Star Trek: Lower Decks 4x03

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In the Cradle of Vexilon
Obwohl Star Trek: Lower Decks hauptsächlich episodisch angelegt ist, wird spätestens mit In the Cradle of Vexilon deutlich, dass die Serie in Bezug auf unsere Charaktere durchaus einen großen seriellen Faktor mit sich bringt. Die Abenteuer mögen dem sogenannten „Fall der Woche“ gleichkommen, aber die Figuren entwickeln sich stets weiter. Ein altbekanntes Konzept, an dem sich durchaus auch Procedurals orientieren, aber stets mit schwankenden Erfolgen - weil die charakterlichen Entwicklungen oft zu langsam sind und das Abenteuer vor den Figuren steht. Nicht so hier, denn egal, ob wir jetzt Boimler (Jack Quaid), Mariner (Tandy Newsome), Rutherford (Eugene Cordero) oder Tendi (Noel Wells) betrachten, setzen sich unterm Strich alle diese Figuren mit der Beförderung der ersten beiden Episoden dieser Staffel auseinander, während das große Abenteuer beziehungsweise die beiden Abenteuer in den unterschiedlichen Handlungssträngen weniger wichtig sind. Da darf dann auch gerne die angeköderte (Staffel-)Bedrohung durch ein gewisses Raumschiff diese Woche pausieren.
Handlungstechnisch soll die Cerritos den Einwohnern einer Megastruktur helfen, welche an die Ringwelt von Larry Niven erinnert. Diese wird vom (ausnahmsweise mal) freundlichen Computer Vexilon (Oscar Montoya) gesteuert, der aber nicht mehr in der Lage ist, diverse Prozesse korrekt durchzuführen. Rein klimatechnisch hat es bereits kleinere Katastrophen gegeben, die dieses Paradies bedrohen und die Föderation schickt nun hilfsbereit erneut Unterstützung, um die Probleme zu beenden. Captain Freeman (Dawnn Lewis) legt sogar selbst Hand an (und verschlimmert die Lage), während sie von Jack Ransom (Jerry O'Connell) begleitet wird, der ihr nahelegt, doch bitte die Ingenieure zu Rat zu ziehen, die sich vielleicht besser mit künstlichen Intelligenzen (und deren Updates) auskennen. Aber nuja, wir wollen ja etwas Spaß haben in diesem Handlungsstrang, der sich mit dem von Boimler ab und zu überschneidet.
Zweite Handlung auf der Megastruktur ist Boimlers erstes Kommando, bei dem T'Lyn (Gabrielle Ruiz) glücklicherweise dabei ist. Denn unser Boims möchte zwar einen guten Missionsleiter abgeben, aber als er erfährt, wie gefährlich der Einsatz ist, führt er diesen lieber allein durch als auf seine Untergebenen zu setzen, die mit ihm vor kurzem noch gleichrangig waren und weder sterben noch verstümmelt werden sollen. Nicht unbedingt die beste Vorgehensweise und als es schließlich zeitlich eng wird, bleibt ihm keine andere Wahl als auf sein Team zu setzen, welches bislang nur zugesehen hat, wie er die ganze Arbeit erledigt. Ob alle überleben werden?
Die dritte Handlung betrifft Mariner, Rutherford und Tendi, die dank ihrer Beförderung nun Zugang zu einer Rumpelkammer mit Easter Eggs haben, welche sie bewundern, ehe Lt. Dirk ihnen eine sehr mühselige Aufgabe erteilt. Ob sie von diesem Vorgesetzten schikaniert werden? Vermutlich, denn die Aufgabe erweist sich nach vermeintlicher Fertigstellung als doppelt so groß, was den Unmut der drei nur steigert. Sie beschließen, Dirk eine Falle zu stellen, wozu diverse Artefakte aus der Rumpelkammer genutzt werden sollen. Aber der Lieutenant gibt eine gute Erklärung für die Aufgabenstellung ab, womit unsere frisch beförderten Lower Decks die Falle direkt bereuen und aus dem Weg räumen wollen, ehe Dirk hineinstolpert - womit Teamwork gefragt ist.
An Bord der Cerritos
Die Beförderungen stehen eindeutig im Fokus dieser Folge und während wir Mariner, Rutherford und Tendi begleiten, die nun Zugang zu besagter Rumpelkammer haben, erfahren wir auch ein wenig von den Vorzügen eines Lieutenant Junior Grade. Die Idee dieser Kammer ist dabei nicht schlecht und lädt zur Suche nach Easter Eggs ein, aber nicht alle waren mir willkommen. Beispielsweise hat Nomad dort nichts verloren - der sollte selbst für hochrangige Offiziere nicht zugänglich sein und eher neben Agimus im Knast für böse Supercomputer einen Platz finden. Das Chula-Spiel der Wadi aus Move Along Home (1x10) war allerdings genau richtig für die Folge und durfte im weiteren Verlauf - als Rutherford in die Falle für Dirk gerät - auch gut punkten. Kleiner Snack gefällig?
Mit der Aufgabe von Lt. Dirk soll die Begeisterung über Vorzüge der Beförderung aber schnell schwinden, was natürlich nachvollziehbar ist. Eine solche Aufgabe könnte man auch den Fähnrichen der Lower Decks erteilen, selbst, falls Dirk zwischenzeitlich vielleicht wahrheitsgemäß den Gefahrenfaktor wiedergibt - was im letzten Gespräch zwischen ihm und Ransom aber eher zweifelhaft erscheint. Für mich war der Hinweis darauf, dass unsere Lower Decks schikaniert werden, dass Dirk sich mit der Antwort zufriedengibt, dass alle isolinearen Chips in Ordnung sind - denn das waren sie nicht, wie Tendi später herausfindet.

