Star Trek: Lower Decks 4x08

© Paramount+
Caves
Höhlen und deren Erkundung gehören sicher zu den Standard-Missionen des Franchise, da ist es kaum verwunderlich, wenn sich auch Star Trek: Lower Decks mit Caves diesem Thema widmet. Während sich bei Boimler (Jack Quaid), Tendi (Noel Wells) und Rutherford (Eugene Cordero) direkt Begeisterung bemerkbar macht, freut sich Mariner (Tawny Newsome) zwar auf die gemeinsame Mission, ist aber deutlich weniger enthusiastisch (um es mal vorsichtig auszudrücken), als sie davon erfährt, dass es in eine Höhle geht. Und selbstverständlich wird unser Team aus der Beta-Schicht in der Höhle eingeschlossen, hat keine Möglichkeit mehr, mit der Cerritos in Kontakt zu treten und sieht sich obendrein noch fleischfressendem Moos gegenüber, womit die Uhr tickt.
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Um einen Ausweg zu finden, sind vorherige Erfahrungen ähnlicher Natur gefragt. Zuerst hat Boimler eine Idee, die auf eine Mission mit Lt. Steve Levy (Fred Tatasciore) zurückgeht. Anschließend teilt Rutherford sein Abenteuer mit Dr. T'Ana (Gillian Vigman) den anderen mit und schließlich darf Mariner noch ihre letztes Höhlenerlebnis mit den Fähnrichen aus der Delta-Schicht zum Besten geben. Jeder dieser Rückblicke ist für uns Zuschauer neu und steuert unser Team zwar in Richtung Lösung, weil sie die Kommunikation mit dem Schiff vielleicht wieder herstellen können. Aber gleichzeitig wird die Freundschaft zunehmend auf die Probe gestellt, wenn Boimler und Levy seit ihrem Abenteuer gemeinsame Holodeck-Besuche unternehmen, Rutherford den anderen nichts von seinem „Kind“ erzählt hat oder Mariner in den Gruppengesang der Delta-Schicht einsteigt. Wird unser Team an diesem Abenteuer zerbrechen?

Bottle Episode
Diese Woche gibt es eine Bottle Episode, die sich fast vollständig auf unsere vier Hauptfiguren und Höhlenabenteuer konzentriert. Mariner spricht zu Beginn bereits an, was wir während der Rückblicke erleben dürfen, wenn sie meint, dass alle Höhlen gleich aussehen. Denn tatsächlich ist jede der Höhlen, die uns im Verlauf präsentiert werden, von ähnlicher Struktur und zeigt somit Variationen des gleichen „Sets“. Was gerne als Kritikpunkt genommen wird, nehmen die Macher aber bewusst zum Anlass, um sich damit auseinanderzusetzen und die Vorteile hervorzuheben, die aus diesem begrenzten Raum entstehen können. Damit meine ich natürlich die Konzentration auf unsere Hauptfiguren, die eine kleine Reise durchmachen, wenn sie sich anfangs über die gemeinsame Mission freuen, im Verlauf der Episode auseinanderwachsen und am Ende doch wieder zusammenfinden.
Das große Abenteuer um das mysteriöse Schiff pausiert diese Woche und auch T'Lyn (Gabrielle Ruiz) lässt sich nicht blicken. Abseits unserer vier Hauptfiguren sind weitere Charaktere lediglich in den Rückblicken zu sehen und in zwei von den drei Fällen Figuren, mit denen unser Team eigentlich nichts zu tun haben möchte, die sich aber bei jedem der individuellen Abenteuer doch als nützlich und gar nicht so schlecht erweisen. Ein weiterer Klassiker also, bei dem zwei oder mehr verfeindete Figuren in eine Situation geworfen werden, die sie gemeinsam lösen müssen und dabei am Ende herausfinden, dass ihr Gegenüber auch seine Qualitäten hat und die ursprüngliche schlechte Meinung voneinander (mehr oder weniger) unbegründet ist.
Kyron 4
Der erste Rückblick zeigt uns ein Abenteuer, welches Boimler zusammen mit Levy erlebt hat. Der Verschwörungstheoretiker Levy ist uns nicht neu und hat einen ganz eigenen Blick auf die aktuelle Situation, für die er die Vendorianer verantwortlich macht. Boimlers Geduldsfaden soll schließlich reißen, nachdem Levy ein rettendes Gefährt wegphasert, welches nur einen Sitzplatz hatte. Anschließend erwartet uns die erste große Überraschung, wenn tatsächlich die Vendorianer auftreten und bestätigen, dass sich unsere beiden Crewmitglieder der Cerritos in einem ihrer Moralitäts-Tests befinden.

