Winning Time - The Rise of the Lakers Dynasty: Kritik zum Serienstart

Winning Time - The Rise of the Lakers Dynasty: Kritik zum Serienstart

Adam McKay, bekannt für Succession und Don't Look Up, präsentiert bei HBO die schwungvolle und starbesetzte Basketball-Serie Winning Time. Mit dabei: John C. Reilly, Adrien Brody und Quincy Isaiah als Magic Johnson.

Szenenfoto aus der Serie Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty (c) HBO
Szenenfoto aus der Serie Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty (c) HBO
© zenenfoto aus der Serie Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty (c) HBO

Die HBO-Serie Winning Time (aka „Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty“) geht zurück in die frühen Achtziger, um die Geburtsstunde des modernen Basketballs zu beleuchten. Im Zentrum steht der schillernde Geschäftsmann Dr. Jerry Buss, gespielt von John C. Reilly (Moonbase 8, „Stiefbrüder“), der die Los Angeles Lakers kauft und mit frischen Ideen aufpeppt. Seine Hoffnungen lädt er voll und ganz auf den Rookie Earvin Johnson (Quincy Isaiah), der sich später den Spitznamen „Magic“ verdienen und zur unvergesslichen NBA-Legende avancieren wird.

The Swan, die einstündige Pilotepisode zur zehnteiligen Auftaktstaffel, die nun in Amerika auf Sendung ging, beginnt ganz am Anfang der Geschichte und saugt uns mit verspielten Stilmitteln, großen Namen und krisseliger Nostalgie sofort ein. Inszeniert wurde die Folge vom oscarnominierten Regisseur Adam McKay, den man für Serien wie Succession, Eastbound & Down oder Filme wie „Don't Look Up“ und „The Big Short“ kennt. An „Winning Time“ zerbrach seine langjährige Partnerschaft mit Will Ferrell, der sich bei der Hauptrolle übergangen fühlte - wobei Reilly seine Sache sowieso genial macht.

Als Autor fungiert Max Borenstein, der auch für die neuen „Godzilla“-Streifen verantwortlich war. Als Co-Serienschöpfer wird Jim Hecht genannt, den man derweil für die „Ice-Age“-Reihe kennt. Weder Borensteins noch Hechts frühere Werke lassen auf eine Nähe zu „Winning Time“ schließen, was sich hoffentlich von selbst versteht. Als Vorlage zur Serie, die hierzulande noch keinen Starttermin von Sky bekommen hat, dient das 2014 veröffentlichte Sachbuch „Showtime: Magic, Kareem, Riley, and the Los Angeles Lakers Dynasty of the 1980s“ des Sportjournalisten Jeff Pearlman.

Im namhaften Ensemble von „Winning Time“ finden wir neben John C. Reilly und Quincy Isaiah unter anderem auch Jason Clarke („Everest“), DeVaughn Nixon („Bodyguard“), Gabby Hoffmann (Transparent), Michael Chiklis (The Shield), Jason Segel (How I Met Your Mother), Lola Kirke (Mozart in the Jungle), Gillian Jacobs (Community), Tracy Letts (Homeland) sowie die beiden Oscarpreisträger Adrien Brody („Der Pianist“) und Sally Field („Mrs. Doubtfire“). Newcomer Solomon Hughes wurde zudem als Starspieler Kareem Abdul-Jabbar gecastet.

Worum geht's?

Wer sich kaum mit Basketball auskennt - geschweige denn für Basketball interessiert -, sollte „Winning Time“ trotzdem eine Chance geben. Denn McKay macht es uns sehr leicht, in die Welt der Lakers einzusteigen, indem er seine Figuren durch die vierte Wand mit dem Publikum sprechen und sich vorstellen lässt. Auch werden viele Rollen mittels Bauchbinden eingeführt, die man aus Dokumentationen kennt. Der Regisseur nutzt dieses Stilmittel natürlich für diverse Witze, wie wir es schon aus früheren Werken von ihm kennen. Diese Lockerheit hilft extrem, am Ball zu bleiben.

