Star Trek: Lower Decks 4x10

Star Trek: Lower Decks 4x10

Mit der Folge „Old Friends, New Planets“ beendet die US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ ihre vierte Staffel. Mariner muss gerettet werden, weshalb Captain Freeman und die Crew der Cerritos einen direkten Befehl missachten und sich der neuen Bedrohung stellen.

Das Team aus „Star Trek: Lower Decks“
Das Team aus „Star Trek: Lower Decks“
© Paramount+

Cerritos strong“ - T'Lyn (Gabrielle Ruiz)

Old Friends, New Planets

Das vierte Staffelfinale von Star Trek: Lower Decks hat es gleich mehrfach in sich. Nach The Inner Fight befindet sich Mariner (Tawny Newsome) in den Händen von Nick Locarno (Robert Duncan McNeill), der in ihr eine Verbündete sieht und dem ganzen Quadranten seine Pläne mitteilt. Seine neue „Nova-Flotte“ - bestehend aus den Lower Decks verschiedener Spezies und deren Schiffen - soll weiter wachsen, um zu einer unabhängigen Großmacht zu werden. Geschützt durch ein riesiges Schutzschild, welches das Detrion-System umgibt, hat Locarno außerdem ein Genesis-Projektil in seinem Arsenal, womit er die Sternenflotte und andere Parteien wie das romulanische oder klingonische Imperium in Schach zu halten gedenkt.

Admiral Vassery (Fred Tatasciore) teilt Captain Freeman (Dawnn Lewis) und Admiral Alonzo Freeman (Phil LaMarr) auch direkt mit, dass die Föderation aktuell keine Versuche duldet, sich in irgendeiner Form Locarno zu nähern oder ihn gar anzugreifen. Vorerst muss mit den anderen Spezies verhandelt werden, denn sollte es zu Auseinandersetzungen kommen und beispielsweise ein Romulaner oder Klingone dabei sterben (Lower Decks hin oder her), könnte das einen Krieg bedeuten. Schlechte Karten für Mariner, die in Locarnos Ansprache zu Wort kommt und sich gegen ihn und seine Pläne stellt. Mehr noch, sie schnappt sich das handliche Genesis-Projektil und ergreift damit die Flucht. Somit tickt die Uhr für Mariner und Captain Freeman erhält die Unterstützung der gesamten Crew für eine Rettungsmission, die sich klar gegen die Anordnung von oben richtet.

Anschließend erwartet uns jede Menge Action, aber auch „Verhandlungen“ in Mariners Handlungsstrang, die bis zuletzt versucht, Locarno auf seinen falschen Weg aufmerksam zu machen und dabei mitunter tief ins Referenzen-Handbuch greift. Währenddessen wird Freeman durch Tendi (Noel Wells) darauf aufmerksam gemacht, dass D'Erika (Ariel Winter) vielleicht helfen könnte, um das Schutzschild zu durchdringen. Die Orioner haben riesige Kriegsschiffe, die sich dafür anbieten würden, aber die Verhandlungen verlaufen eher zäh und liefern nicht unbedingt das gewünschte Resultat, obwohl Tendi genug Insider-Wissen hat. Letztlich kommt die Mission zwar erfolgreich daher, soll von D'Vana aber einen Preis fordern, der den Weg in die fünfte Staffel ebnet, bei der sie ganz sicher im Fokus stehen wird.

Die Crew der Cerritos in „Star Trek: Lower Decks“
Die Crew der Cerritos in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Rutherford (Eugene Cordero) und Boimler (Jack Quaid) erhalten aber auch ihre Momente. Angefangen mit dem lustigen Vergleich von Nick Locarno mit Tom Paris, die beide natürlich vom selben Darsteller Robert Duncan McNeill gespielt wurden. Aber es geht halt weiter und tiefer, wenn Boimler die Cerritos als „Acting Captain“ kommandieren darf oder Rutherford mit seiner Nemesis Livik (Nolan North) konfrontiert wird, die ein wenig „Twaining“ bedarf, um beide auf den gleichen Nenner zu bringen. Zuletzt ist T'Lyn nicht nur anwesend, sondern darf fundamentale Hinweise (siehe Zitat oben) geben und entscheidet sich am Ende, an Bord der Cerritos zu bleiben. „Lower Decks, Lower Decks, Lower Decks!