Großartig ist allerdings, dass unsere drei Hauptfiguren nahtlos zusammenhalten. Als ihnen klar wird, dass Dirk vielleicht doch einen guten Grund für diese niedrige Aufgabe hatte, wird der Teamfaktor hervorgehoben. Mariner lenkt Dirk ab (und blutet vermutlich jetzt noch aus den Ohren wegen des Jazz-Themas), Tendi erledigt die Aufgabe im Nachhinein und Rutherford führt einen Speedrun in Sachen Chula durch, nachdem er selbst unvorsichtigerweise in die Falle getappt ist. Mich hat jedenfalls begeistert, wie die drei zusammenhalten. Erst der gemeinsame Plan, der natürlich von Mariner losgetreten wurde und anschließend der erfolgreiche Versuch, Lt. Dirk zu schützen. Da ist es schon fast schade, dass Dirk tatsächlich unsere drei Figuren bloß schikaniert hat.
Did you try to turn it off and on again?
Die Handlung um Captain Freeman und ihren ersten Offizier, die nach einer kurzen Einführung in die Ringwelt, welche ausschließlich aus Künstlern zu bestehen scheint, zu Vexilon geführt werden, setzt sich thematisch mit „Computern und Updates“ auseinander. Wobei Vexilon so alt ist, dass schon allein das technische Aussehen zum Schmunzeln einlädt. Freeman verzichtet vorerst auf die Hilfe von Billups (Paul Scheer), weil sie der Meinung ist, selbst das Problem lösen zu können, indem sie ein längst fälliges Update anstößt, welches die Aussetzer von Vexilon beheben soll. Aber natürlich friert der Computer während des Updates ein, was sich direkt katastrophal auf die Ringwelt auswirkt. Das Problem soll noch weiter gesteigert werden als Freeman den „safety mode“ aktiviert, der mit einem Reboot daherkommt - womit die Ringwelt jetzt eine Art Genesis-Prozess durchläuft (der an einen bestimmten Kinofilm des Franchise erinnert).

Ich glaube jeder, der einen Computer besitzt, hatte schon einmal ähnliche Erlebnisse. Von daher ließ sich erwarten, wohin die Handlung mit viel Humor führt. Mich hat es außerdem gefreut, dass Freeman diese Woche wieder etwas mehr zu tun bekommt als in den beiden Auftaktfolgen. Außerdem ist diese Handlung direkt an die von Boimler gekoppelt, und zwar nicht nur, was die Aufgabe seines Teams und die Umwelteinflüsse angeht. Denn Freeman verhält sich ähnlich wie Boims, wenn sie ihre Mission lieber solo durchführt als auf ihr Team von Ingenieuren zu setzen. Eine Parallele, die mir durchaus gefallen hat und aufzeigt, dass selbst ein Captain nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft, obwohl Freeman es besser wissen müsste als unser frisch beförderter Bradford.
TEAM - Toll, Ein Anderer Macht's?
Boimler ist eingangs sichtlich nervös und übt seine Aufgabe als Missionsleiter, wenn er von T'Lyn abgeholt wird. Er möchte einen guten Vorgesetzten abgeben und seinem Team - bestehend aus Lower Decks, wie er es vor kurzem noch war - möglichst locker und freundlich entgegentreten. Schließlich weiß er nur allzu gut, wie oft Fähnriche schikaniert werden und dass die Lower Decks rangtechnisch ganz unten stehen. Da möchte er ganz sicher nicht den Eindruck erwecken, etwas Besseres als die anderen zu sein. Und als er von T'Lyn dann noch hört, wie gefährlich die Aufgabe ist, die dem Team bevorsteht, gepaart mit der Statistik über Tode und/oder Verstümmelungen, kann man es ihm kaum verübeln, wenn er seinem Team demonstriert, wie die Aufgabe erledigt wird - bis er sie fast komplett allein vollzogen hat und von Freeman die Order erhält, alles wieder rückgängig zu machen.

