Star Trek: Lower Decks 5x01

Star Trek: Lower Decks 5x01

Mit der Folge „Dos Cerritos“ beginnt die fünfte und letzte Staffel der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“. Während Tendi sich für ihre Familie auf Piraten-Missionen begibt, sehen sich ihre Freunde auf der Cerritos einer Weltraumanomalie gegenüber, die in eine Parallelwelt führt.

Beckett vs. Becky in „Star Trek: Lower Decks“
Beckett vs. Becky in „Star Trek: Lower Decks“
© Paramount+

Dos Cerritos

Star Trek: Lower Decks meldet sich mit zwei neuen Folgen zurück und legt direkt mit Dos Cerritos einen sehr gelungenen Auftakt hin. Die Eröffnungsszenen zeigen uns D'Vana Tendi (Noel Wells), die bereits seit Monaten im Auftrag ihrer Schwester D'Erika (Ariel Winter) unterwegs ist. Trotz des Piratenlebens setzt sie gegenüber ihrer Crew aber auf möglichst friedliche Plünderungen und hat ihren Aufenthalt bei der Sternenflotte somit noch lange nicht vergessen. Im Gegenteil, denn im Folgenverlauf möchte sie die Schuld, in der sie bei D'Erika seit Old Friends, New Planets steht, wieder begleichen und zurück zu ihren Sterneflotten-Freunden. Diesem Wunsch soll sie bereits im Auftakt sehr nahekommen, aber ein kleiner Haken sorgt dafür, dass sie ihrem Haus und ihrem Planeten vorerst noch länger treu bleibt.

Währenddessen erhalten wir (nach dem Vorspann, der abermals verändert wurde) auf der Cerritos Einblicke auf Mariner (Tawny Newsome), Boimler (Jack Quaid), T'Lyn (Gabrielle Ruiz) und Rutherford (Eugene Cordero), die wie üblich mit persönlichen Problemen hadern (mit Ausnahme von T'Lyn vielleicht, aber die darf am Ende einen der besten Gags dieser Folge bringen und damit zeigen, dass sie in unserem kleinen Team angekommen ist). Die eigentliche Mission der Cerritos mutet tatsächlich ein wenig zu vertraut an, wenn eine weitere Weltraumanomalie untersucht wird, die aus einem Spalt besteht, der unsere Crew in eine Parallelwelt führt. Mariners und T'Lyns Kommentare dazu lassen vermuten, dass es vielleicht noch mehrere dieser „Anomalien“ geben wird, ehe die Staffel vorbei ist.

The Mistress of the Winter Constellations
The Mistress of the Winter Constellations - © Paramount+

Aber bevor jemand meint, diese Parallelwelt wäre langweilig oder gar (erneut) das Spiegeluniversum, fliegt unserer Cerritos auch schon eine weitere Cerritos entgegen. Ein Treffen mit der Parallel-Crew ergibt auch schnell, dass die beiden Welten sich nur um 0,327 Prozent unterscheiden, was einen ersten, sehr harmonischen Umgang miteinander bedeutet. Beide Besatzungen ziehen da am gleichen Strang und wollen „unsere“ Besatzung samt Schiff nach Hause bringen. Aber auch wenn die Unterschiede nur marginal sind, kristallisieren sie sich im weiteren Verlauf doch deutlich heraus und sorgen für Spannungen. Nicht bei allen Figuren - Boimler und Rutherford dürften da erwähnenswerte Ausnahmen sein - aber doch vielen, die mit ihrem Parallel-Alter-Ego aneinandergeraten. Details gibt es gleich, aber der wesentliche Punkt dieses Abenteuers ist nicht das Abenteuer an sich und wie unsere Crew da wieder herauskommt, sondern vielmehr die persönlichen Erfahrungen, die vor allem unsere Lower Decks auf der „anderen Seite“ über ihre leicht anderen Ichs sammeln und letztlich mitnehmen. Insofern eine sehr charakterbezogene Episode, die natürlich auf Humor nicht verzichtet, aber die staffelübergreifende Story sowie die charakterliche Entwicklung einzelner Figuren vorantreibt. Und das ist natürlich immer gerne gesehen.

