Watchmen 1x09

Watchmen 1x09

Das ist das Ende - und vielleicht auch ein ganz neuer Anfang? Mit See How They Fly rundet die HBO-Serie Watchmen ihre außerordentliche erste und wahrscheinlich auch einzige Staffel gekonnt ab. Mysterien werden aufgeklärt, philosophische Diskussionen geschürt, Masken abgelegt. Unsere Kritik zum Finale.

Watchmen (c) HBO
Watchmen (c) HBO
© atchmen (c) HBO

Wir sind angekommen am Ende der neunteiligen HBO-Produktion Watchmen, das von Serienschöpfer Damon Lindelof immer wieder gerne als Remix der Comicvorlage von Alan Moore und Dave Gibson bezeichnete Superheldendrama, welches sich binnen kürzester Zeit als so viel mehr als nur ebenjenes herausgestellt hat. In den bisherigen acht Episoden wurden zwischenzeitlich immer wieder zahlreiche Fragen aufgeworfen, mit denen von der Produzentenseite aus ein Versprechen einherging: Am Ende der Serie wird es keine Unklarheiten geben. Im Großen und Ganzen stimmt das, doch so richtig können es sich die Macher in den letzten Zügen der Finalepisode See How They Fly dann doch nicht verkneifen, unsere Fantasie zu wecken, indem sie ein letztes ungeklärtes Mysterium unbeantwortet lassen - und das ist gut so.

Letztlich war es sicherlich die Summe aus den zahlreichen seltsamen Ereignissen innerhalb der Serie, was diesen wirklich zugrunde liegt und wie sich das verzwickte Gesamtbild schlussendlich zusammensetzt, das viele Zuschauerinnen und Zuschauer Woche für Woche bei der Stange hielt. Natürlich wollte man wissen, was hier eigentlich vor sich geht, oft genug hat man uns komplett verwirrt und orientierungslos zurückgelassen, nach Antworten oder nur ein paar zusätzlichen Informationen dürstend, um sich zumindest ansatzweise einen Reim aus dem Gesehenen machen zu können. Somit hat uns „Watchmen“ nicht nur mit seiner „Superhelden, aber eigentlich ganz anders“-Prämisse, sondern auch mit den simplen Mechanismen einer „Mystery Box“-Show gelockt, in der etliche Geheimnisse und überraschende Enthüllungen verpackt waren.

A thermodynamic miracle

Doch diese beiden Seiten der Serie haben vielmehr als Vehikel für bestimmte Themen gedient, als letztlich die treibenden Kräfte der Erzählung zu sein. Wie ein trojanisches Pferd wurde „Watchmen“ hinter den Mauern unserer Komfortzone platziert, um dort angekommen sein wahres Gesicht hinter der Maskerade zu zeigen - und folglich in die Tiefe zu gehen: Es ging um Rassismus in Amerika, Hass und Diskriminierung aufgrund Andersartigkeit. Woher kommen diese Dinge und wie setzen sie sich in einem gesellschaftlichen System fest? Die Auseinandersetzung mit diversen Traumata, generationsübergreifende und sehr persönliche, stand im Fokus, ebenso wie das Leben in einer Zeit, die so kalt, zynisch und für den Menschen als soziales Wesen ungemein gefährlich ist. Das Hoffen auf etwas, irgendetwas, das einen erfüllt und aus der Dunkelheit führt, hat die Figuren und uns auch immer wieder begleitet. „Watchmen“ hat sich breit aufgestellt und dabei zutiefst menschliche Themen behandelt, wodurch ein jeder eine einzigartige Beziehung zu diesem Format - je nachdem, wie man zu „Watchmen“ steht - aufbauen konnte.

