Work It 1x01

Work It 1x01

Der Serienpilot von Work it schafft es, einen Rekord zu brechen. Bereits wenige Tage nach Jahresbeginn kann man sagen, dass das Lowlight des Serienjahres erreicht wurde. Denn schlechter als das, was ABC hier abgeliefert hat, geht es eigentlich kaum. Ein Review.

Der Cast von „Work it“ / (c) ABC
Der Cast von „Work it“ / (c) ABC

Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Die neue ABC-Multi-Kamera-Sitcom Work It ist wahrscheinlich die schlechteste, unwitzigste und hanebüchenste Sendung, die sich Comedy schimpft, soweit die jüngere Zeitrechnung zurückreicht. Es ist ein Kunststück, dass der Serienpilot es sogar schafft, den Film „White Chicks“ mit Marlon und Shawn Wayans, der eine ähnliche Prämisse geboten hatte, qualitativ sogar noch zu unterbieten. Was auch immer die Serienschöpfer gegen den ABC-Präsidenten in der Hinterhand gehabt haben, muss verdammt belastend gewesen sein, um diese unzeitgemäße und völlig überflüssige Serie auf den Sender zu hieven.

Inhaltsangabe Work it (1x01)

Wer nicht weiß, worum es geht, hier eine Zusammenfassung: Die globale Wirtschaftskrise macht vor den Protagonisten in „Work it“ nicht halt. Trotz - wie man uns als Zuschauern weismachen will - unzähliger Bewerbungsgespräche, schafft es Lee Standish (Benjamin Koldyke, Don in How I Met Your Mother), nicht, beruflich Fuß zu fassen. Die Mittelklasse-Familie scheint mit ihrem Latein am Ende zu sein: Die Arbeitslosenhilfe läuft nur noch eine Woche, der Handyvertrag der Tochter Kat (Hannah Sullivan) muss gekündigt werden, um Geld zu sparen und Lee versucht, die Situation durch Galgenhumor aufzulockern, indem er Zucker, Ketchup und Ähnliches von Bewerbungsgesprächen mitgehen lässt. Denn allein kann seine ebenfalls berufstätige Frau Connie (Beth Lacke) den Lebensstandard der Familie nicht aufrechterhalten. Dennoch: Geld fürs Saufen scheint reichlich vorhanden zu sein.

Ausgerechnet bei einer Prostata-Untersuchung erfährt Lee, dass in einer Pharmafirma noch freie Stellen zu vergeben sind. Der Haken: Nur Frauen haben eine Chance auf eine Anstellung. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Krankenversicherung just an diesem Tag ausläuft und er die horrenden Kosten nun selbst tragen muss. Zuhause angekommen, fasst er die schwere Entscheidung, die Ohrringe seiner Frau zu verkaufen. Doch nicht so schnell. Zufällig hängt ein Kleid an einem Spiegel, das Lee auf die Idee bringt, in Frauenkleidern bei der Firma vorstellig zu werden. So weit, so abstrus.

It just doesn't work

Work It versagt auf ganzer Ebene. Keiner der sogenannten Witze, die flacher sind als Papier, funktioniert auch nur ansatzweise. Vielmehr sehnt man sich nach jedem forcierten Lachen des „Studiopublikums“ dem Ende der Episode entgegen. Die Figuren, die im Serienpiloten präsentiert werden, fallen in die Kategorie „blind“, „simpel“ oder „schwer von Begriff“. Anders lässt sich nicht erklären, warum sie sich beim Auftauchen der Pseudo-Drag-Version von Lee so benehmen, wie sie es tun. Den blassen Frauenfiguren der neuen Arbeitswelt von Lee wird nahezu jegliche Intelligenz verweigert, einzig Rebecca Mader (Lost) darf ein paar Ecken und Kanten zeigen. Doch der Rest wird im Serienpiloten leider auf lächelnde Witzfiguren reduziert, die diese Farce wohlwollend mitmachen. Auf dem ersten Blick wirkt es noch so, als wäre zumindest die Ehefrau Connie ein minimaler Sympathieträger, aber wenn man mal genau hinschaut - und ihr mehr als erzwungenes Lächeln betrachtet - wirkt es so, als fühle auch sie sich komplett fehl am Platz. Von der obligatorischen Tochterfigur, die im weiteren Verlauf der Serie mit Sicherheit die Klischeerolle des materialistischen Teens einnimmt, ganz zu schweigen.

