Star Trek: Lower Decks 4x02

Star Trek: Lower Decks 4x02

In der Episode „I Have No Bones Yet I Must Flee” der US-Serie „Star Trek: Lower Decks” gibt es eine direkte Fortsetzung zur Vorfolge. Mariner versucht, degradiert zu werden, Rutherford will befördert werden und Boimler möchte nur ein ruhiges Quartier finden.

Tawny Newsome und Jerry O'Connell in „Star Trek: Lower Decks”
Tawny Newsome und Jerry O'Connell in „Star Trek: Lower Decks”
© Paramount+

I Have No Bones Yet I Must Flee

Der vierte Staffelauftakt von Star Trek: Lower Decks bescherte uns gleich zwei Episoden, die aufeinander aufbauen. An sich nichts ungewöhnliches, denn jede Staffelgeschichte der Lower Decks hatte eine Art roten Faden, der sich durch die Episoden spannte. Aber mit I Have No Bones Yet I Must Flee wird doch ungewöhnlich dicht aufeinander aufgebaut, was bereits beim Cold Opening deutlich wird, bei dem nun ein romulanisches Schiff ausgelöscht wird. Dieser Gegner scheint jedenfalls etwas Besonderes zu sein, auch wenn wir vorerst nichts weiter davon zu sehen bekommen und die Handlung auf der Cerritos vom fremden Schiff noch nicht touchiert wird.

An Bord der Cerritos sind währenddessen alle Lower Decks vorerst damit beschäftigt, ihr gemeinsames Quartier zu räumen, denn durch die Beförderung gibt es für jeden ein neues Quartier. Alle Lower Decks? Leider nein, denn Rutherford (Eugene Cordero) wurde nicht befördert und macht es sich zur Mission, bis zum Ende des Tages zu den anderen aufzuschließen. Für ihn gilt es, Billups (Paul Scheer) zu beeindrucken, und zwar dermaßen, dass dieser eine Beförderung springen lässt. An sich keine unüberwindbare Aufgabe für Rutherford, wäre da nicht der „Neue“, der Rutherford bei jeder Idee zuvorkommt. Fähnrich Livik wird damit zum Gegenspieler für Rutherford und ich wäre mir nach dieser Folge nicht ganz sicher, ob Livik nicht noch eine größere Rolle in dieser Staffel spielt.

Tendi (Noel Wells) möchte Rutherford unterstützen, aber sieht zu Beginn nicht, wie das möglich sein soll. Sie nimmt diese Episode lange Zeit auf der Ersatzbank Platz, während T'Lyn (Gabrielle Ruiz) sogar komplett fehlt. Kein guter Schachzug von den Machern, denn gerade bei Rutherfords Bemühungen hätte es sich angeboten, dass Tendi T'Lyn weiter in die neue Welt auf der Cerritos einführt und dabei auch ihre Freundschaft mit Rutherford thematisiert. Aber wer weiß, vielleicht haben die Autoren hier keinen guten Weg gesehen, um T'Lyn einzubauen. Schließlich haben Tendi und Rutherford ein besonderes Verhältnis, welches stets kurz davor steht, über eine Freundschaft hinauszugehen.

Für Mariner steht eine neue Außenmission an. Zusammen mit Jack Ransom (Jerry O'Connell) und Fähnrich Gary (Chris Perfetti) soll sie ein paar Menschen aus einer Art Zoo befreien, wie wir ihn nur zu gut aus dem Franchise kennen. Es gibt allerdings vom Leiter der Einrichtung - Narj (Carl Clemons-Hopkins) - keinerlei Widerstand, obwohl die Menschen für seine Ausstellung wohl recht lukrativ und beliebt sind. Mariner hat aber zuvor ein Gespräch zwischen Ransom und Shaxs (Fred Tatasciore) belauscht, bei dem Ransom meinte, dass Mariner nicht länger sein Problem sein wird. Unter der Annahme, dass er sie wieder degradieren möchte, versucht Mariner jetzt, selbst dafür Sorge zu tragen, dass sie ihren frisch gewonnen Rang wieder verliert. Eine schlechte Voraussetzung für die Außenmission, bei der ein knuddeliges Wesen namens „Moopsie“ freikommt, welches allen Kreaturen an Bord die Knochen auslutschen will. Spannung (und volle Hosen für Gary) garantiert.