The return

Die Serie schreckte nicht davor zurück, anzuprangern und deutlich Stellung zu beziehen - und das in einer Form, die bis dato selten zuvor in der Serienwelt zu sehen war. Und damit ist jetzt Schluss. Vergessen wird man jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts von alledem. In „See How The Fly“ kommt letztlich all das, was die Serie bis hierhin ausgezeichnet hat, noch einmal komplett zum Tragen. Es handelt sich vielleicht nicht um die beste Episode der Staffel, dafür aber um einen gebührenden Abschluss, der die Handlung abermals auf den Kopf stellt, Fanherzen bedient und auf einer berührenden und emotionalen Note endet, der sich ein ambivalentes Schlussbild anschließt. Über dieses kann man diskutieren, muss man aber nicht wirklich - ganz so, wie es zu einem Markenzeichen von Damon Lindelof geworden ist, denken wir nur an The Leftovers zurück... Wie in der fantastischen Dramaserie, die von 2014 bis 2017 auf HBO lief, wird hier ebenfalls ähnlich großen Fragen nach der Bedeutung des menschlichen Daseins auf diesem Planeten oder der Einflussnahme und Existenz einer höheren Macht nachgegangen. Doch, bevor es so weit ist, müssen erst einmal ein paar Wissenslücken geschlossen werden.

So zum Beispiel hinsichtlich eines Adrian Veidts (Jeremy Irons), dem die ersten Minuten der Folge gewidmet werden und dessen Verhältnis zu Lady Trieu (Hong Chau) im weiteren Verlauf der ersten Hälfte des etwas länger als eine Stunde umspannenden Staffelfinales unmissverständlich geklärt wird. Wie bereits vermutet handelt es sich bei Lady Trieu in der Tat um die Tochter von Veidt, der Trieus Mutter Bian jedoch nie wirklich kannte. Diese war eine für den großen Ozymandias völlig unwichtige Putzkraft in dessen antarktischer Basis Karnak, in der sich Bian mit dem eingelagerten Sperma Adrian Veidts kurzerhand selbst befruchtete. Anfangs könnte man denken, dass die aus dem Vietnam geflohene Bian von Veidt besessen ist und sich so den Traum eines gemeinsamen Kindes erfüllen kann, das die perfekten Gene des intelligentesten Mannes der Welt in sich tragen wird. Doch Bians deutlich Reaktion sieht viel eher nach Trotz und Auflehnung aus. Sie ermächtigt sich eigenhändig dieses wertvollen Erbes, von dem Lady Trieu letzten Endes sehr profitierte.

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Fix the world

Lady Trieu ist es auch, die dann im Jahr 2008 vor ihrem Vater steht und diesen in ihren Masterplan einweiht: Sie will die Macht Doctor Manhattans (Yahya Abdul-Mateen II) übernehmen und mit dessen Fähigkeiten die Welt retten. Die Bemühungen ihres Vaters, in Form von Tintenfischschauern den Weltfrieden zu wahren, sind zwar ganz nett. Aber diese Idee ist allmählich ganz schön ausgelutscht. Da muss es doch einen besseren Weg geben, um die Länder dieses Planeten doch noch vereinen und ein neues Utopia errichten zu können. Genau: Die gottgleichen Kräfte Dr. Manhattans könnten sich dahingehend als äußerst nützlich erweisen. Und so wendet sich das Blatt in Watchmen abermals. In der letzten Episode hat man uns in dem Glauben zurückgelassen, dass Lady Trieu gemeinsam mit dem alten Will Reeves (Louis Gossett Jr.) die „Seventh Kavalry“ aufhalten will, Dr. Manhattan zu zerstören und dessen Kräfte zu übernehmen, um ein großes Unheil abzuwenden.

Das tun sie auch. Der zweite Teil von Trieus Plans ist jedoch, selbst die Macht von „Big Blue“ zu absorbieren und mit dieser fortan nach ihrem Gutdünken zu schalten und zu walten. Die rassistischen Extremisten um den harten Kern der „Cyclops“-Bewegung erledigen die Drecksarbeit, Lady Trieu staubt ab. Vielen Zuschauerinnen und Zuschauern sind sicherlich mehrfach die Energiekästen mit dem Symbol von Trieu Industries aufgefallen, mit denen die Mitglieder der „Seventh Kavalry“ herumgedoktert haben. Trieu hat die Gruppierung und ihren verstrahlten Anführer Joe Keene Jr. (James Wolk) einfach ein bisschen machen lassen und löscht die ganze Bande wenig später komplett aus. Das war Teil ihres Deals mit Will Reeves, der endlich Gerechtigkeit erfährt und dieses grässliche Kapitel für sich abschließen kann. Lady Trieu ist es letztlich auch gewesen, die Adrian Veidt aus seiner Misere auf dem Jupitermond Europa befreit („Save me, daughter...“) und ihren „Erzeuger“ zurück auf die Erde gebracht hat, damit dieser mit ansehen kann, was ihr gelungen ist.

