Westwall: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

Westwall: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

In der Serie Westwall wirft eine zufällige Begegnung das Leben der Polizeischülerin Julia aus der Bahn. Sie verliebt sich in den mysteriösen Nick. Es geht um eine geheime Truppe von militanten Rassisten, die einen Umsturz der Gesellschaft planen. Doch wie passen Julia und Nick in dieses gefährliche Spiel?

Westwall (c) ZDF und Krzysztof Wiktor/ Serviceplan
Westwall (c) ZDF und Krzysztof Wiktor/ Serviceplan
© estwall (c) ZDF und Krzysztof Wiktor/ Serviceplan

Als die junge Polizeischülerin Julia Gerloff (Emma Bading) Nick (Jannik Schümann) in einer U-Bahn-Haltestelle kennenlernt, wirkt es auf sie wie ein Wink des Schicksals. Was sie nicht weiß: Düstere Kräfte haben dem Schicksal kräftig auf die Sprünge geholfen. Was wir nach der Pilotepisode der ZDF-Serie Westwall noch nicht wissen: Wieso sie das getan haben. Lohnt es sich, die Neuankunft in der Mediathek des Zweiten auf die eigene Agenda zu setzen?

Wovon handelt die Serie Westwall?

Zu Anfang der Pilotepisode sind wir dabei, wie eine uns unbekannte Frau junge Erwachsene und Kinder im Wald mit einer Vielzahl an brutalen Psychotricks darauf abrichtet, die Gesellschaft zu hassen und für sie selbst in den Krieg zu ziehen. Auch wenn es nur eine kurze Szene ist, man kann erahnen, was hier passiert ist, was läuft und was vermutlich noch kommen wird.

Doch zunächst werden wir in die andere Storyline gezogen, zu Julia, der jungen Polizeischülerin, die es endlich in die Großstadt geschafft hat. Sie ist noch etwas grün hinter den Ohren, aber selbstbewusst und glaubt an ihre Aufgabe als angehende Gesetzeshüterin. Da lernt sie in einer U-Bahn-Station den etwas rätselhaften Nick kennen, der sie mit einem beherzten Schubser aus einer Fahrkartenkontrolle reißt und anschließend ein Bier dafür verlangt.

Doch dann muss Julia zu ihrem Vater, der im Rollstuhl sitzt und mit ihr in die Stadt gezogen ist, in seine eigene Bude. Der Kettenraucher zeigt uns bereits in der Pilotepisode, dass noch mehr interessante Story hinter ihm steckt, bleibt jedoch ähnlich rätselhaft wie die meisten anderen Figuren. Nick lässt ein bisschen in seinen Hintergrund blicken als wir ihn in das Auto eines Mannes begleiten dürfen, der ihm sagt, dass er Julias Vertrauen gewinne müsse. Nur so kommen die Verschwörer an Ira (Jeanette Hain) ran, die Frau aus dem Wald. Was das alles mit der Polizeischülerin zu tun hat, erfahren wir erstmal nicht.

Nick bringt Julia in den Wald zu einem verfallenen Gemäuer, in dem er einst gewohnt hat. Mit Ira und den anderen Kindern, wie wir wissen. Was Nick jedoch nicht weiß: Einer seiner ehemaligen Mitbewohner ist noch dort, ein Junge namens Clemens, der Julia angreift. Nick, den Clemens als Chris kennt, versucht den Jungen zu beruhigen und mehr über den Verbleib der Anderen herauszufinden, ohne Erfolg.

Clemens ruft Ira an um zu fragen, ob er wieder bei ihr unterkriechen kann. Sie schickt ihren Handlanger, den Jungen zu holen. Denn besonders ans Infos über Chris'/Nicks Verbleib ist sie dringend interessiert.

Doch ihr Handlanger hat anderes im Sinn. Als Clemens ihn nicht so behandelt, wie er sich das vorstellt, endet der Junge bewusstlos auf dem Waldboden.

Julia versucht unterdessen an Infos über Nick zu kommen und will ihren Vorgesetzten in eine Überprüfung von dessen Motorrad tricksen. Doch der alte Hase lässt sich nicht so einfach austricksen. Er besorgt zwar die Informationen, aber verschmäht die Ausrede. Er tut es weil Polizisten eine Familie sind, die zusammen halten, in seinen Worten.