Zuletzt haben wir noch Boimler, der sein neues Quartier aufsucht, mehrfach umzieht und nie glücklich wird. Ein Running Gag, bei dem er schließlich eine Jeffries Röhre aufsucht, um ein wenig Ruhe zu finden. Aber auch hier wird er unterbrochen, wenn sein Handlungsstrang mit dem von Rutherford vermischt wird.

Rutherfords Dilemma

Es gibt zwei Figuren, die stets durch ihre positive Einstellung hervorstechen und sich von nahezu nichts davon abbringen lassen, selbst in den niedrigsten Aufgaben etwas zu finden, was faszinierend oder begeisternd sein kann. Ich spreche natürlich von Tendi und Rutherford, die wie füreinander gemacht sind und vorerst getrennte Wege gehen müssen, weil Tendi befördert wurde und Rutherford als einziger unseres Vierer-Teams bei den Lower Decks verbleibt. Ungerechtfertigt natürlich, weil sein Einsatz in Twovix ebenfalls beförderungswürdig war, denn ohne ihn wäre die Voyager zum Borgwürfel geflogen und hätte anschließend den gesamten Alpha-Quadranten heimgesucht. Okay, Käse in die Systeme zu spritzen, um sie außer Kraft zu setzen, ist nicht gerade eine Meisterleistung eines Ingenieurs. Allerdings waren Boimler und Rutherford ein Team und haben zusammen den Tag gerettet. Da hätte Rutherford zusammen mit den anderen befördert werden müssen. Aber gut, die Beförderung hat er sich jetzt zum Ziel gesetzt und gibt sich alle Mühe, um Billups zu beeindrucken - ein würdiges Ziel für diese Figur, die bereits mehrfach den Tag retten durfte.

Aber ganz so einfach wird es für Rutherford nicht, dem in dieser Episode eine neue Nemesis in Form von Fähnrich Livik gegenübersteht. Livik ist neu auf der Cerritos (hey, da hätte ich gerne mal eine Einführung erhalten) und sehr gut darin, die Systeme zu verbessern. Teilweise sogar besser als Rutherford, was Billups nicht entgeht. Aber irgendetwas stimmt nicht mit Livik, so viel wird im Folgenverlauf klar. Er wird zu oft von den anderen gefeiert und versprüht eine Präsenz, die nach Bösewicht riecht. Erst recht gegen Ende, wenn an seiner Stelle Rutherford befördert wird. Einen Zusammenhang mit dem mysteriösen Schiff, welches den Klingonen und den Romulanern zu schaffen macht, sehe ich vorerst nicht. Aber was nicht ist, könnte noch passieren. Jedenfalls gibt es meinerseits keinerlei Sympathiepunkte für Livik, auch wenn er möglicherweise nur versucht, seine eigene Karriere in der Sternenflotte voranzubringen.

Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Aber zurück zu Rutherford. Seine Handlung an sich ist ein kleines Highlight, auch wenn sie am Ende gar nicht hätte sein müssen. Der Clou am Ende ist Tendi, die seine Beförderung von Billups einfordert - ein Schritt, den Rutherford selbst nie in Erwägung gezogen hat. Das festigt natürlich die Beziehung zwischen Tendi und Rutherford, wobei er zugibt, dass er stets auf eine Beförderung verzichtet hat, weil er in Tendis Nähe bleiben wollte. Ob es zwischen den beiden noch romantisch wird, ist schon länger eine unbeantwortete Frage, aber mit dieser Folge ist der Weg dafür eigentlich so gut wie gelegt. Denn beide können nicht ohne einander, das wird hier deutlich. Insofern eine schöne Auflösung, die zu Rutherfords Beförderung führt.