Opus esse uno, unum cognoscendi

Wie der Vater, so die Tochter. Es zeigt sich, dass Lady Trieu von Beginn an ihre Finger im Spiel hatte und wie ihr Vater mit reichlich Selbstbewusstsein, das aus einer anderen Perspektive wie schiere Arroganz oder gar Größenwahn aussieht, gesegnet ist. Ziel: sich zur Retterin der Welt aufzuschwingen und gegebenenfalls eigenmächtig über das Wohl und Wehe der Menschheit zu entscheiden. Es ist ein Stück weit amüsant, wie sich Adrian Veidt über dieses anmaßende Verhalten von Trieu echauffiert, hat sich der selbstgerechte Narzisst doch vor vielen Jahren in einer fast identischen Position wiedergefunden. Zwar wollte er damals nicht die Kräfte von Dr. Manhattan übernehmen (auch wenn er versucht hatte, ihn zu töten...), dafür hat er dennoch sämtliche moralische Zweifel über Bord geworfen, um das Leben auf der Erde maßgeblich zu beeinflussen - und zwar so, wie er es für richtig gehalten hatte. Es kommt nicht von ungefähr, dass Veidt in seiner Tochter eine ebenbürtige Gegenspielerin sieht, ist sie doch schlussendlich ein Update seiner selbst, eine Selfmade-Trillionärin, die das Unmögliche möglich machen will.

Hubris

Und so ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen, tatsächlich nah, nachdem Trieu sich der „Seventh Kavalry“ entledigt hat und kurz davorsteht, Dr. Manhattan auszulöschen und selbst zu einer Gottheit zu werden. Ein schönes kleines Detail ist ihr spezieller Kopfschmuck, der in gewisser Weise einem Heiligenschein gleicht. Und auch das Bild von Jesus am Kreuze ist oft im Hintergrund zu sehen, wenn die Kamera auf Trieu schwenkt... Zum Abschluss der Serie stellt man noch einmal die Frage in den Raum, was man selbst mit gottgleichen Fähigkeiten anstellen würde und ob eine einzelne Person überhaupt so viel Macht besitzen sollte. Wer kann von sich selbst schon behaupten, dass er oder sie völlig frei von Makel ist? Was spricht dafür, dass Lady Trieu die richtige Person ist, um die Weltbevölkerung anzuführen und über deren Schicksal zu entscheiden? An dieser Bürde ist Dr. Manhattan gescheitert und auch Adrian Veidt hat sich an seinen fragwürdigen Taten überhoben, was es eigentlich bedeutet, ein Gott zu sein und dementsprechend komplexe, folgenschwere Entscheidungen zu treffen, die in einer Grauzone liegen.

Doch große Fragen wie diese gehen in „Watchmen“ wie gewohnt mit wunderbaren kleinen, persönlichen Momenten einher, was letztlich auch das ist, was die Serie so besonders macht. Während man sich in dem einen Augenblick noch den Kopf darüber zerbricht, was man selbst mit so einer Macht anstellen würde, wie sie Dr. Manhattan besitzt, oder ob man diese Macht überhaupt haben möchte, bauen die Verantwortlichen plötzlich eine herzzerreißende Abschiedsszene zwischen Angela (Regina King) und Jon beziehungsweise Cal ein, die uns die unglaubliche Wertigkeit der Beziehung zwischen den beiden noch einmal eindrucksvoll vor Augen führt. Interessant ist auch, dass Jon all diese Entwicklungen natürlich bereits vorhergesehen hat und es keinen anderen Weg gab, als sich selbst in diese lebensbedrohliche Situation zu begeben, die mit seinem Tod endet. Angelas Großvater Will war als einziger eingeweiht, der große Plan geht auf und Lady Trieu kann dank des Zutuns ihres Vaters und eines tödlichen Eishagels aus Tintenfischen aufgehalten werden. Doch der Preis ist ein hoher, allen voran für Angela...

