Die Pilotepisode von TNTs Shakespeare-Serie Will ist laut, schrill und bunt. Dabei ist es weniger ein akkurates Historiendrama als eine eigene Mischung, in welcher sehr viele Zutaten in einem Topf geworfen werden. Kann es dadurch überzeugen oder kocht die Suppe über?

Laurie Davidson und Olivia DeJonge in „Will“ / (c) TNT
Laurie Davidson und Olivia DeJonge in „Will“ / (c) TNT
© aurie Davidson und Olivia DeJonge in „Will“ / (c) TNT

Die Pilotepisode The Play's the Thing der Serie Will führt uns ins London des 16. Jahrhunderts und beschäftigt sich mit einem jungen William Shakespeare, der in der lauten und bunten Großstadt sein Glück am Theater versucht. Nachdem er die Reizüberflutung der Straßen verdaut hat, schickt er sich an eine Karriere am Theater zu starten.

Rock 'n' Roll Shakespeare

Warwickshire ist nicht London. Das muss der junge William (Laurie Davidson) schnell feststellen. Nachdem er von einem Straßenkind beinahe ausgeraubt und als Katholik entlarvt wird, macht er sich auf um das Großstadtheater mit eigenen Augen zu erleben.

Die dortigen Mimen können sein poetisches Geschick gut gebrauchen, denn dringend muss ein frisches, originelles und unterhaltsames Theaterstück her, damit ihnen ihre launischen Besucher nicht die Bühne auseinandernehmen. Da kommt ihm gerade recht, dass der gestandene Schreiberling Christopher Marlowe (Jamie Campbell Bower) keine Zeit für die Kreation und Inszenierung eines neuen Stücks hat.

Zusammen mit Alice (Olivia DeJonge), der Tochter des Leiters (Star Trek Veteran Colm Meaney) des lokalen Theaters, gelingt es ihm diesen von seinen Künsten zu überzeugen um eine Show auf die Beine zu stellen, welche den angeschlagenen Ruf des Etablissements wieder aufrichten kann. Während sich zwischen dem verheirateten Vater Shakespeare und Alice Gefühle entwickeln, droht ihm Gefahr seitens des Staats.

Diese erscheint in Form von Richard Topcliffe (Ewen Bremner), einem äußerst unangenehmen Zeitgenossen, zu dessen Hobbys im Namen der staatlichen Auslotung der Katholiken diverse Folterpraktiken gehören und welcher nichts als Verachtung gegenüber dem unmoralischem Treiben im Theater übrig hat. Wills Versuche diesen Glauben geheim zu halten und dessen künstlerische Ambitionen am Globe Theatre bergen stets die Gefahr sich in Topcliffes Fadenkreuz zu wiederzufinden.

The theatergoer is deaf to morality

Ähnlich wie die für seinen Protagonisten überladenen Erfahrung in der Stadt, liefert Will in seinem Einstand unglaublich viele gemischte Eindrücke. Mit historisch akkuraten Fakten nimmt man es dabei nicht sonderlich genau: Die Inszenierung ist von knallbunten Farben und Requisiten dominiert, die Straßen wirken für die damalige Zeit ein wenig zu sauber und die Mentalität der Anwohner fühlt sich oftmals moderner an, als es das Setting vorgibt.

Als dies ist jedoch genau so beabsichtigt, was einem spätestens auffällt, wenn London Calling von The Clash fröhlich und frech durch die Lautsprecher schallt. Rock'n'Roll, punkige Attitüden und das unterstreichende Setdesign sowie ähnliche Anarchronismen gipfeln in der farbenfrohen und lauten Theaterwelt.

Dass das Ganze ein wenig an eine Interpretation von Regisseur Baz Luhrman erinnert, ist kein Zufall, denn verantwortlich für die Serie ist Craig Pearse, der die Drehbücher zu Luhrmanns Filmen Romeo + Juliet und Moulin Rouge beisteuerte. Wer sich nun fragt, ob das anspruchsvolle „shakesperean“ die Amtssprache in Will ist, der ist entweder beruhigt oder enttäuscht, denn bis auf ein paar kleine Wortkreationen und Anreden bleibt die Serie in modernem Englisch.

Apropos modern: Der junge Schriftsteller liefert sich mit einem Kollegen im Pub ein Wortgefecht, welches als antike Version des Rap-Battle eingestuft werden kann, in dessen Zügen sich die Kontrahenten mit poetisch angehauchten Beleidigungen beharken. So eigenartig und für manche auch unpassend das sein mag, Will versucht der Geschichte Shakespeares seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

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Dabei darf auch ein Einblick in das Beziehungsleben des Dichters nicht fehlen, über dessen Privatleben tatsächlich nur wenige Details bekannt sind. Obwohl Zuhause in der Kleinstadt eine Frau und drei Kinder auf ihn warten, verliebt er sich schnell in Alice (Olivia DeJonge), die Tochter des Theaterleiters. Selbst wenn Will kein Erfolg werden sollte, so ist Oliva DeJonge in ihrer Rolle bisher die Entdeckung der Serie, die sich als mehr als nur ein frisches Gesicht entpuppt. Angetrieben von einer guten Chemie mit Hauptdarsteller Laurie Davidson, der sich ebenso als Newcomer am Start seiner Schauspielkarriere befindet, bringt sie bereits in der Pilotepisode eine besondere Ausstrahlung und eine emotional überzeugende Darstellung mit, die ihr hoffentlich Aufmerksamkeit in der Branche sichern wird.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Andere Performances sind stellenweise von overacting geprägt, welches allerdings im Angesicht der extrovertierten Theaterschauspieler am Globe Theater durchaus ins Bild passt. Einen starken Kontrast zu diesem bunten Treiben bringen die Folter-und Exekutionsszenen mit Richard Topcliffe (Ewen Bremner) im Zentrum, welche die Thematik der Rebellion in zukünftigen Episoden entfachen sollen.

Ob das wirklich nötig ist oder vielleicht sogar etwas fehl am Platz ist, ist eine gute Frage, denn die stärksten Momente hat Will, wenn es sich rund um die Bühne dreht, da das dortige Drama um Intrigen, Verführung und Verrat zumindest bisher am interessanten ist, zumal auch der Subplot um einen Straßenjungen und dessen Schwester sich noch nicht so richtig ins Gesamtbild fügen kann. Manche Elemente, wie Wills Gespräch mit seinem toten Vater über seine mögliche Affäre kommen zudem etwas platt rüber und so ergibt sich an manchen Stellen der Eindruck, ein wenig Subtilität anstatt pompöser Direktheit mit Anflügen von Kitsch hätte dem Ganzen besser gestanden.

Fazit

Will ist dramatisch, romantisch, laut, bunt und zuweilen auch brutal. Während es sicherlich nicht so anspruchsvoll wie manch anderes von Privatsendern produziertes Historiendrama ist, entwickelt es seinen eigenen Stil und genug Tiefe und Spannung, um dranzubleiben. Einige modernisierte Aspekte der Interpretation, die sich sehr viele künstlerische Freiheiten nimmt, wie beispielsweise die Musikauswahl, können viele Zuschauer jedoch verständlicherweise schnell abschrecken.

Die schauspielerischen Leistungen können sich unterm Strich sehen lassen, wobei Newcomer Laurie Davidson und insbesondere Olivia DeJonge hervorzuheben sind. Die vielen schrillen Zutaten dürften die Zuschauer jedoch bereits in der ersten Episoden spalten, so dass sie selbst entscheiden müssen, ob sie hinter den gewagten stilistischen und erzählerischen Entscheidungen Potential sehen, oder der eigenwillige Mix sie abstößt.

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