
Der von Friedrich Mücke gespielte Protagonist wacht im Piloten zu Weinberg ohne Gedächtnis und neben einer jungen Frauenleiche auf. Während der Plot der Pilotepisode erst zum Ende hin Spannung aufbaut, strotzen die Dialoge leider vor unnötigen Klischees, welche sich vor allem anhand der rebellischen Dorfjugend aufzeigen lassen. Zum Glück schafft es die Serie trotzdem, am Ende Lust auf mehr zu machen.
Der Plot: Twin Bergs
Nachdem sich also unser namenloser Held der anscheinend alles andere als harmonischen Dorfgesellschaft anvertraut und unter dem Namen „Johannes Fuchs“ in der Gastwirtschaft des Bürgermeisters Zepter (Arved Birnbaum) ein vorläufiges Zuhause findet, stellt sich das Rätsel um die tote Weinkönigin Sophia (Sinha Melina Gierke) als etwas geheimnisvoller heraus.
So sucht Fuchs das Haus der Familie Finck auf, um festzustellen, dass die eigentlich mausetote Familientochter noch quicklebendig ist. Da sich der Fall somit anscheinend vor allem in Fuchs' Kopf abspielt, sucht er schließlich die Psychologin Dr. Wieland (Gudrun Landgrebe) auf, die ihm versichert, dass sich sein Gedächtnis anscheinend mit fiktiven Elementen vermischt und dieses deshalb genauer zu ergründen ist.

Nebenbei werden uns die weiteren Charaktere des Dorfes vorgestellt, zu denen auch die Bürgermeisterfrau Hanna (Antje Traue) gehört, welche anscheinend kein Problem damit hat, mit dem neuen, unbekannten Dorfbesucher in die Kiste zu steigen, wenn dieser seinen Erinnerungen Glauben schenken kann. Doch nicht nur Fuchs scheint nicht ganz Herr seiner Sinne zu sein, auch Adrian (Jonah Rausch), der Sohn der reichen Familie Donatius, zieht durch seine Unfähigkeit zu sprechen den Spott der Dorfbewohner und sogar seiner Mutter Regina (Victoria Trauttmansdorff) auf sich.
Die Familie Finck wird derweil vor allem durch ihre finanziellen Probleme etabliert, die Familienvater Gerd (Ronald Kukulies) dazu nötigt, den besagten Weinberg an die Donatii abzutreten. Zuletzt stellt Familie Schreiber noch das perfekt überzeichnete Bild der Glaubensfamilie dar, deren Rebellensohn „Matt“ (Marcel Glauche) mitsamt seiner Band „Angry Fucks“ leider die klischeehaftesten Charakterdarstellungen bereithält.
So streiten sich die Bandmitglieder über englische Grammatik, produzieren Screamo-Musik, die vor allem durch Undeutlichkeit auffällt, veräppeln den per Übersetzungsprogramm kommunizierenden, vietnamesischen Pastor Anh Hung (Yung Ngo) mit wilden Ziegenbeischlafgeschichten und sagen Sätze wie „Viel Spaß beim scheiß Beten!“ - ziemlich böse, diese kleinen Racker!

Zum Glück schafft es schließlich doch die Spannung der Pilotepisode, diese Charakterschwächen in den Hintergrund rücken zu lassen, als sich nämlich im Zuge des jährlichen Weinfests herausstellt, dass Fuchs mit seiner anscheinend imaginären Toten die Zukunft vorhersehen konnte. So finden sie schließlich die Leiche Sophias in dem besagten Weinberg, nachdem diese Pfarrer Hung zur Beichte aufgesucht hatte.
Fazit
Weinberg kommt zwar leider nicht umher, so manches Klischeenäpfchen mitzunehmen, was sich vor allem anhand der rebellischen Jugend und der zum Teil etwas wenig authentischen Dialoge aufzeigen lässt. Jedoch schaffen es vor allem die besondere Ästhetik und das Rätsel um den Protagonisten, doch noch den Spannungsbogen aufzubauen. Es bleibt dabei vor allem spannend, welchen Bezug Fuchs zu der Dorfgemeinschaft vor seinem Gedächtnisverlust hatte, wer der Mann mit der Kapuze sein könnte und warum der Mord an Sophia schon zwei Tage vorher für Fuchs zu sehen war.
Hier geht es im Übrigen zum Podcast zu der heutigen Episode.