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Wounds need air

Der Abschied von ihrer großen Liebe tut weh, doch was bleibt, ist mehr als „nur“ das. Wir finden uns aus gutem Grund noch einmal in dem Theater wieder, wo der kleine Will einst seinem Idol Bass Reeves, „The Black Marshal of Oklahoma“, nacheiferte und sich diesen als Inspiration nahm, eines Tages selbst für Recht und Ordnung einzustehen. An diesem Ort ging für Will seine Welt in die Brüche, gleichzeitige formte sich ein neue für ihn, die seine Enkelin Angela inzwischen selbst durchlebt und aus der sie ihre Lehren gezogen hat. Unsere Protagonistin hat innerhalb von neun Episoden eine unglaubliche Strecke - ihre ganz eigene origin story - zurückgelegt und harte, erhellende und erstaunliche Erfahrungen gemacht, die ihr Leben für immer verändert haben. Sie hat gelernt, dass sie ihren Schmerz und ihre Einsamkeit nicht hinter einer Maske verstecken kann, dass es wichtig ist, man selbst zu sein und auch so zu leben, um die Wunden der Vergangenheit verheilen zu lassen.

Die Narben werden für immer bleiben, ein Vergessen ist nicht möglich. Und das soll es auch nicht sein. Manchmal ist es die Konfrontation derartiger traumatischer Ereignisse und Erfahrungen, die einen voranbringt und einen befreien kann. Nur so findet man einen Abschluss, auch wenn der Weg dorthin äußerst beschwerlich, schmerzhaft und von erschütternden Verlusten geprägt war. In den letzten Zügen der Episode schwingt sich Watchmen zu einer Art Plädoyer auf, mutig dem entgegenzutreten, was einem Angst bereitet. Ist es zum Beispiel sinnvoll, die Illusion aufzulösen, dass die Welt gar nicht von außerirdischen Wesen bedroht wird und eigentlich Adrian Veidt hinter diesem Mumpitz steckt? Ist die Menschheit bereit für diese unbequeme Wahrheit oder wird die Angst voreinander erneut obsiegen und daher die nächste Katastrophe folgen? Vielleicht ist es an der Zeit, Tacheles zu reden und die Menschen zu konfrontieren, ihnen ihre Furcht und ihren Zorn zu nehmen, in der Hoffnung, dass es doch anders gehen kann.

Es mag ein wenig idealistisch und träumerisch anmuten, was man aus den finalen Momenten der Serie herausfiltern kann, und ob ich damit richtig liege, möchte ich mir nicht einmal im Ansatz anmaßen zu behaupten. Um ein weiteres und letztes Mal einen der bekanntesten Sätze aus der Comicvorlage zu zitieren: „I leave it entirely in your hands.“ Was man uns ebenfalls komplett überlässt, ist unsere Interpretation der letzten Szene, in der uns suggeriert wird, dass Angela eventuell die Kräfte von Dr. Manhattan übernommen hat. Der Schnitt ist perfekt gesetzt - ob Angela über Wasser laufen kann oder nicht, werden wir nie erfahren. Wäre sie die geeignete Person, eine solche Verantwortung zu schultern, die mit den Fähigkeiten eines Dr. Manhattan einhergeht? Anhand ihrer Geschichte, ihrer Erfahrungen und ihres Wesens... Sicherlich. Aber würde jemand wie Angela diese Macht haben wollen? Weiß sie nicht zu gut, dass eigentlich niemand so eine Position in der Welt innehaben sollte? Was glaubt Ihr? Oder ist es am Ende nicht völlig egal, was sein könnte - wenn das, was wir bis zu diesem Punkt gesehen haben, uns bereits so viel gegeben hat?