Boimler

Boimler hat in dieser Staffel echte Probleme, die oft allein auf ihn zurückzuführen sind. In der letzten Episode war es die Beförderung, die er aufgrund vergangener Ereignisse nicht wollte und jetzt kann er kein Quartier finden, welches ihn ungestört schlafen lässt. Dabei gibt es die Möglichkeit, Lichtverhältnisse anzupassen (wie Rutherford gegen Ende demonstriert). Auf die Idee kommt Boims nicht? Da wird die Figur leider dümmer dargestellt als sie sein sollte. Okay, für uns soll das lustig sein und die Medusa-Brille war eine nette Referenz. Dennoch funktioniert der Running Gag mit den Folter-Quartieren bei mir nur bedingt. Ich hätte auch angenommen, dass die Holo-Decks besser isoliert sind und kein Ton nach außen dringt. Schließlich müsste die Privatsphäre derjenigen, die dort Abenteuer unternehmen, geschützt werden. Gerade bei Shaxs und Dr. T'Ana, deren Robin Hood Programm „nicht wie beabsichtigt“ angegangen wird.

Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Spaß hatte ich natürlich trotzdem mit Boimlers Misere. Die Verbindung zu Rutherfords versuchen, Billups zu beeindrucken, würde ich als gelungen bezeichnen und die Blicke auf den ganzen Krempel, den Boimler mit sich rumschleppt (zahlreiche Referenzen), war seine Reise auch wert. Aber in Bezug auf die Figur Boimler war dieser Plot unterm Strich doch irgendwie enttäuschend. Dafür gefällt mir, dass er am Ende mit Rutherford sein Quartier teilt - Lower Decks halten eben auch nach einer Beförderung zusammen.

Mariner

Ich wusste von Anfang an, wie diese Handlung ausgehen würde. Also, in Bezug auf Mariner und ihr Missverständnis mit Jack (ich nenne ihn jetzt auch so, obwohl ich nicht einmal Fähnrich bin). Nach dem Staffelauftakt war doch klar, dass Jack sie unterstützen würde und nicht nach einem Weg sucht, sie wieder zu degradieren. Sonst hätte er kaum darauf bestanden, dass sie die Beförderung annimmt. Zwischenzeitlich habe ich mir auch große Sorgen gemacht, dass Mariner zurück in ihr altes Verhaltensmuster fällt und tatsächlich degradiert wird. Wäre das der Fall gewesen, hätte diese Figur nichts dazugelernt und wäre zurück auf das Niveau von Staffel eins gefallen.

Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Glücklicherweise erweist sich Ransom aber geduldiger als seine Vorgänger und lässt Mariner einiges durchgehen. Vielleicht sogar zu viel, wenn wir kurz auf die Shuttle-Landung (eher ein Crash) blicken. Ihm droht erst der Kragen zu platzen, als er vermutet, dass Mariner Moopsie freigelassen hat. Das anschließende Gespräch dazu ist auch mein persönliches Highlight dieser Episode. Einmal, weil Jack Mariner glaubt und damit tatsächlichen einen sehr guten Vorgesetzten abgibt. Und zum Zweiten natürlich, weil Mariner ihren Fehler erkennt und nicht weiter einer Degradierung nachjagt. Damit ist sie gewachsen und akzeptiert endlich ihre neue Position. Nach diesem Gespräch ist sie sogar bereit, sich für die anderen zu opfern, denn zu diesem Zeitpunkt ist Moopsie im Kontrollraum eingesperrt und die gesamte Station geht auf Zerstörungsflug.

Menagerie

Der kleine Zoo von Narj ist selbstredend wieder mit Referenzen gespickt und dieser Handlungsstrang an sich ebenfalls eine große Referenz. Dass diese dummen Menschen sich aber auch immer wieder fangen lassen und anschließend gerettet werden müssen... Mariners Kritik an Narj und sein Unternehmen ist natürlich gerechtfertigt und ja, jeder Zoo kann in Frage gestellt werden, weil die Tiere dort eben in Gefangenschaft leben - ganz egal, wie gut sie es vermeintlich haben. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht über pro und contra eines Zoos reden, denn eine solche Diskussion ist schwierig, weil es immer zwei Seiten gibt, die beide ihre Berechtigung haben (Schutz und Versorgung der Tiere auf der einen Seite, Gefangenschaft und räumliche Einschränkungen auf der anderen). Aber es ist wichtig, dass eine solche Diskussion am Laufen bleibt und Star Trek: Lower Decks macht das in dieser Episode mal eben nebenbei.