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D'Vana Tendi and the Blue Oreons

Bereits die Eröffnungsszenen führen uns zu Tendi, die im letzten Staffelfinale nach Orion aufbrechen und ihre Freunde verlassen musste. Vielleicht erkennt nicht jeder Zuschauer sie direkt, wenn sie einen (vielleicht ebenfalls vertrauten?) Sammler umgarnt, den es anschließend auszurauben gilt - schließlich ist sie gut getarnt, aber die Stimme von Noel Wells ist für mich mittlerweile unverkennbar und auch die Gesichtszüge der animierten Person lassen schnell darauf schließen, dass es sich hier um Tendi handeln muss, die undercover auf große Beute aus ist. Entsprechend kommt es, wie es kommen muss - ihre Crew kann zuschlagen und fette Beute machen (erster Easter-Egg-Alarm an dieser Stelle), aber Tendi besteht darauf, dass niemand umgebracht wird.

Blue Oreons
Blue Oreons - © Paramount+

Nach diesem Abenteuer erhält Tendi eine weitere Mission, die sie von ihrer Schuld gegenüber D'Erika entbinden könnte. Hier gibt es direkt einen doppelten Easter-Egg-Alarm, denn die Macher greifen wie damals in „Star Trek: The Animated Series“ auf blau statt grün zurück, wenn die konkurrierende Partei aus blauen Orionern besteht, die zudem auch noch falsch betont werden (siehe Überschrift). Jedenfalls ergibt sich hier die große Chance für Tendi, bei gelungener Mission zu ihren Freunden auf der Cerritos zurückzukehren. Aber das Abenteuer ist nicht einfach und ihr für eine Piratin viel zu friedvolles Verhalten soll sich am Ende noch rächen. Nicht durch ihre Crew, die ebenfalls kurz ihre Rettung eines feindlichen „Blauen“ in Frage stellt, der sich als sehr undankbar erweist. Vielmehr dadurch, dass die „Blauen“ anschließend auf Krieg aus sind, weil Tendis Listen angeblich den Piraten nicht würdig gewesen sind. Unter diesen Umständen kann sie ihre Leute natürlich nicht im Stich lassen und bleibt auch für die nächste Folge noch dem Heimatplaneten treu.

Unterm Strich hat mir dieser Handlungsbogen sehr gefallen und das liegt nicht nur an den Ostereiern. Tendi hat ihre Sympathien nicht verloren und kämpft dafür, zu ihren Freunden zurückzukehren. Dabei nimmt sie das mit, was sie in der Sternenflotte gelernt hat, auch wenn sie natürlich trotzdem auf Beutezüge geht und es zuweilen ein wenig blutig werden kann. Für mein Empfinden ist dieser innere Konflikt aber gut ausgearbeitet und wenn Tendi ihre Crew schließlich davon überzeugen kann, einen ähnlichen Weg zu gehen wie sie (wenn auch vielleicht nur aus dem Grund, dass sie ihr nacheifern wollen, um die eigenen Wünsche umzusetzen), ist das schon ein großer Gewinn. Und ehrlich gesagt wäre ich auch enttäuscht gewesen, wenn Tendi direkt in der ersten Folge der fünften Staffel schon ihr Ziel erreicht hätte und zur Cerritos zurückgekehrt wäre. Derartige Auflösungen von Cliffhangern wirken oftmals gehetzt und zwar unabhängig davon, wie viel Zeit zwischen dem letzten Staffelfinale und dem Auftakt der nächsten Staffel vergangen sein mag. Insofern hat mich gefreut, dass Tendi nicht ganz so einfach zurückkommt. Noch mehr gefreut hat mich allerdings, dass es ihre eigene Wahl ist, vorerst zu bleiben und diesen drohenden Krieg abzuwenden. Schöner Handlungsstrang mit Tendi im Mittelpunkt, die sicher noch weitere Fußabdrücke hinterlassen wird, ehe sie zur Cerritos zurückkehrt.