Es ist natürlich recht weit hergeholt, wenn Levy richtig liegt. Aber humortechnisch trifft Star Trek: Lower Decks doch ins Schwarze und löst dieses Abenteuer auf einem eher unkonventionellen Weg auf, der Levy selbst den Vendorianeren (aber auch uns und Boimler) sympathischer macht, obwohl es (wie bei Verschwörungstheorien üblich) Übertreibungen und Fiktion gibt. Echt gut getroffen, zumal Boimler noch mitnimmt, dass „Gammanite“ bei Kommunikationsschwierigkeiten helfen kann, was den entscheidenden Beitrag zur Situation auf Grottonus birgt.
Balkus 9
Dr. T'Ana und Rutherford sollen für Billups (Paul Scheer) ein linderndes Mittel aus einer Höhle bergen und werden von Thusa zum Ziel geführt. Allerdings ist diese Höhle das Zuhause vom Grafflax (Asif Ali), der Thusa in eine tödliche Situation katapultiert, die anschließend im Sterben liegend ihr Bewusstsein in Rutherfords Körper transferiert (Referenz-Alarm!). Unähnlich der Situation aus „Star Trek II“ (1982), wächst in Rutherfords Körper nun in sekundenschnelle ein Baby heran, welches Dr. T'Ana per Kaiserschnitt herausholt (ohne Narkose, autsch). Jetzt müssen sich die beiden um ein Baby kümmern und gleichzeitig einen Ausweg aus dem Höhlensystem finden, was uns zur nächsten Überraschung führt.

Dieser Rückblick hat in meinen Augen am meisten Herz. Denn wir sehen, wie T'Ana das Neugeborene ans Herz wächst und wie sie auch ihre Abneigung gegen Ingenieure wie Rutherford allmählich ablegt. Diese Staffel haben wir ohnehin noch nicht viel von T'Ana gesehen, weshalb dieser Rückblick ein klarer Pluspunkt ist, auch wenn es hauptsächlich um Rutherford geht. Dieser beschert uns auch die große Überraschung, indem er einen ähnlichen Weg wählt, wie es Spock (Leonard Nimoy) einst in The Devil in the Dark mit Horta (Janos Prohaska) getan hat. Er setzt auf Kommunikation mit dem vermeintlichen Bösewicht, der anschließend gar nicht so böse ist und lediglich seine Kinder schützen möchte. Zudem bewundert der Grafflax die unfreiwilligen Eltern Rutherford und T'Ana, die er/sie/es anschließend zum Ziel führt. Abenteuer bestanden und obendrein weiß Rutherford noch, wie man Grammanite extrahiert. Großartig.
Glish
Mariner ist diejenige, die von Beginn an gegen die Mission geschossen hat, Tendi nicht zur Sprache kommen lässt, was das Abenteuer im Turbolift angeht und sich auch am meisten darüber aufregt, dass Boimler und Rutherford ihre Höhlenabenteuer verschwiegen haben. Jetzt muss sie aber selbst erklären, weshalb sie den nächsten Schritt in Sachen Gammanite kennt, was auf ein Abenteuer mit der verpönten Delta-Schicht zurückgeht. Überraschungen wie zuvor inklusive.
Die Delta-Schicht besteht hier aus Asif (Asif Ali), Amadou (Zach Cherry) und Karavitus (Artemis Pebdani), die wegen Mariners Bruchlandung (die in eine Höhle führt) nicht gerade gut aufgelegt sind. Asifs Bein ist gebrochen und das Shuttle wird erst dann wieder flugfähig, wenn Pergium gefunden werden kann. Das ist zwar in Reichweite, aber die Fundstelle bewirkt eine Alterung, wenn man sich ihr nähert. Es sieht also nicht gut für dieses unfreiwillige Team aus, ehe Amadou einen alternativen Weg findet, der ihn jünger werden lässt.
Dieser Rückblick ist an sich gut gewählt, weil aufgezeigt wird, dass auch Mariner nach der Beförderung andere Wege eingeschlagen hat, die in diesem Fall halt die Delta-Schicht betreffen, die an sich auch sehr cool ist, aber aufgrund der Dienstzeiten wohl weit entfernt von den Beförderungen ist, die unser Team erlebt hat. Die Wichtigkeit dieser Schicht wird aber aufgezeigt und mir hat es durchaus gefallen, dass Mariner am Ende des Abenteuers in den „Schlachtruf“ einstimmt. Schichtdienst ist halt immer doof und gerade die Nachtschicht hier verdient Anerkennung, weil sie sich um Dinge kümmert, die sonst keiner machen will.

