Working the Engels 1x01

Working the Engels 1x01

Eine chaotische Familie rückt im Comedypiloten Working the Engels enger zusammen, um einen vom verstorbenen Vater hinterlassenen Schuldenberg abzuarbeiten. Oder vielleicht auch, weil sie gerade nichts Besseres zu tun haben.

Haben jetzt eine Anwaltskanzlei: Die Engels in „Working the Engels“ - Sandy (Azura Skye), Jimmy (Benjamin Arthur), Jenna (Kacey Rohl) und Mutter Ciel / (c) Global
Haben jetzt eine Anwaltskanzlei: Die Engels in „Working the Engels“ - Sandy (Azura Skye), Jimmy (Benjamin Arthur), Jenna (Kacey Rohl) und Mutter Ciel / (c) Global

Die Engels sind eine chaotische, dysfunktionale Familie - und bis auf Tochter Jenna (Kacey Rohl) alles andere als Engel. Zusammen mit ihrer frisch verwitweten Mutter Ceil (Andrea Martin) steht Jenna im Zentrum der Serie. Während Ceil die erste ist, die nach dem Tod ihres Mannes die schlechte Nachricht erfährt, dass er seiner Familie 200.000 kanadische Dollar als Verbindlichkeiten hinterlassen hat, ist Jenna diejenige, die es auf sich nimmt, das Problem zu lösen.

Ceil reagiert jedoch zunächst in der für sie wohl typischen heldenhaft-melodramatischen Weise: Sie begibt sich auf das Dach ihres Hauses, um mit einem beherzten Sprung die finaziellen Familiensorgen zu beenden. Ebenso typisch für sie ist, was dann folgt: Sie überlegt es sich zwischenzeitlich anders, fällt dann aber doch noch vom Dach. Womit wir bei der dritten „Typisch Ciel!“-Situation wären: Sie hatte sich zum Sprung ihr eigenes Wohnhaus ausgesucht, das aber zu flach ist, als dass ein Sturz ernsthafte gesundheitliche Folgen haben könnte.

Daneben lernen wir die erwachsenen Kinder der Engel-Familie kennen. Sandy (Azura Skye) ist stets auf der Suche nach sich selbst. Verschiedene Karriereanläufe und mehrere Kultmitgliedschaften hat sie bereits hinter sich, derzeit ist sie auf die Bibel als Hörbuch fixiert, während sie ihrer alten Leidenschaft für Pillen noch nicht ganz abgeschworen hat.

Sohn Jimmy (Benjamin Arthur) ist ein Vollblutkleinkrimineller, dessen größte Tat es vermutlich war, seinen eigenen Eltern mehrere tausend Dollar ihres Ersparten zu klauen. Wie üblich haben die ihm aber vergeben. Jimmy ist nicht sonderlich helle, dafür aber hübsch anzusehen.

Jenna schließlich war augenscheinlich stets das Mauerblümchen der Familie. Übersehen und nicht gut behandelt zu werden sind ihr mittlerweile so ins Blut übergegangen, dass sie sich auch von ihrer exhibitionistisch veranlagten Mitbewohnerin tyrannisieren lässt. Auch im Job in einer Anwaltskanzlei lässt sie jede beiläufige Schikane ihrer Vorgesetzten über sich ergehen, weil sie es sich gar nicht anders vorstellen kann. Immerhin: Auch ihr gleichgestellter Kollege kennt nur die Hoffnung, durch Unterwürfigkeit dereinst vielleicht befördert zu werden und dann frei zu sein.

Die Handlung des Serienauftakts ist schnell rekapituliert: Nach dem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch von Mutter Ciel treffen die Kinder an ihrem Krankenbett aufeinander. Die folgende Bestandsaufnahme im Büro des verstorbenen Vaters lässt in Jenna die Idee wachsen, dessen Geschäfte fortzuführen. Die nächsten Erlebnisse der Junganwältin mit ihrer bisherigen Kanzlei bringen sie zu dem Entschluss, zu kündigen und damit die Flucht nach vorne anzutreten.

Es bleibt Mutter Ciel überlassen, anschließend Jennas Träume wieder im Keim zu ersticken: Sie erklärt sich selbst zur Rechtsanwaltsgehilfin, Tochter Sandy zur Empfangsdame und bestärkt Sohn Jimmy in seinem plötzlichen Wunsch, der Familie als Ermittler für die Kanzlei beizustehen.

Fazit

Der Eindruck, den der Serienpilot von Working the Engels hinterlässt, bleibt durchwachsen. Positiv ist die komödiantische Leistung von Andrea Martin als zur Tollpatschigkeit und Melodramatik neigenden Matriarchin, ebenso wie die Funktion des sonstigen Krimidaueropfers Kacey Rohl als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Stets übersehen und für selbstverständlich gehalten, aber trotzdem voll Optimismus und nicht unterzukriegen.

Ob man den vor allem im Umfeld von Ciel eingebrachten physischen Humor mag, ist wie immer Geschmackssache. Eine weitere, nicht allgemein beantwortbare Frage ist für den vor allem US-Ware gewöhnten Serienjunkie sicherlich der etwas andere, „kanadische“ Humor. Einerseits ist er verbal etwas „sauberer“ als in den USA, andererseits in diesem Serienpiloten mit der exhibitionistischen (wenn auch für den Zuschauer stets entsprechend abgedeckten) Mitbewohnerin optisch freizügiger als in US-Networkserien. Mancher findet das urkomisch, der andere kann damit eher weniger anfangen.

Eher für die Kalauer zuständig sind die beiden anderen Geschwister - sie bleiben jedoch leider eindimensional. Zudem werden leider häufiger Sequenzen weit über das Ende ihrer Unterhaltsamkeit ausgedehnt. Dazu gehören manche der physischen Sequenzen, die gesamte Anfangsszene mit der beidhändig aus zwei Gläsern und einer Flasche Whisky saufenden Ciel, aber auch der herabwürdigende Umgang von Jennas offensichtlich unfähiger Chefin mit ihren Untergebenen.

Wer im Herzen ein gestresster Normalo ist wie die Identifikationsfigur Jenna, sich aber über die Skurrilität von Serienfiguren amüsieren kann, sollte durchaus mal einen Blick in Working the Engels werfen. Wer einerseits auf Absurdität gebürsteten Comedyserien nichts abgewinnen oder andererseits eher leisen Humor oder die üblichen Sitcomwitze mag, sollte die Finger von der Serie lassen.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Freitag, 14. März 2014
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Working the Engels 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 12. März 2014 (Global Television Network)
Regisseur
Mel Damski

Schauspieler in der Episode Working the Engels 1x01

Darsteller
Rolle
Andrea Martin
Kacey Rohl
Benjamin Arthur

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