Wolf: Review der Pilotfolge

Wolf: Review der Pilotfolge

Die sechsteilige Miniserie „Wolf“, die nun in Deutschland bei MagentaTV startet, ist mehr als nur ein schlichter Krimi. Die Geschichte greift auf einen hohen Suspense-Faktor zurück und punktet mit einem nicht alltäglichen Einsatz von Horrorelementen, die sich sehen lassen können. Weitere Infos gibt es in unserem Review zur ersten Folge.

Szenenfoto aus der Serie „Wolf“
Szenenfoto aus der Serie „Wolf“
© BBC One

Das passiert in der Serie „Wolf“

DI Jack Caffery (Ukweli Roach) ist in Wolf ein junger Cop auf der Überholspur hinter dessen smarter Fassade sich aber ein traumatisierter Geist befindet. Denn vor Jahren wurde sein zehnjähriger Bruder entführt und ist seitdem verschwunden. Caffrey ist von dem Fall und seinem Rachedurst besessen und verdächtigt seinen seltsamen Nachbarn, der nicht gerade viel dafür tut, um Jacks Anschuldigungen zu entkräften. Eines Tages findet er zwei in sexualisierter Pose drapierte Barbiepuppen vor seinem Haus und lässt die Wohnung des gegenüber lebenden Mannes durchsuchen, der sich dafür auf einer Party auf makabre Weise revanchiert.

Gleichzeitig in der walisischen Grafschaft Monmouthshire: Die wohlhabende Familie Anchor-Ferrers kehrt aus London auf ihren Landsitz zurück. Kurze Zeit später dringen zwei perverse Psychopathen ins Haus ein. Von nun bestimmen Einschüchterung, Terror und Angst das Leben der Anchor Ferres', die ihren Peinigern hilflos ausgeliefert sind. Als DI Caffreys Ermittlungen ihn eines Tages nach Monmouthshire und ausgerechnet in das Haus der Familie führen, ist eine Eskalation vorprogrammiert.

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Krimi mit Horrorelementen

Es ist schade, dass MagentaTV nicht mit ähnlichen Klickzahlen aufwarten kann wie beispielsweise Netflix oder Disney+. Denn Serien wie „Wolf“ hätten ohne Zweifel eine große Zuschauerschaft verdient. Die sechsteilige Miniserie vereint, Krimi-, Thriller und Horrorelemente auf sich und verbindet sie zu einem ungewöhnlichen Format, das schon in der ersten Folge erahnen lässt, wie dicht die Erzählung noch wird.

Die Geschichte beginnt mit einer Albtraumsequenz, in der die Hauptfigur Jack verzweifelt nach seinem Sohn in einem Keller sucht. Die Szene ist ein gekonnt zusammengestelltes Sammelsurium von bekannten Horrorversatzstücken. Von flackernden Lichtern über zurückfahrende Kameras, die den Protagonisten in einem engen Gang auf eine mysteriöse Tür zugehen lassen bis hin zu einem disharmonischen und in der Lautstärke anscheinend willkürlich wechselndem Score ist alles dabei, was Suspense erzeugt.

Diese Art des Einstiegs ist bereits ein prägnanter Hinweis darauf, dass Wolf keine schlichte Krimi-Miniserie im Stil von „Midsummer Murderers“ oder anderen Cosy-Crime-Formaten ist. Vielmehr erlebt das Publikum den oben angesprochenen Horror nicht nur in Form von Bildern. Er ist vielmehr Teil der anfangs auf zwei Ebenen erzählten Geschichte, in der es auf den Kern heruntergebrochen um menschliche Abgründe geht.

Der erste Handlungsstrang

Der erste Erzählstrang befasst sich intensiv mit der Hauptfigur Jack, die 1998 einen Schicksalsschlag erlitt, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Caffreys schmieriger Nachbar Ivan Penderecki (hübsch skurril von Anthony Webster gespielt) hat, so glaubt er, sich an seinen damals zehnjährigen Bruder vergangen und ihn ermordet. Die Ereignisse quälen den nach außen hin smarten Mann und lassen ihn nicht los.

