Whitechapel 3x02

Obwohl ich ĂŒber die Jahre hinweg wirklich viele Krimiserien verfolgt habe, hat es die erste Doppelepisode dieser dritten Whitechapel-Staffel geschafft, mich in Spannung zu versetzen - und auĂerdem auf interessante Weise die ĂŒbernatĂŒrlich erscheinende Geschichte auf einen menschlichen Makel zurĂŒckzufĂŒhren.
Damit erfĂŒllt die ITV-Serie die selbst gestellte Aufgabe, ĂŒber die ich letzte Woche sprach, nĂ€mlich den Zwang der Geschichte zur Wiederholung zu kartographieren: eine Geschichte, die von menschlichen Verhaltensmustern, ZustĂ€nden, Begehren berichtet, die immer schon da gewesen sein werden. Als sich in Whitechapel weitere exakt gleich ablaufende Morde ereignen, heiĂt es fĂŒr Chandlers Team, nach Abweichungen, Verschiebungen zu suchen, um die Antwort zu finden.
Eine solche Abweichung fĂŒhrt Chandler zum Ziel, nĂ€mlich sein eigener Zustand: Jedes Mal, wenn Joe versucht, seine sozialen Kontakte zu vertiefen, sieht er sich durch irgendein Detail an den Fall erinnert und gezwungen, die Szene - sei es der Pub oder Lizzies Wohnung - fluchtartig zu verlassen, um die Jagd nach dem Mörder fortzusetzen. Dabei hĂ€lt Whitechapel geschickt die Balance zwischen der PrĂ€sentation der eigenen (Chandlers) Teufel und derjenigen, die in dem Verbrecher hausen, ohne ins Absurde abzudriften oder unnötig viel Slapstick zu erzeugen. Das Böse ist nichts Neues und kommt nicht von auĂen, sondern es befindet sich hinter den eigenen WĂ€nden, im buchstĂ€blichen und im metaphorischen Sinne.
Die leeren RĂ€ume hinter den WĂ€nden der HĂ€user, wo der Mörder verharrt, sind wie ihr - und wie das menschliche - Unbewusste, das Grausames verbergen kann. Aber dieses Grausame hat immer eine Entstehungsgeschichte, die vor seiner Einnistung liegt, und diese Geschichte können Chandler & Co. schlieĂlich nacherzĂ€hlen, rekonstruieren. Marcus Salter ist trotz seiner teuflischen Erscheinung nicht der gesuchte TĂ€ter; seine Flucht beweist lediglich, dass das ĂbernatĂŒrliche nicht einmal zu existieren braucht, um das alltĂ€gliche Leben zu beeinflussen: Es genĂŒgt, dass die Menschen an es glauben.
Die Serie selbst versĂ€umt bei alledem nicht, Miles' (Phil Davis) und Joes (Rupert Penry Jones) Privatleben weiterzuerzĂ€hlen - trotz der spannenden Jagd nach dem Mörder. FĂŒr Miles gibt es diesmal gute Nachrichten: Anstatt um das Leben seiner Frau zittern zu mĂŒssen, dĂŒrfen sich beide gemeinsam auf... ein weiteres Kind freuen! Bei Chandler sieht es privat weniger rosig aus, obwohl er sich dank Miles' HartnĂ€ckigkeit ĂŒberwindet und ein Date mit Lizzie verabredet, der Laborantin, die ihm schöne Augen machte.
Dabei muss man erwĂ€hnen, dass sich bereits am Tatort eine ziemlich nahe Begegnung der beiden ereignet, die Chandler in klaustrophobische Panik versetzt. Das geschieht interessanterweise nicht, als er dem Mörder in den engen HohlrĂ€umen folgt... Chandler begegnet dem Anderen unterschiedlich: je nachdem, ob es um soziale Kontakte mit "normalen" Menschen geht oder um das Andere als das Böse, die GrenzĂŒberschreitung. Das MĂŒllsammeln im BĂŒro und das Ausschalten der Lampen werden ihm dabei keine Balance bringen...
Wir dĂŒrfen gespannt sein: darauf, wie es mit ihm und Miles weiter geht, und auf den nĂ€chsten Fall in Whitechapel.
Verfasser: Vladislav Tinchev am Dienstag, 7. Februar 2012(Whitechapel 3x02)
Schauspieler in der Episode Whitechapel 3x02
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