Young Royals: Kritik zum Start der schwedischen Netflix-Serie

© zenenfoto aus der Serie Young Royals (c) Netflix
Nach Love & Anarchy und „Snabba Cash“ startet mit Young Royals nun die nächste Netflix-Eigenproduktion aus Schweden. Kreiert wurde die Serie von Lisa Ambjörn, Lars Beckung (beide „Sjukt“) und Camilla Holter. International ist das Trio bislang kaum bekannt. Gleiches gilt für die Darstellerriege, die vom Youngster Edvin Ryding angeführt wird. In der Auftaktstaffel erwarten uns nun sechs Episoden, mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 45 Minuten. Wir verraten euch, ob es sich lohnen könnte, eine Blick zu riskieren.
Worum geht's?
Im Zentrum der Geschichte steht der schwedische Prinz Wilhelm (Ryding), der noch zur Schule geht. Da nicht er, sondern sein älterer Bruder Erik (Ivar Forsling) die Krone erben soll, kann Wilhelm in bester Prinz-Harry-Manier ein bisschen ungezügelter leben. Er geht gern feiern, doch handelt sich auch immer wieder Ärger ein. Eines Tages wird es seiner Mutter, Königin Kristina (Pernilla August), schlichtweg zu bunt. Prompt schickt sie ihren ungezogenen Filius aufs Eliteinternat Hillerska, wo ihn Ordnung und Disziplin erwarten.
Standesgemäß reisen Wilhelm und Erik, der ihn freundlicherweise begleitet, mit dem Ferrari zur Akademie. Begrüßt werden sie sogleich von ihrem Cousin August (Malte Gardinger), der in Hillerska zu den Alphatieren zählt. Der oft fast schüchtern erscheinende Wilhelm, der im Rang zwar über August steht, lässt sich ebenfalls von ihm überrumpeln. Widerwillig nimmt Wilhelm sein neues Zuhause langsam an. Interessant wird es, als er zum ersten Mal den schönen Simon (Omar Rudberg) singen hört. Dazu später mehr...
Zunächst lernen wir noch die übrigen Schülerinnen und Schüler von Hillerska kennen. Zum Glück handelt es sich nicht um eine reine Jungenschule, was dann doch sehr überholt erschienen wäre. So ist auch die humorbefreite Felicie (Nikita Uggla) eingeschrieben, die sofort einen Blick auf den Prinzen geworfen hat. Eine Romanze wünscht man den beiden aber nicht, da schnell klar ist, dass es ihr nur um seinen Adelstitel geht. Zumal sie uns als sehr unsympathisch vorgestellt wird, besonders im Gespräch mit ihrer Mutter. Aber es gibt noch weitere Gründe, warum aus ihr und Wilhelm nichts werden kann...

Ab hier beginnt nun der kleine Spoiler-Teil zur ersten Folge von Young Royals. Tatsächlich ist Wilhelm nämlich nicht daran interessiert, eine Prinzessin zu finden, sondern einen Prinzen. Und dafür kommt ihm in erster Linie Simon in den Sinn. Natürlich würde das niemals funktionieren, denn selbst im liberalen Schweden wäre es heutzutage noch skandalös, wenn sich ein Prinz als schwul outen würde. Wie wäre es dann erst, wenn Wilhelm auch noch König sein müsste? Oder folgt er am Ende einem weiteren Vorbild aus dem britischen Königshaus, Harrys Urgroßonkel König Edward VIII., der sich auch einst gegen den Thron und für die Liebe entschied?
Wie ist es?
Eine Sache, die bei der schwedischen Netflix-Serie Young Royals sofort positiv auffällt, ist das Casting echter Teenager. Bei anderen Teeniedramen wie Elite oder 13 Reasons Why werden meist Darsteller Mitte 20 verpflichtet, die dann einfach jugendlich gekleidet werden. Hier jedoch sieht man die unreinen Poren der Figuren und hört die brüchigen Stimmen. Sehr erfrischend irgendwie - und Edvin Ryding passt einfach perfekt in seine Rolle. Auch die Chemie zwischen ihm und Omar Rudberg könnte passen.
Ansonsten ist nicht viel zur Serie zu sagen, denn sie bietet keine echten Überraschungen. Young Royals scheint genau das zu sein, was man aufgrund der Inhaltsangabe erwarten würde. Lisa Ambjörn und ihre Autorenkollegen haben ein ordentliches Drehbuch geschrieben und auch mit Blick auf die Episodenzahl nicht übertrieben. Und obwohl es nur sechs Folgen sind, besteht durchaus die Gefahr, dass die Geschichte bald langweilig wird, was mit besagter Erwartbarkeit von allem zusammenhängt.
Young Royals sollte man also wirklich nur schauen, wenn man zweifelsfrei die Zeit hat. Man wird nichts verpassen, wenn man diese eine Netflix-Serie auslässt, zumal ja jede Woche neue Eigenproduktionen aus aller Welt kommen. Wer auf Coming-of-Age-Dramen steht, wird sicherlich zufrieden sein. Auf der anderen Seite gibt es zig andere Formate dieses Genres, die deutlich sehenswerter wären (aktuell zum Beispiel Generation bei HBO Max, das hoffentlich bald auch nach Deutschland kommt).
Hier abschließend noch der Trailer zur neu angelaufenen Netflix-Serie „Young Royals“: