Star Trek: Lower Decks 4x04

Star Trek: Lower Decks 4x04

In der Folge „Something Borrowed, Something Green“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ steht Tendis Heimatwelt im Mittelpunkt. Dort soll ihre Schwester D'Erika heiraten, aber die Braut wurde entführt. Rutherford und Boimler haben derweil ihren ersten WG-Streit.

Gabrielle Ruiz; Tawny Newsome und Noel Wells in „Star Trek: Lower Decks“
Gabrielle Ruiz; Tawny Newsome und Noel Wells in „Star Trek: Lower Decks“
© Paramount+

So, what's gonna spill first - your mouth or your guts?“ - D'Vana Tendi (Noel Wells).

Something Borrowed, Something Green

Nachdem uns in den Eröffnungsszenen in Erinnerung gerufen wird, dass das mysteriöse Schiff aus den ersten beiden Episoden noch da draußen ist und seinen Vernichtungskurs beibehält (dieses Mal erwischt es ein Schiff vom Orion), stellt Tendi an Bord der Cerritos fest, dass sie alle ihre Aufgaben erledigt hat. Ein weiterer Vorzug eines Lieutenant Junior Grade kristallisiert sich heraus - mehr Freizeit. Doch während Tendi noch überlegt, wie sie ihre freie Zeit nutzen soll, kommt Captain Freeman (Dawnn Lewis) mit einer Einladung ihres Heimatplaneten daher, denn ihre Schwester D'Erika (Ariel Winter) wird heiraten. Mariner (Tawny Newsome) und T'Lyn (Gabrielle Ruiz) wollen D'Vana begleiten, schließlich haben sie von Orion bislang noch nichts gesehen und sind gespannt auf Tendis Familie, während D'Vana den Trip lieber nicht machen würde.

Entsprechend folgen wir in der Haupthandlung unseren weiblichen Lower Decks und dürfen erstmals Eindrücke von den Orionern und deren Kultur erhalten - wie üblich bei Star Trek: Lower Decks natürlich mit einer Menge Humor gespickt. Obendrein erfahren wir mehr über Tendi, ihre Hintergrundgeschichte und ihren Werdegang, während Mariner einem blutigen Running Gag zum Opfer fällt und T'Lyn stets trocken kommentieren darf, wenn sie die nächste Beobachtung aufzeichnet, die sie dem hohen Rat der Vulkanier zukommen lassen möchte. Die Braut D'Erika wurde übrigens entführt und es gibt Zweifel daran, ob diese Entführung traditioneller Natur ist. Entsprechend suchen D'Vana, Mariner und T'Lyn nach ihr, was uns zu diversen Lokalitäten führt, die im wahrsten Sinne des Wortes „anrüchig“ sind.

Auf der Cerritos wohnen wir derweil Boimler (Jack Quaid) und Rutherford (Eugene Cordero) bei, die mit ihrer gemeinsamen neuen Unterkunft mehr als glücklich sind. Die vierte Staffel wechselt hier ein wenig die Perspektive, denn zuvor waren eher Tendi und Rutherford auf der einen Seite gemeinsam unterwegs, während auf der anderen Seite Boimler und Mariner in diversen Abenteuern ein Team bildeten (abgesehen natürlich von den Abenteuern, die alle vier Figuren gemeinsam betrafen). Aber „Brutherford“ wird auf die Probe gestellt, wenn es um die Versorgung des gemeinsamen Bonsai-Baumes geht. Ein Konflikt trübt die beiden, die vorerst das Holo-Deck aufsuchen, wo sie sich anschließend darüber streiten, wer denn jetzt Mark Twain spielt. Der „Twin Twain“ soll aber schließlich zur Auflösung und Versöhnung führen. Ob diese Methode auch bei Captain Freeman und Captain Coqqor (Eric Bauza) hilft? Fraglich.

Mystery Ship

Fangen wir mit der Eröffnung an. Das mysteriöse Schiff wirft natürlich Fragen auf. Wer steuert das Ding, weshalb ist es vornehmlich auf Zerstörung aus und wann wird es den Weg der Cerritos kreuzen? Offensichtlich ein Staffelthema, welches vermutlich erst in der zweiten Hälfte der Staffel akut wird. Allerdings spricht Captain Freeman diese Woche die Tatsache an, dass ein Schiff der Orioner vermisst wird und gibt Tendi indirekt den Befehl, der Einladung zur Hochzeit zu folgen. Insofern machen sich schon Auswirkungen auf die Föderation bemerkbar, auch wenn aktuell noch nicht klar ist, welche Größe die Bedrohung hat, geschweige denn, welche Mission das mysteriöse Schiff verfolgt.