Weitere Beobachtungen

  • Auch in der letzten Episode von „Watchmen“ darf es an zahlreichen Referenzen an die „Watchmen“-Comics von Alan Moore und Dave Gibbons natürlich nicht mangeln. So sieht man den Satz „The end is nigh“, den hier Adrian Veidt von sich gibt, in der Vorlage auf einem Schild, das von Walter Kovacs aka Rorschach durch die Welt geschleppt wurde, wenn er nicht gerade als maskierter Rächer unterwegs war. In einem Hangar von Veidts Unterschlupf Karnak erspäht man zum Ende hin „Archie“, das eulenähnliche Fluggefährt von Dan Dreiberg aka Nite Owl II, das nach Archimedes, die handzahme Eule des legendären Zauberers Merlin aus Disneys „Die Hexe und der Zauberer“ (aka „The Sword in the Stone“) benannt ist. In den Comics musste Dan sein „Owlship“ aufgrund der extremen Witterung in der Antarktis zurücklassen. Doctor Manhattan, der aufgrund der Umstände seiner Gefangenschaft etwas durch den Wind ist, erwähnt dann noch den Namen Janey, womit seine erste Liebe Janey Slater gemeint ist, mit der er zusammen war, bevor er Laurie kennenlernte. Und wenn ich mich nicht komplett täusche, hat Angelas Adoptivsohn Topher ein Bubastis-Plüschtier in den Händen. Bubastis war ein genmutiertes Luchsweibchen und der tierische Begleiter von Veidt in Karnak.
  • Apropos Karnak: Hier finden sich letztlich Veidt, Laurie und der „Mirror Guy“ Wade (Tim Blake Nelson) wieder, nachdem sie von Dr. Manhattan dorthin teleportiert wurden, um den Tintenfischhagel auszulösen, der Lady Trieu aufhält. Wade hatte sich zuvor bei der Seventh Kavalry eingeschmuggelt - wir erinnern uns, dass einer der Angreifer, die es vor wenigen Folgen auf Wade abgesehen hatten, nach dem misslungenen Attentat keine Rorschach-Maske mehr getragen hatte. Für Wade ist der Ausflug zu dem Ort, von welchem aus Adrian Veidt sein Tentakelmonster auf New York losließ, offensichtlich ein ziemlicher Schock. Ich finde es aber äußerst sympathisch, wie sich Laurie (Jean Smart, wie immer großartig in dieser schnippischen Rolle, aber auch sehr gut, als Laurie emotional auf das Wiedersehen mit Dr. Manhattan reagiert) und Wade zusammentun, um Veidt endlich seiner gerechten Strafe zu überführen. „That guy talks too much.
  • Wer sich ebenfalls sehr gerne selbst beim Reden zuhört, ist US-Senator Joe Keene Jr. Sogar sein alter Herr ist mit von der Partie, als der Junior zu einer großen Ansprache ansetzt und der versammelten Mannschaft bis ins Detail den tollen Plan der „Seventh Kavalry“ präsentiert. Wenig überraschend hat der Typ komplett einen am Zeiger, aber wir erfahren zumindest, wie die Gruppierung davon Wind bekommen hat, dass Dr. Manhattan auf der Erde ist (Stichwort Gila Flats, New Mexico), und warum wir am Anfang der Serie gesehen haben, wie Mitglieder der „Seventh Kavalry“ abertausende Lithiumbatterien aus alten Uhren gesammelt haben, aus denen letztlich der Käfig für Dr. Manhattan konstruiert wurde. Keene Jr. sabbelt in formschöner Unterhose gekleidet immer weiter vor sich hin und glaubt, dass er es endlich geschafft hat: Er wird der neue Dr. Manhattan sein! Na ja... Nicht ganz. Aus der Transformationskammer blubbern nach der fehlgeschlagenen Aktion die menschlichen Überreste des US-Senators, kurze Zeit später wird seinen „Cyclops“-Freunden der Garaus gemacht.
