Warrior Nun: Review zum Auftakt der Netflix-Serie

Warrior Nun: Review zum Auftakt der Netflix-Serie

Der Titel der neuen Netflix-Serie Warrior Nun verspricht schon eine abgedrehte Prämisse. Kann der Kampf eines geheimen Ordens von Kriegernonnen mit seiner Premiere überzeugen, oder fällt man beim Schauen der Serie vom Glauben ab?

Warrior Nun (c) Netflix
Warrior Nun (c) Netflix
© arrior Nun (c) Netflix

In der neuen Netflix-Serie Warrior Nun findet sich Teenagerin Ava (Alba Baptista) nach ihrem Tod auf einmal in einem Kellergewölbe einer Kirche wieder, in der gerade sprichwörtlich die Hölle los ist, denn dort scheinen zwei Fraktionen einen erbitterten Kampf auszutragen. Desorientiert und verwirrt entkommt sie dem Tumult, nur um spÀter unfreiwillig in einen jahrhundertealten Konflikt zwischen Gut und Böse hineingezogen zu werden.

Worum dreht sich die Geschichte von Warrior Nun?

Ava versucht ihre Chance auf ein neues Leben auszunutzen, denn nicht nur kann sie nach ihrer QuerschnittslĂ€hmung nun wieder laufen, sie scheint auch noch SelbstheilungskrĂ€fte zu besitzen und kann durch WĂ€nde gehen. BeflĂŒgelt von diesen Neuerungen lernt sie kurze Zeit spĂ€ter eine Gruppe junge Erwachsener kennen, welche sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in neuen Ferienwohnungen reicher Leute einnisten und das Leben in vollen ZĂŒgen genießen.

Doch ein geheimer Orden gut ausgebildeter Kriegernonnen macht sie ausfindig und will sie in die eigenen Reihen holen, denn in sich trĂ€gt sie einen geheimnisvollen und mĂ€chtigen Heiligenschein, welcher ihr im Chaos der Kampfhandlungen zu Beginn notgedrungen eingepflanzt wurde. Sie soll sie damit im Kampf gegen die KrĂ€fte aus der Hölle anfĂŒhren, die ein reges Interesse daran haben, ihr den heiligen Kreis mit Gewalt zu entreißen. Doch nicht alle Ordensschwestern gönnen ihr ihre Kraft und Verantwortung, und auch die Frage, warum sie ĂŒberhaupt gestorben ist, sind Dinge, mit denen sie sich in einer fĂŒr sie völlig neuen Welt auseinandersetzen muss.

Viele FĂ€uste fĂŒr ein Halleluja?

Nach der kleinen Zusammenfassung der Ausgangsstory bezieht sich die Kritik auf die ersten fĂŒnf Episoden, ohne dabei Details zur Geschichte zu spoilern. Die lose auf dem Comic „Warrior Nun Areala“ von Ben Dunn basierende Adaption beginnt mit einem Knall in den ersten Auftaktminuten, bremst danach aber spĂŒrbar ab und baut sich ziemlich langsam wieder auf und liefert speziell in den ersten drei Folgen hauptsĂ€chlich Exposition.

Wer also ein Actionfeuerwerk erwartet, muss sich also zunĂ€chst etwas gedulden, denn mit Fokus auf Ava selbst entpuppt sich der große Nebenplot als Coming-Of-Age Geschichte, die gelegentlich durch die innere Gedankenwelt von Ava kommentiert wird. So manche holprige Dialogzeile lĂ€dt dabei allerdings ab und an zum FremdschĂ€men ein. Hauptdarstellerin Alba Baptista kommt dabei mit dem, was ihr das Drehbuch vorgibt, sehr unterschiedlich gut zur Geltung: WĂ€hrend die anfĂ€nglichen Humor-und Lockerungsversuche ihrer Figur eher peinlich wirken und mehr schlecht als recht funktionieren, so macht sie in den ernsteren Szenen spĂ€ter einen besseren Eindruck.

Das ist ein wenig schade, denn dafĂŒr, dass die Geschehnisse immer wieder quasi „trash“ schreien, nimmt sich die Serie grundsĂ€tzlich ziemlich ernst und den Trashfaktor ein wenig selbst zu begrĂŒĂŸen, hĂ€tte an mancher Stelle gut getan - nur eben nicht, wenn die Humorversuche so aussehen, wie die von Ava. So extrem absurd, dass man die Serie in „Angriff der Killerpinguine“ umtaufen könnte, ist sie allerdings auch nicht, denn gerade weil sie sich so konsequent ernst nimmt, lĂ€sst sich darauf aufbauen. Vielleicht könnte man das GefĂŒhl ein bisschen in Richtung Buffy the Vampire Slayer lenken, wofĂŒr allerdings noch eine grĂ¶ĂŸere Auswahl an Monstern fehlt, denn bis auf ein paar rote Nebelmonster und einen manchmal etwas zu stark aus dem Bild hervorstechenden CG-Diablo, bekommen wir zunĂ€chst keine großen Variationen aus der Hölle zu sehen.

Ab der vierten Folge nimmt die Geschichte dann spĂŒrbar an Fahrt auf, denn endlich rechtfertigt die Serie an diesem Zeitpunkt ihren eigenen Titel. Die durchaus spannenden inneren und Ă€ußeren Konflikte rund um den Orden greifen nach der langen Exposition ebenfalls ineinander und auch der Dramafaktor wird ordentlich aufgedreht. Als das wertet den Unterhaltungsfaktor noch deutlich auf, denn auch wenn beim Inszenieren von so mancher bösen Nonne sehr dick aufgetragen und in die Klischeekiste gegriffen wird, so gelingt es damit trotzdem wesentlich besser, eine emotionale Reaktion von den Schauspielerinnen und dem Publikum zu erhalten.

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Der Eindruck, dass die wilde Fahrt wirklich losgehen kann, bestĂ€tigt sich auch in der folgenden Episode, sodass die Spaß- und Unterhaltungsprognose fĂŒr den Rest der Staffel nach oben korrigiert werden kann, sofern man die Geduld bis dahin mitbringt. Ganz generell wĂ€re es vielleicht eine gute Idee gewesen, den Coming-of-Age Nebenpart mit der Gruppe partywĂŒtiger Teens ein wenig zu kĂŒrzen oder gar ganz wegzulassen. Zum einen gibt es nĂ€mlich schon genug besser inszenierte Konkurrenten, die dieses Thema und Genre aufgreifen und zum anderen hĂ€tte dies den sperrigen Start ordentlich entschlackt, um schneller an die besseren Teile zu gelangen.

Fazit

Warrior Nun leidet an einer lahmen Startphase und einer austauschbaren Coming-Of-Age-Storyline. Auch so mancher Dialog und Humorversuch scheint mehr aus der Hölle zu kommen, als dem Himmel entsprungen zu sein. Doch sobald die Serie nach einigen Episoden einen Zahn zu legt, bringt man das Weihwasser schon ein wenig zum kochen und liefert wesentlich gelungenere Unterhaltung ab. Unterm Strich lĂ€sst sich dadurch also feststellen, dass die Serie kein großes Halleluja ist, aber man zumindest auch nicht komplett vom Glauben abfĂ€llt, wenn man gewillt ist, ein wenig Zeit darin zu investieren.

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