelpunkt gestellt wird. Schließlich ist T'Lyn (Gabrielle Ruiz) - diese Woche in nur einer Szene dabei - immer noch Mangelware, da könnte Olly sich als Eintagsfliege entpuppen. Es sei denn natürlich, Olly wird noch für die Portale benötigt, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Boimler
Eigentlich wollte ich für diesen Absatz eine andere Überschrift benutzen, aber wenn Boimlers neuer Spitzname schon in der Folge zensiert wird, lasse ich das lieber. Unser Boims, dessen Bart erneut ein Stückchen gewachsen ist, hat es sich jedenfalls in den Kopf gesetzt, bei diesem Abenteuer Freundschaft mit Dr. T'Ana zu schließen. Was seinem Alter Ego aus der Parallelwelt geholfen kann, kann ihm doch nicht schaden, oder?
Ach, Boims, du machst es dir aber auch nicht einfach. Natürlich sind alle seine Versuche zunächst zum Scheitern verurteilt, was ihn aber nicht von seiner „Mission“ abhält. Mangelndes Selbstbewusstsein lässt sich ihm jedenfalls nicht vorwerfen, insofern ist auch hier zu erkennen, dass der jetzige Boimler bei weitem nicht mehr so ängstlich ist wie einst. Er stürzt sich geradezu ins Abenteuer, auch wenn es teils äußerst dumm erscheint, wie er T'Anas Freundschaft erlangen möchte. Mit Flüchen geht das sicher nicht. Und für meinen Geschmack passt es nicht ins Bild, dass er die Ratschläge von Rutherford und Tendi ignoriert. Dadurch wirkt er doch eher stur.
Aber klar, er soll am Ende doch Erfolg haben, wenn auch sicher anders als erwartet. Dass er Dr. T'Ana mit den Verletzten helfen möchte, ist sicher der beste Ansatz, den er wählt. Allein dadurch hätte er vielleicht bereits genug Eindruck schinden können. Dann soll ihn aber einer von Ollys Blitzen treffen und in seinem Allerwertesten steckenbleiben. Autsch. Die anschließende Prozedur - sicher recht einmalig - zur Entfernung des Objekts wird vermutlich später als „T'Ana Manöver“ bekannt werden und unser Doktor beschließt, dass Boimler sich damit eine Einladung in den Buchclub verdient hat. Happy End?
Ich muss zugeben, dass ich gerne und oft über Boimler und seine Aktionen lachen kann. Aber in diesem Fall war am Ende doch Fremdschämen angesagt und die Auflösung recht geschmacklos gewählt. Glücklicherweise blieben uns Nahaufnahmen der Prozedur erspart, die vermutlich für jede andere Figur entwürdigend gewesen wäre. Nicht aber für Boimler, weil er dadurch seine „Mission“ erfolgreich abschließen konnte? Hmm, halte ich für etwas weit hergeholt. Denn wie soll er als Kapitän jemals respektiert werden, wenn diese Prozedur in die Geschichtsbücher eingeht?
Abseits davon eifert er noch immer seinem Alter Ego nach, was sicher nicht gut ist. Der Running Gag mit Rutherford und Tendi, die darum Bescheid wissen, hat mir gefallen. Aber ich hätte mir gewünscht, dass Boimler diese Woche erkennt, lediglich ein bisschen Inspiration vom Parallel-Boimler mitzunehmen und ihm nicht alles auf Schritt und Tritt gleichzutun. Schlimmer ist noch, dass Rutherford nun ebenfalls vorhat, seinem Alter Ego nachzueifern. Und das ist mit Sicherheit kein gutes Omen, wie er selbst doch schon in Dos Cerritos erkannt hat. Ich hoffe jedenfalls, dass beide noch erkennen werden, dass sie ihren eigenen Weg gehen müssen. Ein bisschen Orientierung an Parallel-Figuren mag nicht schlecht sein, aber eine 1:1 Umsetzung ist weder möglich noch wünschenswert.

Fazit
Schwierig. Mariner und Olly stechen positiv hervor und haben mir richtig gut gefallen. Der Konflikt zwischen Orbs und Kuben hätte derweil etwas weniger oberflächlich sein können, aber hat durchaus Spaß gemacht, mitunter auch deshalb, weil es im Kern um das unterschiedliche Aussehen der beiden Parteien ging. Boimlers Nebenhandlung hat mich weniger überzeugt, da hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht. Mit einem zugedrückten Auge sind dreieinhalb von fünf Sternen bei mir drin. Wie sieht das bei euch aus?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 24. November 2024(Star Trek: Lower Decks 5x06)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 5x06
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