Star Trek: Lower Decks 4x09

© Paramount+
„Teach me how to tap dance, Beverly Crusher“ - Boimler (Jack Quaid)
Was passiert in der Folge „The Inner Fight“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“?
The Inner Fight konzentriert sich auf Mariner (Tawny Newsome), deren Verhalten zunehmend von unnötigen Risiken geprägt ist und geradezu selbstzerstörerisch wirkt. Die Eröffnungsszenen verdeutlichen das in extremer Form. Dieses Verhalten ist auch Captain Freeman (Dawnn Lewis) nicht entgangen, die Boimler, Rutherford (Eugene Cordero), Tendi (Noel Wells) und T'Lyn (Gabrielle Ruiz) zu sich ruft, um eine sichere Mission für ihre Tochter zu finden, während sich die Cerritos auf die eigentliche, wesentlich gefährlichere Mission begibt.
Denn das mysteriöse Schiff hat offenbar seine Aufmerksamkeit auf ehemalige Sternenflottenoffiziere gerichtet, zu denen auch ein gewisser Nick Locarno (Robert Duncan McNeill) gehört, dessen Aufenthaltsort oder zumindest Informationen darüber auf New Axton zu finden sind.
Tendi kommt mit einer Boje daher, die im Orbit von Sherbal V die Funktion eingestellt hat. Die muss vermutlich nur repariert werden, was eine sehr sichere Mission bedeutet, auf die Mariner anschließend zusammen mit Tendi, Boimler und T'Lyn auch geschickt wird. Aber diese vermeintlich sichere Mission entpuppt sich schnell als äußerst gefährlich, wenn ein klingonischer Bird of Prey das Shuttle angreift und unser Team sich notgedrungen auf den Planeten beamt, um anschließend zu erfahren, dass sich dort verschiedene, vom mysteriösen Schiff entführte Captains bekämpfen.
Mariner soll bemerken, dass diese Mission sie vor sich selbst schützen sollte, was ihr nicht gefällt. Entsprechend begibt sie sich allein in Gefahr und trifft auf Ma'ah (Jon Curry), den sie zunächst bekämpft, aber der anschließend (es regnet Glassplitter, woraufhin beide Schutz suchen müssen) die Hintergrundgeschichte ihres Verhaltens erfahren soll.
Captain Freeman, Shaxs (Fred Tatasciore) und Rutherford suchen nach einiger Verzögerung auf New Axton nach Nick Locarno beziehungsweise Informationen über seinen Aufenthaltsort. Aber ein bestimmter Kopfgeldjäger kommt ihnen stets zuvor, was auch darauf zurückzuführen ist, dass dieses Dreierteam stets in Sternenflottenuniformen auftritt und sich damit nicht den Gegebenheiten dieser kriminellen Welt anpasst. Wartezeiten sind da vorprogrammiert, was eine erfolgreiche Mission außer Reichweite führt. Es gibt allerdings einen Twist, der hier zum Erfolg führen soll.
Außerdem erwartet uns noch ein Cliffhanger, der sehr neugierig auf das Staffelfinale macht. Denn wir erfahren, wer hinter dem mysteriösen Schiff steckt und wissen durch Mariners Entwicklung auch ein bisschen was über die Motivation des vermeintlichen Bösewichts. Aber dennoch fehlen uns ein paar Informationen und vor allem natürlich das große Ganze, auf das dieses Abenteuer hinauslaufen soll.
Mariner
Bereits die Eröffnungsszenen zeigen, wie rücksichtslos Mariner mit dem eigenen Leben und leider auch dem von anderen umgeht. Ich hatte mich bereits in vergangenen Folgen dieser Staffel darüber beschwert, dass diese Figur immer wieder Rückschritte macht. Ihr Verhalten auf Ferenginar - was sogar angesprochen wird - passte nicht ins Bild, nachdem sie in I Have No Bones Yet I Must Flee bereits mit Ransom (Jerry O'Connell) ihre rebellische Phase hinter sich ließ.
Jetzt fällt sie also doch wieder in das alte Verhaltensmuster zurück und schlägt sogar einen selbstzerstörerischen Kurs ein, wenn sie ohne Schutzanzug die Heldin spielt. Einer der Wissenschaftler verliert durch ihre Unvorsichtigkeit sogar sein Augenlicht, was ich übrigens überhaupt nicht lustig fand.