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Der Spaß ist bei der Serie sofort spürbar. So gönnen McKay und die Autoren Borenstein und Hecht ihrem Protagonisten Dr. Buss tatsächlich einen ziemlich denkwürdigen ersten Auftritt, indem sie ihn nach einer verrückten Partynacht in der Playboy Mansion aufwachen lassen. Der Hedonismus und die lustvolle Geschäftigkeit in Winning Time erinnern dabei fast an den Scorsese-Streifen „The Wolf of Wall Street“. Und die wilden Achtziger werden noch durch einen anderen Kniff zum Leben erweckt, nämlich durch eine grobkörnige Bildauflösung, die für die Atmosphäre wahre Wunder wirkt.

Eindeutige Succession-Vibes bietet derweil das mitreißende Intro zur Serie, das mit dem Hip-Hop-Song „My Favorite Mutiny“ von The Coup unterlegt ist. Auch McKays eindeutiger Humor findet sich bei „Winning Time“ wieder, denn schon die erste Folge hat unzählige Sprüche, die prädestiniert dafür wären, als Meme viral zu gehen. Mein persönlicher Höhepunkt ist Kareem Abdul-Jabbar, der einem kleinen Fan sagt, er solle sich verziehen. Aber auch Reilly darf glänzen und beweist mit seiner Darbietung, dass er genau die richtige Wahl war (nachdem zuvor zunächst Michael Shannon verpflichtet worden war, sich aber zu sehr am erwähnten Stilmittel des Bruchs der vierten Wand störte).

Viele Szenen in der Serie dürften aus der heutigen Sicht etwas verstören. Auch ein Magic Johnson, um den sich damals jeder Vereinspräsident riss, hatte mit Alltagsrassismus zu kämpfen; während Gaby Hoffmann mit ihrem spannenden Alter Ego Claire Rothman dem Sexismus ausgesetzt ist. Goldene Zeiten waren es eigentlich nur für weiße Männer, die sich fast alles erlauben konnten. „Winning Time“ hat sich eine Ära und ein Metier ausgesucht, an der man perfekt die amerikanische Geschichte im Größeren reflektieren kann - ähnlich wie einst Mad Men. Trotzdem würde man sich wünschen, dass wenigstens hinter den Kulissen mehr People of Color ihre Perspektive einbringen würden, wobei in den späteren Episoden immerhin die Schwarze Regisseurin Tanya Hamilton (The Deuce) mitwirkt. Folge zwei wird derweil vom Schauspieler Jonah Hill („21 Jump Street“) inszeniert, was nur eine interessante Randnotiz ist...

Wie ist es?

Winning Time“ liefert insgesamt einen sehr erfreulichen Einstand, der nicht nur Basketballfans begeistern dürfte. Typisch für Adam McKay gelingt es der neuen HBO-Serie, auf Anhieb unterhaltsam, lustig, clever und auch interessant zu sein. Eine für die Vereinigten Staaten prägende Story aus dem Sport wird so lebendig aufgeführt, dass jede Doku und jedes Buch den Kürzeren ziehen würde. Das ist gar nicht mal so selbstverständlich, wenn man an kürzlich gestartete Formate wie Super Pumped oder Joe vs Carole denkt, die ihre spannenden wahren Geschichten irgendwie „verlangweilt“ haben.

Verspielte Stilmittel, ein distinkter visueller Still und sichtlich gut gelaunte Serienstars machen „Winning Time“ zu einem der spaßigen Neustarts des neuen Jahres. Mein persönliches Fachwissen zum Thema geht nur so weit, dass ich Namen wie Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar immerhin schon mal gehört habe, bin aber wissbegierig, mehr über sie und die übrigen Lakers zu erfahren. Wobei sich der Sport in der Auftaktepisode bewusst noch sehr zurückhält. Ob auch die Szenen aus den Spielen dann gut aussehen werden, dürfte eine der wichtigsten Fragen für die nächsten Folgen werden. Bislang sieht aber alles ziemlich vielversprechend aus!

Hier abschließend noch der Trailer zur gerade beim US-Kabelsender HBO neu gestarteten SerieWinning Time:

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Showtime: Magic, Kareem, Riley, and the Los Angeles Lakers Dynasty of the 1980s

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