Mir hat allerdings nicht alles an diesem Abenteuer gefallen, welches uns die Delta-Schicht näherbringt. Asifs Beinverlust gehört dazu, denn die Szenen, in denen er sich als jüngstes Mitglied des Teams zum Pergium begibt, hatten in meinen Augen mit Humor nicht mehr viel zu tun. Das war einfach nur grausam mitanzusehen, obwohl ich den teils derben Humor der Serie eigentlich mag. In diesem Fall war es aber einfach zu viel, auch wenn ich Mariners Entwicklung hier als durchaus gut empfunden habe und wir erfahren, weshalb sie die Delta-Schicht als weniger problematisch ansieht und obendrein noch Erfahrungen sammeln kann, die zur aktuellen Situation beitragen.
Unser Team
Tendis Begeisterung wird immer wieder beiseite gewischt, was auf Mariner zurückgeht, die das Abenteuer im Turbolift, welches im Anschluss an Second Contact stattfand, als nicht vergleichbar einstuft. Mariner mag dabei zwar einen Punkt haben, aber dennoch erntet sie damit keine Sympathiepunkte, wenn sie vor und nach jedem Rückblick Tendis Geschichte als „nicht der Situation angemessen“ zurückwirft.
Der Punkt ist aber, dass sich sowohl Boimler, Rutherford und Mariner in Schweigen gehüllt haben, was diverse Höhlenabenteuer anging. Das stößt zu Recht auf Kritik von den jeweils anderen, die genau wie wir erst jetzt erfahren, was sich vor Kurzem abgespielt hat und mit den jeweiligen Beförderungen einhergeht. Mitunter auch das große Thema der Folge, welches unsere Figuren auf die Probe stellt, wenngleich sowas wie die Aufforderung von Rutherford an Boimler, seine Hose zu opfern, doch irgendwie den Teamgeist hervorhebt. Aber das Vertrauen ineinander kann durchaus schwinden, wenn es Abenteuer und Entwicklungen gibt, die nicht miteinander geteilt werden.

Erst das Abenteuer im Turbolift, welches Tendi schließlich doch noch erzählen darf und im Anschluss an die allererste Episode der Serie stattfand, ruft den ursprünglichen Freundschaftsgedanken wieder hervor und lässt die „Geheimnisse“ wie Lappalien wirken. Als letzte Überraschung erfahren wir noch, dass erneut die Vendorianer für die Misere unseres Teams verantwortlich sind. Nach Boimlers Geschichte vielleicht zu erwarten, weshalb man auch einen anderen Hintermann hätte wählen können, aber das Ziel - unser Team wieder zusammenzubringen - wird natürlich erreicht. Und nebenbei wird uns noch vermittelt, dass selbst fleischfressendes Moos nicht unbedingt ein Bösewicht sein muss. Kommunikation - vor allem miteinander - ist halt alles, was mit Sicherheit auch die große Botschaft hinter dieser Episode ist und sowohl unser Team als auch diverse „Bösewichte“ betrifft, die auf den zweiten Blick - ob nun Vendorianer, Grafflax oder Delta-Schicht - nicht wirklich böse sind.
Fazit
Als Zuschauer ist man vielleicht weniger angetan, wenn diese Woche im größeren Staffelrahmen nichts passiert und auch die sogenannte Charakterentwicklung führt Mariner, Boimler, Rutherford und Tendi letztlich nur zum Ausgangszustand zurück. Aber unterm Strich wird dennoch einiges aus der Episode und unseren Figuren herausgeholt, ganz zu schweigen von der Unterhaltsamkeit, die hauptsächlich mit dem typischen Humor der Serie (Referenzen eingeschlossen) punkten kann. Von mir gibt es diese Woche erneut vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 22. Oktober 2023(Star Trek: Lower Decks 4x08)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x08
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