Eröffnung

Ich bin mir zwar nicht um den zeitlichen Faktor sicher, aber die Ereignisse im Vorfeld zu The First Duty zu sehen - mit Mariner, die Sito (Shannon Fill) als Vorbild betrachtet und ein wenig wie Boimler agiert - ist sicher ein Pluspunkt. Zumal wir dort auch Will Wheaton als unsicheren Wesley Crusher erhalten und über das Schicksal von Josh Bescheid wissen, der das waghalsige Manöver nicht überleben soll. Insofern lässt sich die Figur Nick Locarno direkt kritisch betrachten, denn damals wie jetzt soll sein Verhalten schlussendlich auf sein Ego mit überdimensionalen Ambitionen zurückzuführen sein und Mariner hat sicher Recht, wenn sie an einer Stelle meint, dass Locarno sie nicht wirklich kennen würde.

Gastauftritte in „Star Trek: Lower Decks“
Gastauftritte in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Die Eröffnungsszene ist aber wichtig, um uns aufzuzeigen, wie Locarno tickt. Damals nicht unbedingt als Bösewicht, aber doch als jemand, der die Regeln brechen und persönlichen Ruhm erlangen möchte. Er tut es zwar ab und verkündet den anderen, dass nicht sein Name im Vordergrund stehen wird, sondern halt „Nova“. Aber dieses Intro macht durch die Blume deutlich, dass Locarno schon damals kein Teamplayer war, obwohl er das stets vorgibt.

Mariner

Mariner steht fraglos im Mittelpunkt, wenn wir uns das Finale ansehen. Ich verstehe zwar noch immer nicht, weshalb diese Figur mehr oder weniger durch den Fleischwolf gedreht werden musste, um schlussendlich zu der Ansicht zu kommen (danke, Ma'ah (Jon Curry)), dass ihr rebellisches und zuletzt selbstzerstörerisches Verhalten relativ sinnlos ist. Aber okay, sie hat ihre Lektion offenbar gelernt und wird von Nick nicht wieder auf ein falsches Gleis geführt, was einen direkten Pluspunkt für diese Figur bedeutet.

Rückblickend haben die Macher sich in der vierten Staffel sogar bemüht, für Mariner und ihr Verhalten Erklärungen zu liefern. Allerdings wäre es besser gewesen, wenn sie nicht gefühlt am Ende jeder zweiten Episode bereits zur Einsicht gekommen wäre, die sie nun im Staffelfinale hat und durchzieht. Sie stellt sich klar gegen Locarno und sein Vorhaben, was natürlich auch wieder eine Rebellion ist - aber dieses Mal eine gerechtfertigte. Obendrein diskutiert sie mit ihren Häschern und versucht die Ferengis und auch die Romulaner skeptisch auf Locarno blicken zu lassen. Zunächst ohne Erfolg, denn offenbar hat Nick seinen Untergebenen verklickert, dass sie keine Untergebenen, sondern gleichberechtigte Partner im gemeinsamen Vorhaben sind. Geschickt.

Mit Nick ist nicht gut Kirschen essen in „Star Trek: Lower Decks“
Mit Nick ist nicht gut Kirschen essen in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Aber gegen Ende soll Locarnos Allianz zusammenbrechen und er ist gezwungen, selbst in den Ionensturm zu fliegen, wenn er Mariner und das Genesis-Projektil in die Finger bekommen möchte. Szenen, die an Star Trek II (1982) erinnern und Locarno endgültig in die Rolle des Bösewichts befördern, während Mariner bis zuletzt versucht, auf ihn einzureden. Und das ist genau der Punkt, der mir extrem gut gefallen hat. Mariner hat bis zuletzt die Hoffnung, Locarno von seinem Fehler zu überzeugen und zur Aufgabe zu bringen. Schließlich ist bislang niemand gestorben (naja, abgesehen vermutlich von der Crew des zerschellten Schiffes im ersten Teil der Verfolgung), wobei es tatsächlich beachtlich ist, wie wenig Gewalt trotz aller Action zum Einsatz kommt. Jedenfalls Hut ab, Mariner, diese Woche hast du mich auf ganzer Linie überzeugt.