Witzig ist aber wirklich, dass Narj als pflanzliche Lebensform (mit Knochen?) Schwierigkeiten hat, Menschen von anderen, tierischen Lebensformen zu unterscheiden. Das ist ein Seitenhieb auf Rassismus, wie ihn nur Star Trek: Lower Decks bringen kann. Und ja, das Thema ist natürlich auch wichtig und ein Narj sollte ohnehin seine Einstellung überdenken (wozu er keine Gelegenheit mehr erhält). Jedenfalls konnte ich eher über diesen kleinen Seitenhieb lachen als über das Zoo-Thema, aber allein die Tatsache, dass beides „nebenbei“ thematisiert wird, sehe ich als positiv.

Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Moopsie ist derweil so süß und knuddelig, dass ich schon sehe, wie dieses Ding als Kuscheltier (mit Sprachfunktion) verkauft wird. Auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen und klar, die Tribbles waren ähnlich angelegt, aber weit weniger gefährlich. Knochen austrinken? Ugh, ja, gefährlich. Jacks Idee mit den eigenen Zähnen, die dafür benutzt werden, um Moopsie zurück in die Zelle zu locken, war übrigens großartig und witzig zugleich. Ich frage mich natürlich, weshalb man keinen Transporter benutzen konnte, aber nuja, Schwamm drüber und psst.

Zuletzt haben wir natürlich noch die beiden Menschen, die in der Menagerie gelandet sind und Moopsie freigelassen haben (konnte man übrigens direkt bei der ersten Szene der beiden sehen). Wir wissen zwar nicht, wie die beiden im Zoo gelandet sind, aber wir erfahren ihre Intentionen und die sind nicht gut. Von daher habe ich überhaupt kein Problem damit, dass die beiden erstmal dort verweilen werden, wo sie sind. Soll doch jemand anders die beiden befreien. Ein weiterer Pluspunkt für Jack, der diese Woche echt glänzen darf und bereits beim „Workout“ mit Shaxs (klare Referenz auf Deanna Troi (Marina Sirtis) und Dr. Crusher (Gates McFadden)) überzeugen konnte.

Gibt es neue Lower Decks?

Das ist eine Frage, die ich mir gestellt habe. Denn mit Gary (der trotz Red-Shirt die Folge überlebt) und Livik gibt es doch ein paar Neuzugänge, die in dieser Staffel womöglich noch öfter auftauchen werden. Und irgendjemand muss ja die jetzt leerstehenden Betten füllen, die unsere Figuren verlassen haben. Unsereins ist echt gespannt, ob wir quasi so etwas wie eine Serie innerhalb der Serie kriegen - mit Gary und Livik und vielleicht noch weiteren Figuren.

Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „I Have No Bones Yet I Must Flee“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Fazit

Die zweite Folge zum Staffelauftakt ist fraglos gut, aber nicht so stark wie die erste. Figurentechnisch wird zwar aufgeholt, was die erste Episode nicht gebracht hat und die Lachmuskeln wurden hier ebenfalls strapaziert. Aber unterm Strich gibt es dennoch ein paar fragwürdige Entscheidungen, die teils nicht so recht zu den Figuren passen wollen. Mariner und Ransom sind aber allein in der Lage, eine gute Bewertung einzuholen. Von daher gibt es von meiner Seite vier von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 10. September 2023
Episode
Staffel 4, Episode 2
(Star Trek: Lower Decks 4x02)
Deutscher Titel der Episode
Keine Knochen, aber muss trotzdem fliehen
Titel der Episode im Original
I Have No Bones Yet I Must Flee
Länge der Episode im Original
24 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. September 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 7. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 7. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 7. September 2023

Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x02

Darsteller
Rolle
Tawny Newsome
Jack Quaid
Eugene Cordero
Dawnn Lewis
Gillian Vigman
Jerry O'Connell
Fred Tatasciore

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