Women in Blue: Diese Frauen sind der Hammer! - Review zur ersten Episode der Krimiserie bei Apple TV+

© Apple TV+
Das passiert in der ersten Episode der Serie „Women in Blue“
Mexiko-Stadt, 1971: Während ein brutaler Serienkiller in Women in Blue sein Unwesen treibt, gründet der neue Polizeichef Escobedo (Christian Tappan, Die Entführung des Fluges 601 die erste weibliche Polizeieinheit Mexikos. Aus den unterschiedlichsten Motiven schließen sich auch Marìa (Bárbara Mori, Valentina (Natalia Téllez) und Chela (Azalia Ortiz) den 13 Auserwählten an.
Während ihrer Ausbildung kämpfen die Frauen gegen verkrustete Strukturen, Männer, die ihnen den Erfolg nicht gönnen und eine Gesellschaft, die ihnen ein Leben jenseits von Familie und Herd nicht zutraut. Dank des gerade eben wieder in den Dienst zurückgekehrten Capitan Alejandro de la Torre (Leonardo Sbaraglia) schaffen sie den herausfordernden Lehrgang und alle Kadettinnen werden in den aktiven Dienst übernommen. Was sie nicht wissen ist, dass die neue Einheit lediglich als Marketinggag dient, um von den schrecklichen Taten des Mörders abzulenken. Als Marìa davon erfährt, setzt sie alles daran, den Täter mithilfe ihrer Kameradinnen zu fassen...
Hier schon mal der Trailer zur Serie „Women in Blue“:
Frauen in Uniform
„Women in Blue“ ist eine dieser Serien, die man innerhalb weniger Minuten ins Herz schließt, weil sie Spannung, dramatische Elemente, Humor und Charme vereint und schon in der ersten Folge richtig gut zu unterhalten weiß. Bereits in der ersten Szene macht das Autoren-Team Pablo Aramendi, Silvia Jiménez und Fernando Rovzar deutlich, dass wir es keineswegs mit leichter Kost zu tun bekommen, auch wenn die Geschichte teilweise locker flockig daherzukommen scheint.
Davon ist indes in den ersten Minuten noch nicht viel zu spüren. Stattdessen erleben wir mit, wie eine junge Frau verliebt dreinblickend in ein Auto steigt und einige Stunden später ermordet in einem Hotelzimmer entdeckt wird. Aus dem Off vernehmen wir einen Nachrichtensprecher, der die aufmerksam Zuhörenden darauf aufmerksam macht, dass wir es mit einem brutalen Serienkiller zu tun haben, der seine Opfer nach der Ermordung entkleidet und gefesselt an einem leicht zugänglichen Ort zurücklässt.
Die Pressemitteilungen über den Mörder, die die Polizei als korrupt und machtlos darstellen, reißen nicht ab, weshalb der neue Polizeichef nur ein Mittel sieht, der Lage Herr zu werden. Ein intelligenter Marketingschachzug für den amtierenden Präsidenten soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen und von den grausamen Straftaten ablenken. Da kommt die inzwischen auch in Mexiko angekommene Frauenrechtsbewegung gerade recht. So entsteht eine simple, aber effektive Idee:
Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes sollen Frauen zum Dienst in der blauen Uniform zugelassen werden, ein Schachzug, der nicht überall auf Gegenliebe stößt, wie sich schnell zeigt.
Frauenpower
Mexiko ist in den frühen 70er Jahren nämlich eine zutiefst patriarchalisch strukturierte Kultur, die Frauen kaum Luft zum Atmen, geschweige denn zur persönlichen Entfaltung lässt. Männer verdienen das Geld und bestimmen wie selbstverständlich über den Alltag ihrer Lebenspartnerinnen, der von Unterdrückung und Ergebenheit dominiert wird.
Verbietet der Patriarch der Familie beispielsweise seiner Tochter, einen bestimmten Beruf auszuüben, hat diese sich zu fügen. Geht der Ehegatte fremd, trägt die Frau die Schuld daran und so weiter. „Women in Blue“ nimmt in solchen Szenen gesellschaftspolitisch erfreulicherweise kein Blatt vor den Mund und legt den Finger in Wunden, die bis heute weder geheilt noch auch nur notdürftig verbunden sind.
Es verwundert daher nicht, dass die Frauen, die sich zum Polizeidienst verpflichten, besonders hart unter dem genannten Gesellschaftsbild leiden. Valentina ist eine Frauenrechtlerin, die immer wieder für ihre Überzeugungen verhaftet wird und als Polizistin die Mauern der männlichen Arroganz einreißen will.