In den letzten Minuten der Pilotepisode sehen wir Iras Schützlinge, wie sie mit nackten Füßen durch glühende Kohlen laufen, parallel geschnitten zu dem ersten Sex für Julia und Nick. Am Ende entdeckt die verliebte Neu-Polizistin eine riesige Hakenkreuz-Tätowierung auf dem Rücken ihres neues Freundes und ergreift die Flucht.

Wie kommt es rüber?

Wohin es von hier weitergeht, muss man selbst schauen. Denn zumindest Vorhersehbarkeit kann man der ZDF-Serie Westwall nicht vorwerfen. Darüber hinaus bleibt die Pilotepisode uns jedoch einiges schuldig. Vor allem die Grundlage, auf der wir Nicks und Julias Reise begleiten wollen. Weder er noch sie wird zu einem Charakter, dessen Schicksal einen fesselt und den man unbedingt weiter begleiten möchte. Für Julia gibt es einige Anklänge, besonders wenn man sie mit ihrem charismatischen und rätselhaften Vater zusammen sieht. Doch Nick bleibt auf enttäuschende Weise ein hübsches Gesicht. Selbst die Folterungen und die dramatische Vergangenheit, die ihm zugeschrieben wird, bleibt theoretisch und ungreifbar.

Viel schlimmer ist jedoch, dass die Liebe zwischen den beiden so gut wie eine Rolle in der Storyline spielt. Wieso sich Julia überhaupt ein zweites Mal mit ihm treffen will, fühlt sich schon seltsam an. Als er sie dann zu der Ruine im Wald bringt, wo Clemens alles durcheinander bringt, scheint das logische Ende der frischen Beziehung eingeläutet. Doch nichts da, beide halten aneinander fest und die Drehbuchautoren verpassen jede Chance, uns ins Boot dieser Emotionen zu holen. Es muss ja für die Geschichte so sein und das muss reichen. Ob Nick echte Gefühle hat oder nur ein Auftragsarbeiter für die Hintermänner ist, wird ebenfalls als Spannungsfeld komplett liegen gelassen.

Da wirkt die Sex-Szene ziemlich erzwungen und auch Julias Entsetzen angesichts der Tätowierung kann nur wenig emotionalen Widerhall auslösen. Das ist schade, denn die Anziehungskraft zwischen den Beiden ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichten.

Die Geheimnisse, die uns die Figuren in der Pilotepisode vorenthalten, könnten da mehr Interesse wecken. Immerhin Ira und Julias Vater schaffen es, als Figuren eine Aura zu entwickeln, dass man mehr wissen möchte. Doch ob das reicht für sechs Episoden?

Die Verschwörer, die im Wald aus der Gesellschaft verstoßene Kinder zu rassistischen Revolutionären heran züchten, fühlen sich an wie eine Figur, die genau die Prä-Corona-Zeit passt. Sie beruht dann auch auf einem Roman von Benedikt Gollhardt, der 2019 erschien. Das passt zusammen und trifft einen Nerv der Zeit, zumindest damals. Nun hat eine weltweite Pandemie das Spannungsfeld erweitert und bietet den Neo-Nazis ein weiteres Betätigungsfeld mit neuen Themenfeldern als noch 2019. In dieser Hinsicht wirkt die ZDF-Serie etwas aus der Zeit gefallen. Nah dran an der Aktualität, aber irgendwie auch wieder nicht ganz.

Fazit

Was die Serie Westwall bietet, ist ein Blick in die Verschwörungen um Neo-Nazis, die mehr Einfluss haben als man allgemein vermuten und hoffen darf. Die Liebesbeziehung der beiden Hauptfiguren bleibt blass, mehr Augenmerk legen die Autoren darauf, wie eine charismatische Frau einsame Kinder zu Nazi-Terroristen abrichtet und wie das alles auf einer Ebene zusammenhängt, in die man im Alltag keinen Einblick hat.

Diese Serie passen auch zu «Westwall»