The Perfect Boimler?

Okay, Boims ist eine meiner Lieblingsfiguren in Star Trek: Lower Decks und er war dem eigenen Erfolg bereits so nahe, dass es ein wenig schade ist, wenn er nicht unter die ersten 30 dieser Zeitschrift (schaut euch mal die Schlagzeilen an - ich habe auf Pause gedrückt und musste lachen) kommt und rausgeschnitten wurde. Aber das ist natürlich nur der Auftakt für seine kleine Reise in die Parallelwelt, wo er auf ein Alter Ego trifft, welches ihm um Meilen voraus ist und welches den typischen Riker (Jonathan Frakes) - Bart trägt.

I will sit on the Captains Chair one day
I will sit on the Captains Chair one day - © Paramount+

Boims versteht sich mit seiner Parallel-Version jedenfalls, was eine Ausnahme darstellt und versucht, von ihm zu lernen. Denn wie kann es bei dem kleinen Unterschied sein, dass er jetzt auf der Cerritos noch nicht einen ähnlichen Status hat wie sein Alter Ego? Die Antwort erhofft sich unser Boims aus dem kleinen elektronischen Device, welches Parallel-Boimler achtlos zurücklässt und unser Boimler mitnimmt. Offenbar nehmen die Parallel-Weltler den Datenschutz nicht ganz so ernst.

Klar wird aber, worauf unser Boimler aus ist, und wenn er jetzt ein bisschen Hilfestellung erhält, könnte das seine charakterliche Reise tatsächlich fördern. Andererseits ließe sich sein Vorgehen auch als cheaten betrachten und es ist überhaupt fragwürdig, ob er je so viel Selbstbewusstsein wie sein Alter Ego an den Tag legen wird. Warten wir also mal ab, in welche Richtung sich Boims wirklich entwickeln wird.

Rutherford Meets Otherford

Sehen wir eingangs noch, wie Rutherford sich in die Arbeit gestürzt hat (mehr als üblich), um nicht an Tendi denken zu müssen, wird ihm wenig später mit seinem Alter Ego eine Extreme gezeigt. „Otherford“ hat nicht nur sämtliche Erinnerungen an seine Tendi gelöscht, sondern fast seinen ganzen Körper durch Kybernetik ersetzt - mitsamt einem dritten, mechanischen Arm. Der Vergleich mit einem Borg kommt da nicht von ungefähr.

Zunächst ist Rutherford begeistert von seiner Parallel-Version. Aber je mehr er über die Opfer erfährt, die Otherford dafür in Kauf genommen hat, umso mehr möchte er ihm helfen, wieder ein wenig menschlicher zu werden. Freundschaft ist hier der Ansatzpunkt, mit dem Rutherford seinem Kollegen helfen möchte und einfach ungefragt und ohne dessen Zustimmung ein paar Einstellungen dafür vornimmt. Ein Punkt, der sich leicht kritisieren lässt, auch wenn Rutherford nur das Beste für Otherford im Sinn hat.

Aber wie auch immer man diesen Punkt betrachten mag, Otherford akzeptiert schließlich das bisschen neu gefundene Menschlichkeit. Und was noch wichtiger ist, unser Rutherford erkennt dadurch, dass er ebenfalls wieder mehr Zeit mit seinen Freunden verbringen muss. Dazu wird auch gehören, dass er Tendi vermisst und sich mit diesem (vorübergehenden) Verlust beschäftigen muss.

