Wrecked 1x01

Seit November 2014 weht ein frischer Wind durch die Räumlichkeiten der US-Kabelsender TNT und TBS. Dies liegt vor allem an Kevin Reilly, ehemaliger Senderchef bei FOX, NBC oder auch FX, der mit großen Ambitionen seine Zelte bei Turner Broadcasting (der Mutterkonzern von TNT und TBS) aufgeschlagen hat und das Programm nun schon seit mehreren Monaten nach seinen Vorstellungen formt. Dabei sind einige Formate der Schere zum Opfer gefallen, andere wiederum wurden erfolgreich auf den Weg gebracht.
Im Dramabereich heißt es fortan, man wolle etwas gewagter Geschichten erzählen sowie explosivere Themen ins Visier nehmen. Im Comedybereich machen Multi-Camera-Comedys mit Lachkonserven für Single-Camera-Comedys Platz. Ein kleinen Erfolg verbuchte man in diesem Bereich in jüngster Zeit bereits mit dem herrlich schrägen Angie Tribeca, das gerade erst in seine zweite Staffel gestartet ist.
Survival of the fittest
Mit dem Serienneustart Wrecked steht jetzt der nächste Kandidat bereit, der sich anschickt, die Comedy-Sparte bei TBS ein wenig frischer als noch zuvor zu gestalten. Erdacht vom Brüdergespann Jordan und Justin Shipley (ihre erste Serie im Geschäft) dreht sich hierbei alles um eine Gruppe an Überlebenden eines Flugzeugabsturzes, die sich irgendwie auf einer einsamen Insel durchschlagen müssen. Unruhe im Camp, generelle Panik, Nahrungsengpässe und Wassermangel - unsere facettenreiche Truppe an Unglücksraben (wie man es nimmt, immerhin haben sie ja überlebt) muss einiges durchstehen.

Lord of the flies
Aber halt, erinnert uns diese Prämisse nicht an irgendetwas? Natürlich, diese eine kleine Inselserie namens Lost, die einst einen gewaltigen Serienliebhaber-Boom auslöste, Millionen Menschen wöchentlich fesselte (und viele von ihnen letztlich auch enttäuschte) und ihren Platz in der Geschichte des Fernsehens ziemlich sicher hat. Die Gebrüder Shipley hangeln sich in der Tat sehr genau an der Prämisse und Pilotepisode des Mysteryformats, das von 2004 bis 2010 lief, entlang. Die zahlreichen (visuellen) Referenzen, das Augenzwinkern in vielen Situationen und die offensichtlichen Anspielungen auf all die Charaktere, die wir so oder so ähnlich auch in „Lost“ gesehen haben, nur weniger verpeilt - all das dürfte „Lost“-Fans zu keiner Minute entgehen. Aber: Ist es auch witzig?
Hier entscheidet wie so oft im Comedy-Genre der Geschmack des Betrachters. Ich habe mich tatsächlich ein paar Mal beim lauten Lachen erwischt, sei es aufgrund der Tatsache, dass die Shipleys doch gut mit altbekannten Klischees bei der Rollenverteilung in einer derartigen Extremsituation spielen oder aber einfach nur sehr überzeichnet zeigen, wie so ein Fugzeugabsturz und die Konsequenzen daraus für alle Betroffenen letztlich aussehen können. Hier und da baut man dann noch eine lustige Montage ein, sei es zu Beginn oder zum Ende der Pilotepisode, die sich frisch anfühlen und auch in ihrer visuellen Umsetzung etwas hermachen.
Call to action
Wrecked profitiert darüber hinaus natürlich auch davon, dass sich hier eine ganze Reihe an talentierten (Jung-)Comedians die Klinke in die Hand geben. Wer auch nur ein wenig den amerikanischen Comedy-Markt im Blick hat, der wird hier zahlreiche Gesichter wiedererkennen, sei es Eliza Coupe (Happy Endings), der stets famose Rhys Darby (ein besonders großer Pechvogel in dieser Auftaktfolge), Ginger Gonzaga (Togetherness), George Basil (Flaked) oder Will Greenberg (The Grinder). Als vermeintlicher Hauptcharakter gilt jedoch die Figur des eher unbekannten Zach Cregger, flankiert von Brian Sacca, der eventuell zum heimlichen Star der Serie werden könnte.
Der von Cregger (About a Boy) gespielte Flugbegleiter Owen findet sich plötzlich zum Anführer berufen, nachdem ein britischer Strahlemann, Teilzeitheld, Anführer- und Jack (Matthew Fox)-Verschnitt leicht erwartbar einen äußerst schmerzhaften Tod stirbt. Mit dem unbeholfenen, aber engagierten Danny (Sacca) an seiner Seite will er beherzt vorangehen. Es gilt Ruhe zu bewahren, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen und auf Rettung zu hoffen. Erstmal wird jedoch die an Land gespülte Flugzeugbar geleert, über das mögliche Ableben kann sich auch morgen noch genügend Gedanken gemacht werden.
We're dead
Klar, „Wrecked“ schlägt in seiner ersten Folge immer wieder Wege ein, die die Geschichte recht vorhersehbar machen. Auch nicht jeder Gag mag zünden, ein richtiger scene stealer sticht ebenfalls noch nicht hervor. Für diese Rolle kommt hier auf lange Sicht wohl am ehesten Rhys Darby (Flight of the Conchords) oder eben Brian Sacca in Frage. Dennoch kann man seinen Spaß mit den verrückten Dynamiken unter den Gestrandeten haben, die sich in manchen Situationen fast schon menschlicher (schiere Panik) verhalten als ihre heldenhaften Gegenparts aus Lost.

Fight, plunder and kill
Nun stellt man sich zum Ende der Pilotepisode aber auch die Frage, ob das Konzept letztlich Früchte tragen und „Wrecked“ eine nachhaltige Wertigkeit haben wird. Die ganzen Witze auf Kosten des parodierten „Lost“ könnten früher oder später etwas ermüdend und ausgelutscht sein. Am Ende bleibt dann vielleicht nur eine halbgare Sketchshow mit Tropenfeeling, die einem nicht besonders viel geben kann. Andererseits ist die Prämisse einer gestrandeten Truppe nach einer Katastrophe sehr geläufig und kann auf die verschiedensten Arten und Weisen „ausgeschlachtet“ werden.
Den beiden Autoren stehen zumindest sämtliche Türen offen; bleibt abzuwarten, was sie daraus machen. Nach dem soliden Auftakt sollte man Wrecked sicherlich eine weitere Chance geben und schauen, in welche Richtung sich das Format entwickelt. Die Figuren sind recht charmant, die Pointen ordentlich und der Cast vielversprechend. Hochintelligente Comedy sollte man keinesfalls erwarten, die neue TBS-Serie könnte dennoch manch einen ein wenig überraschen.
Trailer zur TBS-Comedy „Wrecked“:
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 16. Juni 2016Wrecked 1x01 Trailer
(Wrecked 1x01)
Schauspieler in der Episode Wrecked 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?