
First Blood lautet der Pilotepisodentitel des Tierthrillers Zoo, der trotz Rambo-Assoziation sehr unblutig und zahm ausfällt. James Pattersons gleichnamiger Roman stand Pate für die neue CBS-Serie, deren erste Folge alles andere als wilde Wege einschlägt. Aber eins nach dem anderen:
What's new, pussycat?
In einem Safari-Camp in Botswana lernen wir unseren unglaublich farblosen Protagonisten kennen, an dessen unrasiertes Gesicht ich mich schon jetzt kaum erinnern kann. Es ist James Wolk in der Rolle des Biologen Jackson Oz, über den wir nicht mehr erfahren, als dass sein Vater ein paar verrückte Theorien zum Thema Tiere und deren womöglichen Aufstand hatte. Ständig faselte er etwas über den „defiant pupil“. Welchen Schüler er damit meinte, ist jedoch nicht ganz klar. Warnung: Macht Euch, was das angeht, schon mal auf einen äußerst beknackten Twist am Ende der Episode gefasst.
Faustregel eines jeden Katastrophen- oder Tiere-spielen-verrückt-Films ist natürlich, dass die warnend umherschreienden Wissenschaftler stets Recht behalten, ihnen aber erst viel zu spät Gehör geschenkt wird. So ist schon jetzt ziemlich klar, dass der vermeintlich Verrückte ebenso Recht hat, wie die idealistische Journalistin Jamie Campbell (Kristen Connolly), die heimlich einen Blog betreibt, in welchem sie den Biotech- und Tierfutterkonzern Reiden Global anprangert, etwas mit auffälligem Verhalten von Zoolöwen zu tun zu haben. Zwei von ihnen töteten ihre Wärter und ging daraufhin in Los Angeles auf die Jagd. Als Jamies Zweitarbeit auffliegt, gerät nicht nur ihr Job, sondern auch die heimliche Beziehung zu einem Kollegen ins Wanken. Sich an der Story festbeißend, sucht sie dennoch den Tierforscher Mitch Morgan (Billy Burke) im Zoo von L.A. auf.
.jpg)
Auch in Botswana sind die Löwen äußerst aggressiv und verhalten sich untypisch, wie Oz feststellen muss, als er mit seinem Freund und Kollegen Abraham (Nonso Anozie) das Gelände durchkämmt und einen von Löwen überfallenen Jeep vorfindet. Die einzige Überlebende des Angriffs ist die Touristin Chloe (Nora Arnezeder), die mit ihm die Flucht zurück zum Wagen antritt, nachdem Abraham vermutlich zu Löwenfutter wurde. Eine ungeschickt eingeschobene Charakter-Hintergrundgeschichte heruntergestottert später macht der Wagen schlapp und die zwei beginnen nach längerer Diskussion den Fußmarsch zum nächsten Radio. Kommunikationsgeräte bei sich zu haben würde die Szene schließlich nicht dramatisch genug gestalten.
Es kommt, wie es kommen muss und die zwei werden auf ihrem Spaziergang plötzlich von einem Rudel Löwen umzingelt, die glücklicherweise das Interesse verlieren, nachdem die beiden menschlichen Leckerbissen einen nicht besonders hohen Abhang herunterpurzeln. Vorher hat Oz jedoch seinen Heureka-Moment und bemerkt (jetzt kommt's), dass der Löwe eine seltsam verformte Pupille besitzt. Sein Vater sprach also von keinem aufmüpfigen Schüler, sondern einer auffälligen Pupille (beides im Englischen pupil) und war demnach wohl doch nicht so wahnsinnig, was seine Theorien zum Tieraufstand angeht. Wer hätte das gedacht? In einem Tierthriller namens „Zoo“...
Die Pilotepisode endet mit Oz, der zurück in Sicherheit inhaftiert wird, nachdem er sich mit einem Jäger angelegt hatte, dem investigativen Team, bestehend aus Jamie und Dr. Morgan auf der Spur von verschwundenen Großstadtkatzen und Abraham, der nur noch halb am Leben, aber immerhin am Leben von einem Löwen in einen Baum gezogen wird.
Fazit
Familienbesuche im Streichelzoo sind spannender als Zoo. Zumindest auf den ersten Blick ist hier nichts zu holen. Die Story hält absolut nichts bereit, was wir nicht schon unzählige Male in Katastrophenfilmen gesehen hätten, die Dialoge sind zum Teil zum Brüllen mies und schauspielerisch hat hier niemand seine beste Arbeit abgeliefert. Besonders unangenehm fällt die Los-Angeles-Abteilung aus, in der Kristen Connolly einen nörgelnden Hippie-Abklatsch zum Besten gibt, während Billy Burke als misanthropischer Wissenschaftler lediglich ständig erwähnt, wie sehr er Menschen verachtet, ohne dass er durch seine Handlungen charakterisiert wird. Auch Nonso Anozie, einer der stärksten Darsteller im Cast, fährt hier vollkommen auf Autopilot.
.jpg)
PETA, die Tierschutzorganisation People for the Ethical Treatment of Animals, hatte sich über die CBS-Produktion beschwert, weil echte Tiere bei den Dreharbeiten verwendet wurden, anstatt diese im Computer zu generieren. Sieht man das fertige Produkt, hätte man sich den Ärger auch von Anfang an sparen können. Die Tiere sind doch recht ungeschickt in die Szenen hineingeschnitten (wenn nicht sogar nur ein reaction shot auf eine Tierhandlung folgt), so dass CGI-Löwen gegebenenfalls besser ausgesehen hätten und wir uns nicht auch noch über das Wohlergehen der Tiere sorgen müssten.
Zoo würde allerhöchstens als B-Movie oder Mockbuster funktionieren und selbst die Hoffnung, der Trashfaktor dieser sich viel zu ernst nehmenden Geschichte, sei groß genug, um zumindest Humor aus diesem am Ende sicher gut gemeinten, warnenden Märchen zu ziehen, wird enttäuscht. Die Aussicht darauf, zwölf weitere Episoden durchstehen zu müssen, grenzt an Menschenquälerei.