Mariner als Problemkind und Adrenalinjunkie soll zwar eine Hintergrundgeschichte erhalten, wenn sie später auf Ma'ah trifft, aber bis dahin fragen wir uns, was in diese Hauptfigur gefahren ist. Und wenn selbst Captain Freeman schon aufgefallen ist, dass Mariner die Gefahr sucht und mit Blick auf die aktuelle Mission abgelenkt werden muss, stellt sich mir die Frage, weshalb sie nicht schon vorher durch ihre Freunde zur Rede gestellt wurde.
Letzte Woche ging es doch gerade erst um kleine und große Geheimnisse, die unser Team voreinander verborgen hat. Das wäre doch ein guter Zeitpunkt gewesen, um Mariners Hintergrundgeschichte mit Sito Jaxa (Shannon Fill) zur Sprache zu bringen.
In meinen Augen hätte es auch wesentlich besser ins Bild gepasst, wenn Tendi, Boimler oder T'Lyn die Rolle von Ma'ah übernommen und Mariner wieder auf den richtigen Weg geführt hätten. Denn diese drei Figuren kennen zum Episodenende noch immer nicht die Hintergründe - weder zur Freundschaft mit Sito, noch zum erneuten Sinneswandel als Mariner versucht, die unterschiedlichen Spezies zur Zusammenarbeit zu bringen.
Ihre Entführung durch Locarno, der sich als Staffelgegner entpuppt, birgt jetzt natürlich erneut die Gefahr, dass Mariner den jüngsten Sinneswandel wieder ablegt und Locarnos Argumenten, die er bestimmt bringen wird, offen gegenübersteht. Der titelgebende innere Kampf dürfte für Mariner also noch nicht vorbei sein.
New Axton
Der Ausflug nach New Axton erinnert gewaltig an ein anderes Franchise, obwohl es genug Referenzen aus dem Star Trek Universum gibt. Rutherford, Shaxs und Freeman stellen sich bei ihrer Suche nach Nick Locarno in diesem kriminellen Milieu nicht gerade geschickt an, wenn sie jederzeit anhand ihrer Uniformen als Sternenflottenmitglieder erkennbar sind. Der Twist soll zwar später erklären, weshalb Freeman und ihre Begleiter nicht Undercover unterwegs waren, aber ein bisschen überzeugender hätte die Reise bis dahin sicher sein dürfen. Vielleicht hätten Rutherford und Shaxs dann auch etwas mehr zu tun gehabt.

Billups (Paul Scheer) als Kopfgeldjäger, der schließlich die Informationen über Locarno erhält, hat mir aber gefallen. Ich frage mich zwar, wo Freeman das Outfit und vor allem das kleine Raumschiff auftreiben konnte, welches direkt auf New Axton landen darf, aber die Überraschung ist am Ende gelungen. Genauer hingeschaut ließe sich vielleicht noch der Zeitfaktor kritisieren, wenn das Dreierteam mehr als einmal stundenlang warten muss und der mysteriöse Kopfgeldjäger seinen Vorsprung immer wieder einbüßt, ehe er das Außenteam erneut überholt.
Da lässt sich vermuten, dass Billups die meiste Zeit mit Warten verbringen musste, obwohl er die Zeit auch anders hätte nutzen können. Aber gut, Freeman musste ja gewisse Vorbereitungen treffen, damit der Informant (Eric Bauza) seine Informationen auch bereitwillig an den nächstbesten Interessenten weitergibt.
Mysteriöses Schiff
Die staffelübergreifende Geschichte macht diese Woche große Fortschritte und ich bin erst mal positiv überrascht davon, was die Macher hier an alten Geschichten hervorholen. Zugegeben, den Namen „Nick Locarno“ musste ich nachschlagen, während mir „Seven of Nine“ (Jeri Ryan), Beverly Crusher (Gates McFadden) und Thomas (!) Riker (Jonathan Frakes) natürlich direkt ein Begriff waren (ob wir noch Cameos bekommen?). Vielleicht empfiehlt es sich auch, die Ereignisse aus The First Duty und Lower Decks noch einmal aufzufrischen. Gerade mit Blick auf Sito, deren Schicksal für Mariner eine große Rolle spielt.

Gespannt bin ich derweil auf den großen Plan, den Nick mit den Entführungen verfolgt. Offensichtlich sind die Lower Decks der verschiedenen Spezies an seinem Vorhaben beteiligt, während die kommandierenden Offiziere auf Sherbal V abgesetzt wurden. Aber vollständig zusammenreimen kann ich mir noch nicht, worauf das alles hinauslaufen wird. Ideen und Spekulationen könnt Ihr gerne in die Kommentare schreiben.
Sonstiges
Endlich ist T'Lyn wieder dabei. Ihre trockenen Kommentare habe ich die letzten Wochen schon vermisst. Sie hätte genau wie Boimler und Tendi zwar etwas mehr zu tun bekommen können, aber mit Blick auf die größere Geschichte ist das verschmerzbar. Schön war übrigens Tendis Auftritt als „Mistress of the Winter Constellations“ und ich bin gespannt, wie die Handlung mit diesem Dreierteam (und Ma'ah) nächste Woche weitergeht.
Fazit
Im Großen und Ganzen weiß die Episode zu gefallen, weil die staffelübergreifende Geschichte um das mysteriöse Schiff endlich Hand und Fuß erhält. Außerdem ist es beeindruckend, wie tief die Macher dabei in die Kiste greifen und zum Finale hin alles zusammenweben - wie immer mit zahlreichen Referenzen, sowohl aus dem Franchise als auch aus der eigens kreierten Serienmythologie. Mariners Verhaltensweise bereitet aber trotz Auflösung große Kopfschmerzen und auch der Ausflug nach New Axton weiß nicht so ganz zu überzeugen. Von mir gibt es diese Woche drei von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 29. Oktober 2023(Star Trek: Lower Decks 4x09)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?