Nick Locarno

Locarnos Grundidee ist übrigens gar nicht so schlecht und lässt sich nachvollziehen. Eine unabhängige Flotte aus verschiedenen, normalerweise verfeindeten Spezies auf die Beine zu stellen, ist eine beachtliche Leistung und wie gesagt, passierte das alles ohne großartige Gewaltanwendung. Erst mit dem Genesis-Projektil wird deutlich, dass Nick nicht vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen zurückschreckt, um sein Projekt zu schützen. Witzig übrigens, dass das Projektil aus Parth Ferengi's Heart Place im Finale eine so große Rolle spielt und Nick an einer Paywall scheitern soll.

Aber zurück zu Nicks Verbündeten, zeigen sich diese von seinem Vorhaben überzeugt, womit die Frage mitschwingt, ob Locarno nicht doch einen Punkt hat. Denn gleichberechtigte Parteien innerhalb der Flotte deuten nicht gerade böse Absichten an. Die kommen erst zum Vorschein, als die Lage brenzlig wird und Nick tatsächlich Befehle erteilt - womit er seine Verbündeten verliert und selbst die Verfolgung von Mariner aufnehmen muss. Auch er versucht bis zuletzt, Mariner noch auf seine Seite zu ziehen und führt dabei den Tod von Sito an, der in seinen Augen sinnlos war. Doch dieses Argument kann Mariner nun mühelos zerlegen, womit Locarno die Worte fehlen. Statt sich doch noch zu besinnen, schaltet er auf stur und ist sogar bereit, sie zu töten. Vielleicht eine vorhersehbare Entwicklung, aber die Umsetzung weiß zu überzeugen und ist mit Blick auf Locarnos Vergangenheit auch stimmig.

Diplomatie mit Tücken in „Star Trek: Lower Decks“
Diplomatie mit Tücken in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Barter by Combat!

Mit Blick auf das überdimensionale Schild (woher nimmt Nick eigentlich die Energie dafür?) benötigt die Cerritos Unterstützung, wenn Mariner gerettet werden soll. Tendi hat einen Vorschlag, womit es nach Orion und D'Erika geht. Die Ereignisse aus Something Borrowed, Something Green spielen somit eine Rolle und mir hätte es vermutlich besser gefallen, wenn D'Erika kooperationsbereiter gewesen wäre. Schließlich haben sich die beiden Tendis in besagter Episode bereits wieder versöhnt und D'Vana hat D'Erika bereitwillig ihre Position überlassen.

Aber gut, in der Piratenwelt von Orion laufen die Dinge offenbar anders und man gibt nicht gerne Kriegsschiffe ohne Gegenleistung heraus. Außerdem muss natürlich der Weg zur fünften Staffel geebnet werden, aber mehr dazu gleich. Vorerst verlangt D'Vana „Barter by Combat“, was einen Zweikampf bedeutet, bei dem nun die Cerritos auf dem Spiel steht. Dr. Migleemo (Paul F. Tompkins) tritt gegen die gigantische B'eth an und während wir uns noch fragen, ob D'Vana nicht lieber Ransom (Jerry O'Connell) oder Shaxs (Fred Tatasciore) hätte wählen sollen, verzichtet die Serie erneut auf übermäßige Gewaltanwendung. Denn B'eth reagiert allergisch auf Migleemo und wird dadurch ausgeknockt. Dummerweise landet sie dabei auf ihrem Kontrahenten, womit D'Erika den Sieg für sich deklariert (worüber sich streiten ließe).

D'Vana ist nun gezwungen, ihrer Schwester ein besseres Angebot zu machen und bietet ihre Rückkehr nach Orion an, worauf D'Erika eingeht. An dieser Stelle steht fest, dass wir in Staffel fünf mehr von Orion und den Tendis sehen werden. Einerseits freue ich mich darauf, aber andererseits fühlte sich dieser Ausgang doch ein wenig forciert an und hätte vielleicht anders angegangen werden können. Schließlich wird das (funktionsunfähige) Kriegsschiff zerstört, womit D'Erika Ersatz hätte fordern können.

