Silo 1x01

Silo 1x01

Mit „Silo“ schickt Apple+ eine dystopische Science-Fiction-Serie ins Rennen, die nicht nur über einen hohen Produktionsstandard verfügt. Vielmehr erzählt sie auch eine ebenso spannende wie tiefgründige Geschichte über Menschen in Isolation, die von den Mächtigen durch Manipulation gefügig gemacht werden. Im Review lest Ihr, was uns an der Pilotfolge besonders gefallen hat.

Poster zur Serie „Silo“
Poster zur Serie „Silo“
© Apple TV+

Das passiert

Irgendwann in der Zukunft: 10000 Menschen leben seit Generationen in einem 144 Stockwerke tief in die Erde getriebenen Silo, weil die Erde infolge einer Katastrophe verseucht ist. Die Bewohner sind harten Regeln unterworfen, so ist die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und ein Kind bekommen darf nur, wer in einer Lotterie gewinnt. Sheriff Holston (David Oyelowo, The Girl Before) und seine Frau, die IT-Spezialistin Allison (Rashida Jones, Angie Tribeca), gehören zu den Auserkorenen. Sie freuen sich auf das Familienglück, doch schon bald wird ihr Glaube an die Elite des Silos und an ihr gesamtes Leben unter der Erde auf eine harte Probe gestellt.

Ausgerechnet am „Freedom Day“, dem 140. Jahrestag der Niederschlagung einer Freiheitsbewegung, lernt Allison George kennen, der unter einem Teppich eine alte, rostige Festplatte gefunden hat. Gemeinsam gelingt es den beiden Spezialisten, den Datenträger zu entschlüsseln - und damit öffnen sie die Büchse der Pandora, denn sie stoßen auf Daten, die es gar nicht geben dürfte.

Fallout lässt grüßen

Nachdem Apple TV+ mit Hello Tomorrow erst kürzlich eine Serie ins Portfolio aufgenommen hatte, die visuell wie ein Prequel zur beliebten „Fallout“-Spielreihe anmutete, wagt sich der Streamingdienst jetzt mit Silo an die Adaption der Dystopie-Trilogie „Silo“, „Level“ und „Exit“ von Hugh Howey heran. Optisch lehnen sich Serienerfinder Graham Yost (The Americans) und sein Autorenteam dabei erneut an die beliebten Games an, ohne jedoch auf den altbekannten 50er-Jahre-Look zu setzen. Dennoch ist Retrofuturismus pur angesagt. So gleichen die Computer des Silos etwa klobigen Kästen mit dicken Kabelgewirren. Man starrt auf grün schimmernde Monitore und schwammige, verwaschene Kamerabilder. Dicke Stahltüren lassen sich nur manuell öffnen und es gibt weder Internet noch überhaupt Telefone. Alles im Silo ist alt und auf Pragmatismus sowie lange Haltbarkeit ausgelegt.

Ähnliches gilt für die Kleidung und Alltagsgeräte der Menschen. Unterhaltungsmedien, schicke Anzüge, Fahrzeuge: all dies existiert in dem 144 Stockwerke tiefen Silo nicht, in dem 10000 Menschen autark leben. Insgesamt ergibt sich so eine gelungene und glaubwürdige Mixtur aus der genannten Spielereihe von Bethesda und modernen Produktionen wie Snowpiercer, was sich herrlich glaubwürdig anfühlt.

Geschichte mit Hintergrund

Szenenfoto aus der Serie „Silo“
Szenenfoto aus der Serie „Silo“ - © Apple TV+

Das Silo ist im Grunde genommen ein riesiger Zylinder, der vor Generationen von unbekannten Erbauern, in der Serie „Gründer“ genannt, in die Erde versenkt wurde, um die letzten Überlebenden einer globalen Katastrophe in Sicherheit zu bringen. Damit kommen wir zum großen Mysterium der ersten Season, denn das Ob und Weshalb bleibt genauso im Dunkeln, wie einige Fragen, die sich im Verlauf der Pilotfolge anschließen. Zunächst erfahren wir jedoch einiges über das Leben unter der Erde, das sich alles andere als einfach gestaltet.

Die Elite des Silos führt ein hartes Regime. Erscheint das Thema Geburtenkontrolle aufgrund der begrenzten Ressourcen noch nachvollziehbar, gibt es andererseits Gesetze, die die aufmerksame Zuschauerschaft ins Grübeln bringt. Nach und nach kommt zum Vorschein, dass die Menschen nicht nur physisch, sondern auch psychisch und intellektuell eingesperrt sind. Wer zu viele Fragen stellt, gilt als aufsässig und wer sich nicht an die Regeln hält, wird bestraft oder muss die Gemeinschaft verlassen.

Was mit denjenigen geschieht, die aufbegehren, zeigt die Serie eindrücklich anhand eines Feiertages, der mit folgenden Worten eingeleitet wird: „Sechs Sekunden und sechs Minuten nach sechs Uhr, vor 140 Jahren. Das ist der Moment, an dem wir unsere Freiheit zurückgewannen.“ Gefeiert wird an diesem Tag der Freedom Day, der sich aber als brutale Säuberungsaktion an eine Gruppe von Menschen herausstellt, die nach Freiheit und Unabhängigkeit strebte. In der Folge wurden alle Bücher und Datenträger vernichtet, die einen Blick auf die Wahrheit über das Silo ermöglicht hätten. Die Aufsässigen waren schnell als Täter denunziert und der Weg zur vollkommenen Kontrolle frei.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass die die Uhrzeit, die das Ende des Aufstandes markiert, ausgerechnet die biblische Zahl 666 ergibt, die für das Böse auf Erden steht. Tatsächlich könnte man die „Gründer“, die im Laufe der Jahrhunderte zu „Vollstreckern“ wurden, als das ultimativ Böse betrachten. Augenscheinlich geht es im Silo nämlich um Macht, Manipulation durch Angst, absolute Kontrolle und den unbedingten Willen, zu herrschen.

