White Collar 4x16

Das Leben in der Serie White Collar ist gröĂer als die RealitĂ€t. Der Luxus ist pompöser, die GefĂŒhle komplizierter, die Menschen schöner. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein. Doch die Episode In the Wind zeigt die Schattenseiten dieser Welt: Man kann auch tiefer fallen.
Die LĂŒge
Schon die letzte Episode konnte ein ungutes GefĂŒhl in Bezug auf Neals Vater hervorrufen. Nun zeigt sich warum: James (Treat Williams) hat gelogen, er wollte Ellens Box stehlen um die Beweise verschwinden zu lassen. Denn er hat den Mord damals begangen. Und um seine Bösartigkeit auch zweifelsfrei unter Beweis zu stellen, begeht er gleich noch einen und lĂ€sst Peter (Tim DeKay) dafĂŒr bĂŒĂen.
Er bringt Peter in dieselbe Lage, in der er vorgab zu sein als er Neal (Matt Bomer) wieder traf. Er hat sich die Sympathie seines Sohnes ĂŒber MitgefĂŒhl erkauft. Doch er war nicht der zu Unrecht VerdĂ€chtigte. Er ist der TĂ€ter.
Doch nun hat er den Mann in diese Lage gebracht, den Neal viel mehr fĂŒr Familie hĂ€lt als seinen leiblichen Vater. Mit Peter unter Verdacht hat Neal die nĂ€chste Vaterfigur, dessen Unschuld er beweisen muss.
Der einsame Sohn
Neal ist auf der Suche nach seiner IdentitĂ€t. Und - da hat James Recht - dafĂŒr musste er wissen, wer sein Vater eigentlich ist. Doch was er nun erfahren hat, dĂŒrfte die IdentitĂ€tskrise nicht verkĂŒrzen. Sein Vater ist ein offenbar korrupter Cop, Mörder und VerrĂ€ter an seinem eigenen Sohn. So ganz ĂŒberraschend kommt das immerhin fĂŒr Mozzie (Willie Garson) nicht, der James mit der falschen Box losschickt und die echten Beweise fĂŒr sich behĂ€lt.
Neal steht an einer ganz eigenen Stelle zwischen KriminalitĂ€t und Gerechtigkeitsbewusstsein, Aufrichtigkeit und LĂŒgengebilden. Sein Vater hĂ€tte Vorbildfunktion haben können. Doch dann stellt sich heraus, dass James an einer ebenfalls ganz eigenen Stelle steht. Doch anders als Neal tut er alles zu seinem eigenen Nutzen und LoyalitĂ€t scheint ihm ein Fremdwort zu sein.
Neal hat jedoch nicht nur den Glauben an seinen Vater verloren, er hat - zumindest fĂŒr den Moment - auch die wichtigste Person in seinem Leben verloren. Und hier darf man je nach eigener Sichtweise nun Peter oder Sara (Hilarie Burton) einsetzen. Mit der Episode In the Wind hat sich das VerhĂ€ltnis zwischen Peter und Neal als auch zwischen Sara und Neal verĂ€ndert. Peter ist in Handschellen und Sara auf dem Weg nach London. ZurĂŒck bleibt Neal, mehr oder weniger alleine.
Denn es könnte noch schlimmer sein. Er hat immer noch Mozzie. Doch der hat zwar eine wichtige Rolle in Neals Leben, ist in den letzten Episoden in dieser Hinsicht jedoch etwas kurz gekommen. Mozzie hat alles fĂŒr ihn getan, auch in dieser Episode wieder. Doch in Hinsicht auf Neals IdentitĂ€tskrise spielt er nur eine untergeordnete Rolle. Das wird vor allem daran liegen, dass er selbst kein gefestigtes Selbstbild hat. Noch mehr als Neal hĂ€lt er am Leben als BetrĂŒger fest.
Neal ist also in gewisser Hinsicht alleine. Verraten von seinem Vater, getrennt von der Frau, mit der es hÀtte etwas werden können, wenn er sich selbst gefunden hÀtte und am schlimmsten: Durch seinen Vater ist der Mann in Gefahr gekommen, der am meisten an Neal glaubt, Peter.