Er ist geradezu davon besessen, Penderecki zu überführen und missbraucht seine Macht, um Hausdurchsuchungen und andere polizeiliche Maßnahmen durchzuführen. Das Spannende daran ist, dass Serienerfinderin und Showrunnerin Megan Callagher offenlässt, ob die Anschuldigungen zutreffen. Penderecki genießt es zwar sichtlich, sein perfides Spiel mit Jack zu treiben, der ihn auf Schritt und Tritt beobachtet. Doch die Serie betont auch immer wieder, dass man ihm nie etwas nachweisen konnte. Das bringt Spannung in den Plot und sorgt für Aufmerksamkeit.

Killer in the House

Szenenfoto aus „Wolf“
Szenenfoto aus „Wolf“ - © BBC One

Alleine deshalb wäre Wolf schon einen eigenen Film wert, doch Gallagher eröffnet einen zweiten Handlungsstrang, der zunächst nichts mit Jacks Vergangenheit zu tun zu haben scheint. Hier geht es um die Familie Anchor-Ferrers, die von den beiden Massenmördern Honey und Molina heimgesucht werden. Der Name „Honey“ ist dabei ein herrlich schwarzhumoriger Verweis darauf, dass der perverse Killer seine Opfer zunächst als besorgter DI kontaktiert und damit der Honeypot des infernalen Duos ist.

Schauspieler Sacha Dhawan macht seine Sache so gut, dass man beinahe wirklich glauben könnte, dass er und sein Partner (gespielt von Iwan Rheon) auf der Suche nach einem Massenmörder sind. Auch dies ist natürlich Teil des boshaften Spiels, das die Killer treiben. Allerdings streuen die Serienmacher genügend Hinweise ein, um den Zuschauenden das ungute Gefühl zu vermitteln, dass die wohlhabende Familie in eine tödliche Falle geraten ist, in der sich die beiden Täter an ihrer Angst ergötzen und sie bis aufs Blut quälen werden.

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Wenig subtil

Als kleiner Kritikpunkt sei an dieser Stelle der oben kurz angesprochene Score erwähnt, der über die gesamte erste Episode hinweg zu aufdringlich daherkommt und daher einen gewissen Holzhammercharme versprüht. Etwas mehr Subtilität hätte sich insgesamt wesentlich unterstützender auf die Geschichte ausgewirkt. Das gilt im Übrigen auch für die Horrorversatzstücke, die vielleicht etwas zu inflationär eingesetzt werden. Letzteres ist allerdings natürlich eine Frage des Gustos und soll deshalb bitte auch lediglich als Randbemerkung verstanden werden.

Aus zwei mach eins

Die Zusammenführung der beiden Erzählstränge deutet sich am Ende der Episode an und passt hervorragend in den Gesamtkontext und den Subtext der Story von „Wolf“. Caffrey verbündet sich mit einem Mann, der seine Tochter auf ähnliche Weise verlor, wie er selbst. Im Gegensatz zu Jack kennt dieser aber den Mörder, hat ihn fast totgeprügelt und ist dafür selbst einige Jahre im Gefängnis gelandet. Dort bekam er es auch mit Ivan Penderecki zu tun, was Caffrey zu ihn führt. Die Hinweise, die der Cop von seinem Leidensgenossen erhält, führen ihn letztlich nach Monmouthshire und später zum Haus der Anchor-Ferrers', womit die Handlungsbögen zusammengeführt werden.

Fazit

Wolf“ ist ein ungewöhnliches Format, das aufgrund seines eigenwilligen Stils punktet und eine neue Bildsprache in das Krimigenre Einzug halten lässt. Hier und da hätte der Pilotfolge etwas Zurückhaltung gutgetan, doch das tut dem Spaß an der Sache keinen Abbruch. Wer typisch britischen bitterbösen, schwarzen Humor gepaart mit Krimiserie, Thrillerserie und Horrorserie erleben möchte, sollte der Miniserie eine Chance geben und sich zumindest einmal die vielversprechende Pilotepisode anschauen. Vier von fünf Honeypots.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „Wolf“ beim Streamingdienst MagentaTV:

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