Weinberg 1x06

Mit der heutigen Episode Erkenntnis findet die sechsteilige Miniserie Weinberg ihren Abschluss. Sie schafft es zwar, sämtliche Rätsel aufzudecken. Der große Aha-Effekt bleibt jedoch trotzdem aus. TNT Serie liefert mit der Mysteryserie somit solide Mysterykost, die zwar nicht das Rad neu erfindet, jedoch für die kurze Erzähldauer von sechs Episoden zu unterhalten weiß.
Alles steht Kopf
Der Suizid der Lehrerin Iris Reichel (Jenny Schily) gibt den nötigen Anstoß, um das große Rätsel von Weinberg aufzulösen. Während die Kommissare Beckmann (Oliver Marlo) und Brehme (der mich immer noch an Thomas Stipsits aus Altes Geld erinnernde Martin Kiefer) weiterhin Adrian (Jonah Rausch) den Mord anhängen wollen, geht unser Held (Friedrich Mücke) natürlich einen Schritt weiter und stößt dabei auch an die Grenzen seiner eigenen Existenz.
Wie bereits in der letzten Episode angedeutet, wird dabei das Thema Inzest zum Aufhänger der ganzen Serie. Unser Held findet über ein paar Interviews schließlich von unserem Lieblingssänger Kirk (Max Mauff) heraus, dass nicht nur er, sondern auch Iris und Sven (Rainer Sellien) in dem Heim „Heilende Hand“ aufgewachsen ist. In diesem scheint nicht nur Vergewaltigung an der Tagesordnung gelegen zu haben, sondern auch Geschwisterliebe.

Der kleine Adrian und seine Schwester erwischten also Vater und Tante zusammen, woraufhin die Schwester ihr Leben und Adrian seinen Verstand ließ. So schuf er sich den Helden als eigenes Alter Ego, um die Ereignisse aufzuarbeiten, und ließ seinen Vater zum Bösewichten der Handlung werden. Zum Schluss bekommen wir zudem auch die Vorlage unseres Johannes Fuchs in Form des Comichelden John Fox serviert. Und, ach ja, die mittlerweile fast vergessene Sophia (Sinha Melina Gierke) musste natürlich aufgrund ihrer Mitwisserschaft dran glauben.
The Lannisters send their regards.
Somit bekommen wir nach den bisher aufgezeigten Vorlagen wie Twin Peaks oder „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ die nächste narrative Vorlage in Form von Game of Thrones serviert. Zwar wird durch den abschließenden Comic sogar die Einbindung amerikanischer Helden- und Schurkenmythen motiviert, das Opfer der Inzestzeugen entzieht sich jedoch dem Deutungsmuster Adrians und wird zum direkten Verweis.
Auf der einen Seite muss ich feststellen, dass die Einführung des Alter Egos und der imaginierten Ereignisse die meisten Rätsel von Weinberg auflöst. Auf der anderen Seite wurden die Parallelen zwischen Adrian und dem Helden oder der vorhandene Inzest dermaßen früh und überdeutlich angedeutet, dass die große Überraschung ausfällt.

Zudem wird nicht wirklich klar, was es zum Beispiel mit dem Blutbad Zepters (Arved Birnbaum) auf sich hat, welches in der heutigen Episode recht unmotiviert blieb, oder mit dem russischen Roulette aus der letzten Episode. Hat Zepter wirklich mit Adrian das alte Kugelspiel gezockt oder hat sich dieser das auch nur eingebildet? Wenn Adrian wirklich durch das Dorf gezogen ist, um seine Eindrücke als Johannes zu sammeln, woher kommen dann die Eindrücke aus dem Heim, während er in der Psychiatrie sitzt?
Fazit
Weinberg schafft es mit seiner Erkenntnis zwar, das große Rätsel um den Mord an Sophia und der Doppelidentität Adrians zu lösen, jedoch bleiben immer noch ein paar Rätsel offen. Leider wurden durch überzeichnete Andeutungen, welche besonders in Form der dramatisch inszenierten Dialoge sichtbar wurden, viele Überraschungsmomente verschenkt. Alles in allem stellt Weinberg jedoch eine solide Mysteryserie dar, die sicher nicht das Rad dieses Genres neu erfindet, jedoch über ihre kurze Erzählzeit zu unterhalten weiß. Es bleibt zu hoffen, dass sich hierzulande mehr in diese Richtung getraut wird und vor allem die Ästhetik des mystischen Deutschlands zum Beispiel anderer Produktionen werden könnte.
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 10. November 2015(Weinberg 1x06)
Schauspieler in der Episode Weinberg 1x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?