Der Cliffhanger
Peter wird in Handschellen abgefĂŒhrt und selbst Diana (Marsha Thomason) sagt, es sĂ€he nicht gut aus. Durch die Zusammenarbeit mit Neal ist Peter immer hĂ€ufiger in einer Grauzone der LegalitĂ€t gewandelt, hat sich Feinde in den eigenen Reihen gemacht und wurde gar strafversetzt.
Nun steht er unter Mordverdacht. Das könnte die gesamte Dynamik der Serie White Collar verÀndern. Werden wir Peter im GefÀngnis sehen? Wird er fortan nicht mehr der strahlende FBI-Agent sein, der er bisher trotz allem immer gewesen ist? Ist das ein echter Schocker? Nur auf den ersten Blick.
Denn nach vier gemeinsamen Staffeln darf man feststellen: Vieles, was gerade am Ende von Staffeln um Peter und Neal passiert, wird nicht so heiĂ gegessen, wie es gekocht wird. Die Serie ist bisher aus jeder Ausgangslage wieder zum Status Quo zurĂŒckgekehrt, meistens sogar innerhalb weniger Episoden.
Das ist generell eine schöne Sache fĂŒr eine Serie wie White Collar, in der man sich in der wohligen Sicherheit wiegen darf, dass die Freundschaft immer stĂ€rker sein wird. Doch oft hat es sich so angefĂŒhlt als wenn die Spannung, die im Finale geschĂŒrt worden ist, zu Beginn der neuen Staffel nicht umgesetzt worden ist.
Und daher darf man gespannt sein, wie die Serienmacher mit einem mordverdĂ€chtigen Peter umgehen. Mit jedem Finale werden die Cliffhanger gröĂer und vielleicht versteckt sich hier ja mal eine echte Geschichte fĂŒr die kommende Staffel und nicht bloĂ effekthaschende Kurzzeitdramatik.
Fazit
ZunĂ€chst sieht es so aus als wenn Neal alle Zeit der Welt hat, um die Box zu holen. Doch dann entwickelt sich ein vertracktes Rennen zwischen Neal, James, Peter, Callahan (Emily Procter) und Pratt (Titus Welliver) im Empire State Building. Und wirklich schön an der Episode In the Wind ist die Umsetzung des Verschwörer-Plans. Sie locken Pratt aus seinem BĂŒro, Ă€tzen ein Loch in den Boden, nehmen die Box und werfen noch einen kurzen Blick auf die Verlierer des Rennens. SchlieĂlich steigt die Box fast von der Spitze des Empire State Building in die LĂŒfte und landet sicher dort, wo Neal sie haben will, bei sich. Unterdessen werden James und Pratt mit einem Stapel Postkarten abgespeist. Da macht es SpaĂ, zuzuschauen.
In anderer Hinsicht ist die Episode etwas weniger spannend. Dass etwas mit James nicht stimmt, dieser Verdacht konnte einem schon bei der letzten Episode kommen. Und was genau nun falsch mit ihm ist, konnte man lĂ€ngst erahnen. Die Verhaftung Peters kommt dazu und erweckt das Bild, dass vielleicht etwas zu hoch gezielt wurde. Sie wollten das Dramatischste fĂŒr das Staffelfinale, einen mehr oder weniger gefĂ€lschten Heiratsantrag, einen Un-Vater und wieder einmal die Bedrohung der Idylle. Einzeln auf dem Papier sind die Ideen groĂartig. Doch vielleicht ist es einfach zu viel auf einmal, selbst fĂŒr die Serie White Collar. Denn zwischenzeitlich lĂ€sst die Handlung etwas an EmotionalitĂ€t missen, besonders wenn man das sensible Thema bedenkt, das behandelt wird.
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 6. MĂ€rz 2013(White Collar 4x16)
Schauspieler in der Episode White Collar 4x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?