Mir gefällt aber, dass wir bei diesen kurzen Eindrücken stets mit „Lower Decks“ konfrontiert werden, ehe das Schiff allen den Garaus macht. Erst die Klingonen, dann die Romulaner, jetzt die Orioner. All diesen niedrigen Rängen ist natürlich gemeinsam, dass sie Pläne für die Zukunft schmieden, die nicht gerade gut sind. Die Überwältigung der jeweiligen Captains stand bei den Klingonen und Romulanern im Vordergrund, während die Orioner dem Piratendasein entgegenfiebern. Und doch gibt es diese Woche einen kleinen Unterschied, denn das mysteriöse Schiff hat erst reagiert als es geentert werden sollte. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass sich nicht unbedingt ein Bösewicht an Bord befindet? Andererseits wollten die Klingonen das Schiff links liegen lassen und wurden trotzdem angegriffen. Hmm, abwarten.

Brutherford

Die zweite, leicht größere Handlung dieser Woche hat mir weniger gefallen. Ich mag Boimler und Rutherford fraglos, weshalb mir auch die Eindrücke aus der gemeinsamen WG erstmal zugesagt haben. Aber zur Beilegung des Streits darum, wer jetzt den Bonsai benässen darf, hätte es das Holo-Deck nicht benötigt. Dieser Konflikt wirkte forciert, weil die anschließende Lösung, die beim Mark Twain Abenteuer gefunden wurde, auch direkt hätte stattfinden können oder sogar müssen.

Jack Quaid und Eugene Cordereo in „Star Trek: Lower Decks“
Jack Quaid und Eugene Cordereo in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Okay, ich hatte meinen Spaß daran, die beiden anschließend im Holo-Deck zu sehen - kostümiert und mit Südstaaten-Akzent ausgestattet, wobei beide Mark Twain spielen. Das hatte was (und ja, der O-Ton gibt das wunderbar wieder) und wird mir sicher in Erinnerung bleiben. Aber wie gesagt, das Holo-Deck hätte es dafür nicht benötigt, auch wenn die beiden dabei erkennen, dass ihre Gemeinsamkeiten überwiegen und die Freundschaft schließlich vertieft wird. Außerdem natürlich eine kleine Referenz auf „Time's Arrow, Part II“ aus Star Trek: The Next Generation, wo ein gewisser Samuel Langhorne Clemens (Jerry Hardin) ebenfalls Auftritte hatte.

Freemans Probleme mit Coqqor sind nochmal eine andere Geschichte. Ich muss immer ein wenig Grinsen, wenn die Föderation auf das Scannen fremder Welten (oder in diesem Fall eines oszillierenden Nebels) reduziert wird. Aber an sich werden damit sicher viele Missionen getroffen, das Unbekannte zu entdecken (was auch bei Tendi Teil der Geschichte ist). Jetzt gibt es jedenfalls einen Konflikt mit einem Einwohner von Chalna (was übrigens großartig ist, weil wir von dieser Spezies bislang nicht viel gesehen haben) und Boimler und Rutherford sind echt der Meinung, dass ihr Mark Twain Abenteuer weiterhelfen könnte. Um es mit den Worten von Freeman zu beschreiben: „What the hell made you two think this could work?“ - gute Frage. Andererseits war Coqqor im Twain-Kostüm schon ein amüsantes Highlight der Episode, welches meine Lachmuskeln strapaziert hat und die lächerliche Idee von Brutherford zumindest für den Zuschauer rettet. Aber der arme Bonsai-Baum. Das war mir eine Spur zu fies, um zur Lösung des Konflikts beizutragen.

Girls Trip

Aber die eigentliche Haupthandlung um Tendi, Mariner und T'Lyn stellt alle anderen Handlungsbögen in den Schatten. Da weiß ich auch gar nicht, wo ich genau anfangen soll, weil ich tatsächlich jede einzelne Szene genossen habe. Angefangen mit den Bodyguards, die unsere drei Gäste begrüßen, über D'Vanas Rolle als „Mistress of the Winter Constellations“ und die Stellung ihrer Familie innerhalb des „Syndikats“ bis hin zum erfolgreichen Abschluss des Abenteuers in Form der Hochzeit. Endlich erfahren wir mehr über Tendis Hintergrundgeschichte, erhalten Einblicke in die Piraten-Kultur auf Orion und können dabei oft herzhaft lachen. Für mich ein perfektes Abenteuer.

Denn es gelingt den Machern hier tatsächlich, uns diese merkwürdige Kultur näherzubringen und gleichzeitig unsere Figuren weiterzuentwickeln. Allen voran natürlich Tendi, der es mitunter sehr peinlich ist, ihren Freunden diese andere, vergangene Seite von ihr zu zeigen. Sie versucht fortlaufend, alle Geschehnisse herunterzuspielen. Angefangen mit dem Reichtum ihrer Familie, der zu Beginn sehr deutlich aufgezeigt wird. Wenn unsere drei Damen direkt per Sänfte zum Familienwohnsitz befördert werden, auf den selbst Prinz Billups (Paul Scheer) neidisch werden könnte, dürfte aber jedem klar sein, dass Tendi aus wohlhabenden Verhältnissen kommt. Ebenso erhalten Mariner und T'Lyn Eindrücke der Piratenkultur, in der D'Vana aufgewachsen ist. Eine alte Highschool-Freundin lädt zu einem tödlichen Trinkspiel ein, der „Hump Dungeon“ treibt den Einfluss weiblicher Pheromone auf die Spitze und schließlich erwartet uns noch die Auseinandersetzung zwischen Tendi und D'Erika, in der D'Vanas Rolle innerhalb der Familie zur Diskussion gebracht wird.