Einerseits hat mir Boimlers Haltung gegenüber seinen Untergebenen gefallen, denn es ist immer gut, wenn man selbst Hand anlegt und sich nicht davor scheut, einmal (!) vorzuführen wie die Aufgabe erledigt werden muss. Aber T'Lyn hat sicher einen Punkt, wenn sie mit ihren trockenen logischen Sprüchen darauf hinweist, dass Boims nicht alles allein machen muss. Schließlich ist es ebenso wichtig, dass man dem eigenen Team vertraut und diesem auch die Chance gibt, die Aufgabe zu erledigen - Gefahrenfaktor hin oder her. Insofern gibt Boimler im ersten Teil nicht gerade den besten Missionsleiter ab, auch wenn wir als Zuschauer dadurch amüsiert werden sollen.
Die bessere Figur in dieser Handlung ist tatsächlich T'Lyn, die Boims schließlich aufzeigen kann, weshalb er befördert wurde und dass er für die Aufgabe auch sein Team nutzen muss, welches sich untätig nicht beweisen kann. Überhaupt hat mir T'Lyn diese Woche am besten gefallen, weil ihre Bemerkungen - so witzig sie auch intendiert sind - stets den Nagel auf den Kopf treffen. Ich hoffe da auf viele weitere Auftritte, weil diese Figur sich wunderbar in unser kleines Team einfügt und es äußerst hilfreich ergänzt.
Zuletzt sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass Boimler im zweiten Teil (nachdem er von T'Lyn überzeugt wurde) ordentlich punkten kann. Nicht nur, dass er seinem Team jetzt vertraut und die gemeinsame Aufgabe mit ihnen teilt. Er erkennt auch, als es Zeit für die anderen ist, das Gebäude zu verlassen und das bestehende Risiko allein zu tragen. Er wächst hier als Figur und Anführer seines Teams, welches es an diesem Punkt zu schützen gilt und erhält keinerlei Widerspruch von T'Lyn. Also Ende gut, alles gut?
Boimlers Tod
Ich war kurzzeitig zutiefst schockiert als das Gebäude explodiert ist, nachdem Boimler den Knopf gedrückt hatte. Noch mehr, als sein lebloser Körper vor sein Team geschleudert wurde. Haben wir eine Hauptfigur verloren? Kann doch nicht sein, oder? Und warum gerade Boimler, der in dieser Folge unterm Strich eine schöne Entwicklung vollzogen hat? Ungläubig habe ich auf den Bildschirm gestarrt und mich ernsthaft gefragt, ob es jetzt einen Gamechanger gibt, wie ihn Game of Thrones des Öfteren verwendet hat.
Als ich aber Boims beim großen Koala, im mysteriösen Raum von Twin Peaks und mit einem bestimmten schwarzen Berg im Hintergrund gesehen habe, war schnell wieder klar, dass Boimler überleben würde. Es ist schier unglaublich, was diese Serie innerhalb von vier Staffeln an eigener Mythologie aufgebaut hat. Denn natürlich kennen wir den Koala, den schwarzen Berg und wissen auch, dass das Thema Tod in dieser Serie leicht anders angegangen werden kann, wenn es um diverse Figuren geht. Man denke nur an Shaxs (Fred Tatasciore) und dessen Rückkehr. Ich war auf jeden Fall erleichtert, als Dr. T'Ana (Gillian Vigman) unseren Boimler erfolgreich zurückholen konnte - und gleich zweimal.

Fazit
Fraglos eine weitere gute Episode, in der sich unsere Hauptfiguren mit ihren Beförderungen auseinandersetzen, die sowohl Vorzüge als auch Nachteile bieten. Unterm Strich weiß aber nicht alles zu überzeugen, obwohl jedes Thema wie gewohnt mit viel Humor angegangen wird. Von mir gibt es vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 16. September 2023(Star Trek: Lower Decks 4x03)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x03
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