WeCrashed 1x01

WeCrashed 1x01

Die US-amerikanische Biopic-Miniserie WeCrashed wartet nicht nur mit zwei Superstars, sondern auch mit einer interessanten und ungewöhnlichen Geschichte auf, die darüber hinaus mit Schwung und Style inszeniert ist. Ein Ersteindruck.

Szenenfoto aus der Serie WeCrashed (c) Apple TV+
Szenenfoto aus der Serie WeCrashed (c) Apple TV+
© zenenfoto aus der Serie WeCrashed (c) Apple TV+

Die Story

WeCrashed erzählt die Geschichte des pfiffigen Start-up-Geschäftsmanns Adam Newmann (Jared Leto), der Mitte der 2000er erfolglos Klinken putzt, um seine Business-Ideen an den Mann zu bringen. Erst als er seine zukünftige Frau Rebekah (Anne Hathaway) und den IT-Fachmann Miguel (Kyle Marvin) kennenlernt, entwickelt er gemeinsam mit ihnen das Konzept für ein Workspace-Sharing-Unternehmen. Aus den Anfängen erwächst schließlich WeWork, das innerhalb von wenigen Jahren zu einem der höchst dotierten Start-ups avanciert. Doch wie sich bald zeigt, ist auch bei Adam nicht alles Gold, was glänzt und der Absturz ist vorprogrammiert.

Ein charmanter Maulheld

WeCrashed basiert auf einer wahren Lebensgeschichte und hebt sich damit wohltuend vom Fiction-Serienmarkt ab. Naturgemäß sind Biopics und mit ihnen Biopic-Serien immer einem gewissen Risiko ausgesetzt. Das Produktionsteam muss sich genau überlegen, wie nah man an der Wirklichkeit bleiben will und wo man ein wenig ausschmückend eingreift, um der Story genügend Drive zu verleihen. Dank der gelungenen Kombination von Drama- und Comedy-Elementen, gelingt dieser Balanceakt recht gut, wenn man auch manchmal das Gefühl nicht loswird, dass hier und da ein wenig dick aufgetragen wird. Wer die Biografie von Adam Newmann liest, gelangt allerdings schnell zu dem Schluss, dass es sich bei ihm tatsächlich um die schillernde Persönlichkeit eines sympathischen Blenders handelt, den Jared Leto mit seiner brillanten Schauspielkunst aus ihm macht. Denn im wahren Leben fiel der smarte Jungunternehmer immer wieder mit Skandalen auf, was dazu führte, dass der Börsengang seiner Firma 2019 verschoben und der Wert von WeWork von diversen Rating-Agenturen auf Ramschniveau abgesenkt wurde.

Und Cut!

Genau auf diesen Stand bringt das Regisseur-Duo Drew Crevello und Lee Eisenberg auch den Zuschauer zu Beginn der Pilotfolge. Adam wacht morgens in seinem Luxusbett neben seiner geliebten Frau Rebekah auf und lässt sich als Erstes von seiner Haushälterin eine Wasserpfeife mit Haschisch reichen. Er ist eigenwillig, exzentrisch und von einem völlig überzogenen Selbstbewusstsein beseelt. Nervös betritt er kurz darauf die Geschäftsräume seines Unternehmens, dass er zehn Jahre zuvor aus dem Nichts aufgebaut hat, und begegnet dem sichtlich nicht amüsierten Aufsichtsrat.

Dann folgt ein Cut. Die Bürotür verwandelt sich plötzlich in die Glastür eines Baby-Ladens, in dem Alexander 2008 eine wenig erfolgversprechende Geschäftsidee vorträgt. Es ist erfrischend, endlich mal wieder eine Serie anschauen zu dürfen, die nicht mit kurzen Flashbacks arbeitet. Stattdessen dient die Gegenwart des Jahres 2019 nur als Aufhänger für die eigentliche Story. Und die hat es in sich, allein schon deshalb, weil der geschätzte Wert von WeWork quasi über Nacht von 47 Milliarden US-Dollar soweit herabgesenkt wurde, dass man dem Start-up die Bonität und Vertrauenswürdigkeit absprach. Das wäre an sich bemerkenswert genug, der Weg in dieses Chaos ist es indes umso mehr.