Tawny Newsome, Noel Wells und Gabrielle Ruiz in „Star Trek: Lower Decks“
Tawny Newsome, Noel Wells und Gabrielle Ruiz in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Der eigentliche „Witz“ ist aber, dass dieser spaßige Trip nicht allein auf Humor aufgebaut ist. Hintergründig sehen wir beispielsweise die unterschiedlichen Grüntöne bei den Orionern, die nicht angesprochen werden, weil unterschiedliche Hautfarben oder -töne hier eben keine Rolle spielen. Ferner wird die (für uns traditionelle) Rolle der Geschlechter angenehm umgedreht - angefangen mit „Queen“ Shona (Lauren Tom) und (ohne Titel) B'Rt (Nolan North), über die Rolle der Frauen im „Hump Dungeon“ bis hin zur Hochzeit, wo der Bräutigam zum Altar geführt und später von der Braut über die Schwelle „getragen“ wird. Okay, da steckt natürlich auch sehr viel Humor in diesen Szenen und nüchtern betrachtet mag es nicht gerade gut sein, wenn eine Madame G (Kimiko Glenn) ihre Männer derart sklavisch kontrolliert. Aber unterm Strich hat mir dieser Rollentausch der Geschlechter gefallen, da könnten sich selbst ältere Trek-Serien noch eine Scheibe von abschneiden.

Zurück zu unseren Figuren liegt der Fokus auf Tendi, die mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird und stets versucht, sich und diese Gesellschaft gegenüber Mariner und T'Lyn zu erklären oder gar schönzureden. Muss sie aber gar nicht, denn ihre beiden Kameradinnen wissen nur allzu gut über Tendis Persönlichkeit Bescheid und genießen geradezu den Trip ins Piratenleben auf Orion. Beide pflichten D'Vana auch bei, dass sie sich da keine Sorgen machen muss. Der Konflikt mit D'Erika wird ebenfalls auf bravouröse Art und Weise gelöst. Den Kampf hätte es vielleicht nicht gebraucht, aber gerade dadurch kann D'Vana ihre Schwester davon überzeugen, wie gut sie in der Rolle ist, die einst Tendi angedacht war. Während D'Vana am Ende aufzeigen darf, wie nützlich ihre Ausbildung bei Föderation ist als sie das Schiff startklar macht, damit die Braut noch rechtzeitig zur Hochzeit kommt. Natürlich ließ sich von Beginn an antizipieren, dass dieses Abenteuer ein mehrfaches Happy End haben wird. Aber der Weg dorthin mit all den kleinen Ausflügen in diverse Lokalitäten und Bräuche ist das, was zählt. Und der ist wunderbar gelungen.

Aber auch bei Mariner und T'Lyn gibt es Fortschritte zu verzeichnen. Mariners Begeisterung über jede neue Erfahrung „sticht“ sogar mehr hervor als der Running Gag mit dem Messer in der Schulter (schmerzhaft, aber amüsant). Beckett unterstützt Tendi auch, wann immer es geht. Da wirken T'Lyns trockene Beobachtungen, die sie auch gleich für ihren Bericht notiert, ein wenig distanzierter. Aber selbst bei T'Lyn wird deutlich, dass sie auf ihre Art durchaus das Geschehen mit Vergnügen verfolgt und ihre Freundschaft mit Tendi gefördert wird. Schließlich wirft sie ihren Bericht am Ende über Bord und trotz der (natürlich) logischen Erklärung wird uns klar, dass mehr dahintersteckt. Diese drei Damen halten zusammen und geben ein Team ab, welches trotz aller Unterschiede funktioniert, aufeinander achtet und das Beste füreinander will. Großartig.

Erinnerungsfotos machen Boimler neidisch in „Star Trek: Lower Decks“
Erinnerungsfotos machen Boimler neidisch in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Fazit

Something Borrowed, Something Green ist mit Sicherheit ein Highlight der vierten Staffel Star Trek: Lower Decks. Der Ausflug nach Orion dominiert die Handlung und ist perfekt gelungen - charakterlich wie storytechnisch. Die kleinere Handlung auf der Cerritos ist zwar auch nicht schlecht und durchaus sehenswert und lustig, aber hier gibt es doch ein paar Mankos zu verzeichnen. Von mir gibt es diese Woche viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 23. September 2023
Episode
Staffel 4, Episode 4
(Star Trek: Lower Decks 4x04)
Deutscher Titel der Episode
Etwas Geliehenes, etwas Grünes
Titel der Episode im Original
Something Borrowed, Something Green
Länge der Episode im Original
26 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. September 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 21. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 21. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 21. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 21. September 2023

Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x04

Darsteller
Rolle
Tawny Newsome
Jack Quaid
Eugene Cordero
Dawnn Lewis
Gillian Vigman
Jerry O'Connell
Fred Tatasciore

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