Die Suche nach der Wahrheit

Dieser Themenkomplex ist geschickt in die Story eingebaut, die damit beginnt, dass sich die Hauptfigur Sheriff Holsten in eines seiner Gefängnisse einschließt, um seinem Deputy (toll gespielt von Will Patton, Yellowstone) die für die Serie wichtigen Worte „I want to go out!“ zuzurufen. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir natürlich bereits, wo Holston lebt, nicht aber, was ihn zu diesem Wendepunkt in seinem Leben führte. Eine Rückblende, die sich fast über die gesamte Episode zieht, klärt uns auf.

So erleben wir beispielsweise mit, dass Holston und seine Frau Allison zu den Auserwählten gehören, die ein Kind zeugen dürfen. Kurze Zeit später findet sie aber heraus, dass der Arzt das allen Frauen implantierte Verhütungsgerät gar nicht entfernt hat. Das ungute Gefühl, dass die Schwangerschaft von den Mächtigen nicht erwünscht ist, ist allgegenwärtig und wird im Verlauf der ersten 60 Minuten weiter forciert. Doch nicht nur das. Eines Tages ruft der IT-Fachmann George, der eine alte Festplatte unter einem Teppich entdeckt hat, Allison zu Hilfe.

Als sie die Seriennummer AT501334 auf der Rückseite entdeckt und dank ihr an die Daten gelangt, stellt sich heraus, dass es sich um ein über 140 Jahre altes „Relikt“ handelt, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Verwirrt und verängstigt flieht sie, um ihren Schwangerschaftswunsch nicht zu gefährden, doch die Büchse der Pandora ist geöffnet. Nach und nach stoßen wir so mit der Protagonistin auf bedeutende Geheimnisse, die es zu enträtseln gilt.

Einige Tage später sitzen George und Allison erneut zusammen und entdeckten eine Datei, die auf den 13. September des 97. Silo-Jahres datiert ist. Sie öffnen sie und erleben eine Überraschung. Es handelt sich um ein Video, dass eine blühende, Erdoberfläche zeigt. Diese Tatsache enthüllen die Serienmacher nicht etwa mit viel Tamtam, sondern lassen uns einen Blick auf Juliettes (Rebecca Ferguson) spiegelnde Brillengläser werden, in denen wir einen grünen Baum und Vögel sehen, die den klaren, blauen Himmel entlangziehen. Die Einstellung intensiviert die schockierende Enthüllung auf spannende Weise, da uns das große Ganze trotz allem weiterhin vorenthalten bleibt.

Verbotene Worte

Szenenfoto aus der Serie „Silo“
Szenenfoto aus der Serie „Silo“ - © Apple TV+

Allisons Erkenntnisse haben Konsequenzen, denn sie erwacht wie aus einem langen Traum. War sie immer schon eine kritische Person, die der Welt im Silo mit einer gewissen Skepsis gegenüberstand, ist sie nun sicher, dass die Menschen belogen werden. Es kommt, wie es kommen muss: Sie spricht die verbotenen Worte: „I want to got out.“, woraufhin Deputy Marnes (Will Patton, Yellowstone) keine andere Wahl bleibt, als sie zu verhaften. Die Äußerung des Wunsches, das Silo zu verlassen, zieht unweigerlich die Verbannung nach sich, die kurz darauf mit einem archaisch anmutenden Ritual vollzogen wird.

Nur mit einer Art Strahlenschutzanzug ausgerüstet, verlässt Allison den Bunker und „cleant“ (in der Serie werden die Verbannten als „Cleaner“ bezeichnet) die Bildschirme, die auf die Ödnis gerichtet sind. Unter dem Helm ist ihr Gesicht zu erkennen. Nur eine Minute später bricht sie tot zusammen, der Beweis dafür, dass sie sich geirrt hat, oder eine geschickte, computergesteuerte Brot-und-Spiele-Manipulation für die tumben Massen? Doch wenn nicht, was hat es dann mit der Datei auf sich? Und warum gibt es keine Aufzeichnungen? Fragen über Fragen, die auf eine spannende Season hoffen lassen.

Fazit

Die Pilotfolge von Silo ist durch und durch stark. Das Storytelling ist vollgepackt mit Wendepunkten, jagt das Publikum aber nicht von einem Plotpoint zu nächsten. Das Produktions-Design ist klasse, die Spezialeffekte gelungen und die Requisiten sowie die Kostüme machen die Illusion von der Dystopie perfekt. So funktioniert immersives Worldbuilding, eingebettet in eine stark erzählte, Fragen aufwerfende Geschichte, die sich zudem interessanten psychosozialen und psychologischen Themen stellt. Ein gut gewählter, nicht gewaltsam verjüngter Cast mit Stars wie Will Patton und Rebecca Furguson, die am Ende der Pilotfolge klug ins Rennen geworfen wird, komplettieren den sehr guten Ersteindruck.

Viereinhalb von fünf Schutzanzügen.

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur nun gestarteten Serie „Silo“:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 5. Mai 2023

Silo 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Silo 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Freiheitstag
Titel der Episode im Original
Freedom Day
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 5. Mai 2023 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 5. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 5. Mai 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 5. Mai 2023
Autoren
Hugh Howey, Graham Yost, Jeffery Wang
Regisseur
Morten Tyldum

Schauspieler in der Episode Silo 1x01

Darsteller
Rolle
Common
Tim Robbins
Sophie Thompson
Billy Postlethwaite
Remmie Milner
Georgia Goodman

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