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Charaktertyp

Die Pilotfolge führt Adam also als erfolglosen Spinner ein, der zwar von sich überzeugt ist, aber im Grunde kein wirkliches Konzept vorweisen kann. Er versucht sich in zusammenfaltbaren Damenschuhabsätzen und einigen weiteren skurrilen Ideen. Er ist stets auf der Suche nach der Anerkennung, die er seiner Ansicht nach verdient, die ihm aber aufgrund seines anhaltenden Misserfolgs im Grunde genommen zurecht verwehrt bleibt. Insofern ist WeCrashed die klug inszenierte Charakterstudie eines Möchtegern-Businessman, die erfreulicherweise weder mit Humor, noch dem ein oder anderen Wow-Moment geizt. Als Adam seinen späteren Freund und Geschäftspartner Miguel McKelvey kennenlernt, bietet dieser ihm in einer witzigen und charmanten Szene ein Büro an. Dieses entpuppt sich allerdings schnell als vollkommen verdrecktes Gäste-Klo in einem einstigen Großraumbüro. Großspurig verspricht Adam ihm die Partnerschaft, und er schlägt ein. Allerdings lässt er Miguel nun ganz alleine in nur einer Nacht ein Konzeptpapier und ein Logo erstellen.

Inszeniert wird die amüsante Szene mittels eines Splitscreens. Links ist der friedlich schlafende Adam zu sehen, während sich McKelvey auf der rechten Seite des Bildschirms nur mühsam mit Kaffee wachhält. Nichtsdestotrotz bekommt er eine professionelle Ausfertigung auf die Reihe. Neumann wiederum ist sich für die schnöde Handarbeit zu schade. Sein Talent liegt weder in der Entwicklung noch der Anfertigung von Power-Point-Präsentationen, sondern einzig in seiner Überredungskunst, die durchaus auch dreistes lügen beinhaltet. Dank dieser speziellen Fähigkeit gelingt es ihm aber tatsächlich, einen Vertrauensbonus in Form einer leerstehenden Immobilie und eines Kredites zu ergattern.

Ein Cast zum Gernhaben

Derartige nette Verrücktheiten ziehen sich durch die gesamte Folge und werden von dem großartigen Cast mit reichlich Spielfreude vorgetragen. Jared Leto und Anne Hathaway, die auch als Executive Producer fungieren, erweisen sich als Traumpaar, denen ihre Rollen sichtlich auf den Leib geschrieben wurden. Die beiden werfen sich auf der Gefühlsebene gekonnt die Bälle zu und liefern ein so stimmiges Bild der Beziehung von Rebekah und Adam ab, dass man fast glauben könnte, sie wären auch im wahren Leben ein Paar.

Kyle Martin trat bisher überwiegend als Producer in Erscheinung und ist als Schauspieler kaum ins Rampenlicht getreten. Aufgrund seiner ansprechenden Leistung könnte sich dies jedoch in naher Zukunft ändern. Er spielt seine Rolle als Miguel mit feinfühliger Zurückhaltung, ohne aber vor den unbestrittenen Stars der Show zu kapitulieren. McKelvey strahlt die Sympathie und Wärme aus, die seinem überehrgeizigen und in einiger Hinsicht durchaus skrupellosen Partner in manchen Augenblicken zu fehlen scheint. Er geht mit Adams Entscheidungen konform, weil er ihn mag und von seinen Talenten als Geldbeschaffer überzeugt ist, eine Eigenschaft, die er selbst nicht besitzt. In weiteren Rollen sind dann noch überzeugend O-T Fagbenle (Cameron Lautner), die noch eher unbekannte Cricket Brown (Chloe Morgan, ab Folge 3), Robert Emmet Lunney (Richard) und Theo Stockman (Jacob) zu sehen.

Fazit

Anne Hathaway und Jared Leto sind ohne Zweifel die tragenden Säulen bei WeCrashed. Doch die Miniserie ist nicht allein deshalb sehenswert. Die Story hat den besonderen Touch. Sie ist fetzig inszeniert und kommt mit einem poppigen Soundtrack daher. Drama und Comedy-Einschübe halten sich geschickt die Waage und lassen keine Langeweile aufkommen. Sicherlich, das Thema mag nicht jeden Serienjunkie ansprechen, doch wer auf Real-Life-Storys steht, die mit einem fantastischen Ensemble aufwarten und kinoreif umgesetzt sind, darf gerne einen näheren Blick riskieren.

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „WeCrashed“, die nun beim Streamingdienst Apple TV+ gestartet ist:

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Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 18. März 2022

WeCrashed 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(WeCrashed 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Wie alles begann
Titel der Episode im Original
This Is Where it Begins
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. März 2022 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 18. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. März 2022
Autoren
Drew Crevello, Lee Eisenberg, Eleanor Burgess
Regisseure
Glenn Ficarra, John Requa

Schauspieler in der Episode WeCrashed 1x01

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