Double Trouble
Double Trouble - © Paramount+

Beckett and Becky

Die größte Handlung dreht sich um den Captain der Parallel-Cerritos, denn hier sitzt nicht Mariners Mutter Carol Freeman (Dawnn Lewis) auf dem begehrten Stuhl, sondern Mariners Parallel-Version Becky Freeman. Fragen nach der Parallel-Version von Carol werden zunächst abgeblockt und die eingangs kooperative Becky entpuppt sich immer mehr als eine grausame Anführerin, die keinen Streit auf ihrem Schiff duldet, Besatzungsmitglieder bei Ungehorsam schnell diszipliniert und/oder wegsperren lässt. Nicht gerade die Zukunft, die Beckett für sich im Sinn hat.

Wobei die Streitereien zwischen den einzelnen Besatzungsmitgliedern und ihren Parallel-Versionen geschickt inszeniert werden, wenn jede/r der Meinung ist, sich im „Prime“-Universum zu befinden. Das schaukelt sich auch allmählich hoch, so dass alle möglichst schnell die Mission abschließen und unsere Besatzung wieder loswerden wollen (wie gesagt, die einzigen Ausnahmen dürften die beiden Boimlers und Rutherfords sein).

Becky wird mehr und mehr als eine Art Bösewicht etabliert, so dass wir uns schon fragen können, ob diese 0,327 Prozent Unterschied auch bei ihr gelten oder in diesem Fall der Unterschied wesentlich größer ausfallen muss. Aber ob nun Bösewicht oder nicht, Becky wird neidisch auf Beckett und will schließlich mit ihr den Platz tauschen, was beinahe auch gelingt und uns ein wenig Spannung beschert.

Während auf Becky schließlich nach misslungenem Coup eine Zelle wartet, nimmt Beckett sich vor, aus diesem Abenteuer zu lernen. Ich würde zwar bezweifeln, dass sie überhaupt einen ähnlichen Weg eingeschlagen hätte, aber es ist trotzdem schön, dass diese Möglichkeit nun nicht mehr existiert und sie stattdessen ihren neuen Kadetten gegenüber die Anführerin sein will, die sie sich ebenfalls wünschen würde.

Remarkable and Fascinating

Während mir die anderen Besatzungsmitglieder beziehungsweise deren Parallel-Versionen größtenteils gefallen haben - da greift die Serie teils auch wieder auf vergangene Abenteuer zurück, was immer gut ist (gell, König Billups (Paul Scheer)?) - hätte ich mir noch etwas mehr von T'Lyn gewünscht. Schließlich hat sie mittlerweile ihren Platz bei den Lower Decks eingenommen und damit ebenfalls eine Mini-Geschichte mit ihrer Parallel-Version verdient.

Remarkable
Remarkable - © Paramount+

Nicht falsch verstehen, der Gag am Ende hat gesessen und jede Zeile, die T'Lyn sprechen darf, hat bei mir auch die entsprechende Wirkung erzielt. Aber etwas mehr hätte es dennoch sein können - irgendein kleines Mysterium, welches die beiden T'Lyns unterschiedlich angehen oder so. Oder vielleicht ähnlich wie bei Carol, die am Ende erfährt, dass ihre Parallel-Version auf Starbase 80 gelandet ist.

Fazit

Ein sehr gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht und sich teils mehrfach auf unsere Hauptfiguren, ihre Ambitionen und Ziele konzentriert. Alles verpackt in zwei größere Abenteuer mit ordentlichen Portionen Humor und vielen Easter-Eggs, die mitunter zum Nachforschen einladen. Ein bisschen Kritik gibt es zwar auch, aber viereinhalb von fünf Sternen vergebe ich trotzdem. Und ihr?

Star Trek: Lower Decks: Deutscher OmU-Trailer zu Staffel 5

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 26. Oktober 2024

Star Trek: Lower Decks 5x01 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 1
(Star Trek: Lower Decks 5x01)
Titel der Episode im Original
Dos Cerritos
Länge der Episode im Original
28 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. Oktober 2024 (Paramount+)

Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 5x01

Darsteller
Rolle
Tawny Newsome
Jack Quaid
Eugene Cordero
Dawnn Lewis
Gillian Vigman
Jerry O'Connell
Fred Tatasciore

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