Maria wird von ihrem Mann betrogen und versucht zunächst als Kadettin, ihre Ehe zu retten. Im Verlauf der Episode erkennt sie aber, wie wichtig ihr die Graduierung zur Polizeibeamtin ist. Chela entstammt einer Polizeifamilie und ist ihren Brüdern in jeder Hinsicht ebenbürtig, wofür ihr Vater sie mit Verachtung straft. So hat jede Protagonistin ihre ganz eigenen Motive, um das harte Training von Capitan de la Torre zu durchlaufen.
Ein cooler Typ
Doch das schaffen die taffen Frauen nicht ganz allein. Zu ihrem Glück hat der neue Polizeichef nämlich ausgerechnet Alejandro rekrutiert, einen altgedienten, mehrfach ausgezeichneten Cop, der aber ein massives Autoritätsproblem hat. Er nimmt die Herausforderung, Frauen zu gestandenen Polizistinnen zu machen, als einziger an und leistet hier hervorragende Arbeit. Die sich anschließende Ausbildung lockert den Plot um den Serienmörder mit einigen stilvollen, humorvollen Einlagen und charmanten Ideen enorm auf.
Alejandro erweist sich dabei zwar als harter, aber fairer Knochen, der für seine Schülerinnen nur das Beste will und alles dafür tut, dass sie die
Abschlussprüfung schaffen. Voller Respekt registriert er, dass sie alle Aufgaben mit Biss und einem starken Gefühl des Zusammenhalts meistern.
Es macht großen Spaß, mitanzusehen, wie die Truppe zu einer Einheit wird und die Protagonistinnen über sich hinauswachsen, um etwas zu schaffen, das noch keine Frau vor ihnen geschafft hat...
Der Killer
Stark ist, dass der ernste Hintergrund der Story indes keine Sekunde in Vergessenheit gerät. Während sich die Frauen durch die Ausbildung kämpfen, schlägt der Mörder erneut zu und rüttelt die Bevölkerung in Mexiko-Stadt auf. Die letzte Szene offenbart schließlich, dass ein Mädchen just in dem Moment auf die Tricks des Killers hereinfällt, als die „Women in Blue“ gerade im Fernsehen von der Frau des Präsidenten geehrt werden.
Damit ist auf geschickte Art der Übergang vollzogen, denn im Verlauf der kommenden neun Episoden wird die weibliche Polizeieinheit tiefer in den Fall verstrickt, als es dem Polizeichef lieb ist. Der Täter schlägt immer öfter, schneller und dreister zu und als Maria herausfindet, dass ihre Einheit
lediglich zur Ablenkung der Öffentlichkeit dient, entscheiden sich die Frauen, der Welt zu beweisen, wozu sie fähig sind. Wie die Geschichte in groben Zügen gezeichnet weitergeht, ist also klar. Spannend wird hingegen der Weg bis zum Finale, in dem die Polizistinnen den Mörder hoffentlich fassen.
Fazit
Die Debüt-Episode von „Women in Blue“ heißt „María“, eine Titelstrategie, die sich über die gesamte erste Staffel zieht. Jede der Frauen der blauen Einheit hat nicht nur ihr eigenes Päckchen zu tragen, sondern verfügt zudem über besondere Fähigkeiten, die sie zu etwas Besonderem machen. Die Serienmacher führen die Geschichte spannend ein und erzählen sie vor allem im zweiten Drittel flott, unterhaltsam und mit einer gewissen Leichtigkeit weiter, ohne das Leitmotiv aus den Augen zu verlieren. Die Hauptfiguren sind keineswegs eindimensional und werden von den Darstellerinnen glaubhaft zum Leben erweckt.
Dennoch bleibt das Gefahrenpotential stets hoch, weil der Killer immer genau in dem Augenblick zuschlägt, wenn wir uns eigentlich in Sicherheit wiegen sollten. Da einige der Frauen außerdem in das Beuteschema des Mörders passen, stellen wir uns unwillkürlich die Frage, welche von ihnen
im Verlauf der Staffel in große Gefahr geraten und welche Rolle Alejandro hierbei spielt, seine Einheit zu unterstützen.
So entsteht bei aller Lockerheit, die das Format zwischendrin präsentiert, ein starkes Spannungsmoment, das sicherlich noch weiter ausgebaut wird. Zu guter Letzt punktet der Serienauftakt mit feministischen Elementen, die sich natürlich ins Gesamtbild fügen, ohne belehrend zu wirken. So darf es gerne weitergehen:
viereinhalb von fünf blauen Uniformen.