Rettungsmission

Die eigentliche Rettungsmission kann nach dem Ausflug zu D'Erika nun stattfinden, obwohl es vorerst noch abzuwägen gilt, wie das funktionsunfähige Schiff wieder flottgemacht wird. An dieser Stelle trifft Rutherford erneut auf Livik und beide haben unterschiedliche Ansichten darüber, was zuerst repariert werden sollte. Der Streit wird auf T'Lyns Vorschlag hin mit etwas „Twaining“ beigelegt, womit erneut auf Something Borrowed, Something Green zurückgegriffen wird. Blicken wir allerdings ein Stück weiter und sehen, wie das Schiff der Orioner schließlich eingesetzt wird, kommt einem diese Nebenhandlung doch ein wenig überflüssig vor - spaßiger Einsatz unserer Figuren hin oder her.

Dafür sehen wir wenig später Boimler als „Acting Captain“ und erleben den Einsatz der Captain's Yacht zur Rettung von Mariner. Boims gibt dabei tatsächlich eine gute Figur ab und wirkt souverän, wenn er Admiral Vassery eine Absage erteilt. Wichtiger ist aber, dass unsere Crew erneut am gleichen Strang zieht und sich gegenseitig unterstützt, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Nur durch diesen Zusammenhalt, der Locarnos Leuten am Ende fehlt, kann Mariner in letzter Sekunde gerettet und ein Happy End eingeläutet werden.

Eine Figur fehlt bei der Gruppenumarmung in „Star Trek: Lower Decks“
Eine Figur fehlt bei der Gruppenumarmung in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Ende gut, alles gut?

Captain Freeman muss sich am Ende gegenüber Admiral Vassery rechtfertigen, aber aufgrund der Tatsache, dass durch die Rettungsmission kein neuer Krieg ausgelöst wurde und obendrein diplomatische Beziehungen zu den Orionern aufgebaut wurden, kommt sie mit einer Verwarnung davon. Ob wir vom neuen Planeten „Locarno“ noch mehr sehen werden, bleibt abzuwarten, aber da dieser für Flüchtlinge genutzt werden könnte, hat Nick wohl doch noch etwas Gutes bewirkt. Und Moment, eine Rückkehr von Nick Locarno ist auch nicht ausgeschlossen, wenn wir auf Star Trek III (1984) blicken.

Unser wiedervereintes Team ist nach Mariners Rückkehr derweil in Feierlaune und T'Lyn ignoriert einen Anruf von Captain Sokel, denn sie hat sich entschieden, an Bord der Cerritos zu bleiben - womit sie uns in Staffel fünf erhalten bleibt. Gute Entscheidung. Der gemeinsame Schlachtruf soll aber nicht lange andauern, denn Captain Freeman überbringt schlechte Nachrichten. Somit wird Tendi schon jetzt nach Orion zurückkehren, was für einen tränenreichen Abschied sorgt, der hoffentlich nur vorübergehender Natur ist und uns doch noch einen Cliffhanger spendiert.

Fazit

Ein großartiges Staffelfinale für die beste Staffel der Serie bislang. Es mag zwar ein paar Dinge geben, die sich besser hätten angehen lassen, aber rein charakterlich kann jede Figur überzeugen. Die Handlung ist gut gewählt und verzichtet auffällig oft auf Gewalt, wenngleich es jede Menge Action gibt. Ein Balance-Akt, der ähnlich gut in Sachen Humor und Drama funktioniert, unterstützt von zahlreichen Referenzen und vergangenen Abenteuern, die den Nostalgiefaktor erhöhen. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 5. November 2023
Episode
Staffel 4, Episode 10
(Star Trek: Lower Decks 4x10)
Deutscher Titel der Episode
Alte Freunde, neue Planeten
Titel der Episode im Original
Old Friends, New Planets
Länge der Episode im Original
31 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 2. November 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 2. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 2. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 2. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 2. November 2023

Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x10

Darsteller
Rolle
Tawny Newsome
Jack Quaid
Eugene Cordero
Dawnn Lewis
Gillian Vigman
Jerry O'Connell
Fred Tatasciore

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