  • Ich bin ganz ehrlich: So richtig habe ich noch nicht verstanden, warum es ausgerechnet ein Hufeisen sein musste, mit dem Adrian Veidt sich einen Fluchttunnel in die Freiheit gegraben hat. Der Abschied von seinen Lakaien fällt auf eigenwillige Art und Weise durchaus herzlich aus, auch wenn sich Veidt seine Hochnäsigkeit bis zur letzten Sekunde bewahrt. An Bord des Raumschiffes wird er dann vergoldet und aus Gründen der Selbsterhaltung zur Statue gemacht - die Statue, die wir bereits zuvor in den privaten Räumlichkeiten von Lady Trieu gesehen haben. Da hatten einige Zuschauer im Vorfeld sicherlich so eine Vermutung...
  • Ein weiteres Rätsel, das offenbleibt: Lube Man! Wer ist der mysteriöse Mann im Spandexanzug, der vor einigen Episoden Angela durch die Finger flutschte? Ist unter der glitschigen Maske vielleicht wirklich der FBI-Agent Dale Petey? Die Serie gibt uns keine Antwort. Aber in der dazugehörigen Peteypedia lassen sich einige Hinweise darauf finden, dass der junge Bursche und Fan von maskierten Rächern selbst ein solcher war. Die amerikanischen Kollegen von Polygon.com haben den Fall noch genauer zusammengefasst. Manche Geheimnisse sollten aber vielleicht gar nicht erst gelüftet werden...
  • Wie erwartet hat sich auch schon längst Showrunner Damon Lindelof zum Finale von „Watchmen“ geäußert und in diversen Interviews abermals darauf hingewiesen, dass die meisten guten Ideen der Serie nicht von ihm, sondern von den unterschiedlichsten Autorinnen und Autoren aus dem „Watchmen“-Writers' Room stammen. Im Gespräch mit Angelica Jade Bastién von Vulture.com bezieht Lindelof sehr eindeutig Stellung zu dem Cliffhanger am Ende der Episode, der für ihn persönlich gar kein Cliffhanger ist - und folgt man Lindelofs Argumentation, dann hat er gar nicht mal so Unrecht...
  • Ein weiteres Interview hat Damon Lindelof dann noch mit Alan Sepinwall von Rollingstone.com geführt. In dieser ausführlichen Unterhaltung haut Sepinwall einfach mal alle Fragen raus, die ihm und wahrscheinlich auch einigen von uns nach dem Finale auf der Seele brennen. Damon Lindelof nimmt sich die Zeit, nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten. Dabei geht es unter anderem darum, wie man die gesamte Handlung der Staffel konzipiert hat, woher einige Ideen gekommen sind, was es mit ein paar Eigenheiten (das Hufeisen!) auf sich hat und wie Lindelof zu einer Fortsetzung der Serie steht. Lesenswert!
  • Abschließend noch ein großes Dankeschön an all diejenigen, die sich in den letzten Wochen unter den Kritiken zu den Episoden von Watchmen rege beteiligt haben und natürlich auch an alle stillen Mitleserinnen und Mitleser, denen ich hier und da mit meinen Ausführungen zur Serie und dem „Watchmen“-Universum eventuell ein Stück weit behilflich sein konnte. Es war mir eine große Freude, Woche für Woche über die Inhalte dieser sehr speziellen Serie zu sinnieren, die definitiv die grauen Zellen angeregt hat. Ich hoffe, Euch ist es ähnlich ergangen.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 16. Dezember 2019

Watchmen 1x09 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 9
(Watchmen 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Sieh, wie sie fliegen
Titel der Episode im Original
See How They Fly
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Dezember 2019 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. Dezember 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 30. Dezember 2019
Autoren
Nick Cuse, Damon Lindelof
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode Watchmen 1x09

Darsteller
Rolle
Tim Blake Nelson
Tom Mison
Louis Gossett Jr.
Jeremy Irons
Frances Fisher

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