Zu schlecht, um wahr zu sein

In der Welt, die Work It dem Zuschauer weismachen will, reicht es nämlich, sich als ausgewachsener Mann in ein schlechtsitzendes Kleid zu pressen, die Stimme kaum bis wenig zu verstellen und seine Hausaufgaben bezüglich des Verkaufsprodukts zu machen, um eine Stelle zu bekommen. Natürlich macht man sich diese Mühe, um dann dann weder die Familie noch die engsten Freunde in diesen abstrusen Plan einzuweihen. Doch halt! So einfach läuft das natürlich nicht. Weil Lee und sein bester Kumpel Angel (Amaury Nolasco) einen Pakt geschlossen haben, der besagt, dass der eine dem anderen hilft, sobald er Arbeit findet, weiht er ihn kurzerhand ein. Und versucht sich nun selbst als Mrs. Doubtfire. Wenn sich Nolasco da mal nicht zu seiner alten Serie Prison Break zurückwünscht...

Der Serienpilot entwirft dabei das Szenario, dass es offensichtlich unproblematischer ist, sich als Fake-Drag-Queen in einer Pharmafirma zu versuchen, als in einem Fast-Food-Restaurant zu arbeiten. Doch nicht nur das. Die neue ABC-„Comedy“ schafft es also, sowohl Frauen in einem mehr als schlechten Licht darzustellen als auch sämtliche in einem Fast-Food-Restaurant beschäftigte Arbeitnehmer. Darüber hinaus auch echte Personen, die sich für einen Transgender-Lebensstil entscheiden „36581“, sämtliche Arbeitslose, die unter den Folgen der Wirtschaftskrise leiden und eigentlich auch jeden Zuschauer, der nicht völlig schmerzfrei ist. Alle dürften sich auf den Schlips getreten oder gar beleidigt fühlen.

Was ein wenig verwundert, ist die Tatsache, dass Work It beim Sender ABC gelandet ist, der außer Last Man Standing mit Tim Allen keine Multi-Kamera-Sitcom im Programm hat. Schaut man sich die Debütquoten von „Work it“ an, liegt der Verdacht nahe, dass der Serie keine rosige Zukunft bevorsteht. Denn der Start war schwächer als bei der bedauerlicherweise bereits abgesetzten Serie Man Up, deren Ersatz nun das unsägliche „Work it“ ist „36886“. Umso schlimmer ist es, dass die Sendung damit dennoch bessere Quoten einfährt als Perlen wie Community bei der Konkurrenz von NBC. Immerhin hat man bei ABC mit „Apartment 23“ und Cougar Town noch zwei Alternativen in der Hinterhand, die hoffentlich bald ihre Chance erhalten.

Fazit

Die früheren Friends-Produzenten Andrew Reich und Ted Cohen konnten Work It wohl aufgrund einer verlorenen Wette bei ABC unterbringen - anders kann man sich diesen unsäglichen Unsinn, der hier als Comedy verkauft wird, nicht erklären. Bislang sind 13 Episoden bestellt worden, von denen aber wahrscheinlich ein Großteil nie über den Bildschirm flimmern wird. Dafür kann man sich eventuell auf eine baldige Rückkehr von Cougar Town freuen.

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 6. Januar 2012

Work It 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Work It 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 3. Januar 2012 (ABC)
Autoren
Thom Filicia, Carson Kressley
Regisseur
Beth McCarthy-Miller

Schauspieler in der Episode Work It 1x01

Darsteller
Rolle
Benjamin Koldyke
Lee
Amaury Nolasco
John Caparulo
Kirstin Eggers
Beth Lacke
Rebecca Mader
Hannah Sullivan
Kat
Kate Reinders

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